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(Siehe Theragāthā - Lieder der Mönche v. 72)
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[1] Das Nashorn (khagga-visāna, wtl.: Schwerthorn) ist hier auf Grund seiner Lebensgewohnheiten das Sinnbild des einsamen Wandermönchs und Waldasketen.
Diese Verse gehören zweifellos zu den großen Kostbarkeiten der Welt-Dichtung und tragen deutlich das Zeichen des Großen, der sie geschaffen, mag dies nun der Buddha selbst oder einer der frühen, des Meisters würdigen Jünger gewesen sein. Die Verse zeichnen das Bild des Muni (ohne freilich dieses Wort zu gebrauchen), d.h. des Heiligen Schweigers, der als solcher vor allem deshalb gilt, weil in ihm aller innerer Widerstreit zum Schweigen gebracht ist.
Das Ideal des Muni ist eines der Hauptmotive des Sutta-Nipāta. Seine Lebensweise und Lebensregel wird wiederholt dargestellt, z.B. in den Sutten: Der Muni; Nālaka; Gewalt; Sāriputta, usw. - siehe ferner Anhang A.1
K nimmt für die Verse der Nashorn-Sutte Einzel-Entstehung an und schreibt sie Einzel-Erwachten (Pacceka-Buddhas) einer grauen Vorzeit zu, von denen jeder einen dieser Verse gesprochen haben soll. Diese Anschauung wird schon in dem alten, als kanonisch geltenden Cūla-Niddesa vertreten.
In Ceylon findet sich eine Überlieferung, daß mit khaggavisāna nicht das Nashorn gemeint ist, sondern ein pferdeartiges Tier mit einem Horn an der Stirn (siehe "The Buddhist", Colombo, May 1943). Der singhalesische Name hierfür ist kangavena oder kagavenena (s. Carter's Sinhalese-English Dictinary). Es würde sich also um ein dem mythischen Einhorn ähnliches Tier handeln. Die Legende vom Einhorn soll sich allerdings ihrerseits eben aus den ersten und entstellten Berichten über das Nashorn gebildet haben. Im Sanskrit heißt das Nashorn lediglich khadgi (Schwertbesitzend), während khadga-visāna nur dem späten buddhistischen Sanskrit eigen sein soll, also vom Pali abgeleitet ist. K nimmt khaggavisāna nicht als die Bezeichnung des Tieres selbst, sondern faßt es als 'Horn des Rhinozeros' auf. K zufolge ist der Vergleichspunkt nicht die Lebensweise des Nashorns, sondern sein einziges Horn, zum Unterschied vom doppelten Gehörn anderer Tiere.
[2] Mitleid fühlend. K: "Man wünscht ihr Glück zu fördern und Unglück von ihnen fern zu halten."
[3] Wenn das Herz gefesselt. K: "Das Herz kann gefesselt sein, in dem man sich selbst auf die niedere Stufe stellt: 'Ich kann ohne diesen Menschen nicht leben, er ist für mich eine Notwendigkeit, er ist meine Zuflucht!'; oder man stellt sich auf die höhere Stufe: 'Diese Menschen können ohne mich nicht leben! Ich bin für sie eine Notwendigkeit, ihre Zuflucht!'" Vgl. Laotse, Kap. 44: "Wer sein Herz an andres hängt, verbraucht notwendig Großes." (R.Wilhelm)
[4] Vgl. Laotse, Tao Te King, Kap. 64: "Daher wünscht der Weise das Ungewünschte . . . Er wendet sich zu dem zurück, an dem die Menge vorübergeht.
[5] In Himmelsrichtung vierfach, wenn man heimisch (catuddiso ... hoti). K: "Das heißt, wenn man in allen vier Himmelsrichtungen glücklich leben kann oder sie in der Meditation der vier Erhabenen Weilungen (brahma-vihāra-bhāvanā) mit Güte, Mitleid usw. durchdringt, entsprechend der Textstelle: 'Mit einem Herzen von Güte erfüllt, durchdringt er die eine Richtung, dann die zweite . .'."
[6] Abneigungsfrei (appatigho). K: "In diesen Himmelsrichtungen empfindet und erfährt er keinen furchtgeborenen Widerstand (bhayena na patihaññati), bei Menschen oder Dingen.'' Vgl. Itivutt. 101.
[7] Widrigkeit. K: "äußere Gefahr durch wilde Tiere usw., sowie innere Bedrängnis durch Leidenschaften usw."
[8] Der Kovilāra ist eine Art Ebenholzbaum. Die Entstehungs-Geschichte in K erzählt von einem König, der durch den Anblick eines herbstlich-blätterlosen Kovilāra-Baumes, den er früher in seiner Blätterpracht gesehen hatte, zur Einsicht in die Vergänglichkeit und zum Verlassen des Weltlebens geführt wurde. - Siehe Sn v. 64.
[9] Diese Strophe als einzige hat nicht den Kehrvers der anderen Strophen. Hält man dies gegen den Hintergrund dieses gewaltigen Lobgesangs auf die Einsamkeit, so läßt sich schwerlich ein höherer Lobpreis und eine höhere Bewertung edler Freundschaft denken, als es hier durch diese eindrucksvolle Abweichung von den anderen Versen geschieht.
[10] K und Cūla-Niddesa erklären: Wie ein König, der nach siegreichem Krieg das besiegte Land und auch sein Königtum aufgibt und Mönch wird.
[11] Verwindend im Erdulden. Diese Übersetzung bringt beide Nuancen des Wortes abhisambhavitvā zum Ausdruck, nämlich: überwinden und ertragen.
[12] Befreiung auch nur zeitweise . . . (samāyikam vimuttim). K: "lokiya-samāpatti, d.h. die meditativen Erreichungszustände eines Weltlings, d.i. eines, der noch nicht die Hohen Pfade des Stromeintritts usw. erreicht hat. Erst die 'Pfade' bringen nicht nur zeitweise Lockerung, sondern endgültige Lösung der 'Fesseln' (samyojana). Auch die während der Versenkungen abwesenden fünf 'Hemmungen' (nīvarana) sind im Falle des Weltlings nur zeitweise 'durch Zurückdrängung aufgehoben' (vikkhambhanapahāna) und erst auf den Pfaden werden sie stufenweise 'durch Tilgung aufgehoben' (samuccheda-pahāna). -
Unser Vers entspricht genau folgender Stelle aus der Großen Sutte von der Leerheit (Majjh. 122): "Daß aber, Ananda, ein Mönch, der sich an Geselligkeit erfreut . . ., im Besitz der zeitweiligen Geistesbefreiung, der beglückenden (samāyikam kantam cetovimuttim), weilen kann oder im Besitz der nicht zeitweiligen, unerschütterlichen, diese Möglichkeit besteht nicht."
[13] Ansichten-Wirrsal, ist man ihr entgangen. K: "nämlich durch den 'Pfad der Einsicht'" (dassana-magga), d.i. auf dem Pfad des Strom-Eintritts, auf dem die, solche Ansichten-Wirrsal erzeugenden drei ersten Fesseln gänzlich geschwunden sind.
[14] Ward Sicherheit gewonnen (patto niyāmam): gleichfalls durch den Strom-Eintritt; der Strom-Ergriffene (sotāpanna) wird als niyata bezeichnet, d.h. 'gesichert' gegen Rückfall in niedere Wiedergeburt oder auf die Stufe des Weltlings. Die vier Hohen Pfade, d.i. des Stromeintritts usw., gelten als 'Gute (oder Rechte) Dinge mit gesichertem Ergebnis' (sammatta-niyāma); dieses Ergebnis besteht in den entsprechenden 'Früchten des Stromeintritts' usw.
[15] Von Leidenschaft geläutert und von Wahn (niddhanta-kasāva-moho). Kasāva, auch kasāya, bedeutet unter anderem 'trübe Farbe (vgl. v.64: kāsāya-vattho, 'fahl gekleidet'); figürlich ist es eine Bezeichnung für die Grund-Trübungen des Geistes: Gier, Haß und Wahn; hier jedoch nur für die ersten beiden, da Wahn besonders genannt wird.
[16] Unheilsames sinnend (anatthadassi). Hierfür werden zwei verschiedene Erklärungen gegeben: K: "auf den Schaden anderer sinnend"; CNidd: "unheilsame, d.h. falsche, Ansichten hegend."
[17] . . meidend, wtl.: "von sich aus pflege man keinen Umgang mit Vielgelüstigen und Leichtgesinnten".
[18] Sinn; kann auch als Heil oder Ziel aufgefaßt werden. Im Text steht der Plural (atthāni), der von K erklärt wird als 1) gegenwärtiges Heil, künftiges Heil (in künftigen Wiedergeburten) und höchstes Heil (Nibbāna); 2) eigenes, fremdes und beiderseitiges Heil.
[19] Verschlossen allem Schlechten (anavassuto); wtl.: 'ohne Leck', d.h. den Einflüssen oder Trieben (āsava) keinen Einlaß bietend.
[20] Die kommentarielle Entstehungsgeschichte zu diesem Vers erzählt von einem Paricchatta-Baum, der von den Vorübergehenden seiner schönen Blüten und schließlich auch seiner Blätter beraubt wurde. Ein nahe stehender blütenloser Baum aber behielt seine Blätterfülle. -
Man wird hier auch an den mythischen Paricchatta (Korallen)-Baum in Indras Himmel zu denken haben, der erst Blüten trägt, nachdem er die welken Blätter abgeworfen hat. In Anguttara-Nik. VII, 65 wird er, wie folgt, als Gleichnis verwandt: "Ebenso auch, ihr Mönche: zu einer Zeit, wo der edle Jünger daran denkt, vom Hause in die Hauslosigkeit zu ziehen, zu einer solchen Zeit ist der edle Jünger mit welken Blättern bedeckt, gleichwie der himmlische Korallenbaum bei den Göttern der Dreiunddreißig. Zu einer Zeit, wo der edle Jünger mit geschorenem Haar und Bart, mit dem gelben Gewand bekleidet, von Hause in die Hauslosigkeit zieht, zu einer solchen Zeit hat der edle Jünger die Blätter abgeschüttelt . . . Zu einer Zeit, wo der edle Jünger, durch Versiegung der Leidenschaften, die leidenschaftslose Gemüts-Erlösung, Wissens-Erlösung noch bei Lebzeiten selber erkennt, verwirklicht und sich zu eigen macht, zu einer solchen Zeit steht der edle Jünger in voller Blüte, gleichwie der himmlische Korallen-Baum bei den Göttern der Dreiunddreißig." (Übersetzt v. Nyanatiloka)
[21] Gehend Haus für Haus (sapadāna-cārī). Dies bezieht sich auf den Almosengang nach der Reihenfolge der Häuser, ohne eines zu übergehen. Dies ist, als sapadānacārik'anga, eine der strengen 'Läuterungs-Übungen' (dhutanga).
[22] Vgl. die Formel für die vierte Vertiefung (jhāna 4).
[23] Beständig bei den Dingen treu der Lehre lebend (dhammesu niccam anudhammacārī); dhammesu wurde hier aufgefaßt als 'in allen Lebenslagen'. Die Verszeile kann jedoch auch als eine Variante des häufigen Ausdrucks dhammānudhammacāri genommen werden: wtl.: bei den Lehren, ihnen gemäß lebend", d.h. beständig treu den Lehren folgend.
[24] Lehr-Ergründer (sankhāta-dhammo); eine Bezeichnung des Heiligen. Siehe v. 1038.
Die drei Begriffe der dritten Verszeile sind, laut K, sinngemäß in umgekehrter Reihenfolge zu lesen: Der Strebende wird zu einem durch den Pfad-Eintritt 'Gesicherten' (niyato; s.v. 55 Anm.) und schließlich zum Heiligen oder Lehr-Ergründer (sankhātadhammo).
[25] Dies sind die vier 'Erhabenen Weilungen' (brahmavihāra).