Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten

Einleitende Erzählung (Nidanakatha)

§E1. (Einleitung zur Einleitenden Erzählung)


Verehrung dem Erhabenen, Heiligen, völlig Erleuchteten!


§1. Vom großen Weisen, dem Welterlöser,
der allen Menschen hat gebracht
in unzähligen Existenzen
ganz unermesslich großes Glück,
 
§2. verehre ich zuerst die Füße,
falte die Hände vor der Lehre
und huldige dann der Gemeinde [drei Kleinodien],
die der Behälter aller Ehrung.
 
§3. Nachdem mit Ehrung ich begonnen
und durch die Macht des guten Werkes,
das auf den drei Kleinodien fußt,
bezwungen alle Hindernisse,
 
§4. will ich die Jataka-Geschichten,
die mit Bezug auf dies und das
gelehrt der leuchtend große Weise,
die mit Apannaka [Jataka 1] beginnen,
 
§5. in denen lange Zeit der Meister,
der nach der Welterlösung strebte,
unendliche Vollkommenheiten
zur Reife bracht', der weise Führer,
 
§6. die alle dann vereinigt wurden
von denen, die die Sammlung machten,
als Jataka gesungen von den
Zusammenfassern unsrer Lehre —
 
§7. da von dem Thera Atthadassin,
der dieser Buddhatradition
langes Bestehen wünschte, ich
ward angegangen und gebeten,
 
§8. der immer lebte abgeschieden
von Weltlichkeit, gut mit den andern,
und ebenso von Buddhamitta,
der ruhigen Herzens und verständig,
 
§9. aus Mahimsasakas Familie
entsprossen und der Deutung kundig,
und ebenso vom Buddhadeva,
dem Mönche mit der reinen Einsicht —
 
§10. die Sinnerklärung also will ich
des Jataka-Buchs, das uns klarlegt
die ganz unausdenkbare Macht von
des Großen Mannes Existenzen,
 
§11. gestützt auf die Erklärungsart
der Einwohner des Großen Klosters [Mahavihara]
vortragen. Mögen meine Worte
gut aufnehmen die gut Gesinnten! —


Weil aber diese Erklärung des Jataka, wenn sie nach Erläuterung der drei Einleitungen, nämlich

dargelegt wird, von denen, die sie hören, gut verstanden wird, weil sie dieselbe von Anfang an verstehen, darum wollen wir sie erst beginnen, nachdem wir diese drei Einleitungen erläutert haben. Darum muss von Anfang an die Begrenzung dieser Einleitungen festgestellt werden. Von der Zeit an, wo das Große Wesen zu den Füßen des Dipamkara [3] seinen Vorsatz fasste, bis dahin, wo es seine Existenz als Vessantara [Jataka 547] verließ und im Tusita-Himmel [5] wiedergeboren ward, die soweit gehende Erzählung heißt „die ferne Einleitung“. Von seinem Scheiden aus dem Tusita-Himmel aber bis zur Erreichung der Allwissenheit an dem Platze der Erleuchtung heißt die Erzählung „die nicht ferne Einleitung“. „Die nahe Einleitung“ aber sagt, wie er an den und jenen Orten sich aufhielt, und da und dort Aufnahme fand.


Im Folgenden kommt das Durenidana (die ferne Einleitung).


§B1. Die ferne Einleitung (Durenidana)


§B1.1 Die Erzählung von Sumedha (Sumedhakatha)


Vor vier Asamkheyyas [6] und hunderttausend Weltaltern von jetzt an war eine Stadt namens Amaravati. Dort lebte ein Brahmane namens Sumedha, wohlgeboren von beiden Seiten, von mütterlicher wie von väterlicher; von der siebenten Generation her war er rein empfangen, untadelig und unangreifbar in Bezug auf seine Abstammung. Dabei war er schön, sehenswert, lieblich und mit höchster Schönheitsfülle ausgestattet. Ohne ein anderes Geschäft zu betreiben, erlernte er nur das Brahmanenwissen. Als er noch jung war, starben seine Eltern. Da brachte ihm der Minister, der seine Schätze verwaltete [7], eine eherne Tafel herbei, öffnete die mit Gold, Silber, Edelsteinen, Perlen u. dgl. gefüllten Schatzkammern und sagte ihm: „Soviel, Jüngling, ist das Eigentum deiner Mutter, soviel das Eigentum deines Vaters, soviel das deines Großvaters und Urgroßvaters.“ Nachdem er ihm so bis zur siebenten Generation das Vermögen bezeichnet hatte, sprach er: „Bewahre du dies!“ Da dachte der weise Sumedha: „Nachdem sie dieses Geld zusammengetragen hatten, sind der Großvater meines Vaters und die übrigen in die andere Welt gegangen, ohne auch nur ein Kahapana mitzunehmen. Mir aber ziemt es, mit diesen Schätzen mir einen Grund zum Fortgehen zu verschaffen.“ Nachdem er es dem Könige gemeldet, ließ er es in der Stadt durch Trommelschlag bekannt machen und spendete einer großen Volksmenge Almosen. Dann betätigte er die Asketenweltflucht.

Um aber dies zu erklären, ist hier die Erzählung von Sumedha wiederzugeben. Diese ist zwar im Buddhavamsa [8] ununterbrochen dargestellt; weil sie aber dort in gebundener Rede dargestellt ist, ist sie nicht ganz deutlich ausgeführt. Darum wollen wir sie zusammen mit Erklärungen, die von Zeit zu Zeit die gebundene Rede erläutern, hier wiedergeben. —

Vor vier Asamkheyyas also und hunderttausend Weltaltern bestand eine von den zehn Arten der Laute erfüllte Stadt, die den Namen Amaravati und Amara erhalten hatte. In Bezug hierauf heißt es im Buddhavamsa [8a]:

§12. „Vor hunderttausend Weltaltern
und dazu vier Asamkheyyas
bestand Amara, eine Stadt
gar sehenswert und herzerfreuend.
Sie war erfüllt von den zehn Lauten [9]
und reich versehn mit Speis' und Trank.“

Von diesen Lauten aber sind einige im folgenden zusammengefasst:

§13. „Der Laut von Elefanten, Pferden,
von Trommeln und von Tamburinen;
‘esset und trinket!’, damit wurde
zu Trank und Speise aufgefordert.“

Nachdem so die Strophe im Buddhavamsa gesagt ist, heißt es weiter:

§14. „Die Stadt war voll von allen Gütern,
mit allen Arbeiten versehen,
erfüllt mit sieben Kostbarkeiten,
von Leuten mancher Art belebt,
wie eine ganze Götterstadt
der Aufenthalt von Gutestuern.
 
§15. In der Stadt Amaravati
lebte Sumedha, ein Brahmane,
der viele Millionen hatte,
gar reich an Geld und an Getreide,
 
§16. ein Fleißiger, ein Sprüchekenner,
der die drei Veden ganz beherrschte,
der in Abzeichen und Erklärung
der Wahrheit die Vollendung hatte.“

Als nun eines Tages dieser weise Sumedha auf dem Söller seines Palastes in Einsamkeit war und mit untergeschlagenen Beinen dasaß, da dachte er bei sich: „In einem neuen Dasein, du Weiser, ist das Nehmen der Wiedergeburt doch ein Unglück; wo immer man dann seine Wiedergeburt nimmt, gibt es ein Aufhören des Körpers. Ich aber bin der Geburt unterworfen, dem Altern, der Krankheit und dem Tode. Da ich so beschaffen bin, ziemt es sich für mich, nach dem unsterblichen großen Nirvana zu suchen, das ohne Geburt, ohne Alter, ohne Krankheit, ohne Leid, ohne Freude, das kühl ist. Sicherlich muss es einen Weg geben, der vom Dasein befreit und nach dem Nirvana hinführt.“ Darum heißt es:

§17. „Als ich dasaß in Einsamkeit,
da dacht' ich bei mir folgendes:
‘Ein Unglück ist ein neues Leben,
es bringt Zerstörung nur des Körpers.
 
§18. Da ich jetzt unterworfen bin
Wiedergeburt, Alter und Krankheit,
will ich nach dem Erlöschen suchen,
der Ruhe ohne Tod und Alter.
 
§19. Wie, wenn ich diesen faulen Körper,
der angefüllt mit manchen Lüsten,
aufgeben und weggehen würde
von Lust befreit und ohne Wünsche?
 
§20. Es gibt den Weg, er muss bestehen,
nicht möglich ist 's, dass er nicht ist;
aufsuchen werd' ich diesen Weg
für die Erlösung von dem Dasein.’“


Darauf dachte er noch weiter bei sich: „Wie es nämlich in der Welt ein Glück gibt, das das Gegenteil des Unglücks ist, so muss es, wenn es ein Dasein gibt, auch ein Nichtdasein geben, das davon das Gegenteil ist. Und wie es, da es die Hitze gibt, auch eine diese aufhebende Kühle gibt, so muss auch ein Nirvana (= „Erlöschen“) existieren, das die Lüste u. dgl. aufhebt. Wie es ferner von einer schlechten und niedrigen Sache als Gegenteil das Gute und Tadellose gibt, so muss auch, da es eine so böse Wiedergeburt gibt, ein Nirvana existieren, das, weil es alle Wiedergeburten beseitigt, als Nichtwiedergeburt bezeichnet ist.“ Darum heißt es:


§21. „So wie, weil es ein Unglück gibt,
ein Glück auch existieren muss,
so ist, da es ein Dasein gibt,
ein Nichtdasein auch zu erstreben.
 
§22. So wie, weil es die Hitze gibt,
auch etwas Kühles da sein muss,
ist, weil es gibt ein dreifach Feuer [10],
auch das Erlöschen zu erstreben.
 
§23. So wie, weil es das Böse gibt,
das Gute auch vorhanden ist,
ist, weil es gibt Wiedergeburt,
die Nichtgeburt auch zu erstreben.“


Noch anderes dachte er: „So wie es für einen Mann, der in einen Unrathaufen versunken ist, wenn er von ferne einen mit fünffarbigen Lotosblumen bedeckten großen Teich sieht, passend ist, diesen Teich aufzusuchen und zu denken: ‘Auf welchem Wege kann man dorthin gelangen?’, und wie, wenn er ihn nicht aufsucht, dies nicht die Schuld des Teiches ist, so ist, da das unsterbliche große Nirvana als ein Teich vorhanden ist, der die Befleckung der Lüste abwäscht, dessen Nichtaufsuchen nicht die Schuld des unsterblichen großen Nirvana. Und wie bei einem Mann, der von Räubern umringt ist, wenn es einen Weg zum Entkommen gibt und er doch nicht fortläuft, dies nicht die Schuld des Weges, sondern nur die Schuld des Mannes ist, geradeso ist auch bei einem Manne, der von den Lüsten umringt ist, wo es doch einen edlen Weg gibt, der zum Erlöschen führt, das Nichtaufsuchen dieses Weges nicht die Schuld des Weges, sondern nur die Schuld des Mannes. Und wie endlich bei einem Manne, der von Krankheit gequält ist, wenn ein Arzt vorhanden ist, der diese Krankheit heilen kann, und er nicht nach dem Arzte sucht und seine Krankheit nicht heilen lässt, dies nicht die Schuld des Arztes ist, ebenso ist es auch, wenn einer, der durch die Krankheit der Lüste gequält wird, einen vorhandenen Lehrer, der des Weges zur Beruhigung der Lüste kundig ist, nicht aufsucht, nur dessen Schuld, nicht aber die Schuld des Lehrers, der die Lüste zerstören kann.“ Darum heißt es:


§24. „Wie wenn ein Mann in Mist geraten,
wenn er einen vollen Teich er sieht
und doch nicht aufsucht diesen Teich,
dies nicht die Schuld des Teiches ist,
 
§25. so ist, da es Nirvana gibt,
das aller Lüste Flecken wäscht,
wenn man nicht aufsucht diesen Teich,
dies doch nicht des Nirvana Schuld.
 
§26. Wie, wenn ein Mann umringt von Feinden
und dabei gangbar ist ein Weg,
wenn nicht davonläuft dieser Mann,
dies nicht die Schuld des Weges ist,
 
§27. so liegt, wenn ein von Lust Umringter,
wo doch ein edler Weg vorhanden,
nach diesem Weg nicht suchen will,
die Schuld nicht bei dem edlen Weg.
 
§28. Wie, wenn ein Mann, den Krankheit plagt,
wo doch ein Arzt vorhanden ist,
die Krankheit sich nicht heilen lässt,
dies nicht die Schuld des Arztes ist,
 
§29. so liegt, wenn einer ist gedrückt
von der Krankheit der Sinnenlust,
wenn er nicht aufsucht einen Lehrer,
die Schuld bei diesem Lehrer nicht.“


Weiter dachte er: „Wie ein Mann von feiner Herkunft, nachdem er einen an seinem Halse befestigten Leichnam beseitigt hat, fröhlich weitergeht, so muss auch ich diesen faulen Körper von mir werfen und, ohne zurückzuschauen, in die Stadt des Nirvana hineingehen. Und wie Männer und Frauen, nachdem sie an der Unratstätte Kot und Urin von sich gegeben, diesen nicht im Bausche ihres Gewandes mitnehmen oder mit einem Zipfel ihres Kleides umhüllen und so weiter gehen, sondern voll Ekel, ohne zurückzuschauen, es wegwerfen und fortgehen, so muss auch ich, ohne zurückzuschauen, diesen faulen Körper wegwerfen und in die Stadt des Nirvana eingehen. Und wie Schiffer ein unbrauchbar gewordenes Schiff ohne Rücksicht im Stiche lassen und weiter fahren, so werde auch ich diesen aus neun Wundenöffnungen [11] rinnenden Körper aufgeben und, ohne zurückzuschauen, in die Stadt des Nirvana eintreten. Und wie ein Mann, der mancherlei Kostbarkeiten bei sich hat und mit Dieben zusammen einen Weg geht, aus Furcht, die Kostbarkeiten zu verlieren, sie wegwirft und dann sicher diesen Weg geht, so ist auch dieser gebrechliche Körper einem Räuber ähnlich, der Kostbarkeiten raubt; wenn ich danach Lust betätigen werde, so wird das kostbare Tugendkleinod des edlen Weges mir verloren gehen. Darum ziemt es mir, diesen einem Räuber ähnlichen Körper zu verlassen und in die Stadt des Nirvana einzugehen.“ Darum heißt es:


§30. „So wie ein Mann sich vor dem Leichnam,
der ihm am Hals befestigt, ekelt,
und wenn er sich von ihm befreit,
glücklich und frei dahingehen kann,
 
§31. so werd' auch ich den faulen Körper,
aus manchen Leichnamen bestehend,
aufgeben und des Weges gehen
ohne Umschau und ohn' Verlangen.
 
§32. Und wie an einer Unratstätte
den Kot die Männer und die Frauen
von sich werfen und weitergehen
ohne Umschau und ohn' Verlangen,
 
§33. so werde ich auch diesen Körper,
mit mancherlei Leichen erfüllt,
aufgeben und des Weges gehen,
als hätte ich Urin gemacht.
 
§34. Und wie ein abgenütztes Schiff,
das leck ist und das Wasser einlässt,
die Herrn aufgeben und fortfahren
ohne Umschau und ohn' Verlangen,
 
§35. so werde ich auch diesen Körper,
aus neun Löchern beständig rinnend,
aufgeben und des Weges gehen,
wie vom zerbrochnen Schiff die Herren.
 
§36. Und wie ein Mann, der Schätze hat,
wenn er mit Räubern gehen muss,
aus Furcht, die Schätze zu verlieren,
sie von sich wirft und weitergeht,
 
§37. gerade so ist dieser Körper
vergleichbar einem großen Räuber;
ich geb ihn auf und werde gehen
aus Furcht, die Tugend zu verlieren.“


Nachdem so der weise Sumedha durch mancherlei Gleichnisse diese mit der Weltflucht zusammenhängende Angelegenheit bedacht hatte, verschenkte er seine unermessliche Schätzemenge auf die oben angegebene Art an Arme, Wanderer u. dgl., spendete so ein großes Almosen, gab die Freude am Besitz und die Freude an den Lüsten auf und verließ die Stadt Amara. Ganz allein machte er sich im Himalaya-Gebirge bei einem Berge namens Dhammaka (= „Wahrheitsberg“) eine Einsiedelei. Er errichtete eine Blätterhütte und einen Wandelgang, der frei war von den fünf hindernden Fehlern. Um sich die für die Erwerbung der übernatürlichen Erkenntnisse notwendige Kraft, die auf den acht in den Worten „Mit so beruhigtem Gemüt“ usw. [12] geschilderten Arten der Tatkraft beruht, zu verschaffen, verzichtete er in dieser Einsiedelei auf seine mit den neun Fehlern versehene Kleidung und zog sich ein mit den zwölf Vorzügen ausgestattetes Bastgewand an: so betätigte er der Weisen Weltflucht. Nachdem er aber diese Weltflucht betätigt, verließ er diese mit den acht Fehlern erfüllte Blätterhütte und begab sich an den mit den zehn Vorzügen ausgestatteten Fuß eines Baumes; er verzichtete auf jede Art von Getreide und nährte sich nur mehr von den von selbst wachsenden Früchten. Indem er beim Sitzen, beim Stehen und beim Umherwandeln ernstes Streben betätigte, wurde er schon innerhalb von sieben Tagen der acht Vollkommenheiten und der fünf Erkenntnisse teilhaftig. So erlangte er die Kraft der übernatürlichen Erkenntnis, wie er sie erstrebt hatte.


§38. „Nachdem ich so bei mir gedacht,
verschenkte ich an Reich und Arm
mein Geld von vielen Millionen
und zog dann zum Himalaya.
 
§39. Unweit von dem Himalaya
ist ein Berg namens Dhammaka;
dort macht' ich eine Einsiedelei
und baute gut die Blätterhütte [13].
 
§40. 'Nen Wandelgang errichtet' ich,
der frei war von den fünf Nachteilen [14],
mit acht Vorteilen [15] ausgestattet;
dort holt' ich der Erkenntnis Kraft.
 
§41. Ich gab dort meine Kleidung auf,
die mit neun Fehlern [16] ausgestattet;
ein Bastgewand zog ich mir an,
das die zwölf Vorzüge [17] besitzt.
 
§42. Dann gab ich auf die Blätterhütte,
die von acht Fehlern [18] ist erfüllt,
und ging zum Fuße eines Baumes,
der mit zehn Vorzügen [19] versehen.
 
§43. Restlos verzichtet' ich auf Korn,
das man gesät hat und gezogen;
die wilden Früchte aß ich nur,
die manche Vorteile besitzen.
 
§44. Dort übte ich ein ernstes Streben
im Liegen, Stehen und im Gehen;
und innerhalb von sieben Tagen
erreicht' ich der Erkenntnis Kraft.“ —


Als so der Asket Sumedha, nachdem er der Erkenntnisse Kraft erlangt, im Glück der Erreichung seines Zieles lebte, erstand in der Welt ein Lehrer mit Namen Dipamkara. Auch bei dessen Empfängnis, Geburt, Erlangung der Erkenntnis, und als er das Rad der Lehre in Bewegung setzte, erzitterten die zehntausend Welten; sie wankten, sie erbebten und ertönten laut. Die zwölf Vorzeichen wurden sichtbar [siehe §92]. Der Asket Sumedha aber, der im Glück der Erreichung seines Zieles lebte, hörte weder diesen Laut noch sah er diese Zeichen. Darum heißt es:


§45. „Als ich erlangt so die Vollendung
und in der Lehre glücklich lebte,
erschien Dipamkara, der Sieger [21],
der Lehrer für die ganze Welt.
 
§46. Als er erschien, als er geboren,
als er erleuchtet ward und lehrte,
sah ich die vier Vorzeichen nicht,
von der Ekstase Lust gefesselt.“


Zu dieser Zeit kam der mit den zehn Kräften ausgestattete [22] Dipamkara, umgeben von vierhunderttausend, die die Lüste aufgegeben hatten, während er der Reihe nach umherwandelte, nach der Stadt Rammaka und weilte dort im großen Kloster Sudassana. Als die Bewohner der Stadt Rammaka hörten: „Dipamkara, der Herrscher der Asketen, hat, nachdem er die höchste vollständige Erleuchtung erlangt und das Rad der herrlichen Lehre in Bewegung gesetzt hat, bei seinem allmählichen Umherwandeln die Stadt Rammaka erreicht und wohnt in dem großen Kloster Sudassana“, ließen sie zerlassene Butter, Butter und andere Heilmittel, sowie Kleider und Decken mitnehmen und begaben sich mit wohlriechenden Substanzen und Kränzen in der Hand dorthin, wo der Buddha, wo die Lehre, wo die Gemeinde war [23], strebend, verlangend und begehrend zu dem Meister. — Nachdem sie ihm gehuldigt und mit wohlriechenden Substanzen u. dgl. ihre Verehrung bezeugt, setzten sie sich ihm zur Seite. Als sie dann seine Unterweisung angehört, luden sie ihn für den morgigen Tag ein; dann erhoben sie sich von ihrem Sitze und gingen wieder fort. Nachdem sie am nächsten Tage ein großes Almosen zurechtgemacht und die Stadt geziert hatten, schmückten sie auch den Weg, den der mit den zehn Kräften Ausgestattete kommen sollte. Auf die vom Wasser zerrissenen Stellen warfen sie Erde, den Boden machten sie eben und bestreuten ihn mit Sand, der die Farbe einer silbernen Schale hatte; geröstete Getreidekörner und Blumen streuten sie aus, sie entfalteten Fahnen und Flaggen aus mannigfach gefärbten Tüchern und stellten Bananen und Reihen von vollen Wassertöpfen auf.

Zu dieser Zeit war der Asket Sumedha von seiner Einsiedelei aufgeflogen [24] und wandelte gerade über diesen Leuten her. Als er die Menschen so hocherfreut sah, dachte er: „Was ist wohl die Ursache davon?“; er stieg aus der Luft herab und fragte zu ihnen hinzutretend die Leute: „Holla, für wen schmückt ihr diesen Weg?“ Darum heißt es:


§47. „Sie luden in dem Grenzbereich
zum Mahle den Vollendeten
und reinigten dann hocherfreut
den Weg, den jener kommen sollte.
 
§48. Ich hatte zu derselben Zeit
meine Einsiedelei verlassen
und, meine Bastgewänder schüttelnd,
wandelt' ich damals durch die Luft.
 
§49. Als ich erregt die Menge sah,
erfreut, entzückt und hochbeglückt,
da stieg herab ich aus der Luft
und fragte dann sogleich die Leute:
 
§50. ‘Erfreut, entzückt und hochbeglückt,
erregt ist diese große Menge;
für wen wird dieser Weg gereinigt,
der Pfad, auf dem man gehen kann?’“


Die Leute erwiderten: „Ehrwürdiger Sumedha, weißt du nicht: Der mit den zehn Kräften ausgestattete Dipamkara ist, nachdem er die völlige Erleuchtung erlangt und das Rad der Lehre in Bewegung gesetzt hat, bei seinem Umherwandeln nach unserer Stadt gelangt und wohnt im großen Kloster Sudassana. Wir luden diesen Erhabenen ein; den Weg, den dieser Buddha, der Erhabene, kommen wird, schmücken wir.“ Da dachte der Asket Sumedha: „Selbst das Wort ‘Buddha’ ist schwer zu erlangen in der Welt; wie viel mehr erst das Auftreten eines Buddha? Auch mir kommt es zu, mit diesen Leuten zusammen den Weg des mit den zehn Kräften Ausgestatteten zu schmücken.“ Und er sprach zu den Leuten: „He, wenn ihr diesen Weg für den Buddha schmückt, so gebt auch mir eine Gelegenheit dazu; auch ich will mit euch zusammen den Weg schmücken.“ Sie gaben ihre Einwilligung. Da sie wussten: „Der Asket Sumedha ist wunderkräftig“, dachten sie an die Stelle, die vom Wasser zerrissen war, und gaben sie ihm mit den Worten: „Besorge du diese Stelle.“ Voll Freude, die den Buddha zum Ausgangspunkt hatte, dachte jetzt Sumedha: „Ich bin im Stande, diese Stelle durch meine Wunderkraft zu schmücken. Wenn sie aber so geschmückt ist, wird sie mich dadurch nicht befriedigen; heute kommt es mir zu, eine knechtische Arbeit zu verrichten.“ Er holte Sand herbei und warf ihn auf diese Stelle.

Als er aber diese Stelle noch nicht instand gesetzt hatte, kam Dipamkara, der mit den zehn Kräften Ausgestattete, umgeben von vierhunderttausend, die die sechs Erkenntnisse besaßen und die Lüste aufgegeben hatten und die große Wunderkraft hatten, während Gottheiten ihm mit göttlichen Kränzen und Wohlgerüchen ihre Verehrung darbrachten und göttliche Lieder erschallten, während ihn auch die Menschen mit menschlichen Wohlgerüchen, Kränzen u. dgl. verehrten, mit unvergleichlicher Buddha-Anmut, einem in der Manosila-Ebene springenden Löwen gleichend, auf den geschmückten und hergerichteten Weg. Der Asket Sumedha öffnete seine Augen und betrachtete die Person des mit den zehn Kräften Ausgestatteten, die mit den zweiunddreißig Abzeichen eines großen Mannes geschmückt, mit den achtzig kleineren Auszeichnungen versehen in Klafter weit von Glanz umgeben war, die gleich mannigfachen Blitzen an der edelsteinfarbigen Fläche des Himmels, die alle außer der gewöhnlichen Zeit erscheinen, paarweise sechsfarbige Buddhastrahlen entsandte und die höchste Schönheit zeigte. Da dachte er: „Heute kommt es mir zu, für den mit den zehn Kräften Ausgestatteten mein Leben zu opfern.“ Weiter bedachte er: „Der Erhabene soll nicht in den Schmutz treten; wie wenn er über eine Edelsteinplatte dahinschreiten würde, soll er mit den vierhunderttausend, die die Lüste aufgegeben haben, dahingehen, indem er auf meinen Rücken tritt. Dies wird mir lange Zeit zu Glück und Heil gereichen.“ Er löste seine Haare, breitete sein Ziegenfell, seine Flechten und sein Bastgewand in dem schwarzfarbigen Schmutze aus und legte sich wie eine Edelsteinplatte auf den Schmutz. Darum heißt es:


§51. „Gefragt antworteten sie mir:
‘Buddha, der Unvergleichliche,
Dipamkara heißt er, der Sieger,
kam in die Welt, um sie zu lehren.
Für diesen wird der Weg gereinigt,
der Pfad, auf dem er gehen soll.’
 
§52. Als ich das Wort ‘Buddha’ vernommen,
ward ich sogleich von Freud' erfüllt;
indem ich: ‘Buddha, Buddha’, sagte,
gab die Befriedigung ich kund.
 
§53. Doch stehend überlegte ich
erfreut und mit erregtem Sinn:
‘Jetzt werde ich den Samen pflanzen;
nicht geh der Augenblick verloren!
 
§54. Wenn ihr ihn für den Buddha reinigt,
so gebet mir auch einen Platz;
auch ich werde den Weg ihm schmücken,
den Pfad, auf dem er gehen soll.’
 
§55. Da gaben sie mir eine Stelle
zu reinigen dort an dem Weg.
Indem ich: ‘Buddha, Buddha’, dachte,
reinigte ich damals den Weg.
 
§56. Als ich mein Werk noch nicht vollendet,
Dipamkara, der große Weise,
mit viermal hunderttausend solchen,
die sechs Erkenntnisse besaßen,
von Lüsten frei und fleckenlos,
gelangte zu dem Weg, der Sieger.
 
§57. Man ging ihm ehrfurchtsvoll entgegen,
der großen Trommeln schlug man viel;
voll Freude waren Menschen, Götter
und stießen Willkommrufe aus.
 
§58. Die Götter sahen da die Menschen,
die Menschen sahen auch die Götter;
die Hände faltend sie begleiten
zusammen den Vollendeten.
 
§59. Göttliche Instrumente ließen
die Götter, menschliche die Menschen
erschallen und begleiteten
zusammen den Vollendeten.
 
§60. Himmlische Blumen, Mandaravas [25],
Lotos und Paricchattakas [26]
streuten sie überall umher,
als aus der Luft die Götter stiegen.
 
§61. Campakas, Salajas, Nipas,
Nagas, Punnagas, Ketakas [27]
warfen sie überall umher,
die Menschen, die auf Erden gingen.
 
§62. Da löst' ich meine Haare auf,
tat ab das Bastgewand, das Fell;
im Schmutze breitet' ich sie aus
und legt' mich mit dem Kopf darauf.
 
§63. ‘Indem der Buddha auf mich tritt,
soll er mit seinen Schülern gehen.
Nicht mög' er treten in den Schmutz;
zum Heile wird mir dies gereichen.’“


Während er so im Schmutze lag, öffnete er abermals die Augen und gewahrte die Buddha-Majestät des mit den zehn Kräften ausgestatteten Dipamkara. Da dachte er folgendermaßen: „Wenn ich wünschte, nach Tilgung aller Lüste ein neues Mitglied der Mönchsgemeinde zu werden, würde ich in die Stadt Ramma hineingehen. Ich habe aber nicht nötig, in unkenntlich machendem Aussehen die Lüste zu tilgen und zum Nirvana zu gelangen. Wie, wenn ich gleich dem mit den zehn Kräften ausgestatteten Dipamkara, nachdem ich zur höchsten Erleuchtung gelangt, das Wahrheitsschiff bestiege, dadurch viel Volks aus dem Ozean der Existenzen [28] rettete und dann erst zum völligen Nirvana einginge? Dies wäre für mich passend.“ Nachdem er sodann die acht Tugenden [29] vereinigt, fasste er den Entschluss, ein Buddha zu werden, und legte sich so nieder; darum heißt es:


§64. „Als ich so auf der Erde lag,
entstand mir folgender Gedanke:
‘Wenn ich es wünschte, könnt' ich heut'
die Lüste all in mir ertöten.
 
§65. Doch was soll hier ich in Verkleidung
die Wahrheit mir zu eigen machen?
Allwissenheit will ich erlangen,
bei Gott und Menschen [30] Buddha werden.
 
§66. Was soll allein ich überschreiten
das Meer als Mann von großer Stärke?
Allwissenheit will ich erlangen,
die Götter und die Menschen retten.
 
§67. Also entschlossen werde ich
als Mann, der soviel Stärke zeigt,
erlangen die Allwissenheit
und so viele Geschöpfe retten.
 
§68. Den Lebensstrom [31] will ich durchbrechen,
zerstören die drei Existenzen [32];
das Wahrheitsschiff will ich besteigen,
hinüberführen Gott und Menschen.’“

Wodurch er aber nach der Buddhawürde strebte:

§69. „Mensch sein, von männlichem Geschlecht,
Streben und Treffen eines Meisters,
die Weltflucht und die Tugendfülle,
Entschluss und Wohlgefallen dran:
dieser acht Tugenden Verbindung
zustande bringt des Wunschs Erfüllung [33].


Als aber Dipamkara, der Erhabene, herbeikam und auf das Haupt des Asketen Sumedha trat, da schlug er, als öffnete er ein Edelsteinfenster, seine mit den fünf Arten der Anmut ausgestatteten Augen auf und sah den Asketen Sumedha auf dem Schmutze liegen. Da dachte er: „Dieser Asket hat sich niedergelegt mit dem Entschlusse, ein Buddha zu werden; wird nun sein Wunsch in Erfüllung gehen oder nicht?“ Indem er seine Gedanken nach der Zukunft richtete und überlegte, erkannte er: „Von jetzt an nach Ablauf von vier Asamkheyyas und dazu hunderttausend Weltaltern wird er ein Buddha mit Namen Gotama werden.“ Und während er noch so dastand, sprach er inmitten der Versammlung: „Seht ihr diesen Asketen voll hohen Bußeifers auf dem Schmutze liegen?“ „Ja, ehrwürdiger Herr“, antworteten sie. Darauf fuhr jener fort: „Dieser hat sich niedergelegt, weil er den Entschluss zur Buddhawürde gefasst hat. Von jetzt an nach vier Asamkheyyas und hunderttausend Weltaltern wird er ein Buddha mit Namen Gotama werden. In dieser Existenz wird die Stadt Kapilavatthu sein Aufenthalt sein, die Fürstin Maya seine Mutter, der König Suddhodana sein Vater, sein erster Schüler wird der Thera Upatissa [34] sein, sein zweiter Schüler Kolita, der Diener des Buddha Ananda, seine erste Schülerin die ehrwürdige Khema, seine zweite Schülerin die ehrwürdige Uppalavanna. Wenn er zur Erkenntnisreife gekommen ist, wird er die große Weltentsagung betätigen und ernstes Streben üben. Nachdem er dann Reisbrei entgegengenommen und am Ufer der Neranjara verzehrt hat, wird er in den Erleuchtungskreis [35] hinaufsteigen und am Fuße eines Assattha-Baumes die völlige Erleuchtung erhalten.“ Darum heißt es:


§70. „Dipamkara der Weltenkenner,
der Opfergaben nahm entgegen,
als er mein Haupt zum Schemel hatte,
er sagte von mir dieses Wort:
 
§71. ‘Betrachtet diesen Büßer hier,
den Flechtenträger, streng in Buße;
in unermesslich viel Weltaltern
wird in der Welt er Buddha werden.
 
§72. Das reizende Kapilavhaya [36]
wird der Vollendete verlassen;
das ernste Streben wird er üben
und schwere Taten auf sich nehmen.
 
§73. Am Fuß des Ajapala-Baumes [37]
wird sitzen der Vollendete;
dort wird er Reisbrei dann erhalten
und hingehen zur Neranjara.
 
§74. Am Ufer der Neranjara
wird mit dem Reisbrei dieser Sieger
auf dem schön hergericht'ten Wege
zum Fuß des Bodhi-Baumes gehen.
 
§75. Dort wird den Bodhi-Kreis umwandeln
von rechts der Unvergleichliche;
am Fuße des Assattha-Baumes
wird der Ruhmreiche dann erleuchtet.
 
§76. Die Mutter, die zur Welt ihn bringt,
sie wird den Namen Maya haben;
der Vater heißt Suddhodana,
er selbst wird sein ein Gotama [38].
 
§77. Von Banden frei und ohne Lüste,
mit stillem Herzen, wohl gefestigt
Kolita und Upatissa
werden die ersten Schüler sein.
 
§78. Ein Diener namens Ananda
wird treu aufwarten diesem Sieger;
Khema und Uppalavanna
werden die ersten Schülerinnen,
 
§79. von Banden frei und ohne Lüste,
mit stillem Herzen, wohl gefestigt.
Assattha wird der Bodhi-Baum
dieses Erhabenen genannt.“


Der Asket Sumedha dachte: „Mein Wunsch wird also in Erfüllung gehen“, und war voll Freude. Als aber die Volksmenge das Wort des mit den zehn Kräften ausgestatteten Dipamkara vernahm, dachte sie voll Entzücken: „Der Asket Sumedha ist also ein Buddhakeim, ein Buddhasame.“ Folgendes war ihr Gedanke: „Wie ein Mann, der einen Fluss überschreitet, wenn er an der gegenüber liegenden Uferstelle nicht herauskommen kann, an einer weiter unterhalb gelegenen Landestelle heraussteigt, ebenso wollen wir, wenn wir in der Lehre des mit den zehn Kräften ausgestatteten Dipamkara die Frucht der Wege nicht erreichen können, in der Zukunft, wenn du der Buddha bist, dann vor deinem Angesicht die Frucht des Weges zu betätigen im Stande sein.“ Diesen Wunsch setzten sie fest. Nachdem aber der mit den zehn Kräften ausgestattete Dipamkara den Bodhisattva gepriesen hatte, brachte er ihm mit acht Handvoll Blumen seine Verehrung dar, umwandelte ihn von rechts und ging fort. Auch die vierhunderttausend zählenden Männer, die die Lüste aufgegeben hatten, verehrten den Bodhisattva mit wohlriechenden Substanzen und Kränzen, umwandelten ihn von rechts und gingen dann fort. Nachdem aber die Götter und die Menschen ihm gehuldigt und ihre Verehrung bezeugt hatten, entfernten sie sich.

Als alle fortgegangen waren, erhob sich der Bodhisattva aus seiner liegenden Stellung; indem er dachte: „Ich will über die Vollkommenheiten nachdenken“, setzte er sich auf einen Blumenhaufen mit verschränkten Beinen nieder. Als so der Bodhisattva dasaß, versammelten sich die Gottheiten aller zehntausend Weltsysteme, bewillkommneten ihn und sagten: „Edler Büßer Sumedha, die Vorzeichen, welche bei den früheren Bodhisattvas sichtbar wurden, wenn sie sich mit untergeschlagenen Beinen niedersetzten, um über die Vollkommenheiten nachzudenken, diese sind alle auch heute offenbar geworden. Unzweifelhaft wirst du ein Buddha werden. Wir wissen dies: ‘Wem diese Vorzeichen erscheinen, der wird gewisslich ein Buddha.’ Mache deine Bemühung fest und beobachte sie!“ So priesen sie den Bodhisattva mit mancherlei Lobsprüchen. Darum heißt es:

§80. „Als diese Worte sie vernommen
des großen Weisen unvergleichlich,
da sagten froh Götter und Menschen:
‘Ein Buddhasamenspross ist dieser.’
 
§81. Sie ließen Beifallsrufe hören,
mit Fingern klappten sie und lachten;
die Hände faltend ihn verehrten
zehntausend Welten mit den Göttern.
 
§82. ‘Wenn wir von jenem Welterlöser
der Unterweisung gehn verlustig,
in dem zukünft'gen Zeitenraume
werden wir diesen vor uns haben.
 
§83. Wie Menschen beim Flussübergang,
welche den rechten Ort verfehlen,
die untere Landestell' aufsuchen
und so den großen Strom durchqueren,
 
§84. gerad so ist es mit uns allen;
wenn diesen Sieger wir verlieren,
in dem zukünft'gen Zeitenraume
werden wir jenen vor uns haben.’
 
§85. Dipamkara, der Weltenkenner,
der Opfergaben nahm entgegen,
nachdem er meine Tat gepriesen,
umwandelte er mich von rechts.
 
§86. Die dort des Siegers Söhne waren,
die alle auch mich rechts umgingen;
die Menschen, Nagas und Gandharvas [39]
begrüßten mich und gingen dann.
 
§87. Als aus den Augen mir gekommen
mit seiner Schar der Weltbelehrer,
erfreut mit fröhlichem Gemüte
erhob ich mich von meiner Lage.
 
§88. Von Glücksgefühl war ich beglückt
und vor Entzücken ganz beseligt;
von Freude überwältigt setzt' ich
mich mit gekreuzten Beinen hin.
 
§89. Dasitzend mit gekreuzten Beinen
ich dachte folgendes bei mir:
‘Teilhaftig bin ich der Ekstase,
in den Erkenntnissen vollendet.
 
§90. In tausend Welten gibt es auch
nicht solche Weisen, die mir gleichen;
an Wunderkräften unvergleichlich
erhielt ich ein derart'ges Glück.’
 
§91. Als ich dasaß, gekreuzt die Beine,
die Götter der zehntausend Welten
ließen den lauten Ruf erschallen:
‘Bestimmt wirst du ein Buddha werden.
 
§92. Die Vorzeichen, welche vor Zeiten
den Bodhisattvas sind erschienen,
als sie die Beine kreuzend saßen,
diese erscheinen heut' auch dir.
 
§93. Die Kälte gänzlich ist verschwunden,
die Hitze auch hat sich gelegt.
Dies kann man heut' beobachten;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§94. Dann die zehntausend Weltsysteme
sind ohne Laut, frei von Geräusch.
Dies kann man heut' beobachten;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§95. Die großen Winde wehen nicht,
es fließen die Gewässer nicht.
Dies kann man heut' beobachten;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§96. Des Landes und des Wassers Blumen
die blühen all' zu gleicher Zeit.
Sie stehen alle heut' in Blüte;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§97. Die Schlingpflanzen sowie die Bäume,
sie tragen Frucht zu gleicher Zeit.
Sie tragen alle heut' auch Früchte;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§98. Die in der Luft und die auf Erden,
gleichzeitig leuchten die Juwelen.
Auch heute leuchten die Juwelen;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§99. Von Menschen wie von Göttern auch
gleichzeitig tönen Instrumente.
Die beiden heute auch erschallen;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§100. Buntfarb'ge Blumen von dem Himmel
regnen herab zu gleicher Zeit.
Auch heute kann man sie erkennen;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§101. Der große Ozean sich erhebt,
es zittern die zehntausend Welten.
Die beiden tönen heut' zusammen;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§102. Auch in der Höll' zu gleicher Zeit
erlöschen die zehntausend Feuer.
Heut' sind erloschen diese Feuer;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§103. Ganz fleckenlos die Sonne ist
und sichtbar werden alle Sterne.
Auch heute sind sie alle sichtbar;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§104. Obwohl kein Wasser fällt herab,
sprießt es auf einmal aus der Erde.
Auch heut' es aus der Erde sprießt;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§105. Am Himmelskreis die Stern' erglänzen
und bilden Konstellationen.
Visakha [40] ist dem Mond verbunden;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§106. Die Höhlen- und Klüftebewohner
sie gehn heraus aus ihrer Wohnung.
Auch heut' verlassen sie ihr Lager;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§107. Nicht unbefriedigt sind die Wesen,
erfreut sind all zu gleicher Zeit.
Auch heut' sind alle hochbefriedigt;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§108. Zur Ruhe die Krankheiten kommen,
der bittre Hunger auch hört auf.
Auch heute kann man dieses sehen;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§109. Die Lust ist dann nur unbedeutend,
Hass und Verblendung auch vergeht.
Auch heut' ist alles dies verschwunden;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§110. Die Furcht besteht alsdann nicht mehr;
auch heute kann man dieses sehen.
An diesem Zeichen wir erkennen:
Gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§111. Der Staub fliegt nicht mehr in die Höhe,
auch heute kann man dieses sehen.
An diesem Zeichen wir erkennen:
Gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§112. Fort ist widerlicher Geruch
und himmlische Gerüche wehen.
Auch heute weht ein solcher Duft;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§113. Alle Gottheiten sind zu sehen,
die körperlosen [41] ausgenommen.
Auch heut' kann man sie alle sehen;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§114. So viele Höllen es auch gibt,
die sieht man alle auf einmal:
Auch heut' kann man sie alle sehen;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§115. Mauern und Tore und die Felsen
sind dann nicht mehr ein Hindernis.
Zu Luft geworden sind sie heute;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§116. Absterben und Geborenwerden
gibt 's nicht in diesem Augenblick.
Auch heute kann man dieses sehen;
gewiss wirst du ein Buddha werden.
 
§117. Standhaft betätige die Kraft;
kehre nicht um, gib es nicht auf.
Auch wir erkennen dieses wohl;
gewiss wirst du ein Buddha werden.’“


Als der Bodhisattva das Wort des mit den zehn Kräften ausgestatteten Dipamkara und das der Gottheiten aus den zehntausend Weltsystemen vernommen hatte, da befestigte er noch mehr seinen Entschluss und er dachte: „Die Buddhas reden doch nichts Unwahres; es gibt keine Änderung in der Rede der Buddhas. So fest und bestimmt wie ein in die Luft geworfener Erdklumpen herab fällt, wie ein Geborenes stirbt, wie nach dem Erscheinen der Morgenröte die Sonne aufgeht, wie ein seine Höhle verlassender Löwe seinen Löwenschrei ausstößt, wie eine hochschwangere Frau von ihrer Bürde befreit wird, ebenso gewiss und unfehlbar ist das Wort der Buddhas. Gewiss werde ich ein Buddha werden.“ Darum heißt es:


§118. „Als er des Buddha Wort vernommen,
dazu das der zehntausend Götter,
erfreut, befriedigt und entzückt
dacht' er da folgendes bei sich:
 
§119. ‘Unstreitig ist das Wort der Buddhas,
unfehlbar ist das Wort der Sieger;
nicht gibt 's Unwahrheit bei den Buddhas.
Gewiss werd' ich ein Buddha werden.
 
§120. So wie ein in die Luft geworfner
Erdklumpen fällt bestimmt zur Erde,
so ist der höchsten Buddhas Wort
auch ganz gewiss und ganz bestimmt.
 
§121. Ebenso wie für alle Wesen
der Tod ist sicher und bestimmt,
so ist der höchsten Buddhas Wort
auch ganz gewiss und ganz bestimmt.
 
§122. Wie, wenn die Nacht vergangen ist,
der Sonne Aufgang ist bestimmt,
so ist der höchsten Buddhas Wort
auch ganz gewiss und ganz bestimmt.
 
§123. Wie bei dem Löwen, der sein Lager
verließ, bestimmt ist, dass er schreit,
so ist der höchsten Buddhas Wort
auch ganz gewiss und ganz bestimmt.
 
§124. Wie, wenn die Wesen sind empfangen,
der Last Wegnahme ist bestimmt,
so ist der höchsten Buddhas Wort
auch ganz gewiss und ganz bestimmt.’“


Nachdem er so den Entschluss gefasst: „Gewiss werde ich ein Buddha werden“, wollte er über die Tugenden, die einen Buddha bewirken, nachdenken und überlegte daher: „Wo sind jetzt die Tugenden, die einen Buddha bewirken? Sind sie oben oder unten, in den Haupthimmelsgegenden oder in den Nebenhimmelsgegenden?“ Während er so der Reihe nach den ganzen Umfang der Tugenden durchdachte, merkte er, dass die früheren Buddhas als erstes die Vollendung im Spenden mit Eifer betrieben hätten, und er ermahnte sich selbst folgendermaßen: „Du weiser Sumedha, von jetzt an erfülle als erstes die Vollkommenheit im Spenden! Denn wie ein umgedrehter Wassertopf restlos sein Wasser ausschüttet und es nicht wieder aufnimmt, ebenso musst du, ohne auf Geld oder Ruhm oder Weib und Kinder oder große und kleine Vorzüge zu achten, den Bittenden, die dir in den Weg kommen, alles, um was sie nur bitten, restlos schenken. Dann setze dich an den Fuß des Bodhi-Baumes und du wirst ein Buddha werden.“ So entschloss er sich zuerst fest zu der Vollendung im Spenden. Darum heißt es:


§125. „‘Wohlan, die Dinge will ich prüfen,
die einen Buddha machen können,
in zehn Richtungen, oben, unten,
soweit der Tugenden Bereich.’
 
§126. Als ich so prüfte, da erkannt' ich
zuerst im Spenden die Vollendung,
die von den frühren großen Weisen
betrieben ward und stets geübt.
 
§127. ‘Zu dieser Tugend als der ersten
du mache fest deinen Entschluss!
Geh zur Vollendung in dem Spenden,
wenn du zur Bodhi [42] kommen willst.
 
§128. Wie, wenn ein ganz gefüllter Topf
von irgendwem wird umgekehrt,
er restlos von sich gibt sein Wasser
und es nicht mehr in sich behält,
 
§129. so auch, wenn du die Bettler siehst,
die niedrig, hoch und mittelmäßig,
so spende restlos deine Gaben
gleich einem umgekehrten Topf!’“


Doch er dachte: „Dies können allein noch nicht die Buddhatugenden sein.“ Während er weiter überlegte, erkannte er als zweites die Vollendung in der Tugend und es kam ihm folgender Gedanke: „Du weiser Sumedha, erfülle von jetzt an die Vollendung in der Tugend. Wie nämlich ein Yak-Ochse, ohne an sein Leben zu denken, nur seinen Schweif behütet, so behüte du von jetzt an, ohne dein Leben zu berücksichtigen, nur die Tugend und du wirst ein Buddha werden.“ So fasste er den zweiten festen Entschluss zur Vollendung in der Tugend. Darum heißt es:


§130. „‘Nicht werden diese ganz allein
die Buddhatugenden nur sein;
nach andern Dingen will ich suchen,
durch welche die Erleuchtung reift.’
 
§131. Bei meinem Suchen fand als zweites
ich die Vollendung in der Tugend,
die von den frühren großen Weisen
betrieben ward und stets geübt.
 
§132. ‘Zu dieser als der zweiten fasse
fest den Entschluss, sie auszuüben.
Geh zur Vollendung in der Tugend,
wenn du zur Bodhi kommen willst.
 
§133. Wie ein Yak-Weibchen seinen Schwanz,
wenn irgendwo er sich verfängt,
durchaus beschädigen nicht will
und lieber noch den Tod erleidet [43],
 
§134. gerade so erfülle du
die Tugenden in den vier Stufen;
bewahre sie in allen Fällen
wie das Yak-Weibchen seinen Schwanz.’“


Während er aber dann noch weiter überlegte: „So wenige können nicht die Tugenden sein, die einen Buddha bewirken“, erkannte er als drittes die Vollendung in der Entsagung und er dachte: „Weiser Sumedha, erfülle du von jetzt ab die Vollendung in der Entsagung! Denn wie ein Mann, der lange im Gefängnis weilt, nicht dazu Liebe betätigt, sondern damit unzufrieden ist und nur wünscht, nicht dort zu bleiben, ebenso richte du, indem du alle Existenzen Gefängnissen für gleich erachtest, indem du unzufrieden bist mit jeder Existenz und dich davon befreien willst, deinen Blick nur auf die Entsagung; so wirst du ein Buddha werden.“ So fasste er den dritten festen Entschluss zur Vollendung in der Entsagung. Darum heißt es:


§135. „‘Nicht werden diese ganz allein
die Buddhatugenden nur sein;
nach andern Dingen will ich suchen,
durch welche die Erleuchtung reift.’
 
§136. Bei meinem Suchen fand als drittes
ich die Vollendung in Entsagung,
die von den frühren großen Weisen
betrieben ward und stets geübt.
 
§137. ‘Zu dieser als der dritten fasse
fest den Entschluss, sie auszuüben.
Geh zur Vollendung in Entsagung,
wenn du zur Bodhi kommen willst.
 
§138. So wie ein Mann, der im Gefängnis
hat lang geweilt von Leid bedrückt,
nicht danach Lust in sich erzeugt,
sondern nur nach Befreiung sucht,
 
§139. so sieh auch alle Existenzen
du als Gefängnisse nur an.
Sei der Entsagung zugewendet
für die Erlösung von dem Dasein.’“


Während er aber weiter überlegte: „Nicht so wenige nur können die Tugenden sein, die einen Buddha bewirken“, erkannte er als viertes die Vollendung in der Weisheit und er dachte: „Weiser Sumedha, von jetzt ab erfülle die Vollendung in der Weisheit! Gehe zu niedrigen, zu mittleren, zu hohen Leuten, ohne jemand auszuschließen, zu allen Weisen hin und richte Fragen an sie. Denn wie ein Almosen erbettelnder Mönch zu niedrigen und hohen Familien, ohne jemand auszunehmen, der Reihe nach hingeht und so rasch seine Nahrung erhält, ebenso gehe du zu allen Weisen hin, richte Fragen an sie und du wirst ein Buddha werden.“ So fasste er den vierten festen Entschluss zur Vollendung in der Weisheit. Darum heißt es:


§140. „‘Nicht werden diese ganz allein
die Buddhatugenden nur sein;
nach andern Dingen will ich suchen,
durch welche die Erleuchtung reift.’
 
§141. Bei meinem Suchen fand als viertes
ich die Vollendung in der Weisheit,
die von den frühren großen Weisen
betrieben ward und stets geübt.
 
§142. ‘Zu dieser als der vierten fasse
fest den Entschluss, sie auszuüben.
Geh zur Vollendung in der Weisheit,
wenn du zur Bodhi kommen willst.
 
§143. So wie ein Mönch, der Speise bettelt,
von niedern, hohen, mittleren
Familien keine ausnimmt und
so seine Nahrung rasch erhält,
 
§144. so wirst auch du, wenn du allzeit
die Leute ausforschst, die erleuchtet,
zu der Weisheitsvollendung kommen
und zur Erleuchtung so gelangen.’“


Während er aber weiter überlegte: „Nicht so wenige nur können die Tugenden sein, die einen Buddha bewirken“, erkannte er als fünftes die Vollendung im kraftvollen Streben und er dachte: „Weiser Sumedha, erfülle von jetzt ab die Vollendung im kraftvollen Streben! Ebenso wie der Löwe, der König der Tiere, in allen seinen Handlungen [44] stark an Kraft ist, so sei auch du in allen Existenzen, in allen Handlungen stark an Kraft, nicht nachlassend in Kraft, und du wirst ein Buddha werden.“ So fasste er den fünften Entschluss zur Vollendung im kraftvollen Streben. Darum heißt es:


§145. „‘Nicht werden diese ganz allein
die Buddhatugenden nur sein;
nach andern Dingen will ich suchen,
durch welche die Erleuchtung reift.’
 
§146. Bei meinem Suchen fand als fünftes
ich die Vollendung in dem Streben,
die von den frühren großen Weisen
betrieben ward und stets geübt.
 
§147. ‘Zu dieser als der fünften fasse
fest den Entschluss, sie auszuüben.
Geh zur Vollendung in dem Streben,
wenn du zur Bodhi kommen willst.
 
§148. So wie der Tiere Fürst, der Löwe,
beim Sitzen, Stehen und beim Gehen
niemals nachlässt in seiner Kraft
und immer festen Mut besitzt,
 
§149. so zeige du auch starke Kraft
in allen deinen Existenzen;
zur Kraftvollendung musst du kommen,
willst zur Erleuchtung du gelangen.’“


Während er aber weiter überlegte: „Nicht so wenige nur können die Tugenden sein, die einen Buddha bewirken“, erkannte er als sechstes die Vollendung in der Geduld und er dachte: „Weiser Sumedha, erfülle von jetzt ab die Vollendung in der Geduld. Sei geduldig bei Ehrung und bei Missachtung! Gleichwie man auf die Erde etwas Reines oder auch etwas Unreines wirft und die Erde dabei weder Liebe noch Widerwillen verspürt, sondern es erträgt und aushält, ebenso sei .auch du geduldig bei Ehrung und bei Missachtung, und du wirst ein Buddha werden.“ So fasste er den sechsten Entschluss zur Vollendung in der Geduld. Darum heißt es:
 

§150. „‘Nicht werden diese ganz allein
die Buddhatugenden nur sein;
nach andern Dingen will ich suchen,
durch welche die Erleuchtung reift.’
 
§151. Bei meinem Suchen fand als sechstes
ich die Vollendung in Geduld,
die von den frühren großen Weisen
betrieben ward und stets geübt.
 
§152. ‘Zu dieser als der sechsten fasse
fest den Entschluss, sie auszuüben!
Wenn darauf du den Sinn fest richtest,
wirst zur Erleuchtung du gelangen.
 
§153. Gerad so wie die Erde alles,
das Reine wie das Unreine,
erträgt, ohn' es zurückzuweisen,
nicht Abneigung noch Liebe zeigt,
 
§154. so sei auch du in allen Dingen
bei Ehr' wie Missachtung geduldig;
geh zur Vollendung in Geduld,
willst zur Erleuchtung du gelangen.’“


Während er aber weiter überlegte: „Nicht so wenige nur können die Tugenden sein, die einen Buddha bewirken“, erkannte er als siebentes die Vollendung in der Wahrheit und er dachte: „Weiser Sumedha, erfülle von jetzt ab auch die Vollendung in der Wahrheit! Auch wenn ein Blitz auf dein Haupt fällt, so sprich doch nicht um des Geldes u. dgl. willen, aus Bevorzugung oder dgl. ein unwahres Wort. Denn wie der Morgenstern in allen Jahreszeiten nicht seine Bahn verlässt und nicht auf einer andern Bahn läuft, sondern immer nur der eigenen Bahn folgt, ebenso verlasse auch du die Wahrheit nicht und sage keine Lüge; dann wirst du ein Buddha werden.“ So fasste er den siebenten festen Entschluss zur Vollendung in der Wahrheit. Darum heißt es:


§155. „‘Nicht werden diese ganz allein
die Buddhatugenden nur sein;
nach andern Dingen will ich suchen,
durch welche die Erleuchtung reift.’
 
§156. Bei meinem Suchen fand als siebtes
ich die Vollendung in der Wahrheit,
die von den frühren großen Weisen
betrieben ward und stets geübt.
 
§157. ‘Zu dieser als der siebten fasse
fest den Entschluss, sie auszuüben!
Wenn du dort fest bist in den Worten,
wirst zur Erleuchtung du gelangen.
 
§158. Gerad so wie der Morgenstern,
der an dem Himmel sich bewegt,
zur Zeit, im Jahreszeitenlaufe
nie sich entfernt von seiner Bahn,
 
§159. so geh auch du in den Wahrheiten
niemals von deinem Wege ab.
Geh zur Vollendung in der Wahrheit,
willst zur Erleuchtung du gelangen.’“


Während er aber weiter überlegte: „Nicht so wenige nur können die Tugenden sein, die einen Buddha bewirken“, erkannte er als achtes die Vollendung in der Festigkeit und er dachte: „Weiser Sumedha, erfülle von jetzt an auch die Vollendung in der Festigkeit. Wozu du dich entschlossen hast, bei diesem Entschlüsse beharre unerschütterlich! Wie nämlich ein Berg, auch wenn ihn in allen Himmelsrichtungen der Wind trifft, nicht zittert und nicht wankt, sondern an seinem Platze stehen bleibt, so beharre auch du unerschütterlich bei deinem Entschlüsse und du wirst ein Buddha werden.“ So fasste er den achten festen Entschluss zur Vollendung in der Festigkeit. Darum heißt es:


§160. „‘Nicht werden diese ganz allein
die Buddhatugenden nur sein;
nach andern Dingen will ich suchen,
durch welche die Erleuchtung reift.’
 
§161. Bei meinem Suchen fand als achtes
ich dann die Festigkeitsvollendung,
die von den frühren großen Weisen
betrieben ward und stets geübt.
 
§162. ‘Zu dieser als der achten fasse
fest den Entschluss, sie auszuüben!
Wenn du bleibst unerschütterlich,
wirst zur Erleuchtung du gelangen.
 
§163. Gerad so wie ein Felsenberg
steht unerschütterlich und fest,
erzittert nicht bei vielen Winden
und bleibt an seiner Stelle stehen,
 
§164. so sei auch du in dem Entschlusse
für immer unerschütterlich!
Geh zu der Festigkeitsvollendung,
so wirst du zur Erleuchtung kommen.’“


Während er aber weiter überlegte: „Nicht so wenige nur können die Tugenden sein, die einen Buddha bewirken“, erkannte er als neuntes die Vollendung in der Liebe und er dachte: „Weiser Sumedha, erfülle von jetzt ab auch die Vollendung in der Liebe! Zeige bei günstig Gesinnten und ungünstig Gesinnten immer dasselbe Gefühl. Gleichwie das Wasser für schlechte Leute wie für gute seine Kühle in ganz gleicher Weise spendet, ebenso sei auch du zu allen Wesen in Liebe einer Gesinnung und du wirst ein Buddha werden.“ So fasste er den neunten festen Entschluss zur Vollendung in der Liebe. Darum heißt es:


§165. „‘Nicht werden diese ganz allein
die Buddhatugenden nur sein;
nach andern Dingen will ich streben,
durch welche die Erleuchtung reift.’
 
§166. Bei meinem Suchen fand als neuntes
ich die Vollendung in der Liebe,
die von den frühren großen Weisen
betrieben ward und stets geübt.
 
§167. ‘Zu dieser als der neunten fasse
fest den Entschluss, sie auszuüben!
Sei unvergleichlich in der Liebe,
willst zur Erleuchtung du gelangen.
 
§168. Gerade so wie auch das Wasser
bei guten und bei bösen Leuten
in gleicher Weise Kühlung spendet
und mit sich nimmt Schmutz und Befleckung,
 
§169. so auch bei Lieben und Unlieben
betät'ge gleichmäßig die Liebe.
Geh zur Vollendung in der Liebe,
so wirst du zur Erleuchtung kommen.’“


Während er aber weiter überlegte: „Nicht so wenige nur können die Tugenden sein, die einen Buddha bewirken“, erkannte er als zehntes die Vollendung im Gleichmut und er dachte: „Weiser Sumedha, erfülle von jetzt an auch die Vollendung in dem Gleichmut! Sei im Glücke und auch im Unglück gleichmütig! Denn wie die Erde, wenn etwas Reines oder auch Unreines auf sie geworfen wird, gleichmütig bleibt, so sei auch du in Glück und Unglück gleichmütig und du wirst ein Buddha werden.“ So fasste er den zehnten festen Entschluss zur Vollendung im Gleichmut. Darum heißt es:


§170. „‘Nicht werden diese ganz allein
die Buddhatugenden nur sein;
nach andern Dingen will ich streben,
durch welche die Erleuchtung reift.’
 
§171. Bei meinem Suchen fand als zehntes
ich die Vollkommenheit im Gleichmut,
die von den frühren großen Weisen
betrieben ward und stets geübt.
 
§172. ‘Zu dieser als der zehnten fasse
fest den Entschluss, sie auszuüben.
Wenn du gleichmütig bist und fest,
wirst zur Erleuchtung du gelangen.
 
§173. Gerade so wie auch die Erde
Reines und Unreines, das auf sie
gelegt wird, beides gleich erträgt
vom Zorne frei wie auch von Liebe,
 
§174. so sei auch du in Glück und Unglück
ganz gleichmütig zu jeder Zeit.
Geh zur Vollkommenheit im Gleichmut,
so wirst du zur Erleuchtung kommen.’“


Darauf dachte er: „In dieser Welt sind die Tugenden, die einen Buddha bewirken, die von den Bodhisattvas erfüllt werden müssen und durch welche die Erleuchtung zur Reife kommt, nur so viele. Außer den zehn Vollendungen gibt es keine anderen. Auch diese zehn Vollendungen gibt es oben im Himmel nicht, unten auf der Erde im Osten und in den anderen Himmelsgegenden gibt es sie auch nicht; nur im Innern meines Herzens aber sind sie fest begründet.“ Als er so merkte, dass sie im Innern seines Herzens fest begründet seien, fasste er zu ihnen allen den festen Entschluss, sie zu betätigen, und ergriff sie immer wieder; vorwärts und rückwärts ergriff er sie. Er fasste sie am Ende und gelangte so an den Anfang; am Anfang fasste er sie und stellte sie so an das Ende [45]. In der Mitte fasste er sie und beendigte sie nach beiden Seiten; auf beiden Seiten fasste er sie und beendigte sie in der Mitte. „Das Aufgeben der Glieder, darin bestehen die Vollendungen: das Aufgeben äußeren Besitzes, darin bestehen die kleineren Vollendungen; das Aufgeben des Lebens, darin bestehen die höchsten Vollendungen“; „zehn Vollendungen gibt es, zehn Nebenvollendungen, zehn höchste Vollendungen“, so dachte er und ergriff sie, als wolle er doppeltes Öl zusammengießen, als wolle er den großen Meru-Berg zu seinem Butterstößel machen und damit den großen Ozean des Weltsystems umrühren. Während er aber die zehn Vollendungen immer wieder erfasste, erzitterte in Folge seines Tugendglanzes diese vier Nahutas [46] und hunderttausend Yojanas dicke große Erde gleich einem Rohrbündel, auf das ein Elefant getreten, oder gleich einer in Bewegung gesetzten Zuckermühle unter lautem Geräusch; sie wankte und erbebte; wie das Rad eines Töpfers oder wie das Rad einer Ölmühle drehte sie sich um. Darum heißt es:


§175. „‘So viel sind in der Welt die Dinge,
die die Erkenntnis reifen lassen,
drüber hinaus gibt es sonst nichts.
Begründe dich in ihnen fest!’
 
§176. Als diese Dinge er erfasste
nach ihrer Art, nach Kern und Wesen,
durch seinen Tugendglanz begannen
zehntausend Erden zu erzittern.
 
§177. Die Erde zitterte und stöhnte
wie die bewegte Zuckermühle;
wie bei der Ölmühle das Rad,
also erzitterte die Erde.“


Als aber die große Erde erzitterte, vermochten die Bewohner der Stadt Ramma nicht mehr, stehen zu bleiben, sondern sie fielen wie hohe Sala-Bäume, die von dem Weltzerstörungswind getroffen wurden, alle ohnmächtig nieder. Die Töpfergefäße von den Schüsseln angefangen drehten sich um, stießen aneinander und wurden zu Staub zermalmt. Da ging die Volksmenge furchterfüllt zu dem Meister [Buddha Dipamkara] hin und sprach: „Wie, Erhabener, ist diese Drehung von Nagas verursacht oder ist es eine Umdrehung von irgendeinem der Geister, Dämonen oder der Gottheiten? Wir wissen dies nämlich nicht; dazu ist auch diese ganze Volksmenge bedrängt. Wird dies für diese Welt ein Übel sein oder ein Gut? Erzählt uns dies!“ Als der Meister ihre Worte hörte, antwortete er: „Ihr fürchtet euch nicht und bekümmert euch nicht! Von da aus entsteht für euch keine Gefahr. Dieser weise Sumedha, zu dem ich sagte: ‘In Zukunft wirst du ein Buddha namens Gotama sein’, dieser erfasst die Vollendungen. Da er die Vollendungen erfasst und bewegt, erzittert und erdröhnt durch seinen Tugendglanz das ganze System der zehntausend Welten mit einem Schlage.“ Darum heißt es:


§178. „So groß auch die Versammlung war,
die den Buddha begleitete,
die lagen alle zitternd da
in Ohnmacht auf dem Erdboden.
 
§179. Von Schüsseln viele tausende
und viele hundert Wasserkrüge
zerbrachen da und splitterten,
weil aneinander sie gestoßen.
 
§180. Ganz aufgeregt, furchtsam, voll Angst,
verwirrt und mit bedrücktem Sinn
vereinigten sich viele Leute
und gingen zu Dipamkara.
 
§181. ‘Was wird da für die Welt entstehen,
was Gutes oder auch was Böses?
Die ganze Welt ist schwer bedrückt:
erlöse sie, Einsichtiger!’
 
§182. Diese besänftigte sogleich
Dipamkara, der große Mönch:
‘Seid voll Vertrauen, ohne Furcht
bei dieser Erderschütterung!
 
§183. Zu dem ich heute hab gesagt:
‘Ein Buddha wird er in der Welt’,
dieser erfasst die Tugend heut,
die alte, die die Sieger übten.
 
§184. Weil er die Tugend jetzt erfasst,
die Buddhastaffel ohne Rest,
darum erzittert diese Erde
zehntausendfach mit ihren Göttern.’“


Als die Volksmenge diese Worte des Vollendeten vernommen, war sie hocherfreut. Mit Kränzen, wohlriechenden Substanzen und Salben verließ sie die Stadt Ramma und ging zu dem Bodhisattva hin. Diesen verehrte sie mit den Kränzen usw., begrüßte ihn ehrfurchtsvoll, umwandelte ihn von rechts und kehrte dann wieder in die Stadt Ramma zurück. Nachdem aber der Bodhisattva die zehn Vollendungen erfasst und seinen Entschluss dazu festgesetzt hatte, erhob er sich von seinem Sitze, den er eingenommen hatte. Darum heißt es:


§185. „Als sie des Buddha Wort gehört,
beruhigt' sich sogleich ihr Sinn;
sie alle kamen zu mir hin
und huldigten mir abermals.
 
§186. Entschlossen zu der Buddhatugend
befestigte ich den Entschluss,
verehrte dann Dipamkara
und stand von meinem Sitze auf.“


Während aber der Bodhisattva sich von seinem Sitze erhob, verehrten ihn vereint die Götter von allen zehntausend Weltsystemen mit göttlichen Kränzen und Wohlgerüchen und sagten zu ihm: „Edler Büßer Sumedha, du hast heute zu den Füßen des mit den zehn Kräften ausgestatteten Dipamkara einen großen Wunsch ausgesprochen; dieser soll dir ununterbrochen in Erfüllung gehen. Habe keine Furcht oder Bestürzung; deinen Körper soll auch keine noch so geringe Krankheit befallen. Nachdem du rasch die Vollendungen erfüllt hast, erlange die völlige Erleuchtung! Gleichwie die blütentragenden und die fruchttragenden Bäume zur rechten Zeit blühen und Früchte bringen, ebenso erreiche auch du, ohne die Zeit zu überschreiten, rasch die höchste Erleuchtung!“ Solche und ähnliche feierliche Lobsprüche äußerten sie; nachdem sie aber diese geäußert hatten, gingen sie wieder ein jeder an seinen Götterort. — Als der Bodhisattva so von den Gottheiten gepriesen war, dachte er: „Ich werde die Vollendungen erfüllen und dadurch am Ende von vier Asamkheyyas und hunderttausend Weltaltern der Buddha werden.“ Nachdem er so seinen Entschluss fest beschlossen hatte, stieg er in die Luft empor und begab sich in den Himalaya. Darum heißt es:


§187. „Mit himmlischen und ird'schen Blumen
bestreuten beide mich, die Götter
und Menschen, als ich mich erhob
von meinem Sitze, mit den Blumen.
 
§188. Mein Heil auch mir verkündigten
beides die Götter und die Menschen:
‘Den großen Wunsch, den du geäußert,
sollst du erhalten wie gewünscht.
 
§189. Fern bleiben alle Unglücksfälle,
zugrunde gehe jede Krankheit,
kein Hindernis soll dir entstehen,
komm rasch zur obersten Erleuchtung.
 
§190. Gleichwie, wenn dazu Zeit gekommen,
die Blumenbäume stehn in Blüte,
gerade so, du großer Held,
erblüh in der Buddha-Erkenntnis.
 
§191. Wie alle, die erleuchtet wurden,
die zehn Vollendungen erfüllten,
gerade so, du großer Held,
die zehn Vollendungen erfülle!
 
§192. Wie alle, die erleuchtet wurden,
im Bodhi-Kreis [48] erleuchtet wurden,
so werd' auch du, du großer Held,
erleuchtet an der Sieger-Bodhi [49].
 
§193. Wie alle, die erleuchtet wurden,
das Rad der Lehre angetrieben,
so setz auch du, du großer Held,
das Rad der Lehre in Bewegung.
 
§194. Gleichwie zur Vollmondszeit der Mond
vollständig klar und rein erglänzt,
so du auch mit gefülltem Geiste
erglänz in den zehntausend Welten.
 
§195. Wie aus des Rahu Mund befreit
die Sonn' im Glanze gar sehr strahlt,
so strahle du in Herrlichkeit,
nachdem die Welt du hast befreit.
 
§196. Wie alle Flüsse, die es gibt,
zum großen Ozeane gehen,
so sollen hingehen zu dir
die Welten alle mit den Göttern.’
 
§197. Gepriesen und gelobt von ihnen
entschloss ich mich zu den zehn Dingen;
erfüllend diese Tugenden
ging wieder ich zur Wildnis hin.“
Ende der Erzählung von Sumedha

 

§B1.2 (Die Erzählung vom Buddha Dipamkara)
 

Nachdem aber die Bewohner der Stadt Ramma in ihre Stadt zurückgekehrt waren, spendeten sie der Mönchsgemeinde mit ihrem Haupte, dem Buddha, ein großes Almosen. Der Meister verkündigte ihnen die Lehre, befestigte eine große Menge in den drei Zuflüchten u. ä. und verließ dann wieder die Stadt Ramma. Solange er noch weiter am Leben blieb, betätigte er die Buddhapflichten und gelangte dann allmählich zu dem alle Lebensbedingungen restlos aufhebenden Nirvana. — Was da zu sagen ist, ist alles nach der Art, wie im Buddhavamsa ausgeführt, zu erfahren. Dort heißt es nämlich:


§198. „Nachdem sie dort bewirtet hatten
mit seiner Schar den Welterlöser,
suchten sie ihre Zuflucht bei
Dipamkara, dem großen Meister.
 
§199. Bei dieser Zufluchtnahme ließ
eintreten der Vollendete
da manchen in die fünf Gebote,
in die zehnfache Tugend andre [50].
 
§200. Das Mönchtum manchem er gewährte,
auch manchem die vier höchsten Früchte [51];
das Unvergleichliche auch gab er
manchem, die Unterscheidungen [52].
 
§201. Die höchsten acht Erreichungen [53]
gab manchem da der beste Mann
und manchen führt' er ein in die
drei Wissen [54], sechs Erkenntnisse [55].
 
§202. In dieser Reihenfolg' ermahnte
die Volksmenge der große Mönch
und so war mit Ausführlichkeit
des Welterlösers Unterweisung.
 
§203. Mit großen Kiefern, mit Stierschultern,
der Mann, Dipamkara genannt,
hinüberführte viele Leute
und machte sie vom Elend frei.
 
§204. Wenn er sah zu Belehrende
auf hunderttausend Yojanas,
ging hin in einem Augenblick
der große Mönch und lehrte sie.
 
§205. Bei seiner ersten Unterweisung
belehrt der Buddha hundert Kotis [ein Koti sind zehn Millionen];
bei seiner zweiten Unterweisung
belehrt' der Retter hunderttausend.
 
§206. Damals, als in der Götter Reiche
der Buddha seine Lehr' verkündet',
war diese dritte Unterweisung
bestimmt für neunzigtausend Kotis.
 
§207. Es waren drei Zusammenkünfte
bei dem Meister Dipamkara:
aus tausendmal tausend Millionen
bestand die erste Versammlung.
 
§208. Als dann auf des Narada-Spitze
in Einsamkeit der Sieger war,
kamen zusammen hundert Kotis
von Leuten frei und ohne Makel.
 
§209. Als auf dem Berg Sudassana
dann Wohnung nahm der große Held,
mit neunmal hundert Millionen
umgab sich da der große Mönch.
 
§210. Ich aber war zu dieser Zeit
ein Jatila hoch von Askese,
der in den Lüften wandeln konnte,
fest in den fünf Erkenntnissen [57].
 
§211. Von zehn- und zwanzigtausenden
wurde die Wahrheit da erfasst;
von ein und zweien die Erfassung
war zu berechnen unermesslich.
 
§212. Weit ausgedehnt, für viele Leute,
mächtig und blühend damals war
die wohl geklärte Unterweisung
von dem erhabnen Dipamkara.
 
§213. Vierhunderttausend Wunderkräft'ge,
der sechs Erkenntnisse teilhaftig,
umgaben allenthalben da
Dipamkara, den Weltenkund'gen.
 
§214. Die, welche zu derselben Zeit
die Menschenexistenz verließen
und hatten nicht ihr Ziel erreicht,
waren wie tadelnswerte Schüler.
 
§215. Des Buddha Wort, das schön zur Blüte
gebracht von solchen Heiligen,
die frei von Lust und ohne Makel,
glänzte bei Göttern und bei Menschen.
 
§216. Die Stadt hieß da Rammavati,
Sumedha hieß der Edle da;
Sumedhaa [57a], so hieß auch die Mutter
von dem Meister Dipamkara.
 
§217. Sumangala und Tissa auch
waren da seine ersten [58] Schüler,
Sagata hieß der treue Diener
von dem Meister Dipamkara.
 
§218. Nanda und dazu Sunanda
waren die ersten Schülerinnen;
dieses Erhabnen Bodhi-Baum
hatte den Namen Pipphali [der heilige Feigenbaum, Ficus religiosa].
 
§219. An Höhe achtzig Ellen groß
Dipamkara, der große Mönch,
erglänzte wie ein Lampenbaum
und wie ein Sala-Baum in Blüte.
 
§220. Und volle hunderttausend Jahre
verlebte dieser große Weise;
und während des so langen Lebens
errettete er viele Leute.
 
§221. Nachdem die Lehre er beleuchtet
und viele Leute auch errettet,
erglänzend wie im Feuerhaufe
kam zum Nirvana er mit den Schülern.
 
§222. Doch dessen Macht und dessen Ruhm,
zu seinen Füßen die Kleinodien
der Macht sind alle jetzt verschwunden;
ist alles Lebende nicht eitel?“

 

§B1.3 (Die Erzählung vom Buddha Kondanna)

§223. „Dann nach Dipamkara erschien
ein Leiter namens Kondanna,
unendlich glänzend, hochberühmt,
unmessbar, schwer zu übertreffen.“


In der Zeit nach dem erhabenen Dipamkara aber erschien nach Ablauf eines Asamkheyya ein Meister namens Kondanna. Auch dieser hatte drei Versammlungen von Schülern; bei der ersten Versammlung waren hunderttausend Kotis [ein Koti sind zehn Millionen], bei der zweiten tausend Kotis, bei der dritten neunzig Kotis.

Damals war der Bodhisattva ein Weltherrscher namens Vijitavi; er spendete der hunderttausend Kotis zählenden Mönchsgemeinde, die den Buddha zu ihrem Haupte hatte, ein großes Almosen. Der Meister gab dem Bodhisattva den Bescheid: „Du wirst ein Buddha werden“, und unterwies ihn in der Wahrheit. Als dieser die Wahrheitsunterweisung des Meisters vernommen, legte er seine Herrschaft nieder und betätigte die Weltflucht. Er erlernte die drei Pitakas [61], erreichte die acht Vollendungen und die fünf Erkenntnisse und wurde, unablässig in Ekstase versunken, in der Brahma-Welt wiedergeboren.

Die Stadt des Buddha Kondanna aber hieß Rammavati, der Fürst Sunanda war sein Vater, die Fürstin Sujata seine Mutter, Bhadda und Subhadda waren seine ersten Schüler, Anuruddha hieß sein Aufwärter, Tissa und Upatissa waren seine ersten Schülerinnen, ein Salakalyani-Baum war sein Bodhi-Baum, achtundachtzig Ellen hoch war sein Körper, hunderttausend Jahre waren das Maß seines Lebens.

 

§B1.4 (Die Erzählung vom Buddha Mangala)

Nach dieser Zeit nach Ablauf eines Asamkheyya erstanden in einem Weltalter vier Buddhas: Mangala, Sumana, Revata und Sobhita. Der erhabene Mangala hatte drei Versammlungen von Schülern: bei der ersten von diesen Versammlungen waren hunderttausend Kotis Mönche, bei der zweiten tausend Kotis, bei der dritten neunzig Kotis. Sein Stiefbruder aber, der Prinz Ananda, ging mit einer neunzig Kotis zählenden Versammlung fort, um bei dem Meister die Wahrheit zu hören. Der Meister verkündete ihm der Reihe nach die Lehre; er aber erlangte mit seinem Gefolge die Heiligkeit nebst der Kenntnis der Unterscheidungen. Als der Meister den früheren Wandel dieser Söhne aus edler Familie betrachtete und bemerkte, dass ihnen eine durch Wunderkraft hergestellte Almosenschale und Gewandung eine Hilfe seien, streckte er die rechte Hand aus sprach: „Geht, ihr Mönche!“ In demselben Augenblick trugen sie alle die durch Wunderkraft hergestellte Almosenschale und Gewandung und waren voll edlen Anstandes wie Theras von sechzig Jahren; sie bezeigten dem Meister ihre Verehrung und stellten sich um ihn. Dies war die dritte Versammlung seiner Schüler. —

Während aber bei den übrigen Buddhas der Glanz ihres Körpers überall achtzig Ellen misst, war es bei diesem nicht so; der Körperglanz von diesem Erhabenen durchdrang beständig die zehntausend Welten. Die Bäume, die Erde, die Berge, das Meer u. dgl. waren ganz und gar mit Einschluss der Kochtöpfe usw. wie mit einer goldenen Schale bedeckt. Das Maß seines Alters aber waren neunzigtausend Jahre. So lange Zeit konnten Mond, Sonne und die anderen Gestirne durch ihren eigenen Glanz nicht leuchten; ein Unterschied von Nacht und Tag wurde nicht bemerkt. Bei Tage wandelten alle Wesen in dem Lichte des Buddha wie in dem Sonnenlichte; am Abend merkte die Welt nur am Aufblühen der Lotosblumen und am Morgen nur an dem Geschrei der Vögel usw. den Unterschied von Nacht und Tag. —

„Warum aber haben die anderen Buddhas diese Macht nicht?“, könnte man fragen. Diese fehlt ihnen nicht; wenn sie danach begehrten, könnten auch sie die zehntausend Welten und noch mehr als dies mit ihrem Glanz durchdringen. Bei dem erhabenen Mangala aber durchdrang infolge eines früheren Wunsches, wie bei den anderen ein Klafter weit der Glanz seines Körpers beständig die ganzen zehntausend Welten. Als dieser nämlich noch als Bodhisattva wandelte, wohnte er, während er eine dem Vessantara [Jataka 547] ähnliche Existenz durchlebte, mit Weib und Kind auf einem dem Vamka-Berge ähnlichen Berg. Als nun ein Dämon namens Kharadathika von dem Wunsche des großen Mannes, Almosen zu spenden, hörte, ging er wie ein Brahmane aussehend zu dem großen Wesen hin und bat ihn um seine zwei Kinder. Das große Wesen antwortete: „Ich schenke dem Brahmanen die beiden Kinder“, und gab ihm erfreut und entzückt die beiden Kinder, wobei er die vom Wasser begrenzte Erde zum Erzittern brachte. Der Dämon stellte sich am Ende des Wandelganges neben die Lehnbank und fraß vor den Augen des großen Wesens die Kinder auf wie ein Bündel Wurzeln. Als das große Wesen den Dämon betrachtete und sah, wie sein Mund, als er ihn kaum geöffnet hatte, einen Blutstrom wie Feuerflammen von sich gab, stieg doch in ihm nicht so viel wie eine Haaresspitze Kummer auf; sondern er bedachte: „Gut gespendet fürwahr ist die Gabe“, und dabei erwuchs in ihm große Freude und Befriedigung. Er sprach folgenden Wunsch aus: „Durch die Frucht dieses Almosens sollen in Zukunft auf diese Weise Strahlen hervorkommen.“ Infolge dieses Wunsches kamen aus dem Körper von ihm, als er Buddha geworden war, Strahlen hervor und durchdrangen einen solchen Raum. —

Noch ein anderes gutes Werk hatte er in einer früheren Existenz geübt. Zur Zeit nämlich, da er Bodhisattva war, sah er den Reliquienschrein eines Buddha und dachte: „Es kommt mir zu, für diesen Buddha mein Leben zu opfern“; er umkleidete seinen ganzen Körper derart, wie man einen Lampenstab umkleidet, füllte eine mit Edelsteinknöpfen besetzte Goldschale, die hunderttausend wert war, mit zerlassener Butter, entzündete in ihr tausend Dochte und nahm sie auf sein Haupt, so dass sie seinen ganzen Körper entzündete. So verbrachte er die ganze Nacht, indem er dabei den Reliquienschrein von rechts umwandelte. Während er sich aber so bis Sonnenaufgang anstrengte, erfasste die Hitze nicht einmal die Spitze seines Haares; es war, als sei er in das Innere einer Lotospflanze hineingegangen. Die Tugend nämlich beschützt den, der sie bewahrt; darum sprach der Erhabene:


§224. „Tugend fürwahr beschützt den Tugendhaften,
die wohlgeübte Tugend bringt das Glück.
Dies ist der Nutzen wohlgeübter Tugend:
Nicht kommt ins Elend, wer in Tugend lebt [63].


Durch die Frucht dieser Tat durchdrang der Körperglanz dieses Erhabenen beständig die zehntausend Welten. —

Damals war unser Bodhisattva ein Brahmane namens Suruci. Dieser ging zu dem Meister hin, um ihn einzuladen. Als er seine Predigt angehört, sagte er: „Morgen, Herr, nehmt mein Almosen in Empfang!“ Der Meister entgegnete: „Brahmane, wie viel Mönche verlangst du?“ Jener versetzte: „Herr, wie viel sind die Mönche, die Euch umgeben?“ Damals war dies die erste Versammlung des Meisters; darum antwortete er: „Hunderttausend Kotis.“ Darauf erwiderte Suruci: „Herr, nehmt mit all diesen Mönchen in meinem Hause das Almosen an!“ Der Meister gewährte dies. Nachdem ihn der Brahmane für morgen eingeladen, dachte er, während er nach Hause ging, bei sich folgendes: „Ich kann sehr wohl so vielen Mönchen Reisschleim, Brei, Kleider u. dgl. geben; wie wird aber ein Ort zustande kommen, wo sie sitzen können?“ Dieser sein Gedanke machte den mit gelben Tüchern bedeckten Sitz des Götterfürsten heiß, der vierundachtzigtausend Yojanas von ihm entfernt war. Als nun Sakka mit seinem göttlichen Auge schaute, wer ihn wohl von dieser Stelle vertreiben wolle [64], sah er den großen Mann und dachte: „Der Brahmane Suruci hat die Mönchsgemeinde mit Buddha, ihrem Haupte, eingeladen und sinnt nach über die Möglichkeit, sie zu setzen. Mir ziemt es, auch dorthin zu gehen und einen Teil dieses guten Werkes zu gewinnen.“

Er gab sich das Aussehen eines Zimmermannes und wurde mit Axt und Beil in der Hand vor dem großen Wesen sichtbar; dieses fragte er: „Gibt es etwas für Lohn zu tun?“ Als ihn der große Mann sah, sagte er: „Welche Arbeit willst du verrichten?“ Der Gott antwortete: „Es gibt ja keine Kunst, die ich nicht verstehe; wer sich ein Haus oder einen Pavillon machen lässt, dem verstehe ich es zu machen.“ „Danach habe ich gerade Bedarf.“ „Wie, Edler?“ „Für morgen sind von mir hunderttausend Kotis Mönche eingeladen; kannst du für diese eine Sitzgelegenheit machen?“ „Ich würde es machen, wenn Ihr mir Lohn dafür geben könnt.“ „Ich werde es können, Lieber.“ „Gut, ich werde es machen“, versetzte der Gott und schaute sich nach einem Platze um. Ein zwölf oder dreizehn Yojanas großer Platz war ganz eben wie ein Ekstasekreis. Da dachte jener: „An einem so großen Platze soll sich ein aus den sieben Arten der Kostbarkeiten bestehender Pavillon erheben“, und blickte hin; sogleich öffnete sich die Erde und es erstand ein Pavillon. An dessen goldenen Säulen waren silberne Knäufe, an den silbernen Säulen waren goldene Knäufe, an den Edelsteinsäulen waren Korallenknäufe, an den Korallensäulen waren Edelsteinknäufe, an den aus den sieben Arten der Kostbarkeiten gemachten Säulen waren auch Knäufe aus den sieben Arten der Kostbarkeiten. Darauf dachte er: „Im Innern des Pavillons soll ein Glöckchennetz herabhängen“, und schaute hin. Sobald er hinschaute, hing auch schon das Netz herab, von dem, wenn es von sanftem Winde bewegt wurde, ein süßer Klang ausging wie von fünffachen Instrumenten. Es war, als erschöllen himmlische Harmonien. Dann dachte Sakka weiter: „Im Innern sollen Girlanden von wohlriechenden Stoffen und Girlanden von Kränzen herabhängen“; da hingen die Girlanden herunter. Er dachte: „Für die hunderttausend Kotis zählenden Mönche sollen Sitze und Stützen die Erde durchbrechen und sich erheben“; sogleich erhoben sie sich. „In jeder Ecke sollen Wassergefäße hervorkommen“; da kamen die Wassergefäße hervor.

Nachdem er dies Ganze erschaffen hatte, ging er zu dem Brahmanen hin und sagte zu ihm: „Gehe, Brahmane, betrachte deinen Pavillon und gib mir meinen Lohn!“ Der große Mann ging hin und betrachtete den Pavillon; während er aber den Pavillon betrachtete, wurde sein ganzer Körper ununterbrochen mit fünffacher Freude durchdrungen. Während er nun den Pavillon betrachtete, dachte er: „Dieser Pavillon ist nicht von einem menschlichen Wesen gemacht. Infolge meines Wunsches und meiner Tugend wurde sicherlich Sakkas Palast heiß; darauf wird der Götterkönig Sakka diesen Pavillon angefertigt haben. Es ist aber für mich nicht geziemend, in einem solchen Pavillon nur einen einzigen Tag Almosen zu spenden; sieben Tage lang will ich spenden.“ —

Eine äußere Gabe aber, wie groß sie auch sei, kann den Bodhisattvas keine Befriedigung gewähren; sondern wenn sie ihr geschmücktes Haupt abschlagen oder ihre gesalbten Augen herausreißen oder ihr Herzfleisch heraus graben und herschenken, dann gibt es für die Bodhisattvas eine Befriedigung wegen ihrer Aufopferung. Auch für unsern Bodhisattva konnte, als er im Sivi-Jataka [Jataka 499] täglich fünf Scheffel Kahapanas herschenkte und an den vier Toren und in der Mitte der Stadt seine Almosen spendete, diese Gabe ihm nicht die Befriedigung der Aufopferung verschaffen. Als aber der Götterkönig Sakka im Aussehen eines Brahmanen zu ihm kam und ihn um seine Augen bat, da riss er sie sich aus und schenkte sie her und daraus erstand ihm Heiterkeit; um kein Haar breit war sein Herz dadurch anders gesinnt. So besteht im Almosen Spenden für die Bodhisattvas keine Ersättigung. —

Darum dachte der große Mann: „Es ziemt sich für mich, sieben Tage lang den hunderttausend Kotis zählenden Mönchen Almosen zu spenden“; er ließ sie in diesem Pavillon sich niedersetzen und spendete ihnen sieben Tage lang das sogenannte Kuhtrank-Almosen [66]. Menschen allein aber waren nicht im Stande, sie zu bedienen, sondern Götter kamen auch dazu und bedienten jene. Es konnte aber selbst der zwölf oder dreizehn Yojanas messende Platz die Mönche nicht fassen; die Mönche aber setzten sich doch infolge ihrer Wunderkraft nieder. Am letzten Tage ließ er für alle Mönche die Almosenschalen waschen und sie zu Heilzwecken mit zerlassener Butter, frischer Butter, Honig, Zucker u. dgl. anfüllen; diese gab er ihnen zugleich mit den drei Gewändern [67]. Die von einem Mönche oder einem Novizen der Mönchsgemeinde erhaltenen Gewänder und Kleider waren hunderttausend wert. Als der Meister seine Danksagung machte, überlegte er: „Dieser Mann hat eine solche Gabe gespendet; was wird er wohl werden?“ Da merkte er: „In Zukunft, am Ende von zwei Asamkheyyas und hunderttausend Weltaltern wird er ein Buddha namens Gotama werden“, und sprach zu dem großen Manne: „Du wirst nach Ablauf von so viel Zeit ein Buddha namens Gotama werden.“ Als der große Mann diesen Bescheid vernommen, dachte er: „Ich werde also ein Buddha werden! Was brauche ich das Leben im Hause? Ich werde die Weltflucht betätigen.“ Er gab eine solche Glücksfülle wie einen Speichelklumpen auf und betätigte bei dem Meister die Weltflucht. Nachdem er aber die Welt verlassen, erlernte er das Buddhawort, erlangte die Erkenntnisse und die Vollendungen und wurde am Ende seines Lebens in der Brahma-Welt wiedergeboren. —

Die Stadt des Buddha Mangala aber hieß Uttara; auch sein Vater hieß der Fürst Uttara, seine Mutter hieß die Fürstin Uttarā, Sudeva und Dhammasena waren seine beiden ersten Schüler, Palita war sein Aufwärter, Sivali und Asoka waren seine ersten Schülerinnen, ein Naga-Baum [der Eisenholzbaum, Mesua roxburghii] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war achtundachtzig Ellen hoch. Als er nach einem Leben von neunzigtausend Jahren zum völligen Nirvana einging, wurden auf einen Schlag alle zehntausend Weltsysteme finster; in allen Weltsystemen entstand bei den Menschen großes Weinen und Klagen.

§225. „Nach des Kondanna Tode kam
ein Führer namens Mangala,
der in der Welt vertrieb das Dunkel
und der erhob der Wahrheit Fackel.“ —

 

§B1.5 (Die Erzählung vom Buddha Sumana)

Nachdem so der Erhabene unter Verfinsterung der zehntausend Welten zum völligen Nirvana eingegangen war, erstand ein Meister namens Sumana. Auch dieser hatte drei Versammlungen von Schülern: bei der ersten Zusammenkunft waren hunderttausend Kotis Mönche, bei der zweiten auf dem Kancana-Berge waren es neunzigmal hunderttausend Kotis, bei der dritten achtzigmal hunderttausend Kotis.

Damals war das große Wesen ein Naga-König namens Atula, von großer Wunderkraft und Macht. Als dieser hörte: „Ein Buddha ist erstanden“, verließ er, von der Schar seiner Verwandten umgeben; sein Naga-Reich und bereitete diesem von hunderttausend Kotis umgebenen Erhabenen mit himmlischen Instrumenten Ehrung. Nachdem er ein großes Almosen gespendet und jedem ein Gewänderpaar geschenkt hatte, befestigte er sich in den Zufluchten [69]. Auch ihm erwiderte der Meister: „In der Zukunft wirst du ein Buddha werden.“

Von diesem Erhabenen hieß die Stadt Khema, der König Sudatta war sein Vater, Sirima hieß seine Mutter, Sarana und Bhavitatta waren seine ersten Schüler, Udana hieß sein Aufwärter, Sona und Upasona waren seine ersten Schülerinnen, ein Naga-Baum war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war neunzig Ellen hoch, neunzigtausend Jahre dauerte sein Leben.


§226. „Nach Mangalas Zeit aber kam
ein Führer namens Sumana,
in allem Guten unvergleichlich,
von allen Lebenden der höchste.“ —

 

§B1.6 (Die Erzählung vom Buddha Revata)

Nach dessen Zeit entstand ein Meister namens Revata. Auch dieser hatte drei Versammlungen: bei der ersten Versammlung konnte man die Leute nicht zählen, bei der zweiten waren es hunderttausend Kotis Mönche, ebenso viele bei der dritten.

Damals war der Bodhisattva ein Brahmane namens Atideva. Als er die Predigt des Meisters vernommen und sich in den Zuflüchten befestigt hatte, legte er die gefalteten Hände auf sein Haupt, pries die Lustentsagung dieses Meisters und verehrte ihn durch Schenkung eines Obergewandes. Auch dieser antwortete ihm: „Du wirst ein Buddha werden.“

Von diesem Erhabenen aber hieß die Stadt Sudhannavati, sein Vater war der Fürst Vipula, seine Mutter hieß Vipula, Varuna und Brahmadeva waren seine ersten Schüler, Sambhava hieß sein Aufwärter, Bhadda und Subhadda waren seine ersten Schülerinnen, ein Naga-Baum war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war achtzig Ellen hoch, sein Alter war sechzigtausend Jahre.

§227. „Nach Sumanas Zeit aber kam
ein Führer namens Revata,
unübertrefflich, unvergleichlich,
der unschätzbare höchste Sieger.“ —

 

§B1.7 (Die Erzählung vom Buddha Sobhita)

Nach dessen Zeit erstand ein Meister namens Sobhita. Auch dieser hatte drei Versammlungen von Schülern: bei der ersten Versammlung waren tausend Millionen Mönche, bei der zweiten neunhundert Millionen, bei der dritten achthundert Millionen.

Damals war der Bodhisattva ein Brahmane namens Ajita. Als er des Meisters Predigt vernommen und sich in den Zuflüchten befestigt hatte, gab er der Mönchsgemeinde, die den Buddha zum Haupte hatte, ein großes Almosen. Auch dieser antwortete ihm: „Du wirst ein Buddha werden.“

Von diesem Erhabenen aber hieß die Stadt Sudhamma, sein Vater war der König Sudhamma, auch seine Mutter hieß Sudhamma, Asama und Sunetta waren seine ersten Schüler, Anoma hieß sein Aufwärter, Nakula und Sujata waren seine ersten Schülerinnen, ein Naga-Baum war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war achtundfünfzig Ellen hoch, neunzigtausend Jahre das Maß seines Alters.


§228. „Nach Revatas Zeit aber kam
ein Führer namens Sobhita,
mit ruhigem Herzen, fest begründet,
unüberwindlich, unvergleichlich.“ —

 

§B1.8 (Die Erzählung vom Buddha Anomadassi)

Nach dessen Zeit wurden nach Ablauf eines Asamkheyya in einem Weltalter drei Buddhas wiedergeboren: Anomadassi, Paduma und Narada. Der Buddha Anomadassi hatte drei Versammlungen von Schülern: bei der ersten waren achthunderttausend Mönche, bei der zweiten siebenhunderttausend, bei der dritten sechshunderttausend.

Damals war der Bodhisattva ein Dämonen-Heerführer von großer Wunderkraft und Macht, der Anführer vieler hunderttausend Kotis von Dämonen. Als dieser hörte: „Ein Buddha ist gekommen“, kam er herbei und spendete der Gemeinde mit Buddha, ihrem Haupte, ein großes Almosen. Auch ihm antwortete der Meister: „Du wirst ein Buddha werden.“

Die Stadt des Buddha Anomadassi aber hieß Candavati, der König Yasava war sein Vater, Yasodhara hieß seine Mutter, Nisabha und Anoma waren seine ersten Schüler, Varuna hieß sein Aufwärter, Sundari und Sumana waren seine ersten Schülerinnen, ein Ajjuna-Baum [der Baum Terminalia arjuna] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war achtundfünfzig Ellen hoch, hunderttausend Jahre betrug sein Alter.


§229. „Nach Sobhita kam als Sambuddha [71]
und als der höchste von den Menschen
Anomadassi, hochberühmt,
voll Glanz und schwer zu übertreffen.“ —

 

§B1.9 (Die Erzählung vom Buddha Paduma)

Nach dessen Zeit kam ein Meister namens Paduma. Auch dieser hatte drei Zusammenkünfte von Schülern: bei der ersten Zusammenkunft waren es hunderttausend Kotis von Mönchen, bei der zweiten dreihunderttausend, bei der dritten waren es in einem dorflosen Walde von Mönchen, die in einem großen Gehölz wohnten, zweihunderttausend.

Während damals der Vollendete in diesem Walde wohnte, war der Bodhisattva ein Löwe. Als er dort den Meister in höchster Ekstase versunken sah, bezeigte er ihm mit gläubigem Herzen seine Verehrung und umwandelte ihn von rechts. Von Freude und Entzücken erfüllt stieß er dreimal den Löwenruf aus; sieben Tage lang gab er die auf dem Buddha beruhende Freude nicht auf. Im Glücke dieser Freude ging er nicht fort, um sich Nahrung zu suchen, sondern indem er sein Leben zum Opfer brachte, blieb er dort stehen und diente ihm. Als der Meister nach sieben Tagen sich aus der Ekstase erhob und den Löwen erblickte, dachte er: „Sein Herz wird auch an der Mönchsgemeinde Gefallen finden, er wird auch der Mönchsgemeinde seine Verehrung bezeigen.“ Und er dachte: „Die Mönchsgemeinde soll kommen!“

Sogleich kamen die Mönche; der Löwe befriedigte sein Herz auch an der Mönchsgemeinde. Als der Meister dessen Gesinnung erkannte, gab er ihm den Bescheid: „In Zukunft wird er ein Buddha werden.“

Die Stadt des Buddha Paduma aber hieß Campaka, der König Paduma war sein Vater, seine Mutter hieß Asama, Sala und Upasala waren seine ersten Diener, Varuna hieß sein Aufwärter, Rama und Uparama waren seine ersten Dienerinnen, ein Sona-Baum [Sona ist wohl dasselbe wie Sonaka (skr. sonaka), der Baum Calosanthes indica] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war achtundfünfzig Ellen hoch, sein Alter betrug hunderttausend Jahre.


§230. „Doch nach Anomadassi kam
als Sambuddha, der Menschen Höchster,
ein Mann mit Namen Paduma,
unübertrefflich, unvergleichlich.“ —

 

§B1.10 (Die Erzählung vom Buddha Narada)

Nach dessen Zeit kam der Meister Narada. Auch dieser hatte drei Zusammenkünfte von Schülern; bei der ersten Zusammenkunft waren hunderttausend Kotis von Mönchen, bei der zweiten neun Millionen Kotis, bei der dritten acht Millionen Kotis.

Damals hatte der Bodhisattva der Weisen Weltflucht betätigt und war der fünf Erkenntnisse und der acht Vollendungen teilhaftig geworden. Der Gemeinde, die den Buddha zum Haupte hatte, spendete er ein großes Almosen und brachte mit rotem Sandelpulver seine Verehrung dar. Auch jener antwortete ihm: „In Zukunft wirst du ein Buddha werden.“

Die Stadt dieses Erhabenen hieß Dhannavati, der Fürst Sumedha war sein Vater, Anoma hieß seine Mutter, Bhaddasala und Jitamitta waren seine ersten Schüler, Vasettha hieß sein Aufwärter, Uttara und Phagguni waren seine ersten Schülerinnen, ein großer Sona-Baum war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war achtundachtzig Ellen hoch, sein Alter betrug neunzigtausend Jahre.


„231. „Nach Paduma kam als Sambuddha
und als der höchste von den Menschen
ein Mann mit Namen Narada,
unübertrefflich, unvergleichlich.“ —

 

§B1.11 (Die Erzählung vom Buddha Padumuttara)

Nach der Zeit des Buddha Narada, von jetzt an vor hunderttausend Weltaltern, erschien in einem Weltalter nur ein einziger Buddha mit Namen Padumuttara. Auch dieser hatte drei Zusammenkünfte von Schülern: bei der ersten waren hunderttausend Kotis Mönche, bei der zweiten auf dem Berge Vebhara neunzigtausend Kotis, bei der dritten achtzigtausend Kotis.

Damals war der Bodhisattva ein Maharatthiya [73] namens Jatila und spendete der Gemeinde, die den Buddha zum Haupte hatte, ein Gewand als Geschenk. Auch jener antwortete ihm: „In Zukunft wirst du ein Buddha werden.“

Zur Zeit des Buddha Padumuttara aber gab es Irrlehrer; alle Götter und Menschen jedoch nahmen nur ihre Zuflucht zu dem Buddha. Dessen Stadt hieß Hamsavati, sein Vater war der Fürst Ananda, seine Mutter hieß Sujata, Devala und Sujata waren seine ersten Schüler, Sumana hieß sein Aufwärter, Amita und Asama waren seine ersten Schülerinnen, ein Sala-Baum [der Baum Shorea robusta] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war achtundachtzig Ellen hoch, der Glanz seines Körpers umfasste nach allen Seiten zwölf Yojanas, sein Alter betrug hunderttausend Jahre.


§232. „Nach Narada kam als Sambuddha
und als der höchste von den Menschen
der Sieger Padumuttara,
nicht zu erschüttern, meervergleichbar.“ —

 

§B1.12 (Die Erzählung vom Buddha Sumedha)

Nach dessen Zeit wurden nach Ablauf von dreißigtausend Weltaltern in einem Weltalter zwei Buddhas wiedergeboren, Sumedha und Sujata. Auch Sumedha hatte drei Zusammenkünfte von Schülern: bei der ersten Zusammenkunft in der Stadt Sudassana waren tausend Millionen, die die Lüste abgelegt hatten, bei der zweiten neunhundert Millionen, bei der dritten achthundert Millionen.

Damals war der Bodhisattva ein junger Brahmane namens Uttara. Dieser gab das Geld, das er aufgehoben hatte, achthundert Millionen aus und spendete damit der Gemeinde, die den Buddha zum Haupte hatte, ein großes Almosen. Nachdem er die Predigt angehört und sich in den Zuflüchten befestigt hatte, ging er fort und betätigte die Weltflucht. Auch jener antwortete ihm: „In Zukunft wirst du ein Buddha werden.“

Die Stadt des Buddha Sumedha hieß Sudassana, der König Sudatta war sein Vater, auch seine Mutter hieß Sudatta, Sarana und Sabbakama waren seine ersten Schüler, Sagara hieß sein Aufwärter, Rama und Surama waren seine ersten Schülerinnen, ein großer Nipa-Baum [der Baum Nauclea cadamb] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war achtundachtzig Ellen hoch, sein Alter betrug neunzigtausend Jahre.


§233. „Nach Padumuttara erschien
ein Lehrer namens Sumedha,
schwer zu erreichen, von hohem Glanz,
von aller Welt der höchste Weise.“ —

 

§B1.13 (Die Erzählung vom Buddha Sujata)

Nach dessen Zeit erschien ein Meister namens Sujata. Auch dieser hatte drei Zusammenkünfte von Schülern: bei der ersten Zusammenkunft waren sechzigtausend Mönche, bei der zweiten fünfzigtausend, bei der dritten vierzigtausend.

Damals war der Bodhisattva ein weltbeherrschender König. Als er hörte, ein Buddha sei erstanden, suchte er ihn auf, hörte seine Predigt an und schenkte der Gemeinde mit dem Buddha, ihrem Haupte, neben den sieben Arten der Kostbarkeiten die Herrschaft über die vier Erdteile; darauf betätigte er bei dem Meister die Weltflucht. Alle Bewohner des Landes ergriffen die Gelegenheit, dass der Buddha in ihr Land gekommen war; sie besorgten die Arbeiten für die Einsiedelei und spendeten der Gemeinde mit dem Buddha, ihrem Haupte, beständig große Almosen. Auch ihm gab der Meister diese Auskunft [nämlich, dass er ein Buddha werden würde].

Die Stadt dieses Erhabenen hieß Sumangala, der König Uggata war sein Vater, Pabhavati hieß seine Mutter, Sudassana und Deva waren seine ersten Schüler, Narada hieß sein Aufwärter, Naga und Nagasamala waren seine ersten Schülerinnen, ein großer Bambusbaum war sein Erkenntnisbaum. Dieser hatte nur kleine Löcher und einen festen Stamm; mit seinen oberen großen Zweigen erglänzte er wie ein Bündel Pfauenfedern. Der Körper dieses Erhabenen war fünfzig Ellen hoch, sein Alter betrug neunzigtausend Jahre.


§234. „In diesem selben Mandakalpa [77]
erstand Sujata jetzt als Führer;
mit Löwenkiefern, Stieresschultern,
unmessbar, schwer auch zu erreichen.“ —

 

§B1.14 (Die Erzählung vom Buddha Piyadassi)

Nach dessen Zeit, vor achtzehnhundert Weltaltern von jetzt aus [78] wurden in einem Weltalter drei Buddhas wiedergeboren, Piyadassi [der das Liebe Zeigende], Atthadassi [der den Nutzen Zeigende] und Dhammadassi [der die Wahrheit Zeigende]. Auch Piyadassi hatte drei Zusammenkünfte von Schülern: bei der ersten waren hunderttausend Kotis Mönche, bei der zweiten neunzig Kotis, bei der dritten achtzig Kotis.

Damals war der Bodhisattva ein junger Brahmane, der die Vollendung in den drei Veden erreicht hatte. Als er die Predigt des Meisters angehört, ließ er unter Aufwendung von hunderttausend Kotis Gold eine Einsiedelei für die Mönchsgemeinde herstellen und befestigte sich in den Zuflüchten und in den Geboten. Ihm gab der Meister den Bescheid: „Nach Ablauf von achtzehnhundert Weltaltern wirst du ein Buddha werden.“

Die Stadt dieses Erhabenen hieß Anoma, sein Vater war der König Sudinna, seine Mutter hieß Canda, Palita und Sabbadassi waren seine ersten Schüler, Sobhita hieß sein Aufwärter, Sujata und Dhammadinna waren seine ersten Schülerinnen, ein Piyangu-Baum [die Pflanze Panicum italicum] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war achtzig Ellen hoch, sein Alter betrug neunzigtausend Jahre.


§235. „Nach des Sujata Zeit erschien
der hochberühmte Piyadassi
als selbstständiger [81] Weltenmeister,
schwer zu erreichen, unvergleichlich.“ —

 

§B1.15 (Die Erzählung vom Buddha Atthadassi)

Nach dessen Zeit erschien ein Meister namens Atthadassi. Auch dieser hatte drei Zusammenkünfte von Schülern: bei der ersten waren achtundneunzigmal hunderttausend Mönche, bei der zweiten achtundachtzigmal hunderttausend, ebenso viele bei der dritten.

Damals war der Bodhisattva ein Asket von großer Wunderkraft namens Susima; dieser brachte aus der Götterwelt einen Sonnenschirm aus Mandarava-Blumen [die Blume Erythrina fulgens] herbei und verehrte damit den Meister. Auch dieser gab ihm diesen Bescheid.

Die Stadt dieses Erhabenen hieß Sobhita, der König Sagara war sein Vater, Sudassana hieß seine Mutter, Santa und Upasanta waren seine ersten Schüler, Abhaya hieß sein Aufwärter, Dhamma und Sudhamma waren seine ersten Schülerinnen, ein Campaka-Baum [der Baum Michelia champaca] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war achtzig Ellen hoch, der Glanz seines Körpers war beständig nach allen Seiten hin auf die Entfernung eines Yojana verbreitet, sein Alter betrug hunderttausend Jahre.


§236. „In diesem selben kurzen Zeitraum
erschien Atthadassi, der Beste;
das große Dunkel er vertrieb,
er kam zur äußersten Erleuchtung.“ —

 

§B1.16 (Die Erzählung vom Buddha Dhammadassi)

Nach dessen Zeit trat ein Meister namens Dhammadassi auf. Auch dieser hatte drei Zusammenkünfte von Schülern: bei der ersten waren es tausend Millionen Mönche, bei der zweiten siebenhundert Millionen, bei der dritten achthundert Millionen.

Damals war der Bodhisattva der Götterkönig Sakka und brachte jenem mit göttlichen wohlriechenden Blumen und mit göttlichen Instrumenten seine Verehrung dar. Auch dieser gab ihm diesen Bescheid.

Die Stadt dieses Erhabenen hieß Sarana; sein Vater war der König Sarana, seine Mutter hieß Sunanda, Paduma und Phussadeva waren seine ersten Schüler, Sunetta hieß sein Aufwärter, Khema und Sabbanama waren seine ersten Schülerinnen, ein roter Kuravaka-Baum war sein Erkenntnisbaum; man nennt ihn auch Bimbijala [der Baum Momordica monadelpha]. Sein Körper war achtzig Ellen hoch, sein Alter betrug hunderttausend Jahre.


§237. „In diesem selben kurzen Zeitraum
kam der ruhmreiche Dhammadassi;
das tiefe Dunkel er vertrieb,
hell glänzt' bei Göttern er und Menschen.“ —

 

§B1.17 (Die Erzählung vom Buddha Siddhattha)

Nach dessen Zeit, vor vierundneunzig Weltaltern von jetzt aus erschien in einem Weltalter ein einziger Buddha namens Siddhattha [der Vorname Buddhas in seinem weltlichen Leben]. Auch dieser hatte drei Zusammenkünfte von Schülern: bei der ersten Zusammenkunft waren es hunderttausend Kotis von Mönchen, bei der zweiten neunzig Kotis, bei der dritten achtzig Kotis.

Damals war der Bodhisattva ein Asket von hohem Glanze mit Namen Mangala, der mit der Kraft der Erkenntnis ausgestattet war. Er brachte eine große Jambu-Frucht herbei [Jambu ist der Rosenapfelbaum, Eugenia jambu] und schenkte sie dem Vollendeten. Nachdem der Meister diese Frucht verzehrt hatte, antwortete er dem Bodhisattva: „Nach Ablauf von vierundneunzig Weltaltern wirst du ein Buddha werden.“

Die Stadt dieses Erhabenen hieß Vebhara, sein Vater war der König Jayasena, seine Mutter hieß Suphassa, Sambala und Sumitta waren seine ersten Schüler, Revata hieß sein Aufwärter, Sivali und Surama waren seine ersten Schülerinnen, ein Kanikara-Baum [der Baum Pterospermum acerifolium] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war sechzig Ellen hoch, hunderttausend Jahre betrug sein Alter.


§238. „Doch nach des Dhammadassi Zeit
erschien als Führer Siddhattha;
das ganze Dunkel er vertrieb
der aufgehenden Sonne gleich.“ —

 

§B1.18 (Die Erzählung vom Buddha Tissa)

Nach dessen Zeit, vor zweiundneunzig Weltaltern von jetzt an, wurden in einem Weltalter zwei Buddhas wiedergeboren, Tissa und Phussa. Der Buddha Tissa hatte drei Zusammenkünfte von Schülern: bei der ersten Zusammenkunft waren es hundert Kotis Mönche, bei der zweiten neunzig Kotis, bei der dritten achtzig Kotis.

Damals war der Bodhisattva ein sehr reicher, hochberühmter Edler namens Sujata; dieser betätigte der Weisen Weltflucht und gelangte zu großer Wunderkraft. Als er hörte, ein Buddha sei erschienen, nahm er eine Mandarava-Lotosblume und Paricchattaka-Blumen [der Korallenbaum, Erythmia indica] und brachte damit dem inmitten der vierfachen Versammlung [Mönchen, Nonnen, Laienbrüdern und Laienschwestern] gehenden Vollendeten seine Verehrung dar; in der Luft machte er ein Blumendach. Auch ihm antwortete der Meister: „Im zweiundneunzigsten Weltalter von jetzt an wirst du ein Buddha werden.“

Die Stadt dieses Erhabenen hieß Khema, sein Vater war der Fürst Janasandha, seine Mutter hieß Paduma, Brahmadeva und Udaya waren seine ersten Schüler, ein Asana-Baum [der Baum Terminalia atata tomentosa] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war sechzig Ellen hoch, sein Alter betrug hunderttausend Jahre.


§239. „Nach des Siddhattha Zeit erschien
Tissa als bester Weltenführer,
unerreichbar, ohne Nebenbuhler,
unendlich gut, unmessbar ruhmvoll.“ —

 

§B1.19 (Die Erzählung vom Buddha Phussa)

Nach dessen Zeit erschien ein Meister namens Phussa. Auch dieser hatte drei Zusammenkünfte von Schülern: bei der ersten Zusammenkunft waren sechs Millionen Mönche, bei der zweiten fünf Millionen, bei der dritten drei Millionen zweihunderttausend.

Damals war der Bodhisattva ein Fürst namens Vijitavi; dieser ließ sein großes Reich im Stich und betätigte bei dem Meister die Weltflucht. Nachdem er die drei Pitakas erlernt hatte, predigte er einer großen Volksmenge die Lehre und erreichte die Vollendung in der Tugend. Auch dieser Buddha gab ihm dieselbe Antwort.

Die Stadt dieses Erhabenen hieß Kasi, der König Jayasena war sein Vater, Sirima hieß seine Mutter, Surakkhita und Dhammasena waren seine ersten Schüler, Sabhiya hieß sein Aufwärter, Cala und Upacala waren seine ersten Schülerinnen, ein Amalaka-Baum [eine Myrobolanen-Art, Phyllanthus emblica] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war achtundfünfzig Ellen hoch, sein Alter betrug neunzigtausend Jahre.


§240. „In diesem selben kleinen Zeitraum
erschien als allerhöchster Lehrer
ganz unvergleichlich, nicht erreichbar
Phussa, der beste Weltenführer.“ —

 

§B1.20 (Die Erzählung vom Buddha Vipassi)

Nach dessen Zeit, im einundneunzigsten Weltalter von jetzt an, erschien ein Buddha namens Vipassi. Auch dieser hatte drei Zusammenkünfte von Schülern; bei der ersten Zusammenkunft waren sechs Millionen achthunderttausend Mönche, bei der zweiten einhunderttausend, bei der dritten achtzigtausend.

Damals war der Bodhisattva ein Naga-König namens Atula, groß von Wunderkraft und Macht; dieser schenkte dem Erhabenen einen aus Gold gemachten Sessel, welcher mit den sieben Arten der Kostbarkeiten verziert war. Auch dieser gab ihm den Bescheid: „Im einundneunzigsten Weltalter von jetzt an wirst du ein Buddha werden.“

Die Stadt dieses Erhabenen hieß Bandhumati, der König Bandhuma war sein Vater, Bandhumati hieß seine Mutter, Khanda und Tissa waren seine ersten Schüler, Asoka hieß sein Aufwärter, Canda und Candamitta waren seine ersten Schülerinnen, ein Patali-Baum [der Trompetenbaum, Bignonia suaveodens] war sein Erkenntnisbaum , sein Körper war achtzig Ellen hoch, der Glanz von seinem Körper durchdrang beständig sieben Yojanas, sein Alter betrug achtzigtausend Jahre.


§241. „Nach Phussa als der Sambuddha,
als höchster unter allen Menschen
ein Mann mit Namen Vipassi
kam auf die Welt, der Einsichtsvolle.“ —

 

§B1.21 (Die Erzählung vom Buddha Sikhi)

Nach dessen Zeit, im einunddreißigsten Weltalter von jetzt aus, waren zwei Buddhas, Sikhi und Vessabhu. Auch Sikhi hatte drei Zusammenkünfte von Schülern: bei der ersten Zusammenkunft waren hunderttausend Mönche, bei der zweiten achtzigtausend, bei der dritten siebzigtausend.

Damals war der Bodhisattva ein König namens Arindama. Er spendete der Gemeinde, die den Buddha zu ihrem Haupte hatte, ein großes Almosen samt Gewändern; auch schenkte er einen mit den sieben Arten der Kostbarkeiten geschmückten kostbaren Elefanten und gab dazu eine Menge Zaumzeug nach dem Maße des Elefanten. Auch dieser gab ihm den Bescheid: „Von jetzt an in einunddreißig Weltaltern wirst du ein Buddha werden.“

Die Stadt dieses Erhabenen aber hieß Arunavati, der Fürst Aruna war sein Vater, Pabhavati hieß seine Mutter, Abhibhu und Sambhava waren seine ersten Schüler, Khemamkara war sein Aufwärter, Makhila und Paduma waren seine ersten Schülerinnen, ein Pundarika-Baum [der weiße Lotos] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war siebenunddreißig Ellen hoch, der Glanz seines Körpers durchdrang beständig drei Yojanas, sein Alter betrug siebenunddreißigtausend Jahre.


§242. „Nach Vipassi kam als Sambuddha,
als höchster unter allen Menschen,
der Sieger Sikhi zubenannt,
ganz unvergleichlich, unerreichbar.“ —

 

§B1.22 (Die Erzählung vom Buddha Vessabhu)

In der Zeit nach diesem kam ein Meister namens Vessabhu. Auch dieser hatte drei Zusammenkünfte von Schülern: bei der ersten Zusammenkunft waren achthunderttausend Mönche, bei der zweiten siebenhunderttausend, bei der dritten sechshunderttausend.

Damals war der Bodhisattva ein König namens Sudassana. Er spendete der Gemeinde, die den Buddha zu ihrem Haupte hatte, ein großes Almosen samt Gewändern; dann betätigte er bei ihm die Weltflucht. Er war ausgestattet mit der Tugend guten Wandels und hatte oft seine Freude an der Betrachtung über das Buddhakleinod. Auch zu ihm sprach der Erhabene: „Im einunddreißigsten Weltalter von jetzt an wirst du ein Buddha werden.“

Die Stadt dieses Erhabenen aber hieß Anopama, sein Vater war der König Suppatita, Yasavati hieß seine Mutter, Sona und Uttara waren seine ersten Schüler, Upasanta hieß sein Aufwärter, Dama und Samala waren seine ersten Schülerinnen, ein Sala-Baum war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war sechzig Ellen hoch, sechzigtausend Jahre betrug sein Alter.


§243. „In diesem selben kleinen Zeitraum
erschien als Sieger in der Welt
ein Mann mit Namen Vessabhu
ganz unvergleichlich, unerreichbar.“ —

 

§B1.23 (Die Erzählung vom Buddha Kakusandha)

Nach dessen Zeit aber wurden in diesem unserem Weltalter vier Buddhas wiedergeboren: Kakusandha, Konagamana, Kassapa und unser Erhabener. Der Buddha Kakusandha hielt eine Zusammenkunft seiner Schüler: dort waren vierzigtausend Mönche.

Damals war der Bodhisattva ein König namens Khema. Er spendete der Gemeinde, die den Buddha zu ihrem Haupte hatte, ein großes Almosen samt Almosenschalen und Gewändern und schenkte ihnen auch Salben und Heilmittel; nachdem er dann die Predigt des Meisters angehört, betätigte er bei ihm die Weltflucht. Auch dieser Meister gab ihm diesen Bescheid.

Die Stadt des Buddha Kakusandha aber hieß Khema, der Brahmane Aggidatta war sein Vater, die Brahmanin Visakha war seine Mutter, Vidhura und Sanjiva waren seine ersten Schüler, Buddhija hieß sein Aufwärter, Sama und Campaka waren seine ersten Dienerinnen, ein großer Sirisa-Baum [Acacia sirisa] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war vierzig Ellen hoch, vierzigtausend Jahre betrug sein Alter.


§244. „Nach Vessabhu kam als Sambuddha
und als der höchste von den Menschen
ein Mann mit Namen Kakusandha,
unmessbar und schwer zu erreichen.“ —

 

§B1.24 (Die Erzählung vom Buddha Konagamana)

Nach dieser Zeit trat ein Meister namens Konagamana auf. Auch dieser hatte nur eine Zusammenkunft seiner Schüler: dort waren dreißigtausend Mönche.

Damals war der Bodhisattva ein König namens Pabbata; umgeben von der Schar seiner Minister ging er zu dem Meister hin, und nachdem er die Predigt angehört, lud er die Mönchsgemeinde mit Buddha, ihrem Haupte, ein. Er spendete ein großes Almosen; auch schenkte er feine Gewänder, ein Kleid aus Seide gewebt und eine Decke aus feinster Baumwolle sowie ein goldenes Tuch. Sodann betätigte er bei dem Meister die Weltflucht. Auch dieser gab ihm diesen Bescheid.

Die Stadt dieses Erhabenen hieß Sobhavati, sein Vater war der Brahmane Yannadatta, die Brahmanin Uttara war seine Mutter, Bhiyyosa und Uttara waren seine ersten Schüler, Sotthija war sein Aufwärter, Samudda und Uttara waren seine ersten Schülerinnen, ein Udumbara-Baum [Ficus glomerata] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war zwanzig Ellen hoch, dreißigtausend Jahre betrug sein Alter.


§245. „Nach Kakusandha als Sambuddha,
als höchster von den Menschen kam
der Sieger Konagamana,
das Haupt der Welt, der Männer bester.“ —

 

§B1.25 (Die Erzählung vom Buddha Kassapa)

Nach dieser Zeit erstand in der Welt ein Meister namens Kassapa. Auch dieser hielt nur eine Zusammenkunft seiner Schüler: dort waren zwanzigtausend Mönche.

Damals war der Bodhisattva ein junger Brahmane namens Jotipala, der zur Vollendung in den drei Veden vorgedrungen war. Auf Erden und im Himmel war er bekannt und er war der Freund des Töpfers Ghatikara. Er suchte mit diesem den Meister auf und betätigte, nachdem er dessen Predigt gehört, bei ihm die Weltflucht. Mit angestrengter Kraft erlernte er die drei Pitakas und erleuchtete die Buddhadisziplin durch seine Vollendung in den großen und kleinen Pflichten. Auch dieser Meister gab ihm diesen Bescheid.

Die Geburtsstadt dieses Erhabenen war Benares, der Brahmane Brahmadatta war sein Vater, die Brahmahin Dhanavati war seine Mutter, Tissa und Bharadvaja waren seine ersten Schüler, Sabbamitta hieß sein Aufwärter, Anuja und Uruveja waren seine ersten Schülerinnen, ein Nigrodha-Baum [Bananenbaum, Ficus indica] war sein Erkenntnisbaum, sein Körper war zwanzig Ellen hoch, sein Alter betrug zwanzigtausend Jahre.


§246. „Nach Konagamana erschien
als Sambuddha, der Menschen höchster,
ein Sieger namens Kassapa,
der Wahrheitskönig, Lichtverbreiter.“ —

 

§B1.26 (Die Aufzählung der 24 Buddha-Vorgänger)

In dem Weltalter aber, in welchem der mit den zehn Kräften ausgestattete Dipamkara auftrat, gab es noch drei andere Buddhas. Von diesen erhielt der Bodhisattva keinen Bescheid; darum sind sie hier nicht erwähnt. In dem Kommentar aber ist, um von diesem Weltalter an alle Buddhas anzuführen, folgendes gesagt

§247. „Tanhamkara, Medhamkara
und darauf Saranamkara,
der Sambuddha Dipamkara
und Kondanna, der Menschen höchster,
 
§248. Mangala dann und Sumana,
Revata, Sobhita, der Weise,
Anomadassi, Paduma,
Narada, Padumuttara,
 
§249. Sumedha und Sajata auch,
der hochberühmte Piyadassi,
Atthadassi, Dhammadassi,
Siddhattha dann, der Weltenführer,
 
§250. Tissa und Phussa, der Sambuddha,
Vipassi, Sikhi, Vessabhu,
Kakusandha, Konagamana,
dazu der Führer Kassapa:
 
§251. Dies waren die Erleuchteten,
von Lüsten frei und voller Ruhe;
so wie die Sonne wurden sie,
das große Dunkel sie vertrieben.
Wie Feuerhaufen strahlend gingen
sie zum Nirvana mit den Schülern.“ —


Dann kam unser Bodhisattva, nachdem er bei den vierundzwanzig Buddhas, die mit Dipamkara beginnen, seinen Entschluss gefasst hatte, während vier Asamkheyyas und hunderttausend Weltaltern. In der Zeit nach dem Buddha Kassapa aber gab es außer diesem Sambuddha keinen anderen Buddha. So hatte bei den mit Dipamkara beginnenden vierundzwanzig Buddhas der Bodhisattva diesen Bescheid erhalten.

 

§B1.27 (Die Erfüllung der 10 Vollendungen)

Wie er aber

§251.1. „Menschsein und männliches Geschlecht,
Ursache, Anschauen des Meisters,
Weltflucht, Vollendung in der Tugend,
fester Entschluss und Wohlgefallen:
aus dieser acht Vereinigung
kommt der Entschluss zur Buddhawürde“,

diese acht Bedingungen verbunden hatte, strengte er sich bei dem zu den Füßen des Dipamkara gefassten Entschluss an:

§251.2 „Wohlan, die einen Buddha bewirkenden Tugenden
will ich nach allen Seiten hin untersuchen [96a].
„Beim Untersuchen fand als Erstes
ich die Vollendung dort im Spenden [96b]“.


Nachdem er die mit der Vollendung im Spenden beginnenden Tugenden, die einen Buddha bewirken, eingesehen hatte, kam er in ihrer Erfüllung bis zu seiner Existenz als Vessantara [97]; und während er dorthin gelangte, pries er die Vorteile der Bodhisattvas, die ihren festen Entschluss gefasst haben:


§252. „Mit allen Kennzeichen versehen
die Männer, standhaft in Erleuchtung,
auf ihrer weiten Wanderung
in hundert Kotis Weltaltern
 
§253. gelangen sie doch nie zur Hölle,
auch nicht in die Weltzwischenräume [98];
unendlich gierig, durstig, hungrig,
Kalakanjakas [99] sie nicht werden;
sie werden keine kleinen Tiere,
auch wenn sie an den Strafort [100] kommen.
 
§254. Sind unter Menschen sie entsprossen,
so werden sie nicht blind geboren;
es gibt keine Schwerhörigkeit,
auch taubstumm werden dann sie nicht.
 
§255. Als Weib werden sie nicht geboren,
nicht zweigeschlechtig, nicht verschnitten
werden die Männer, die bestimmt
zur völligen Erleuchtung sind.
 
§256. Von fortlaufenden Sünden frei
sie leben allenthalben rein;
der Unzucht sind sie nicht ergeben,
weil sie verstehn der Taten Wirkung.
 
§257. Auch wenn sie in den Himmeln wohnen,
zum Unbewusstsein [101] sie nicht kommen,
denn unter rein lebenden Göttern
gibt es kein weiteres Verdienst.
 
§258. Stark im Verzicht die weisen Männer,
gelöst in den verschiednen Leben [102],
so wandeln sie der Welt zum Heile
alle Vollendungen erfüllend.“


Nachdem er dieser Vorteile teilhaftig geworden war, gelangte er dorthin. Während er aber die Vollendungen erfüllte in der Zeit, da er

gab es kein Maß seiner Existenzen, in denen er die Vollendungen erfüllte. Besonders aber im Jataka von dem weisen Hasen, wo es heißt [104]:


§259. „Als ich ihn sah zum Betteln kommen,
verzichtet' ich aufs eigne Ich.
Im Spenden ist mir niemand gleich;
dies die Vollendung mein im Spenden“,

während er so die Selbstaufopferung betätigte, wurde aus seiner Vollendung im Spenden die höchste Vollendung.

Dann zur Zeit, da er der Schlangenkönig Silava (= „der Tugendhafte“) war, der Schlangenkönig Campeyya, der Schlangenkönig Bhuridatta, der Elefantenkönig Chaddanta, der Sohn des Königs Jayaddisa, Prinz Alinasattu [105], gab es kein Maß seiner Existenzen, in denen er die Vollendung in der Tugend erfüllte. Besonders aber im Samkhapala-Jataka [Jataka 524], wo es heißt:


§260. „Durchbohren sie mich auch mit Pfählen,
zerstoßen sie mich auch mit Spießen,
doch zürn ich nicht den Bhoja-Söhnen;
dies ist meine Tugendvollendung“,

während er so die Selbstaufopferung betätigte, wurde seine Vollendung in der Tugend zur höchsten Vollendung. —

Dann zur Zeit, da er der Prinz Somanassa war, der Prinz Hatthipala, der Weise Ayoghara [Jataka 505, 509, 510] usw., gab es kein Maß seiner Existenzen, in denen er ein großes Reich aufgab und dadurch die Vollendung in der Selbstverleugnung erfüllte. Besonders aber im Culasutasoma-Jataka [Jataka 525], wo es heißt:


§260. „Das große Reich, das ich besaß,
warf weg ich wie 'nen Speichelklumpen,
nicht hing ich beim Aufgeben dran;
dies meine Aufopfervollendung“,

während er so im Freisein von Anhänglichkeit seine Herrschaft aufgab und fortzog, wurde seine Vollendung in der Selbstverleugnung zur höchsten Vollendung. —

 
Dann zur Zeit, da er


* Mahagovinda-Jataka existiert nicht, Jataka 70, Jataka 169, Jataka 528 (Mahabodhi-Jataka), Jataka 546.


war usw., gab es kein Maß seiner Existenzen, in denen er die Vollendung in der Weisheit erfüllte. Besonders aber im Sattubhatta-Jataka [Jataka 402, gewöhnlich Sattubhasta-Jataka genannt], da er der weise Senaka war, wo es heißt:


§261. „Da ich mit Weisheit überlegte,
errettete ich den Brahmanen.
In Weisheit ist mir keiner gleich;
dies ist meine Weisheitsvollendung“,

während er da nachwies, dass eine Schlange sich in dem Ranzen befand, wurde seine Vollendung in der Weisheit zur höchsten Vollendung. —


Dann gibt es auch kein Maß seiner Existenzen, in denen er die Vollendung im kraftvollen Streben betätigte. Besond