Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten
545. Die Erzählung von dem weisen Vidhura (Vidhurapandita-Jataka)
„Gelb bist du, abgemagert, schwach“
[1]
§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte,
mit Beziehung auf die Vollendung in der Wahrheit. — Eines Tages nämlich
begannen die Mönche in der Lehrhalle folgendes Gespräch: „Freund, der Meister
ist von großer Weisheit, von ausgebreiteter Weisheit, von fröhlicher Weisheit,
von rascher Weisheit, von scharfer Weisheit, von durchdringender Weisheit. Er
zerschmettert die Widerreden; er hat durch die übernatürliche Kraft seiner
Weisheit die von weisen Fürsten ausgedachten feinen Fragen gelöst, hat jene zur
Selbstverleugnung gebracht, sie in den Zufluchten und in den Geboten befestigt
und sie auf den zur Unsterblichkeit führenden Weg geleitet.“ Da kam der Meister
und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier
niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach er weiter: „Kein
Wunder ist es, ihr Mönche, dass der zur höchsten, vollkommenen Erleuchtung
gelangte Vollendete die Schmähreden der Gegner widerlegen und Fürsten u. dgl.
bezähmen kann. Denn in einer früheren Existenz, obwohl er nach der Erkenntnis
der Erleuchtung erst suchte, war der Vollendete auch schon voll Weisheit und
zerbrach die Reden der Gegner. Damals nämlich habe ich zur Zeit, da ich der
junge Vidhura war, auf dem Gipfel des sechzig Meilen hohen Kala-Berges den
Dämonen-Heerführer, Punnaka mit Namen, allein durch die Macht der Erkenntnis
überwunden, zur Selbstverleugnung gebracht und ihn veranlasst, sein eigenes
Leben als Geschenk hinzugeben.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende
Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B1. (Das Kapitel von den vier Uposatha-Gelübden) [1b]
Ehedem herrschte im Reiche Kuru in
der Stadt Indapatta der König Dhananjaya-Korabba [2]. Der weise Vidhura hieß
sein Minister, der ihn in weltlichen und geistlichen Dingen unterwies. Dieser
besaß die Gabe lieblicher Rede und war ein großer Verkünder der Wahrheit. Die
Könige von ganz Indien hatte er wie Elefanten, die durch den Ton der den
Elefanten angenehmen Laute verlockt werden, durch seine süße Verkündigung der
Wahrheit bezaubert und ließ sie nicht in ihre eigenen Reiche zurückkehren,
sondern indem er mit Buddha-Anmut viel Volks die Wahrheit lehrte, blieb er unter
großer Ehrung in dieser Stadt wohnen.
Zu Benares aber hatten vier
wohlhabende Brahmanen, befreundete Hausväter [3], den Nachteil eingesehen, der
in den Lüsten liege, waren nach dem Himalaya gezogen und betätigten hier die
Weltflucht der Weisen. Sie erlangten die Erkenntnisse und die Vollendungen und
nährten sich von den Wurzeln und Früchten des Waldes. Nachdem sie dort lange
geweilt, wanderten sie fort, um sich mit Salz und Saurem zu versehen, und kamen
auf ihrer Wanderung im Reiche Anga nach der Stadt Kalacampa, die sie betraten,
um Almosen zu sammeln. Hier waren vier befreundete Gutsbesitzer über ihren
edlen Wandel hocherfreut; sie begrüßten sie ehrfurchtsvoll, nahmen ihnen ihre
Almosenschalen ab und ein jeder bewirtete einen von ihnen in seinem Hause mit
vorzüglicher Speise. Nachdem sie deren Zustimmung erlangt, wiesen sie ihnen im
Parke ihre Wohnung an.
Nachdem nun die vier Asketen im
Hause der vier Gutsbesitzer gespeist, gingen sie, um den Tag zu verbringen,
fort: der eine in den Himmel der dreiunddreißig Götter, der eine in das Naga-Reich, der eine in das Supanna-Reich und der letzte in den Migacira-Park
des Königs Koravya. Derjenige von ihnen, der in die Götterwelt gegangen war und
dort den Tag verbracht hatte, betrachtete dort den Glanz des Gottes Sakka und
pries nur diesen bei seinem Gastfreunde; derjenige, welcher in das Naga-Reich
gegangen war und dort den Tag verbracht hatte, betrachtete dort die Glücksfülle
des Naga-Königs und pries nur diese seinem Gastfreunde; derjenige, welcher in
das Supanna-Reich gegangen war und dort den Tag verbracht hatte, betrachtete
dort die Würde des Supanna-Königs und pries nur diese seinem Gastfreunde;
derjenige endlich, welcher im Parke des Königs Koravya den Tag verbracht hatte,
betrachtete dort die fürstliche Pracht des Königs Dhananjaya und pries nur diese
vor seinem Gastfreunde. Auch die vier Leute strebten deshalb nach diesem Platze
der Götter; sie gaben Almosen und übten noch andere gute Werke. Dadurch wurde am
Ende seines Lebens einer als Gott Sakka wiedergeboren, einer wurde mit Frau und
Kindern im Naga-Reiche wiedergeboren, einer wurde als der Supanna-König in dem
Palaste am Simbali-See wiedergeboren und einer nahm seine Wiedergeburt im Schoße
der ersten Gemahlin des Königs Dhananjaya. Die Asketen aber wurden in der
Brahmawelt wiedergeboren.
Als der Prinz Koravya
herangewachsen war, kam er nach dem Tode seines Vaters auf den Thron und führte
die Herrschaft mit Gerechtigkeit; er verstand sich aber sehr gut auf das
Würfelspiel. In Befolgung der Ermahnungen des weisen Vidhura spendete er
Almosen, hielt die Gebote und beobachtete das Uposatha. Als er nun eines Tages
sich zum Halten des Uposatha entschlossen hatte, dachte er: „Ich will mich der
Einsamkeit ergeben“; er ging in den Park, setzte sich an einer reizenden
Stelle nieder und betätigte die Asketentugend. Auch Sakka hatte sich zum
Uposatha entschlossen und dachte: „In der Götterwelt besteht ein Hindernis“;
deshalb begab er sich in die Menschenwelt, ging in denselben Park, setzte sich
auch an eine reizende Stelle und betätigte die Asketentugend. Auch der Naga-König Varuna hatte sich zum Uposatha entschlossen und dachte: „In dem
Naga-Reiche besteht ein Hindernis dafür“; er ging ebendahin, setzte sich an
einer reizenden Stelle nieder und betätigte die Asketentugenden. Endlich hatte
auch der Supanna-König sich zum Uposatha entschlossen und dachte: „Im
Supanna-Reiche besteht ein Hindernis“; er war ebendorthin gegangen, hatte sich
an einer lieblichen Stelle niedergesetzt und betätigte dort die Asketentugend.
Zur Abendzeit aber verließen diese
vier ihre Plätze, trafen am Ufer des königlichen Lotosteiches zusammen und
schauten einander an. Durch die Kraft ihrer früheren Liebe waren sie einig und
einträchtig, betätigten ihre Liebe zueinander, begannen eine freundliche
Unterhaltung und setzten sich dann nieder; und zwar setzte sich Sakka auf den
königlichen Steinsitz, die anderen suchten sich einen passenden Platz und
setzten sich dort nieder.
Darauf sprach Sakka zu ihnen: „Wir
sind ja vier Könige; von wem unter uns aber ist die Tugend am größten?“ Ihm
entgegnete der Naga-König Varuna: „Größer als die Tugend von euch drei Leuten
ist meine Tugend.“ Auf die Frage: „Was ist der Grund davon?“, fuhr er fort:
„Dieser Supanna-König hier ist unser Feind, wenn wir geboren sind und auch wenn
wir noch nicht geboren sind. Obwohl ich aber einen solchen Feind sehe, der uns
das Leben nimmt, fühle ich keinen Zorn gegen ihn; darum ist meine Tugend am
größten.“ Nach diesen Worten sprach er folgende erste Strophe des
Catuposatha-Jataka im zehnten Buche [4]:
- §0.1. „Wer dem, der Zorn verdient,
nicht zürnt,
- als weiser Mann gar niemals Zorn
empfindet,
- auch wenn er zürnt, den Zorn nicht
offenbart,
- den Mann fürwahr nennt in der Welt
man heilig.“
Er fuhr fort: „Diese Vorzüge aber
sind in mir vorhanden; darum ist nur meine Tugend groß.“ Als dies der Supanna-König hörte, sagte er: „Dieser Naga ist meine Lieblingsspeise; weil ich
aber, obwohl ich diese Lieblingsspeise sehe, meinen Hunger unterdrücke und um
des Essens willen nichts Böses tue, darum ist meine Tugend am größten.
- §0.2. Wer leeren Magens seinem
Hunger stand hält,
- bezähmt als Büßer Trank und Speise
mäßigt,
- wer nicht um Essens willen Böses
tut,
- den Mann fürwahr nennt in der Welt
man heilig.“
Darauf erwiderte der Götterkönig
Sakka: „Ich habe die vielgestaltige Götterherrlichkeit, die nächste Ursache des
Glückes, aufgegeben und bin, um die Gebote zu halten, in die Menschenwelt
gekommen; darum ist meine Tugend am größten.“ Und er sprach folgende Strophe:
- §0.3. „Wer Spiel und Sinnenlust
gänzlich verlässt
- und keine Unwahrheit sagt in der
Welt,
- verzichtet auf den Ort der Pracht,
auf Unzucht,
- den Mann fürwahr nennt in der Welt
man heilig.“
So pries auch Sakka seine Tugend.
Als dies König Dhananjaya hörte, sagte er: „Ich habe heute meinen großen Besitz,
meinen mit sechzehntausend Tänzerinnen angefüllten Harem aufgegeben und betätige
im Parke die Asketentugend; darum ist meine Tugend am größten.“ Und er sprach
folgende Strophe:
- §0.4. „Wer den Besitz und alle die
Begierden,
- weil er sie wohl erkennt, im Stiche
lässt,
- den Selbstbezähmten, Festen, frei
von Gier und Lust,
- den Mann fürwahr nennt in der Welt
man heilig.“
Nachdem sie so alle ihre Tugend als
die größte gepriesen hatten, fragten Sakka und die anderen den Dhananjaya: „O
Großkönig, gibt es aber bei Euch irgendeinen Weisen, der uns diesen Zweifel
lösen könnte?“ Er antwortete: „Ja, ihr Großkönige. Ich habe einen Mann, der mich
in weltlichen und geistlichen Dingen unterweist, einen unvergleichlichen Leiter
[5], der weise Vidhura genannt. Dieser wird unsern Zweifel lösen; zu ihm wollen
wir hingehen.“ „Gut“, sagten sie und stimmten zu. Darauf verließen sie alle den
Park, gingen zur Lehrhalle hin und befahlen, sie zu schmücken. Dann ließen sie
den Bodhisattva in der Mitte des Polsters Platz nehmen und begannen eine
liebenswürdige Unterhaltung mit ihm. Als sie dann ihm zur Seite saßen, sagten
sie: „Du Weiser, uns ist ein Zweifel aufgestiegen; löse uns diesen!“ Und sie
sprachen folgende Strophe:
- §0.5. „Wir fragen den Betät'ger
höchster Weisheit;
- in Strophen ist ein Streit bei uns
entstanden.
- Löse uns heut den Zweifel, die
Bedenken;
- durch dich heut wollen wir entgehn
dem Zweifel.“
Als der Weise ihre Rede hörte,
erwiderte er: „Ihr Großkönige, wie soll ich von den Streitversen, die ihr wegen
eurer Tugend machtet, erkennen, ob sie gut gesagt oder schlecht gesagt sind?“
Und er sprach folgende Strophen:
- §0.6. „Die Weisen, die die Dinge
recht verstehen,
- die reden klüglich dort zur rechten
Zeit.
- Wie könnten von den ungesprochnen
Versen
- den Sinn, ihr Fürsten, wohl
erkennen Weise?
-
- §0.7. Wie hat fürwahr gesagt der
Naga-König,
- wie andrerseits der Vogel Garula [6],
- was ferner sagte der
Gandharva-König [7],
- was endlich sprach der Kurus bester
Fürst?“
Darauf sagten sie ihm folgende
Strophe:
- §0.8. „Geduld fürwahr gab an der
Naga-König,
- das Fasten pries der Vogel Garula,
- das Lustaufgeben der
Gandharva-König,
- die Armut lobt' der Kurus bester
Fürst.“
Als das große Wesen ihre Rede
vernommen, antwortete es:
- §0.9. „All diese Worte sind gar gut
gesprochen,
- kein einziges davon ist schlecht
gesagt.
- In wem jedoch diese vereinigt sind,
- wie Speichen in den Naben sich
vereinen,
- wer mit den vier Tugenden
ausgestattet,
- den Mann fürwahr nennt in der Welt
man heilig.“
So machte das große Wesen die
Tugend der vier zu einer einzigen gleichen. Als dies die vier Leute hörten,
waren sie hocherfreut und sprachen, um ihn zu loben, folgende Strophe:
- §0.10. „Du bist der beste, bist
unübertrefflich,
- die Wahrheit wissend, tugendkundig,
klug.
- Mit Weisheit fasstest du die Frage
auf
- und löstest uns als Weiser die
Bedenken;
- du brachest unsre Zweifel und
Bedenken
- wie Elfenbein der Drechsler mit der
Säge.“
So waren auch diese vier Leute über
seine Beantwortung ihrer Frage erfreuten Herzens. Darauf ehrte ihn Sakka mit
einem himmlischen Gewande, der Garula mit einem goldenen Kranze, der Naga-König
Varuna mit einem Kleinod, der König Dhananjaya aber mit tausend Kühen usw.;
darum sprach dieser folgendermaßen:
- §0.11. „Der Kühe tausend, einen
starken Stier [8],
- zehn Wagen, wohl bespannt mit edlen
Rossen,
- erfreut durch die Beantwortung der
Frage
- geb ich dir und nach Wunsch noch
sechzehn Dörfer.“
Nachdem aber Sakka und die anderen
dem großen Wesen ihre Verehrung bezeigt hatten, kehrten sie an ihren Ort zurück.
Ende des Kapitels von den vier
Uposatha-Gelübden
§B2. (Das Kapitel von dem Gelüste)
Unter ihnen hatte der Naga-König
eine Gattin mit Namen Fürstin Vimala. Als diese an seinem Halse das
Schmuckkleinod nicht mehr sah, fragte sie ihn: „O Fürst, wo ist aber dein
Kleinod?“ Er erwiderte: „Liebe, als ich die Wahrheitsunterweisung des weisen
Vidhura, des Sohnes des Brahmanen Canda, hörte, ehrte ich ihn hocherfreut durch
dieses Kleinod; aber nicht ich allein sondern auch Sakka ehrte ihn mit einem
himmlischen Gewande, der Supanna-König mit einem goldenen Kranze und der König
Dhananjaya durch Schenkung von tausend Kühen usw.“ Darauf sagte sie weiter: „Ist
er ein Verkündiger der Wahrheit, o Fürst?“ Er antwortete: „Liebe, was sagst du
da? Es ist als sei im Gebiete von Indien ein Buddha erschienen. Von ganz Indien
sind die hunderteins Könige durch dessen liebliche Rede gefesselt wie brünstige
Elefanten, die durch den Ton der den Elefanten angenehmen Laute bezaubert sind,
und kehren nicht mehr in ihre Königreiche zurück; ein so süßer Verkündiger der
Wahrheit ist dieser.“
Als sie diese Kunde von den
Vorzügen des weisen Vidhura vernahm, bekam sie Lust, dessen
Wahrheitsverkündigung zu hören, und dachte bei sich: „Wenn ich sagen werde: ‘O
Fürst, ich habe Lust, seine Wahrheitsverkündigung zu hören; führe ihn sogleich
hierher’, so wird er ihn nicht herbringen. Wie, wenn ich nun ihm sagte: ‘In
meinem Herzen ist ein Gelüste entstanden’, und mir den Anschein der Krankheit
gäbe?“ Sie tat so, gab ihren Dienerinnen einen Wink und legte sich nieder. Als
nun der Naga-König sie zur Zeit der Aufwartung nicht sah, fragte er ihre
Dienerinnen: „Wo ist Vimala?“ Da sie antworteten: „Sie ist krank, o Fürst“, ging
er zu ihr hin, setzte sich auf die Seite ihres Lagers und sprach, indem er ihren
Körper rieb, folgende erste [9] Strophe:
- §1. „Gelb bist du, abgemagert,
schwach;
- nicht war vorher dein Aussehn
derart.
- Sag, Vimala, auf meine Frage:
- Von welcher Art sind deine
Schmerzen?“
Um es ihm zu melden, sprach sie
folgende zweite Strophe:
- §2. „Bei Frauen gibt es eine
Eigenheit,
- Gelüste nennt man sie, du
Völkerfürst.
- Nach dem rechtmäßig hergebrachten
Herzen
- des Vidhura verlang ich, Naga-Fürst.“
Als dies der Naga-König hörte,
sprach er folgende dritte Strophe:
- §3. „Traun [9a], nach dem Monde
hast du ein Gelüste
- oder der Sonne oder nach dem Winde!
- Da schon Vidhuras [10] Anblick
schwer erreichbar,
- wer wird Vidhura hierher bringen
können?“
Da sie dessen Worte vernahm, sagte
sie: „Wenn ich es nicht erhalte, so werde ich hier auf der Stelle sterben“; sie
drehte sich um, zeigte ihm den Rücken und legte sich nieder, das Antlitz mit dem
Zipfel ihres Gewandes bedeckt. Der Naga-König ging in sein Schlafgemach und
überlegte, auf seinem Lager sitzend: „Vimala lässt das Herzfleisch des Vidhura
herbeiholen.“ Da dachte er: „Wenn Vimala das Herz des Weisen nicht bekommt, so
muss sie sterben. Wie könnte ich wohl dessen Herzfleisch erhalten?“
Da kam seine Tochter, Irandati mit
Namen, die Naga-Prinzessin, mit allem Schmuck geziert, mit großem Liebreiz, um
ihm ihre Aufwartung zu machen; sie bezeigte ihrem Vater ihre Verehrung und blieb
ihm zur Seite stehen. Als sie die Veränderung in seinen Zügen gewahrte, sagte
sie: „Väterchen, du bist allzu sehr betrübt; wer ist daran schuld?“ Und um ihn
zu fragen, sprach sie folgende Strophe:
- §4. „Warum bist, Väterchen, du
ärgerlich?
- Dem Lotos, der berührt ist, gleicht
dein Antlitz.
- Was siehst du ungehalten aus, o
Herr?
- Sei nicht bekümmert, Quäler deiner
Feinde!“
Als der Naga-König die Worte seiner Tochter vernahm, sprach
er, um ihr den Sachverhalt zu verkünden:
- §5. „Ja, deine Mutter, o Irandati,
- trägt nach dem Herz des Vidhura
Verlangen.
- Da schon Vidhuras Anblick schwer
erreichbar,
- wer wird Vidhura hierher bringen
können?“
Darauf sagte er zu ihr: „Meine
Tochter, bei mir ist niemand, der im Stande wäre, den Vidhura herbeizubringen.
Gib du deiner Mutter das Leben wieder; suche dir einen Gatten, der fähig ist,
den Vidhura herbeizubringen.“ Und um sie anzutreiben, sprach er folgende
Halbstrophe:
- §6. „Wandle umher und such dir
einen Gatten,
- der den Vidhura hierher bringen
kann.“
So sagte dieser aus Lust zu
sinnlichem Vergnügen seiner Tochter ein unpassendes Wort.
- Doch als sie ihres Vaters Wort
vernommen,
- ging nachts sie fort und wanderte
voll Lust.
Während sie aber umherwanderte,
holte sie im Himalaya die Blumen voll Schönheit, Wohlgeruch und Wohlgeschmack,
schmückte mit ihnen den Berg wie ein kostbares Kleinod und machte auf seiner
oberen Fläche ein Blumenlager. Indem sie tanzte, dass es reizend anzusehen war,
und ein süßes Lied sang, sprach sie folgende siebente Strophe:
- §7. „Welcher Gandharva oder Dämon,
- Naga, Feenmann oder Mensch,
- welch Weiser, aller Freuden
Spender,
- will lange Zeit mein Gatte sein?“ —
In diesem Augenblicke begab sich
gerade der Neffe des Großkönigs Vessavana [11], der Dämonenheerführer Punnaka,
nachdem er sein drei Gavutas [12] großes Zauber-Sindhu-Ross bestiegen, auf dem
Gipfel des Kala-Berges nach der Manosila-Ebene zu einer Zusammenkunft der
Dämonen und hörte dabei ihren Gesang. Der Ton des Liedes seiner früheren Frau,
die er in seiner letzten Existenz besessen hatte, durchdrang seine Haut usw. und
drang durch bis zu den Knochen. Er wurde verliebt, kehrte um und sagte, noch
auf dem Rücken seines Sindhu-Rosses sitzend: „Liebe, ich bin durch meine
Weisheit, Tugend und Gerechtigkeit im Stande, das Herz des Vidhura
herbeizubringen; sei ohne Sorge!“ Und um sie zu trösten, sprach er folgende
achte Strophe:
- §8. „Sei nur getrost; ich werd dein
Gatte,
- dein Mann, du schönäugiges Mädchen,
- denn derartig ist meine Weisheit.
- Sei nur getrost, du wirst mein
Weib.“
-
- §9. Darauf sagte Irandati zu ihm
- so denkend, wie 's entsprach dem
frühren Leben:
- „Komm, wollen wir zu meinem Vater
gehn;
- er wird dir diesen Sachverhalt
verkünden.“
-
- §10. Geschmückt mit schönen
Kleidern und
- mit Kränzen, sandelüberstreut
- nahm sie den Dämon bei der Hand
- und ging zu ihrem Vater hin.
Der Dämon Punnaka aber fasste sie
von hinten, ging zu dem Naga-König hin und sprach, um Irandati zur Frau zu
begehren:
- §11. „Du Naga-König, höre auf mein
Wort:
- Nimm an ein angemessenes Geschenk.
- Denn ich verlange nach Irandati;
- darum vereinige du mich mit ihr.
-
- §12. Hundert Rosse und Elefanten,
- auch hundert Maultiere und Wagen,
- dann hundert Schuppen [13], alle
voll
- von mannigfachen Edelsteinen:
- diese nimm an, du Naga-Fürst,
- gib deine Tochter mir Irandati!“
Darauf antwortete ihm der
Naga-König:
- §13. „Ich will 's einstweilen den
Verwandten,
- den Freunden und Vertrauten sagen.
- Die Tat unüberlegt getan,
- die hat man später nur zu büßen.“
-
- §14. Darauf der Naga Varuna
- hinein ging wieder in sein Haus;
- er rief die Gattin zu sich her
- und sprach zu ihr dann dieses Wort:
-
- §15. „Hier dieser Dämon Punnaka
- bittet mich um Irandati;
- um den Empfang von vielem Gut
- wolln wir ihm geben, die mir lieb.“
Vimala antwortete:
- §16. „Nicht ist um Geld oder um Gut
- unsre Irandati erhältlich.
- Wenn aber er fürwahr das Herz des
Weisen
- rechtlich erlangt zu uns her könnte
bringen,
- um dieses Gut das Mädchen wär'
erhältlich;
- nicht andre Schätze wollen wir
darüber.“
-
- §17. Darauf der Naga Varuna
- herausging wieder aus dem Haus,
- den Punnaka redet' er an
- und sprach zu ihm folgendes Wort:
-
- §18. „Nicht ist um Geld oder um Gut
- unsre Irandati erhältlich.
- Wenn aber du fürwahr das Herz des
Weisen
- rechtlich erlangt zu uns her
könntest bringen,
- um dieses Gut wäre das Mädchen
feil;
- nicht andre Schätze wollen wir
darüber.“
Punnaka antwortete:
- §19. „Wen weise nennen manche in
der Welt,
- den nennen andre wieder einen
Toren.
- Verkünde mir, denn man kann drüber
streiten:
- von welchem Weisen sprachest du
jetzt, Naga?“
Der Naga-König erwiderte:
- §20. „Dhananjayas, des Kuru-Königs,
Helfer,
- wenn du 's gehört, mit Namen
Vidhura,
- den Weisen bringe her; wenn du ihn
rechtlich
- erlangtest, werd Irandati dein
Weib.“
-
- §21. Als dieses Wort des Varuna
vernommen
- der Dämon, stand er voller Freude
auf;
- so, wie er war, sprach er zu einem
Diener:
- „Bring mir mein edles Ross her
aufgezäumt!“
-
- §22. Aus Gold gemacht waren die
Ohren
- und aus Rubinen seine Hufe,
- aus glänzendem, geläutertem
- Gold war sein Panzer um die Brust.
Der Mann brachte sogleich das
Sindhu-Ross herbei. Punnaka bestieg es, begab sich durch die Luft zu Vessavana,
pries ihm das Naga-Reich und meldete ihm die Begebenheit. — Um dieses zu
verkünden, ist folgendes gesagt:
- §23. Das Ross, das einen
Götterwagen
- könnt' fahren, Punnaka bestieg;
- herrlich geschmückt, geordnet Haar
und Bart,
- entfernt' er sich nach oben durch
die Luft.
-
- §24. Und Punnaka aus Liebesmacht
voll Gier
- Irandati, das Naga-Mädchen,
wünschend,
- ging hin zu dem berühmten Herrn der
Geister
- und sprach so zu Vessavana-Kuvera:
-
- §25. „Bhogavati, so heißt das
schöne Haus,
- die goldne Wohnung wird es auch
genannt;
- in der kunstvoll gebauten goldnen
Stadt
- ist 's für den Schlangenkönig [14]
aufgerichtet.
-
- §26. Wachttürme gibt 's mit Lippen
und mit Hälsen [15]
- aus edelem Rubin und Katzenaugen;
- Paläste sind dort, auch aus Stein
gemacht,
- mit Gold und Edelsteinen zugedeckt.
-
- §27. Mangos und Tilakas und
Rosenäpfel [16],
- Sattapannas, Mucalindas, Ketakas,
- Piyakas und Uddalakas und Sahas
- und Sinduvaritas bedeckt mit Fülle,
-
- §28. Campeyyakas und Nagamalikas,
- Bhaginimalas gibt 's und Koliyas:
- all diese Bäume beugen sich ringsum
- und sie verschönen jener Schlange
Haus.
-
- §29. Auch wilde Palmen gibt 's aus
Stein
- mit goldnen Blumen immer blühend;
- dort wohnt der elternlos Geborene
[17],
- der mächt'ge Naga-König Vidhura.
-
- §30. Die edle Gattin sein heißt
Vimala,
- mit einem Körper wie ein goldner
Zweig,
- wie eine junge Kala ist sie hoch,
- ihr Busen schön zu sehn wie
Nimba-Blüten.
-
- §31. Mit rotem Lack ist ihre Haut
geziert
- dem Kanikara gleich, der einsam
blüht,
- gleich einem Mädchen in der
Götterwelt,
- gleich einem Blitz, der durch die
Wolke dringt.
-
- §32. Von dem Gelüst erfüllt und
aufgeregt
- verlangt sie nach dem Herz des
Vidhura.
- Dieses will ihnen ich verschaffen,
Herrscher;
- dafür geben sie mir Irandati.“
Da dieser so ohne Erlaubnis des
Vessavana sich nicht fortzugehen getraute, sagte er, um ihn dies merken zu
lassen, diese vielen Strophen. Vessavana aber hörte gar nicht auf dessen Worte,
sondern er entschied gerade den Streit um einen Palast zwischen zwei
Götter-Söhnen. Obwohl jedoch Punnaka merkte, dass seine Worte nicht gehört
wurden, stellte er sich neben den Göttersohn, der der Sieger war. Nachdem nun
Vessavana den Streit entschieden hatte, bestätigte er den Unterlegenen nicht,
sondern sprach zu dem anderen: „Gehe du und wohne in deinem Palaste.“ Im
Augenblicke aber, da er sagte: „Gehe du“, sprach Punnaka: „Merkt euch, dass
mein Oheim mich fortgeschickt hat“, und nahm einige Göttersöhne als Zeugen. Dann
ließ er auf die oben angegebene Art sein Sindhu-Ross herbeibringen, bestieg es
und entfernte sich.
Um dies zu verkünden, sprach der Meister:
- §33. Da Punnaka zum hehren Herrn
der Geister
- Vessavana-Kuvera so gesprochen,
- befahl er einem Manne, der dort
war:
- „Bringe mein edles Ross gezähmt
hierher!“
-
- §34. Aus Gold gemacht waren die
Ohren,
- aus glänzendem Rubin die Hufe,
- aus funkelndem, geläutertem
- Gold war sein Panzer um die Brust.
-
- §35. Das Ross, das einen
Götterwagen
- könnt' fahren, Punnaka bestieg;
- herrlich geschmückt, geordnet Haar
und Bart,
- entfernt' er sich nach oben durch
die Luft. —
Während er so durch die Luft
dahinritt, dachte er hei sich: „Der weise Vidhura ist von vielen umgeben, ihn
kann man nicht ergreifen. Der Kuru-König Dhananjaya aber ist ein Freund des
Würfelspiels; wenn ich ihn im Spiel besiegt habe, werde ich Vidhura erhalten. In
seinem Hause aber sind viele Kostbarkeiten; für einen wertlosen Preis wird er
nicht Würfel spielen. Man muss ein sehr wertvolles Kleinod herbeiholen, ein
anderes Kleinod wird der König nicht annehmen. In der Nähe der Stadt Rajagaha
aber im Innern des Vepulla-Berges ist ein kostbares Kleinod von großer Macht,
das einem weltbeherrschenden Könige zukommt; dies will ich holen, damit den
König verlocken und dann den König besiegen.“ Und er tat so.
Um dies zu erklären, sprach der Meister:
- §36. Er ging zum schönen Rajagaha
hin,
- der Stadt des Reiches Anga, schwer
bezwingbar,
- gar reich versehn mit Speise und
mit Trank
- wie Vasavas Palast Masakkasara,
-
- §37. umtönt von Pfauen- und von
Reiherscharen,
- umsungen rings und reich belebt von
Vögeln,
- von Vögeln mancher Art umtönt, mit
schönen Höfen,
- bedeckt mit Blumen wie der
Himalaya.
-
- §38. Drauf Punnaka bestieg den Berg
Vepulla
- aus Felsen aufgetürmt, bewohnt von
Feen,
- indem er suchte nach dem großen
Kleinod;
- dies sah er mitten auf der
Bergesspitze.
-
- §39. Als er das Kleinod funkeln sah
- von edler Art, das Schätze brachte,
- das leuchtende, das hochberühmte,
- glänzt' es, wie in der Luft der
Blitz.
-
- §40. Und er ergriff den
Lapislazuli,
- kostbar, betörend und von großer
Macht;
- das edle Ross bestieg er
unvergleichlich
- und durch den Luftraum er entfernte
sich.
-
- §41. Nach der Stadt Indapatta er
gelangte,
- stieg ab und ging hin zu der
Kuru-Halle;
- die hunderteins [18], die einig
dort versammelt,
- sprach drauf der Dämon an, ohne zu
zittern:
-
- §42. „Wer jagt uns ab den
königlichen Schatz,
- wen sollen wir besiegen um das
Höchste?
- Welch unvergleichlich Kleinod
sollen wir gewinnen
- oder wer ist 's, der uns besiegt
ums höchste Gut?“
So traf er mit diesen vier Zeilen
nur den Koravya. Da dachte der König: „Ich habe noch niemals vorher jemand
gesehen, der so kühn gesprochen hätte; wer ist wohl dies?“ Und um ihn zu fragen,
sprach er folgende Strophe:
- §43. „In welchem Reiche ist dein
Heimatland?
- Nicht eines Kuru Wort gleicht deine
Stimme;
- an Schönheitsglanz du übertriffst
uns alle.
- Nenn mir den Namen dein und die
Verwandten!“
Als dies der andere hörte, dachte
er: „Dieser König fragt mich nach dem Namen; Punnaka aber ist ein Sklavenname.
Wenn ich sagen würde: ‘Ich bin Punnaka’, so würde er denken: ‘Dies ist ein
Sklave; warum spricht er aus Keckheit so zu mir?’ und würde mich verachten. Ich
werde ihm meinen Namen aus meiner unmittelbar vorhergehenden Existenz sagen.“
Und er sprach folgende Strophe:
- §44. „Kaccayana der Jüngling bin
ich, König,
- Anunanama [19] so nennt man mich
auch.
- Im Reiche Anga leben meine
Verwandten;
- des Würfelns halber kam ich her, o
Fürst.“
Darauf fragte ihn der König: „Du
junger Brahmane, wenn du im Spiel besiegt wirst, was wirst du dann geben? Was
besitzest du?“ Und er sprach folgende Strophe:
- §45. „Hat der Brahmanenjüngling
Kostbarkeiten,
- welche der Spieler nimmt, der dich
besiegt?
- Viele Juwelen wohl besitzt ein
König;
- wie kannst du Armer sie [20]
herausfordern?“
Punnaka antwortete:
- §46. „Ich habe ein bezauberndes
Juwel,
- ein großes Kleinod, welches Geld
verschafft,
- und dieses edle Pferd, der Feinde
Schrecken.
- Dies nehm der Spieler, wenn er mich
besiegt!“
Als dies der König hörte, sprach er
folgende Strophe:
- §47. „Ein Edelstein, was wird er
machen, Jüngling,
- ein einz'ges edles Ross, was macht
es aus?
- Viel kostbare Kleinodien hat ein
König,
- nicht wenig edle Rosse
windesschnell.“
Ende des Kapitels von dem Gelüste
§B3. (Das Kapitel von dem Kleinod)
Als er des Königs Worte vernommen,
erwiderte er: „O Großkönig, was sagt Ihr da? Das eine Pferd ist so viel wert wie
tausend Pferde, der einzige Edelstein gilt so viel als tausend Edelsteine. Es
sind ja nicht alle Pferde gleich; sehet dessen Schnelligkeit!“ Mit diesen Worten
bestieg er das Pferd und trieb es oben auf die Mauer. Da war es, als wäre die
sieben Meilen im Umfang messende Stadt von lauter Pferden umgeben, von denen ein
Hals den andern streifte; dann konnte allmählich weder das Pferd erkannt werden
noch der Dämon, sondern nur ein roter Streifen Tuch, den er um seinen Leib
gebunden, schien, als er ob alles umgebe. Darauf stieg er wieder von seinem
Ross herab und sagte: „Hast du, o Großkönig, die Schnelligkeit des Pferdes
gesehen?“ „Ja, ich habe sie gesehen“, antwortete dieser.
„Siehe aber jetzt weiter, o
Großkönig“, fuhr der Dämon fort und er ließ das Pferd im Stadtpark auf der
Oberfläche des Wassers laufen. Ohne auch nur seine Hufspitzen zu benetzen,
sprang es darauf umher. Darauf ließ er es auf den Blättern der Lotospflanzen
herumgehen, schlug dann auf die Hand und streckte die Hand aus: da kam das Pferd
herbei und stellte sich auf seine Handfläche. Darauf sprach er: „Gilt ein
solches Pferdekleinod, o Menschenfürst?“ Der König antwortete: „Ja, es gilt, du
Brahmanenjüngling.“
Jetzt sprach der Dämon weiter: „Das
Pferdekleinod möge jetzt beiseite bleiben; sieh die Macht dieses
Edelsteinkleinods!“ Und um dessen übernatürliche Macht zu verkünden, sprach er:
- §48. „Doch dies mein
Edelsteinkleinod
- betrachte jetzt, der Menschen
Höchster;
- Körper von Weibern sind darin,
- Körper von Männern auch dabei,
-
- §49. Körper von Tieren siehe hier,
- Körper von Vögeln sind auch da;
- Naga-Könige und Supannas
- im Edelstein sieh dargestellt.
-
- §50. Ein Elefanten-, Wagenheer,
- Rosse, Flaggen und Fußsoldaten,
- das vierteilige Heer sieh hier
- im Edelsteine dargestellt.
-
- §51. Leibwächter, Elefantenreiter,
- auch Wagenkämpfer, Fußsoldaten
- und ganze Heere aufgestellt
- sieh in dem Kleinod abgebildet.
-
- §52. Auch eine Stadt versehn mit
Wällen,
- mit vielen Torbögen und Mauern,
- mit Plätzen an den Kreuzeswegen
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §53. Auch Palisaden, tiefe Gräben,
- auch Balken und hölzerne Bolzen,
- Warttürme auch und große Tore
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §54. Sieh ferner: in den
Torwegstraßen
- sind viele Vögel mancher Art [21],
- Schwäne und Reiher sowie Pfauen,
- Wildgänse und auch Seeadler,
-
- §55. Kuckucke mit gar bunten
Farben,
- geschwänzte Pfauen, Jivakas.
- Die ganze Schar der vielen Vögel
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §56. Sieh diese Stadt mit schönen
Mauern
- die haarsträubende, wunderbare,
- mit ausgehängten Fahnen lieblich,
- mit goldnem Sande überstreut.
-
- §57. Sieh diese Laubhütten
verteilt,
- nach ihren Teilen abgegrenzt,
- sieh diese Häuser und Paläste,
- die Straßen und die Durchgänge.
-
- §58. Die Wirtshäuser und die
Betrunknen,
- die Metzgerläden und die Küchen,
- die Huren und die Dirnen auch
- sieh in dem Steine dargestellt.
-
- §59. Auch Kränzebinder,
Wäscherleute,
- Märchenerzähler [22],
Kleiderhändler,
- Goldschmiede und auch Juweliere
- sieh in dem Steine dargestellt.
-
- §60. Auch Köche und
Speisenbereiter,
- Tänzer und Schauspieler und Sänger,
- auch Musikanten, Trommelschläger
- sieh in dem Steine dargestellt
[23].
-
- §61. Sieh Pauken, dazu Tamburine,
- Muscheltrompeten, kleine Trommeln
- und alle Zimbeln-Instrumente
- sieh in dem Steine dargestellt.
-
- §61a. Der Zimbeln und der Lauten
Töne,
- Tanz und Gesang, schön ausgeführt,
- geschlagner Instrumente Klang
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §61b Springer und Faustkämpfer sind
hier,
- auch Zauberkünstler, die sich
zeigen,
- fürstliche Sänger [24] und Barbiere
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §61c. Versammlungen auch gibt es
hier,
- besucht von Männern und von Frauen,
- Bänke an Bänken auf dem Boden
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §61d. ...
- ...
- ...
- ... [24a]
-
- §66. Sieh: an dem Fuß der Berge
sind
- Scharen verschiedenart'ger Tiere
[25],
- Löwen und Tiger, wilde Eber,
- Bären und Wölfe und Hyänen,
-
- §67. Rhinozerosse [26],
Gayal-Ochsen,
- Büffel, Rotwild und Antilopen,
- Gazellenhirsche und auch Eber,
- Elchhirsche, dazu wilde Schweine,
-
- §68. buntfarbene Kadali-Gazellen,
- Katzen und langohrige Hasen:
- die Menge der verschiednen Tiere
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §69. Flüsse sind da mit schönen
Furten,
- mit feinem Goldsand überstreut;
- durchsichtig fließen die Gewässer,
- bevölkert von der Fische Scharen.
-
- §70. Alligatoren, Makaras [27],
- auch Krokodile und Schildkröten,
- Pathinas, Pavusas sind hier,
- Valajas, Mufijarohitas [28].
-
- §71. Von mannigfachen Bäumen voll,
- belebt von manchen Vögelscharen
- ein Wald aus Lapislazuli:
- sieh ihn im Steine dargestellt.
-
- §72. Sieh ferner hier die
Lotosteiche
- schön abgeteilt nach den vier
Seiten,
- belebt von manchen Vögelscharen,
- bevölkert von der Fische Volk.
-
- §73. Die Erde überall voll Wasser,
- die rings vom Meere ist umgeben,
- mit Wälderreihen wohl versehen,
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §74. Sieh vorne das Videha-Volk
- und hinten die Goyaniyas,
- die Kurus und ganz Indien
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §75. Sieh hier die Sonne und den
Mond,
- die vier Weltgegenden bestrahlend,
- wie sie um den Sineru wandeln,
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §76. Den Sineru und Himavant,
- den wunderstarken Ozean,
- die vier Weltwächter [29] auch dazu
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §77. Gärten und Walddickichte auch,
- Felsen, aus Steinen aufgetürmt,
- lieblich, belebt von Feenmännchen,
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §78. Pharusaka, Cittalata,
- Missaka und Nandana-Park [30],
- auch den Vejayanta-Palast
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §79. Sudhamma, Tāvatimsa-Himmel
[31],
- den blühenden Paricchatta,
- Eravana, den Elefanten,
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §80. Sieh hier die Göttermädchen,
gleich
- den Blitzen in der Luft entstehend,
- wie sie wandeln im Nandana;
- sieh dies im Kleinod dargestellt.
-
- §81. Sieh hier die Göttermädchen,
wie
- sie anlocken die Göttersöhne,
- wie hier die Göttersöhne wandeln;
- sieh dies im Kleinod dargestellt.
-
- §82. Paläste mehr als tausend hier,
- mit Lapislazuli gedeckt,
- in ihrem Glänze weithin strahlend,
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §83. Die Tāvatimsas und die Yamas,
- des Tusita-Himmels Bewohner,
- die sich im Paranimmita freuen
[32],
- sieh in dem Kleinod dargestellt.
-
- §84. Sieh ferner hier die
Lotosteiche
- mit ihrem klaren Wasser, glänzend,
- bedeckt mit den Korallenblüten,
- mit weißem und mit blauem Lotos.
-
- §85. Sieh hier diese zehn weißen
Striche,
- diese entzückenden zehn blauen,
- dazu die sechs und fünfzehn braunen
- und diese vierzehn gelben Striche.
-
- §86. Zwanzig sind da aus Gold
gemacht
- und zwanzig sind gemacht aus
Silber;
- von scharlachroter Farbe aber
- sieht man hier glänzen dreißig
Striche.
-
- §87. Zehn und sechs schwarze
Striche sind da,
- fünfundzwanzig mit Krapp gefärbte,
- vermischt mit den Bandhuka-Blumen
[33]
- und bunt gemacht durch blauen
Lotos.
-
- §88. Dies Kleinod voll der Vorzüge,
- das leuchtende, weitstrahlende,
- betracht' als Einsatz für das
Spiel,
- o Großkönig, der Menschen Erster.“
Ende des Kapitels von dem Kleinod
§B4. (Die Frage nach dem häuslichen Leben)
Nach diesen Worten sprach Punnaka:
„O Großkönig, ich werde, wenn ich jetzt im Spiel besiegt werde, dies kostbare
Kleinod geben; was aber wirst du geben?“ Der König antwortete: „Mein Lieber,
außer meinem Körper und dem weißen Sonnenschirme [34] soll mein ganzes Eigentum
der Einsatz sein.“ Der Dämon versetzte: „So zögere also nicht länger, Fürst;
ich bin weit her gekommen. Lasse den Spieltisch herrichten!“ Der König gab
seinen Ministern den Auftrag. Darauf richteten diese rasch die Spielhalle her
und bereiteten für den König ein Polster aus den feinsten Gewändern
[35]; für
die übrigen Könige stellten sie auch Sitze auf und richteten auch für Punnaka
einen entsprechenden Sitz her. Hierauf meldeten sie dem Könige, es sei Zeit.
Darauf redete Punnaka den König mit folgender Strophe an:
- §89. „Zum ausgesetzten Preis geh
hin, o König,
- du hast nicht solch ein kostbares
Juwel.
- Mit Recht lass siegen uns, nicht
mit Gewalt,
- und wenn besiegt du bist, entlass
uns rasch!“
Der König entgegnete ihm:
„Jüngling, fürchte dich nicht, weil ich der König bin, mit Recht, nicht mit
Gewalt wird für uns der Sieg erzielt werden oder die Niederlage.“ Als dies Punnaka hörte, sagte er: „Merket euch, dass wir nur auf rechtmäßigem Wege
siegen oder unterliegen“; und indem er die Könige zu Zeugen nahm, sprach er
folgende Strophe:
- §90. „O hoher Pancala, o Surasena,
- die Macchas, Maddas mit den Kekakas,
- sie sollen sehn, gerecht ist unser
Kampf!
- Nicht tut uns einer was in der
Versammlung.“
Darauf ging der König umgeben von den hunderteins Königen mit
Punnaka in die Spielhalle. Sie alle nahmen auf passenden Sitzen Platz. Hierauf
stellte man goldene Würfel auf die silberne Platte. Da sprach Punnaka rasch: „O
Großkönig, bei dem Würfeln gibt es verschiedene Spielarten, Malika, Savata,
Bahula, Bhadra usw. [36], im ganzen vierundzwanzig. Wählt Euch eine Spielart,
die Euch gefällt!“ Der König antwortete: „Gut“, und wählte das Bahula, Punnaka
aber wählte das Savata. Darauf sprach der König zu ihm: „Also, mein lieber
junger Brahmane, wirf du die Würfel!“ Jener versetzte: „O Großkönig, das erste
Mal kommt es nicht an mich; werfet Ihr!“ Der König stimmte zu. Dessen Mutter
aber in seiner drittletzten Existenz war seine Schutzgottheit; durch deren
übernatürliche Macht gewann er im Spiel. Diese stand unweit von ihm. Indem der
König an die Gottheit sich erinnerte, sang er das Würfellied
[37], drehte die
Würfel in der Hand herum und warf sie in die Luft empor. Durch die
übernatürliche Macht des Punnaka fielen die Würfel so, dass sie den König
unterliegen machten. Infolge seiner Gewandtheit im Würfelspiel merkte aber der
König, dass die Würfel ihm zur Niederlage herabfielen; deshalb sammelte er sie
noch in der Luft, nahm sie und warf sie nochmals in die Luft. Als er merkte,
dass sie zum zweiten Male zu seiner Niederlage herabfallen wollten, fasste er
sie nochmals.
Da dachte Punnaka: „Dieser König,
der mit einem Dämon wie ich Würfel spielt, sammelt die fallenden Würfel und
fängt sie auf; was ist schuld daran?“ Da merkte er die übernatürliche Macht der
Schutzgottheit von jenem; er öffnete die Augen und sah sie an, als sei er
zornig. Voll Furcht entfloh sie bis zum Gipfel des Cakkavala-Berges und blieb
dort zitternd stehen.
Als nun der König zum dritten Male
die Würfel warf, erkannte er zwar, dass sie wieder ihm zur Niederlage
herabfallen wollten, konnte sie aber infolge von Punnakas übernatürlicher Macht
mit der ausgestreckten Hand nicht erfassen, sondern sie fielen nieder, dass der
König verlor. Darauf warf Punnaka die Würfel; diese fielen so, dass er siegte.
Als er nun merkte, dass jener besiegt war, klappte er mit den Fingern und rief
dreimal mit lauter Stimme: „Ich habe gesiegt, ich habe gesiegt!“ Dieser Schall
verbreitete sich über ganz Indien.
Um diesen Sachverhalt zu verkünden, sprach der Meister:
- §91. Sie traten ein, erfüllt vom
Würfelrausch,
- der Kuru-Fürst und Punnaka, der
Dämon.
- Der König suchte aus und fand
Verlust,
- den Preis erhielt der Dämon Punnaka.
-
- §92. Die beiden waren dort zum
Spiel versammelt
- inmitten seiner Freunde, nah den
Kön'gen;
- der Dämon doch den stärksten Mann
besiegte,
- worauf ein lautes Lärmen dort
entstand.
Als der König so besiegt wurde, war
er missmutig; da sprach Punnaka, um ihn zu trösten, folgende Strophe:
- §93. „O großer König, Sieg und
Niederlage
- kommt immer einem von zwei Kämpfern
zu.
- Besiegt bist du, Fürst, um den
höchsten Schatz
- und, weil besiegt, gib mir jetzt
rasch den Preis!“
Indem so der andere ihn
aufforderte, dies zu nehmen, sprach er folgende Strophe:
- §94. „Die Elefanten, Rinder, Rosse,
Edelsteine,
- was ich auf Erden nur an Schätzen
habe,
- das nimm, Kaccana, als der Schätze
besten
- und gehe damit fort, wohin du
willst!“
Punnaka erwiderte:
- §95. „Von Elefanten, Rindern,
Rossen, Edelsteinen,
- was du auf Erden nur an Schätzen
hast,
- das beste davon ist dein Helfer
Vidhura;
- diesen gewann ich, diesen gib als
Preis!“
Der König versetzte:
- §96. „Er ist mein eignes Ich,
Zuflucht und Glück,
- ist meine Leuchte, Hilfe, meine
Rettung,
- nicht aufzuwiegen ist er mir mit
Geld;
- dem eignen Leben gleicht mir dieser
Helfer.“
Punnaka antwortete:
- §97. „Lang würde dauern wohl mein
Streit mir dir;
- lass lieber uns zu ihm gehn und ihn
fragen!
- Er nur allein mög' diesen Streit
entscheiden;
- wie er es sagt, soll es für beide
gelten.“
Der König erwiderte:
- §98. „Fürwahr, die Wahrheit sagst
du da
- und nichts Gewaltsames, o Jüngling.
- Lass uns zu ihm gehn und ihn
fragen;
- darüber sind wir zwei befriedigt.“
Nach diesen Worten nahm der König
die hunderteins Könige und den Punnaka mit sich und ging erfreuten Herzens
rasch nach der Lehrhalle. Der Weise erhob sich von seinem Sitze, bezeigte dem
Könige seine Ehrfurcht und stellte sich ihm zur Seite. Darauf wandte sich Punnaka an das große Wesen und sagte: „Du Weiser, du stehst im Recht. Auch um
deines Lebens willen sagst du keine Lüge. Die Kunde von deinem Ruhm hat sich in
der ganzen Welt verbreitet. Ich aber will heute sehen, ob du wirklich im Rechte
fest stehst.“ Und er sprach folgende Strophe:
- §99. „Gaben die Götter wirklich
dich den Kurus
- als den gerechten Richter Vidhura?
- Bist du des Königs Sklav' oder
Verwandter?
- Wie wirst als Vidhura du
eingeschätzt?“
Da dachte das große Wesen: „Dieser
fragt mich so; ich aber wäre im Stande, ihn zu belehren, ich sei ein Verwandter,
ich sei höher als der König oder ich hätte gar keine Beziehungen zum König. In
dieser Welt jedoch gibt es keine Hilfe, die der Wahrheit gleich wäre; man muss
die Wahrheit sagen.“ Deshalb sagte er: „O Brahmanenjüngling, ich bin kein
Verwandter des Königs und auch nicht höher als dieser, sondern ich gehöre zu
einer der vier Sklavenarten.“ Um dies zu zeigen, sprach er folgendes
Strophenpaar:
- §100. „Von ihrer Mutter her sind
manche Sklaven,
- um Geld gekauft sind wieder andre
Sklaven,
- von selbst begeben manche sich in
Knechtschaft,
- von Furcht erfüllt werden auch
manche Sklaven.
-
- §101. Dies sind vier Arten Sklaven
bei den Menschen.
- Wahrhaftig von Natur bin ich so
worden,
- des Königs Vorteil oder auch sein
Schaden.
- Des Königs Sklav' bin ich auch bei
'nem andern;
- mit Recht würde er mich dir geben,
Jüngling.“
Als dies Punnaka hörte, sprach er
hocherfreut, indem er mit den Fingern klappte:
- §102. „Dieses ist heut für mich der
zweite Sieg;
- gefragt entschied der Helfer diese
Frage.
- Im Unrecht scheint fürwahr der
beste König.
- Gut ist 's gesagt; gestehst du mir
dies nicht?“
Als dies der König hörte, dachte
er: „Ohne einen Mann wie mich, der ihm so viel Ehre verlieh, zu beachten, hat
er den kaum gesehenen Brahmanenjüngling nur beachtet.“ Voll Zorn über das große
Wesen sagte er: „Wenn er ein Sklave ist, so nimm ihn mit und gehe!“ Und er
sprach folgende Strophe:
- §103. „Wenn dieser so entschieden
hier die Frage:
- ‘Ein Sklav' bin ich; nicht bin ich
sein Verwandter’,
- so nimm, Kaccana, hin der Schätze
besten;
- mit ihm begib dich fort, wohin du
willst.“
Nachdem der König aber so
gesprochen, dachte er: „Der Brahmanenjüngling wird mit dem Weisen fortgehen,
wohin er will. Von der Zeit seines Weggangs an werde ich aber nur schwer die
süße Verkündigung der Wahrheit anzuhören bekommen. Wie, wenn ich ihn nun an
seinen Ort setzte und ihm die Frage nach dem häuslichen Leben
[38] vorlegte?“
Darauf sagte er zu ihm: „Weiser, sobald Ihr weggegangen seid, wird mir die süße
Verkündigung der Wahrheit schwer zu erlangen sein. Setzt Euch auf den
geschmückten Lehrstuhl, tretet an Eure Stelle und erklärt mir die Frage nach dem
häuslichen Leben!“ Jener verkündete mit dem Worte: „Gut“, seine Zustimmung, nahm
auf dem geschmückten Lehrstuhle Platz und beantwortete die Frage, die ihm der
König vorlegte. Hier ist diese Frage:
- §104. „O Vidhura, wenn einer wohnt
- in seinem Hause und dort bleibt,
- wie kann sein Leben ruhig sein,
- wie kann er sich die Gunst
gewinnen?
-
- §105. Wie kann er frei von Leiden
sein?
- Der Jüngling, der die Wahrheit
spricht,
- wie bleibt er, wenn von dieser Welt
- er geht zur andern, frei von
Kummer?“
-
- §106. Zu ihm sprach darauf Vidhura
- beweglich, weise und verständig,
- der auf den Nutzen sich verstand,
- der richtig abwog alle Dinge:
-
- §107. „Nicht seien Gattinnen
Gemeingut,
- nicht für sich nur nehm er sein
Mahl,
- nicht üb er spitzfindige Reden,
- denn dies ist nicht der Weisheit
Wachstum.
-
- §108. Der Tugend voll und
pflichteifrig,
- ohne Nachlassen, reich an Einsicht,
- demütig, auch von Torheit frei,
- mitleidig, freundlich, sanftmütig
-
- §109. gewinne er die Gunst der
Freunde;
- freigebig, wohl der Bräuche kundig,
- befried'ge er mit Trank und Speise
- immer Asketen und Brahmanen.
-
- §110. Der Wahrheit Freund, der
Lehre Träger
- möge er sein, eifrig im Fragen;
- wie sich 's gebührt, mög' er
verehren
- die hochgelehrten Tugendhaften.
-
- §111. Wenn einer wohnt in seinem
Hause
- und in dem eignen Heime bleibt,
- so sei sein Leben so voll Ruhe
- und so gewinn' er sich die Gunst.
-
- §112. So kann er frei von Leiden
bleiben;
der Jüngling, der die Wahrheit spricht,
wird, wenn er geht von dieser Welt
zur andern, so von Kummer frei.“
Nachdem so das große Wesen dem
Könige die Frage nach dem häuslichen Leben beantwortet hatte, stand es von
seinem Polster auf und bezeigte dem Könige seine Verehrung. Der König ließ ihm
große Ehrung zuteil werden und kehrte dann von den hunderteins Königen umgeben
in seinen Palast zurück.
Ende der Frage nach dem häuslichen
Leben
§B5. (Das Kapitel von dem Siegespreis)
Das große Wesen aber kehrte zurück;
da sprach Punnaka zu ihm:
- §113. „Komm jetzt, ich möchte
weiter gehen;
- du bist vom Herrscher mir
geschenkt.
- An diesen Zweck denke nur jetzt;
- das ist das uralte Gesetz.“
Der weise Vidhura erwiderte:
- §114. „Ich weiß, o Jüngling, dir
gehöre ich;
- gegeben wurde ich dir von dem
Herrscher.
- Drei Tage aber lass im Haus uns
bleiben,
- dass in der Zeit ich meine Söhn'
ermahne.“
Als dies Punnaka hörte, dachte er:
„Der Weise sagt die Wahrheit. Er ist mir eine große Hilfe. Wenn er sagt, sieben
Tage oder einen halben Monat solle ich ihn noch ruhen lassen, so muss ich
warten.“ Und er sprach:
- §115. „Dies soll so sein; drei Tage
lass uns weilen.
- Tu heute deine Pflicht in deinen
Häusern,
- ermahne heute deine Frau und
Kinder,
- dass sie nach deinem Scheiden
glücklich werden.“
Nachdem er so gesprochen, ging
Punnaka mit dem großen Wesen in dessen Behausung.
Um diesen Sachverhalt zu verkünden, sprach der Meister:
- §116. Nachdem er „Gut“, gesagt,
ging fort der Dämon
- mit Vidhura zusammen, lusterfüllt;
- der Edelste ließ in das Haus ihn
treten
- belebt von Elefanten und edlen
Rossen.
Das große Wesen aber besaß für die
drei Jahreszeiten drei Paläste [39]; von diesen hieß der eine Konca, der zweite
Mayura und der dritte Piyaketu. Mit Bezug auf diese ist folgende Strophe gesagt:
- §117. Konca, Mayura und auch
Piyaketu
- suchte er auf, die ganz
entzückenden,
- erfüllt mit Nahrung, voll von Trank
und Speise
- wie Vasavas Palast Masakkasara .
Als es dorthin gekommen war, ließ
es in dem siebenten Stockwerk des reichgeschmückten Palastes das Schlafgemach
und den großen Söller in Ordnung bringen und ein fürstliches Lager in Stand
setzen. Auch ließ es alle Arten von Speise und Trank bereitstellen und übergab
ihm fünfhundert Frauen, die Göttermädchen glichen, indem es sagte: „Diese sollen
deine Dienerinnen sein; bleibe hier zufriedenen Sinnes wohnen!“ Sodann ging es
selbst in seine Wohnung; sobald es aber fortgegangen war, nahmen die Frauen
verschiedenartige Instrumente zur Hand und führten zur Ehrung des Punnaka Tänze
u. dgl. auf.
Um diesen Sachverhalt zu erklären, sprach der Meister:
- §118. Darauf sie tanzten und sie
sangen
- und rezitierten wechselweise
- wie Göttermädchen bei den Göttern
- mit allem Schmuck geziert die
Frauen.
-
- §119. Nachdem mit schönen Frau'n
versehn den Dämon,
- mit Speise und mit Trank der
Rechteshüter,
- ging er darauf zu seiner Gattin
hin,
- indem er nachdachte über sein Wohl.
-
- §120. Und zu der Gattin, die mit
duft'gem Sandel
- beträufelt einem edlen Goldschmuck
glich,
- sagt' er: „Komm her zu mir und
höre, Liebe,
- rufe die Söhne, Kupferäugige!“
-
- §121. Als Anujja des Gatten Wort
vernommen,
- sprach sie zur kupferäug'gen
Schwiegertochter:
- „Ruf, Ceta, die du dichten
Brustschmuck trägst,
- die Söhne mein, du Wasserlilien
Gleiche!“
Diese versetzte: „Gut“, ging im
Palaste umher, und indem sie sagte: „Euer Vater ruft euch, weil er euch eine
Ermahnung geben möchte; denn dies ist ja das letzte Mal, dass ihr ihn seht“,
versammelte sie seine ganze Freundschaft, seine Frauen und Kinder. Als aber der
Jüngling Dhammapala [40] dies Wort hörte, kam er weinend und von seinen jüngeren
Brüdern umgeben zu seinem Vater hin. Als sie der Vater sah, vermochte er aus
eigner Kraft nicht, stehen zu bleiben; er umarmte sie mit tränenerfüllten
Augen, küsste sie auf ihr Haupt und ließ seinen ältesten Sohn sich einen
Augenblick auf sein Herz legen. Dann ließ er ihn wieder von seinem Herzen
heruntersteigen, verließ das Schlafgemach, setzte sich in dem großen Saale auf
die Mitte des Polsters und gab seinen tausend Söhnen eine Ermahnung.
Um diesen Sachverhalt zu verkünden, sprach der Meister:
- §122. Als sie gekommen, küsste
Dhammapala
- die Söhne auf das Haupt, ohne zu
zittern;
- dann redet' er sie an und sprach
das Wort:
- „Geschenkt bin ich vom König jetzt
dem Jüngling.
-
- §123. Ihm bin ich, wenn auch heut
noch frei,
- gehorsam und er geht mit mir hin,
wohin er will.
- Ich bin gekommen nun, euch zu
ermahnen;
- wie könnt' ich gehen, ohne euch zu
schützen?
-
- §124. Wenn euch der König, der im
Kuru-Land wohnt,
- wenn Janasandha fragt, der
Lustergebne:
- ‘Was wohl erkennt ihr als vor
alters geltend,
- was lehrt euch euer Vater ehedem?
-
- §125. In gleicher Lage seid ihr all
wie ich,
- denn welcher Mensch ist hier des
Königs Diener [41]?’
- Die Hände faltend sprechet so zu
ihm:
- ‘Nicht so ist 's, Fürst, nicht so
ist es der Brauch.
- Der Tigerkönig und ein niedres
Tier,
- wie könnt es, Fürst, in gleicher
Lage sein?’“
Als sie aber diese seine Worte
hörten, konnten seine Frauen und Kinder, seine Verwandten, Freunde und auch die
Sklaven alle aus eigener Kraft nicht mehr stehen bleiben, sondern sie stießen
ein lautes Jammergeschrei aus; das große Wesen aber tröstete sie.
Ende des Kapitels von dem
Siegespreis
§B6. (Das Kapitel vom Königshofe)
Als aber Vidhura zu seinen
Verwandten hinging und sie ruhig sah, sagte er: „Ihr Lieben, seid nicht
bekümmert! Alle zusammengesetzten Dinge sind unbeständig. Der Ruhm hat auch das
Unglück im Gefolge. Ich will aber die Ursache, wie man des Ruhmes teilhaftig
wird, den Königshof [42] erklären. Höret zu mit aufmerksamem Sinn!“ Und er ließ
vor ihnen mit Buddha-Anmut den Königshof erstehen.
Um diesen Sachverhalt zu erklären, sprach der Meister:
- §126. Darauf zu Freunden und zu
Feinden,
- zu den Verwandten und Bekannten,
- frei von Anhänglichkeit den Sinn,
- sprach Vidhura folgende Worte:
-
- §127. „Kommt, Edle, her und setzt
euch nieder,
- höret von mir den Königshof,
- wie der Mann, der zum Haus des
Königs
- gelangt ist, Ruhm erwerben kann.
-
- §128. Nicht, wer zum Königshofe
kommt,
als Unbekannter findet Ruhm,
nicht als ein Feigling, nicht als Tor
und niemals als Nachlässiger.
-
- §129. Wenn aber Tugend, Einsicht,
Reinheit
- an ihm der König wahrgenommen,
- dann schenkt er diesem sein
Vertrauen,
- verbirgt nicht vor ihm sein
Geheimnis.
-
- §130. Wer wie die fest gefasste
Waage
- mit gleichen Stäben, gut gehalten,
- wenn er gebraucht wird, nicht
erzittert,
- der kann am Königshofe wohnen.
-
- §131. Wer wie die fest gefasste
Waage
- mit gleichen Stäben, gut gehalten,
- alle Belastung auf sich nimmt,
- der kann am Königshofe wohnen.
-
- §132. Bei Tag oder bei Nacht der
Weise,
- wenn er bei Aufträgen des Königs
- darum gebeten nicht erzittert,
- der kann am Königshofe wohnen.
-
- §133. Bei Tag oder bei Nacht der
Weise,
- wenn er bei Aufträgen des Königs
- sie alle gut erfüllen kann,
- der kann am Königshofe wohnen.
-
- §134. Wer einen Weg hat gut gemacht
- und für den König hergerichtet
- und, wenn der 's sagt, ihn doch
nicht geht,
- der kann am Königshofe wohnen.
-
- §135. ...
- ...
- ...
- dann kann am Königshof er wohnen
[42a].
-
- §136. Nicht soll er jemals mit dem
König
- die nämlichen Vergnügen teilen
- und immer geh' er hinterdrein;
- dann kann am Königshof er wohnen.
- er wähle einen andern Aufzug,
- dann kann am Königshof er wohnen.
-
- §137. Der König spiel' mit den
Ministern
- umgeben von den Gattinnen;
- dann soll der weise Hofmann nicht
- vertraulich tun mit Königsfrauen.
-
- §138. Nicht hochmütig und nicht zu
hastig,
- weise und wohl bezähmt die Sinne,
- im Geiste sei er rasch
entschlossen;
- dann kann am Königshof er wohnen.
-
- §139. Nicht spiel' er mit des
Königs Frauen,
- nicht red' er insgeheim mit ihnen,
- nicht nehme er ihm seine Schätze;
- dann kann am Königshof er wohnen.
-
- §140. Nicht schätze er den Schlaf
zu hoch,
- nicht trink' er Branntwein sich
berauschend,
- kein Tier töt' er im Wald des
Königs;
- dann kann am Königshof er wohnen.
-
- §141. Nicht auf des Königs Bank
noch Polster,
- sein Kissen, Wagen, Elefanten
- steig' er und denk': ‘Ich bin
geehrt’;
- dann kann am Königshof er wohnen.
-
- §142. Nicht allzu fern sei er dem
König,
- nicht allzu nah in seiner Klugheit,
- vor seinen Augen stehe er,
- ihn anschauend, vor seinem Herrn.
-
- §143.Ein König ist nicht zu
berechnen,
- nicht zu verführen ist ein König;
- rasch kommen Könige in Zorn,
- wie 's Auge trifft der Papagei.
-
- §144. Der weise, der verständ'ge
Mann,
- der sich selbst als geehrt
betrachtet,
- soll nicht mit barschen Worten
reden
- zum König, wenn er ihn verdächtigt.
-
- §145. Wenn er den Wunsch erlangt,
er nehm' ihn,
- nicht schenk' er Königen Vertrauen,
- wie Feuer bleibe er gezügelt [43];
- dann kann am Königshof er wohnen.
-
- §146. Wenn seinen Bruder oder Sohn
- für sich gewinnt der edle Fürst
- durch Dörfer und durch Flecken auch
- in seinem Reiche und durch Länder,
- so sei er still und warte ab;
- nicht nenn' er ihn klug oder
schlecht.
-
- §147. Den Reitern [44] und den
Leibgardisten,
- den Wagenkämpfern, Fußsoldaten,
- wenn auf die Kunde ihrer Taten
- der König ihren Sold vermehrt,
- schaff' er ihnen kein Hindernis;
- dann kann am Königshof er wohnen.
-
- §148. Mit kleinem Bauche wie ein
Bogen
- bieg' sich der Weise wie ein Rohr,
- erhebe keinen Widerspruch;
- dann kann am Königshof er wohnen.
-
- §149. Mit kleinem Bauche wie ein
Bogen
- und ohne Zunge wie ein Fisch,
- nur wenig essend, weise, tapfer,
- so kann am Königshof er wohnen.
-
- §150.Nicht geh' zu oft er zu dem
Weibe,
- auf seines Ruhms Vermindrung
achtend;
- zu Husten, Asthma, Schmerz und
Dummheit
- kommt, wer so den Verstand verlor.
-
- §151. Er möge nicht zu lange reden,
- er schweige auch nicht immer still;
- ein Wort, das unverwirrt, gemäßigt,
- äußre er zur gegebnen Zeit.
-
- §152. Nicht zornig, nicht Anstoß
erregend,
- wahr, sanftmütig und ohne Falsch
- er rede kein törichtes Wort;
- so kann am Königshof er wohnen.
-
- §153. Gezügelt, wissensvoll,
beherrscht,
- gewandt, zurückhaltend und sanft,
- voll Eifer, rein und wohl erfahren,
- so kann am Königshof er wohnen.
-
- §154. Voll Demut gegen alte Leute,
- gehorsam und erfüllt mit Ehrfurcht,
- mitleidig, passend zum Verkehr,
- so kann am Königshof er wohnen.
-
- §155. Fern halte er von sich den
Mann,
- der abgesandt um zu besiegen [45];
- auf seinen Herrn nur schaue er
- und nicht auf einen andren König.
-
- §156. Asketen und Brahmanen auch,
- die tugendhaften, hochgelehrten,
- verehre er mit Sorgsamkeit;
- dann kann am Königshof er wohnen.
-
- §157. Asketen und Brahmanen auch,
- die tugendhaften, hochgelehrten,
- besuche er mit Sorgsamkeit;
- dann kann am Königshof er wohnen.
-
- §158. Asketen und Brahmanen auch,
- die tugendhaften, wohlgelehrten,
- befried'ge er mit Speis und Trank;
- dann kann am Königshof er wohnen.
-
- §159. Asketen und Brahmanen auch,
- die tugendhaften, hochgelehrten,
- besuche und verehre er
- um seiner eignen Fördrung willen.
-
- §160. Die sonst geschenkte Gabe
nehme
- er nicht Asketen und Brahmanen;
- nicht halte er zurück die Bettler
- zur Zeit, da man Almosen spendet.
-
- §161. Einsichtig, der Erkenntnis
voll,
- geschickt in allen Einrichtungen,
- kundig der Zeit und Jahreszeiten,
- so kann am Königshof er wohnen.
-
- §162. In allen Arbeitsarten tätig,
- voll Eifer, hoher Einsicht voll
- und wohl anordnend die Geschäfte,
- so kann am Königshof er wohnen.
-
- §163. Die Tenne, Halle, Vieh und
Feld
- besuche er nur immer wieder;
- das Korn heb' er gemessen auf,
- gemessnes röste er im Hause.
-
- §164. Er zieh' nicht vor Sohn oder
Bruder [46],
- der in der Tugend nicht befestigt;
- denn keine Glieder sind die Toren
[47],
- wie Abgeschiedene so sind sie;
- doch Kleidung lasse er und Speise
- denen, die bei ihm sitzen, geben.
-
- §165. Die Sklaven, Arbeiter und
Diener,
- die wohl befestigt in der Tugend,
- die auch geschickt sind und voll
Eifers,
- die setz' er in die Herrschaft ein.
-
- §166. Der Tugend voll und frei von
Gier
- und anhänglich an seinen König,
- nicht ferne, auf sein Wohl bedacht,
- so kann am Königshof er wohnen.
-
- §167. Er kenn' des Königs
Wohlgefallen
- und tue nach des Königs Willen,
- nicht arbeite er ihm entgegen;
- dann kann am Königshof er wohnen.
-
- §168. Er reibe ihn und bade ihn,
- den Kopf gesenkt wasch' er die
Füße,
- geschlagen auch sei er nicht
zornig;
- dann kann am Königshof er wohnen.
-
- §169. Vor einem Krug falt' er die
Hände,
- von rechts umwandle er die Krähe;
- wie sollte da nicht alle Wünsche
- in höchster Weisheit er erfüllen,
-
- §170. der Lager spendet und Gewand,
- 'nen Wagen, Wohnung und ein Haus,
- der wie die Wolke alle Wesen
- mit seinen Schätzen überschüttet?
-
- §171. So, Edle, ist der Aufenthalt
- im Königshofe, wie ein Mann
- verfahrend sich gewinnt den König
- und Ehrung erntet bei den Herren.“
So erklärte der unvergleichliche
Führer Vidhura mit Buddha-Anmut den Aufenthalt am Königshofe.
Ende des Kapitels vom Königshofe
§B7. (Das Kapitel vom Kala-Berge)
Während er so seine Frauen, Kinder,
Freunde und die übrigen immer ermahnte, wurden es drei Tage. Als er aber merkte,
dass die Zeit erfüllt war, nahm er am Morgen zuerst Speise von
verschiedenartigem, höchstem Wohlgeschmack zu sich; und indem er dachte: „Ich
will mich erst noch vom Könige verabschieden und dann mit dem Brahmanenjüngling
fortgehen“, ging er umringt von der Schar seiner Verwandten nach dem Palast des
Königs, bezeugte dem König seine Ehrfurcht und sagte ihm, an seiner Seite
stehend, die Worte, die ihm zu sagen geziemten.
Um dies zu verkünden, sprach der Meister:
- §172. Nachdem der Weise so ermahnt
- die ganze Schar seiner Verwandten,
- begab er sich, von seinen Freunden
- umgeben, zu dem König hin.
-
- §173. Sein Haupt neigt' er zu
dessen Füßen
- und er umwandelt' ihn von rechts;
- dann sprach zum König Vidhura,
- empor zu ihm die Hände faltend:
-
- §174. „Hier dieser Jüngling führt
mich fort,
- der an mir tun will nach Gefallen.
- Für die Verwandten will ich reden;
- höre darauf, Feindebesieger!
-
- §175. Behalt im Auge meine Kinder
- und auch der andern Schatz im
Hause,
- damit, wenn ich gegangen bin,
- nicht umkommen meine Verwandten.
-
- §176. So wie man auf der Erde fällt
- und wieder aufsteht auf der Erde,
- so seh ich auch, wie meine Sünde
[48]
- mich eben hat zu Fall gebracht.“
Als dies der König hörte, sagte er:
„Du Weiser, dein Fortgehen gefällt mir nicht. Gehe nicht fort! Ich werde den
Brahmanenjüngling durch irgendeine List herbeirufen lassen; dann wollen wir ihn
töten und verbergen. So gefällt es mir!“ Und um dies zu erläutern, sprach er
folgende Strophe:
- §177. „Du kannst nicht gehen, so
denk ich bei mir.
- Wir wollen Katiyana hier
erschlagen,
- dann bleibst du hier; so nur
gefällt es mir.
- Gehe nicht fort, du Mann von
höchster Weisheit.“
Als dies das große Wesen hörte,
antwortete es „O Fürst, für Euch ist eine solche Absicht unziemlich“, und es
sprach folgende Strophe:
- §178. „Richt nicht auf Ungerechtes
deinen Sinn,
- auf deinen wahren Nutzen [49] sei
bedacht.
- Pfui über böse und unedle Tat,
- durch deren Tun man später kommt
zur Hölle.
-
- §179. Dies ist nicht Tugend, dies darf man nicht tun,
- dass, Völkerfürst, der edle Herr den Sklaven
- umbringen lässt und töten und erschlagen.
- Ich bin auf ihn nicht zornig; ich will gehn.“
Nachdem es so gesprochen, bezeugte
das große Wesen dem König seine Ehrfurcht, gab den Bewohnern des königlichen
Harems und den Leuten des Königs noch eine Ermahnung und verließ sodann den
Königspalast, während sie aus eigner Kraft nicht stehen bleiben konnten und
ein lautes Geschrei erhoben. Die Bewohner der ganzen Stadt dachten: „Der Weise
geht ja mit dem Brahmanenjüngling fort; kommt, wir wollen ihn noch sehen“, und
sie sahen ihn noch im Hofe des Königspalastes. Auch diese ermahnte er noch mit
den Worten: „Seid unbekümmert! Alle zusammengesetzten Dinge sind dem Verfall
unterworfen. Strebet ohne Unterlass!“ Dann wandte er sich um und ging nach
seinem eigenen Hause zu.
In diesem Augenblick verließ der
Jüngling Dhammapala umgeben von der Schar seiner Brüder, um seinen Vater ehrend
zu bewillkommnen, das Haus und wurde am Tore seines Vaters ansichtig. Als das
große Wesen ihn sah, konnte es seinen Schmerz nicht zurückhalten, sondern es
umarmte ihn, legte ihn an seine Brust und ging so in sein Haus hinein.
Um dies zu verkünden, sprach der Meister:
- §180. Den ältsten Sohn hielt er
umarmt,
- ins Herz versenkte er den Schmerz
- und so mit tränenvollen Augen
- betrat er jetzt sein großes Haus.
In seinen Häusern aber weilten
seine tausend Söhne, tausend Töchter, tausend Gemahlinnen und siebenhundert
Dirnen. Von diesen sowie von den übrigen Sklaven, Dienern, Verwandten und
Freunden war das ganze Haus vollständig erfüllt wie ein Sala-Wald von gestürzten
Sala-Bäumen, die von dem Weltzerstörungswind getroffen wurden.
Um dies zu verkünden, sprach der Meister:
- §181. Wie Sala-Bäume hingestreckt,
- die von dem starken Wind getroffen,
- lagen die Kinder und die Frauen
- in dem Palast des Vidhura.
-
- §182. Von ihm die tausend
Gattinnen,
- dazu die siebenhundert Dirnen
- streckten die Arme aus und weinten
- in dem Palast des Vidhura.
-
- §183. Die Haremsleute und die
Knaben,
- die Vessas und auch die Brahmanen
- streckten die Arme aus und weinten
- in dem Palast des Vidhura.
-
- §184. Die Reiter und die
Leibgardisten,
- die Wagenkämpfer, Fußsoldaten
- streckten die Arme aus und weinten
- in dem Palast des Vidhura.
-
- §185. Die Landbewohner und die
Städter,
- die dort zusammengekommen waren,
- streckten die Arme aus und weinten
- in dem Palast des Vidhura.
-
- §186. Von ihm die tausend
Gattinnen,
- dazu die siebenhundert Dirnen,
- streckten die Arme aus und weinten:
- „Warum willst du uns jetzt
verlassen?“
-
- §187. Die Haremsleute und die
Knaben,
- die Vessas und auch die Brahmanen
- streckten die Arme aus und weinten:
- „Warum willst du uns jetzt
verlassen?“
-
- §188. Die Reiter und die
Leibgardisten,
- die Wagenkämpfer, Fußsoldaten
- streckten die Arme aus und weinten:
- „Warum willst du uns jetzt
verlassen?“
-
- §189. Die Landbewohner und die
Städter,
- die dort zusammengekommen waren,
- streckten die Arme aus und weinten:
- „Warum willst du uns jetzt
verlassen?“
Das große Wesen tröstete die große
Menge. Nachdem es sodann seine noch übrigen Pflichten erledigt, das Volk
drinnen ermahnt und ihm alles verkündet hatte, was sich ihm zu verkünden ziemte,
ging es zu Punnaka hin und meldete ihm, dass seine Geschäfte erledigt seien.
Um dies zu verkünden, sprach der Meister:
- §190. Nachdem zu Haus er seine
Pflichten
- erledigt und belehrt die Leute,
- Freunde, Hofleute und Vertraute,
- Kinder und Weiber und Verwandte,
-
- §191. nachdem verteilt er die
Geschäfte,
- im Hause angezeigt die Schätze,
- auch was vergraben und verliehen,
- da sprach er so zu Punnaka:
-
- §192. „Drei Tage weiltest du in
meinem Hause,
- erledigt hab im Haus ich die
Geschäfte,
- belehrt auch wurden meine Frau'n
und Kinder;
- jetzt will ich tun nach deinem
Wunsch, Kaccana.“
Punnaka antwortete:
- §193. „Wenn o, du Helfer, hast
ermahnt die Deinen,
- Frauen und Kinder und die mit dir
leben,
- wohlan so eile dich, jetzt
fortzugehen,
- denn weit ist noch der Weg, der vor
uns liegt.
-
- §194. Ganz unerschrocken jetzt
erfasse
- den Schweif von diesem edlen Rosse:
- es ist das letzte Mal, dass du
- die Welt des Lebens vor dir
siehst.“
Darauf entgegnete ihm das große
Wesen:
- §195. „Wovor sollt' ich denn Furcht bekommen,
- da ich ja doch nichts Böses übte
- an Taten, Worten und Gedanken,
- wodurch ich könnt' ins Unglück stürzen?“
Nachdem so das große Wesen den
Löwenruf ausgestoßen, dachte es furchtlos wie ein unerschrockener Mähnenlöwe:
„Dies Gewand soll sich nicht zu meinem Missfallen lösen.“ Indem es so den
äußersten Entschluss sich vornahm, zog es sein Gewand fest an, zog den Schweif
des Pferdes heraus, packte mit beiden Händen fest den Schweif und drückte dem
Rosse die beiden Füße in die Brust; dann sprach es: „Jüngling, ich habe den
Schweif gefasst; reite fort, wohin du willst.“ In demselben Augenblicke gab Punnaka dem Zauberrosse ein Zeichen und dieses flog mit dem Weisen in die Luft
empor.
Um dies zu verkündigen, sprach der Meister:
- §196. Der Rosse König, der Vidhura
trug,
- sprengte nun fort im Äther durch
die Luft;
- ohne zu hasten, kam er rasch durch
Zweige [50]
- und Felsen zu dem Berg Kalagiri
[51].
Sobald aber so Punnaka mit dem
großen Wesen fortgezogen war, gingen die Kinder und die anderen Angehörigen des
Weisen nach Punnakas Wohnung; als sie dort das große Wesen nicht fanden, fielen
sie zu Boden, als wären ihnen die Füße abgehauen, und indem sie sich immer
wieder herumwälzten, jammerten sie laut.
Um dies zu verkünden, sprach der Meister:
- §197. Von ihm die tausend
Gattinnen,
- dazu die siebenhundert Dirnen
- streckten die Arme aus und weinten:
- „Ein Dämon mit Brahmanenaussehn
- ist mit Vidhura fortgezogen.“
-
- §198. Die Haremsleute und die
Knaben,
- die Vessas und auch die Brahmanen
- streckten die Arme aus und weinten:
- „Ein Dämon mit Brahmanenaussehn
- ist mit Vidhura fortgezogen.“
-
- §199. Die Reiter und die
Leibgardisten,
- die Wagenkämpfer, Fußsoldaten
- streckten die Arme aus und weinten:
- „Ein Dämon mit Brahmanenaussehn
- ist mit Vidhura fortgezogen.“
-
- §200. Die Landbewohner und die
Städter,
- die dort zusammengekommen waren,
- streckten die Arme aus und weinten:
- „Ein Dämon mit Brahmanenaussehn
- ist mit Vidhura fortgegangen.“
-
- §201. Und darauf seine tausend
Frauen,
- dazu die siebenhundert Dirnen
- streckten die Arme aus und weinten:
- „Wo ist der Weise hingegangen?“
-
- §202. Die Haremsleute und die
Knaben,
- die Vessas und auch die Brahmanen
- streckten die Arme aus und weinten:
- „Wo ist der Weise hingegangen?“
-
- §203. Die Reiter und die
Leibgardisten,
- die Wagenkämpfer, Fußsoldaten
- streckten die Arme aus und weinten:
- „Wo ist der Weise hingegangen?“
-
- §204. Die Landbewohner und die
Städter,
- die dort zusammengekommen waren,
- streckten die Arme aus und weinten:
- „Wo ist der Weise hingegangen?“
Als sie so das große Wesen
schuldlos durch die Luft sich entfernen sahen und das Weinen hörten, da weinten
alle mit den Stadtbewohnern zusammen und gingen vor das Tor des Königspalastes.
Da der König das laute Klagegeschrei hörte, öffnete er das Fenster und fragte:
„Warum klagt ihr?“ Da sagten sie zu ihm: „O Fürst, dieser Jüngling, kein
Brahmane, sondern ein Dämon in Brahmanengestalt, ist gekommen und hat den
Weisen mit sich fortgenommen. Ohne ihn können wir nicht leben. Wenn er am
siebenten Tage nicht zurückgekehrt ist, so werden wir mit hundert Wagen und
tausend Wagen Holz zusammenfahren und uns alle ins Feuer stürzen.“
Um dies zu verkünden, sprach der Meister:
- §205. „Wenn aber bis zur siebten
Nacht
- der Weise nicht zurückgekehrt,
- werden wir all ins Feuer gehen,
- denn uns verlangt nicht nach dem
Leben.“
Als der König ihre Rede hörte, antwortete er: „Der mit süßer
Rede begabte Weise wird den Jüngling durch seine Verkündigung des Rechtes
verlocken, dass dieser ihm zu Füßen fällt, und wird bald zurückkehren, indem er
die tränenvollen Augen wieder zum Lächeln bringt; seid nicht betrübt!“ Und er
sprach folgende Strophe:
- §206. „Er ist ja weise und erfahren,
- gewandt ist er und einsichtsvoll;
- geschwind wird er sich selbst befreien.
- Fürchtet euch nicht; er kehrt zurück!“ —
Punnaka aber stellte das große
Wesen auf den Gipfel des Kala-Berges und dachte: „Solange dieser am Leben ist,
gibt es für mich kein Heil. Ich will ihn töten, mit seinem Herzfleisch in das
Naga-Reich gehen, es Vimala geben und dann mit Irandati in die Götterwelt
zurückkehren.“
Um dies zu verkünden, sprach der Meister:
- §207. Als er dorthin gekommen, dacht' er nach;
- da kamen ihm verschiedene Gedanken:
- „Vom Leben dieses Mannes hab ich nichts;
- ich will ihn töten und das Herz ihm nehmen.“
Darauf aber dachte er bei sich:
„Wie wäre es, wenn ich jetzt diesen nicht mit eigener Hand tötete, sondern ihn
durch einen Schrecken erregenden Anblick ums Leben brächte?“ Er ging fort, nahm
eine Schreckdämonengestalt an, kam so zurück, warf jenen zu Boden, schob ihn in
sein Maul und stellte sich, als wolle er ihn fressen. Dem großen Wesen aber
sträubten sich dabei nicht einmal die Haare. Darauf kam er in der Gestalt eines
Löwen und in der Gestalt eines brünstigen Elefanten auf ihn los und stellte
sich, als wolle er ihn mit seinen Zähnen und mit seinen Hauern durchbohren. Als
jener sich auch jetzt nicht fürchtete, erschuf er eine Schlangengestalt, so groß
wie ein Lastschiff, kam schnaubend heran, umwand seinen ganzen Körper und
entfaltete auf dessen Haupte seine Haube; jener aber wurde nicht einmal
ängstlich. Dann dachte er: „Ich will bewirken, dass, während er auf dem Gipfel
des Berges steht, er hinabfällt, und werde ihn so in Staub verwandeln“; und er
ließ einen starken Wind entstehen. Dieser aber bewegte ihm nicht einmal ein
Haar. Darauf stellte er ihn wieder auf den Gipfel des Berges und bewegte den
Berg immer wieder, wie ein Elefant eine wilde Dattelpalme schüttelt; aber auch
so konnte er ihn von seinem Standort nicht um Haaresbreite entfernen.
Dann dachte er: „Ich werde durch
ein furchtbares Geräusch bewirken, dass ihm sein Herz bricht, und werde ihn so
töten.“ Er ging in den Berg hinein und stieß einen so lauten Schrei aus, dass er
Erde und Luft ganz mit dem Schall erfüllte. Aber auch jetzt befiel jenen gar
keine Furcht; denn das große Wesen merkte: „Derjenige, der in der Gestalt eines
Dämons, eines Löwen, eines Elefanten und eines Schlangenkönigs kam, der ferner
das Wehen des Windes und die Erschütterung des Berges verursachte und der
endlich in den Berg hineinging und dort den Schrei ausstieß, das ist nur der
Brahmanenjüngling und kein andrer.“
Darauf dachte der Dämon: „Ich bin
nicht im Stande, diesen durch Angriffe von außen zu töten; mit eigner Hand werde
ich ihn jetzt töten.“ Er stellte das große Wesen auf den Gipfel des Berges, ging
selbst an den Fuß des Berges und kam dann, als wenn er durch einen großen
Edelstein einen gelben Faden zöge, schreiend aus dem Innern des Berges hervor;
er packte fest das große Wesen, drehte es um und ließ es kopfüber in der keinen
Stützpunkt bietenden Luft herabhängen. Darüber heißt es:
- §208. Er kam dorthin zum Inneren
des Berges,
- und ging hinein falsche Gedanken
tragend;
- im weiten, unbegrenzten Raum der
Erde
- hielt Katiyana ihn, den Kopf nach
unten.
-
- §209. Während er da nun hing im
Schlund der Hölle,
- dem furchtbaren, haarsträubenden,
elenden,
- da sprach des Kuru-Königs bester
Helfer
- zu Punnaka, dem Dämon, ohne Furcht:
-
- §210. ...
- ...
- ...
- ... [51a]
-
- §211. „Weil du mich in den Abgrund
stürzen willst,
- warum verlangst du denn nach meinem
Tode?
- Heut ist dein Aussehn nicht wie
eines Menschen;
- verkünde mir: Welch eine Gottheit
bist du?“
Punnaka erwiderte:
- §212. „Wenn du gehört vom Dämon
Punnaka,
- er lebt zusammen mit König Kuvera.
- Der Naga Varuna beherrscht die
Erde,
- groß ist er, rein, voll Schönheit und voll Kraft.
-
- §213. Und dessen jüngre Tochter
liebe ich,
- Irandati, so heißt das Naga-Mädchen;
- um dieses schlanken, lieben Weibes
willen
- entschloss ich mich zu deiner
Tötung, Weiser.“
Als dies das große Wesen hörte,
dachte es bei sich: „Diese Welt geht zugrunde durch ein Missverständnis. Wenn
er das Naga-Mädchen begehrt, welchen Vorteil hat er da von meinem Tode? Ich
werde es der Wahrheit gemäß erfahren.“ Und es sprach folgende Strophe:
- §214. „Sei du doch jetzt nicht
unverständig, Dämon;
- viel' gingen schon zugrund durch
Missverständnis.
- Was strebst du um der schlanken
Lieben willen
- nach meinem Tode? Komm, lass es
mich hören!“
Darauf sprach Punnaka, um es ihm zu
verkünden:
- §215. „Aus Lieb' zur Tochter eines
Schlangenfürsten,
- des mächtigen, ging ich zu den
Verwandten;
- zum Bittenden sprach da der
Schwiegervater,
- als sie erkannten, dass mich Liebe
trieb:
-
- §216. ‘Wir geben dir die Holde,
Schönäugige,
- die Lächelnde, den Leib besprengt
mit Sandel,
- wenn du das Herz des Weisen hierher
bringst,
- nachdem du es auf rechte Art
erlangt.
- Nur so ist dieses Mädchen zu
erhalten;
- doch sonst begehren wir nicht andre
Schätze.’
-
- §217. Deshalb bin ich nicht
töricht, höre, Helfer,
- und auch nicht hab ich etwas
missverstanden;
- für dein rechtlich erlangtes Herz
die Nagas
- geben Irandati, das Naga-Mädchen.
-
- §218. Deswegen hab ich vor, dich zu
ermorden,
- deshalb verlangt es mich nach
deinem Tod;
- sogleich werd ich dich in den
Abgrund werfen,
- dich töten und dein Herz dann mit
mir nehmen.“
Als das große Wesen diese seine
Rede vernommen, dachte es bei sich: „Vimala verlangt nicht nach meinem Herzen;
Varuna aber, der meine Predigt gehört und mich mit einem Kleinod dafür geehrt
hat, wird bei seiner Rückkehr nach Hause meine Lehrverkündigung gepriesen haben.
Daher wird Vimala ein Gelüste bekommen haben, mich predigen zu hören; Varuna
wird dies missverständlich aufgefasst und Punnaka diesen Auftrag gegeben haben.
So hat dieser infolge seines Missverständnisses, um mich zu töten, mir solches
Leid zuteil werden lassen. Meine Weisheit aber hat die Fähigkeit, zu den
Gründen zu gelangen und die Ursachen aufzufinden. Wenn er mich tötet, was wird
er davon haben? Wohlan, ich will zu ihm sagen: ‘Du Brahmanenjüngling, ich kenne
die Tugend der guten Männer. Solange ich noch nicht sterbe, setze mich auf den
Gipfel des Berges und höre die Tugend der guten Männer; nachher kannst du mit
mir tun, was du willst.’ So könnte ich, indem ich ihm die Tugend der guten
Männer preise, mein Leben retten.“ Und während er noch so kopfüber herabhing,
sprach er folgende Strophe:
- §219. „Ziehe mich rasch empor, o
Katiyana,
- wenn du nun doch nach meinem Herz
begehrst;
- was immer sind die Tugenden des
Edlen,
- die alle werd ich heut dir
offenbaren.“
Als dies Punnaka hörte, dachte er:
„Dies wird eine Lehre sein, die von dem Weisen den Göttern und Menschen vorher
noch nicht verkündigt wurde. Ich will ihn rasch emporziehen und die Tugend der
guten Männer anhören.“ Er hob das große Wesen heraus und ließ es auf dem Gipfel
des Berges sich niedersetzen.
Um dies zu verkünden, sprach der Meister:
- §220. Drauf Punnaka der Kurus
besten Helfer
- auf Berges Spitze stellte rasch
hinauf;
- als dieser nun erholt da saß und
schaute,
- fragt' er den Helfer
unvergleichlich weise:
-
- §221. „Vom Abgrund hab ich dich
herausgezogen;
- doch um dein Herz ist es mir heut
zu tun.
- Was immer ist des braven Mannes
Tugend,
- das offenbare mir noch heute,
Weiser.“
Das große Wesen antwortete:
- §222. „Vom Abgrund hast du mich
herausgezogen;
- doch wenn dich jetzt verlangt nach
meinem Herzen,
- was immer ist des braven Mannes
Tugend,
- das alles will ich heut dir
offenbaren.“
Darauf fuhr das große Wesen fort:
„Mein Körper ist beschmutzt; ich will mich zuerst waschen.“ Der Dämon
versetzte: „Gut“, brachte Waschwasser herbei und gab dem großen Wesen, als es
sich gewaschen hatte, göttliche Gewänder, göttliche Wohlgerüche, Kränze u. dgl.
Als es sich dann geschmückt und hergerichtet hatte, gab es ihm göttliche Speise.
Nachdem das große Wesen die Speise genossen, ließ es den Gipfel des Kala-Berges
schmücken und seinen Sitz herrichten. Auf dem reich verzierten Sitze nahm es
Platz und sprach, um mit Buddha-Anmut die Tugend des guten Mannes zu schildern,
folgende Strophe:
- §223. „Folg dem betretnen Weg,
Brahmanenjüngling,
- fern halte von dir [52] die
benetzte Hand,
- sei gegen Freunde nie verräterisch,
- komm nie in die Gewalt von
schlechten Weibern!“
Da der Dämon die in Kürze erwähnten
vier Tugenden des guten Mannes nicht verstehen konnte, fragte er ausführlicher:
- §224. „Wie folgt man denn einem
betretnen Weg
- und wie verbrennt man eine nasse
Hand,
- wer ist ein böses Weib, wer übt
Verrat?
- Erkläre es mir, der ich danach
frage!“
Das große Wesen aber erklärte es
ihm folgendermaßen:
- §225. „Wer einen Unbekannten, den
er nicht
- vorher gesehn, zum Niedersitzen
einlädt,
- zu dessen Nutzen möge jener wirken;
- folgen betretnem Weg nennen dies
Weise.
-
- §226. In wessen Haus auch eine
Nacht nur wohnte
- ein Mann, dort wo er Speis und
Trank erhielt,
- nicht sinn' er gegen diesen Böses
aus;
- die Hand, die unverratbar ist,
verbrennt Verrat.
-
- §227. Wenn man in eines Baumes
Schatten
- sich niederlegt oder sich setzt,
- so darf man seinen Zweig nicht
brechen;
- denn schlecht ist, wer den Freund
verrät [53].
-
- §228. Wenn auch die Erde angefüllt
mit Schätzen
- ein Mann dem Weibe gäbe, das er
ehrt,
- kaum dass sie 's hätte, würd sie
ihn verschmähen;
- drum geh' er nicht in schlechter
Weiber Macht.
-
- §229. So ist der, der betretnem
Wege folgt,
- und so verbrennt einer die nasse
Hand,
- das ist das schlechte Weib, das der
Verräter;
- drum sei gerecht [54], gib auf das
Unrecht Tun!“
So erklärte das große Wesen dem
Dämon mit Buddha-Anmut die vier Tugenden eines guten Mannes. Als aber Punnaka
sie hörte, merkte er: „Mit diesen vier Punkten bittet der Weise nur um sein
eignes Leben. Er hat mir, den er vorher nicht kannte, Ehrung erwiesen; ich
weilte drei Tage lang in seinem Hause und genoss dabei große Pracht. Wenn ich
ferner dies Böse tue, so tue ich es um eines Weibes willen; überhaupt aber bin
ich ein Freundverräter. Wenn ich mich an dem Weisen versündigen werde, so werde
ich wahrlich nicht die Tugenden eines guten Mannes betätigen. Was soll mir das
Naga-Mädchen? Ich will die tränenvollen Gesichter der Bewohner von Indapatta
wieder zum Lächeln bringen, indem ich ihn rasch dorthin bringe und ihn in der
Lehrhalle herabsteigen lasse.“ Und er sprach:
- §230. „Drei Tage wohnte ich in
deinem Hause,
- mit Trank und Speise ward mir
aufgewartet;
- du bist mein Freund, drum lasse ich
dich frei.
- Nach Wunsch geh in dein Haus, du
höchster Weiser.
-
- §231. Vergehen mag des Naga-Stammes
Nutzen,
- genug sei es mir mit dem
Naga-Mädchen;
- infolge deiner gut gesprochnen
Worte
- bist heute du vom Mord mir frei, du
Weiser.“
Das große Wesen aber versetzte:
„Jüngling, schicke mich jetzt nicht in mein Haus, sondern verbringe mich nur in
das Naga-Reich!“ Und es sprach folgende Strophe:
- §232. „Wohlan, o Dämon, führe du
mich nur
- zum Schwiegervater; tu zu meinem
Nutzen!
- Auch ich möcht' den Palast des
Naga-Herrschers,
- den ich noch nie vorher gesehn,
betrachten.“
Punnaka erwiderte:
- §233. „Was einem Mann fürwahr zum
Unheil dient,
- das darf der Weise nicht betrachten
wollen;
- aus welchem Grunde also wünschest
du
- zur Stadt der Feinde, Weisester, zu
gehen?“
Das große Wesen antwortete:
- §234. „Auch ich verstehe sicherlich
dies wohl;
- nicht darf ein Weiser dies
betrachten wollen,
- doch hab ich nirgends Böses je
getan,
- drum hab ich keine Angst zum Tod zu
gehen.“
Es fuhr fort: „Ich habe ja auch, du
Götterkönig, ein so grausames Wesen, wie du es bist, durch meine Verkündigung
der Wahrheit bezaubert und sanft gemacht. Soeben hast du mir gesagt: ‘Genug für
mich mit dem Naga-Mädchen; kehre in dein Haus zurück!’ Den Naga-König mild zu
machen ist nun meine Aufgabe; bringe mich nur dorthin.“ Als dies Punnaka hörte,
stimmte er dessen Worten zu und sprach:
- §235. „Wohlan, den Ort, der
unvergleichlich mächtig,
- wirst du mit mir beschauen. Komm,
du Helfer,
- dorthin, wo bei Gesang und Tanz der
Naga
- ruht wie Vessavana in Nalini [55].
-
- §236. Durchwandelt von der Schar
der Naga-Mädchen,
- mit Lust erfüllt beständig Tag und
Nacht,
- bedeckt mit reichen Kränzen, vielen
Blumen,
- erglänzet er wie in der Luft der
Blitz.
-
- §237. Mit Speise und mit Trank
reich ausgestattet,
mit Tänzen, mit Gesängen und Musik,
erfüllt mit schön gezierten Göttermädchen,
erglänzet er von Kleidern und von Schmuck.“
-
- §238. Drauf Punnaka der Kurus
besten Helfer
- ließ niedersitzen hinter seinem
Sattel;
- mit diesem unvergleichlich weisen
Helfer
- er suchte auf das Haus des
Naga-Königs.
-
- §239. Als er zum Ort der höchsten
Pracht gekommen,
- stellt' sich der Helfer hinter
Punnaka.
- Da aber sie einträchtig sah der
Naga,
- sprach er zuvor zu seinem
Schwiegersohn:
-
- §240. „Weil du doch gingst zur Welt
der Sterblichen,
- um dieses Weisen Herz
herbeizuholen,
- gelang es dir vielleicht und kamst
du hierher
- mit diesem unvergleichlich weisen
Helfer?“
Punnaka antwortete:
- §241. „Ich bin hierher gekommen,
wie du wünschest,
- rechtlich erlangte ich des Rechtes
Wächter.
- Seht ihn vor Augen, wie er zu Euch
spricht;
- glücklich sei die Zusammenkunft mit
Weisen.“
Ende des Kapitels vom Kala-Berge
§B8. (Letztes Kapitel)
Als der Naga-König das große Wesen
sah, sprach er folgende Strophe:
- §242. „Den nicht vorher Gesehnen
sehend
- spricht dieser Mensch, von
Todesfurcht
- gequält und ängstlich, mich nicht
an;
- dies ist sonst nicht der Weisen
Art.“
Während aber dies der Naga-König
erwartete, sagte das große Wesen nicht zu ihm: „Du bist mir verehrungswürdig“;
sondern weil es infolge seiner tiefen Erkenntnis der richtigen Mittel kundig
war, sagte es: „Weil ich von dir getötet werden soll, deshalb bezeige ich dir
nicht meine Ehrfurcht“, und es sprach folgendes Strophenpaar:
- §243. „Ich bin nicht ängstlich,
Naga-Fürst,
- und nicht von Todesfurcht erfüllt;
- doch nicht begrüßt der Todgeweihte
- noch grüßt man auch den
Todgeweihten.
-
- §244. Wie sollte einer wohl
begrüßen
- oder auch sich begrüßen lassen,
- welchen ein Mann zu töten wünscht?
- Solch ein Beginnen kommt nicht
vor.“
Als dies der Naga-König hörte,
sprach er, um das große Wesen dafür zu beloben, folgendes Strophenpaar:
- §245. „So ist es, wie du es gesagt;
- die Wahrheit sprachest du, o
Weiser.
- Der Todgeweihte grüßet nicht
- noch grüßt man auch den Todgeweihten.
-
- §246. Wie sollte einer wohl
begrüßen
- oder auch sich begrüßen lassen,
- welchen ein Mann zu töten wünscht?
- Solch ein Beginnen kommt nicht
vor.“
Jetzt sprach das große Wesen, um
mit dem Naga-König eine liebenswürdige Unterhaltung zu beginnen:
- §247. „Nicht immerwährend,
wechselnd ist für dich
- der Glanz, die Herrlichkeit, die
Kraft und Stärke.
- Ich frage dich danach, du
Naga-König:
- Wie bist gekommen du zu dem Palaste?
-
- §248. Erhieltst du dies grundlos
oder als Lohn,
- als selbst erworben oder Göttergabe
[56]?
- Erkläre dieses mir, du Naga-König,
- wie du zu diesem Schlosse hier
gelangtest.“
Der Naga-König antwortete:
- §249. „Nicht ohne Grund erhielt ich
's noch als Lohn,
- nicht selbst verdient noch als der
Götter Gabe;
- durch meine eignen Taten frei von
Sünde,
- durch meine guten Werke ward mir
dies.“
Das große Wesen fuhr fort:
- §250. „Was war dein Vorsatz, was
dein heil'ger Wandel,
- von welchem guten Werk ist dies die
Frucht,
- der Glanz, die Herrlichkeit, die
Kraft, die Macht
- und dieses große Schloss, o
Naga-König [57]?“
Der Naga-König erwiderte:
- §251. „Ich und mein Weib, wir waren
in der Welt
- der Menschen beide gläubig, reiche
Spender.
- Dem offnen Laden glich damals mein
Haus,
- befriedigt waren Asketen und
Brahmanen.
-
- §252. Kränze, Girlanden sowie feine
Salben,
- Lampen und Betten, schöne
Wohnungen,
- Kleider und Lagerstätten, Trank und
Speise
- wir spendeten da reichlich als
Almosen.
-
- §253. Dies war mein Vorsatz, dies
mein heil'ger Wandel,
- von diesem guten Werk ist dies die
Frucht,
- der Glanz, die Herrlichkeit, die
Kraft, die Macht
- und dieses große Schloss, du weiser
Mann.“
Das große Wesen versetzte:
- §254. „Wenn du zu diesem Schlosse
so gelangtest,
- so kennst du wohl die Frucht der
guten Werke;
- drum wandle unablässig in der
Tugend,
- damit du wieder wohnst in dem
Palast.“
Der Naga-König erwiderte:
- §255. „Es gibt hier nicht Asketen
und Brahmanen,
- denen wir Trank und Speise geben
könnten.
- Sag mir, o Helfer, dies auf meine
Frage,
- damit wir wieder im Palaste
wohnen.“
Das große Wesen antwortete:
- §256. „Schlangen [58] sind dir doch
hier zuteil geworden,
- Kinder und Weiber und die von dir
leben;
- und gegen sie in Taten und in
Worten
- betätige dich immer ohne Falsch.
-
- §257. Wenn so, o Naga-König, du die
Reinheit
- beobachtest in Worten und in Taten,
- wirst du zeitlebens hier im
Schlosse bleiben
- und dann hinaufgehn in die
Götterwelt.“ —
Als der Naga-König die
Wahrheitsverkündigung des großen Wesens vernommen, dachte er bei sich: „Man darf
den Weisen nicht lange draußen aufhalten. Ich will ihn zu Vimala bringen und sie
seine schönen Worte hören lassen. Wenn ich damit ihr Gelüste beruhigt habe,
ziemt es sich, um den König Dhananjaya zu erfreuen, den Weisen wieder zu ihm zu
schicken.“ Und er sprach folgende Strophe:
- §258. „Gewisslich ist der beste
König traurig
- deiner beraubt, er, dessen Freund
du bist.
- Auch ein Unglücklicher wohl fände
Glück,
- wenn er mit dir vereinigt, auch ein
Kranker.“
Als dies das große Wesen hörte,
sprach es, um den Naga zu loben, folgende weitere Strophe:
- §259. „Gewiss der Weisen Wahrheit
sagst du, Naga,
- den Spruch unübertrefflich,
wohlgetan;
- bei derartigen Unglücksfällen
nämlich
- merkt man den Unterschied von
meinesgleichen.“
Da dies der Naga-König vernahm,
sprach er noch weit mehr erfreut folgende Strophe:
- §260. „Sag mir [59], hat dieser
dich umsonst erhalten,
- sag mir, hat dieser dich im Spiel
gewonnen?
- Rechtlich seist du erlangt, hat er
gesagt;
- wie bist du in die Hand von ihm
gekommen?“
Das große Wesen antwortete:
- §261. „Den König, der dort mein
Gebieter war,
- besiegte dieser in dem Würfelspiel.
- Besiegt hat mich der König ihm
gegeben,
- rechtlich erlangt bin ich, ohne
Gewalt.“ —
-
- §262. Als so entzückt und froh der
Schlangenkönig
- des Weisen schöne Worte hatt'
vernommen,
- fasst' er die Hand des
unvergleichlich Weisen
- und führte ihn zu seiner Gattin
hin.
-
- §263. „Um den du gelb wardst,
Vimala,
- um den das Mahl dich nicht mehr
freute,
- es ist kein Ruhm, der seinem
gleicht,
- er ist es, der verscheucht das
Dunkel.
-
- §264. Nach dessen Herzen du
verlangtest,
- der Lichtbringer ist jetzt
gekommen;
- hör aufmerksam auf seine Rede,
- schwer ist es, nochmals ihn zu
sehen.“
-
- §265. Als diesen Weisen Vimala
erblickte,
- sie faltete zehn Finger nach ihm
hin;
- freudeerfüllt und von Entzücken
strahlend
- sprach sie so zu der Kurus bestem
Helfer [60]:
-
- §266. „Die nicht vorher Gesehne
sehend
- spricht dieser Mann, von
Todesfurcht
- gequält und ängstlich, mich nicht
an;
- dies ist sonst nicht der Weisen
Art.“
-
- §267. „Ich bin nicht ängstlich,
Naga-Fürstin,
- und nicht von Todesfurcht erfüllt;
- doch nicht begrüßt der Todgeweihte
- noch grüßt man auch den
Todgeweihten.
-
- §268. Wie sollte einer wohl
begrüßen
- oder auch sich begrüßen lassen,
- welchen ein Mann zu töten wünscht?
- Solch ein Beginnen kommt nicht
vor.“
-
- §269. „So ist es, wie du es gesagt;
- die Wahrheit sprachest du, o
Weiser.
- Der Todgeweihte grüßet nicht
- noch grüßt man auch den
Todgeweihten.
-
- §270. Wie sollte einer auch
begrüßen
- oder auch sich begrüßen lassen,
- welchen ein Mann zu töten wünscht?
- Solch ein Beginnen kommt nicht
vor.“
-
- §271. „Nicht immerwährend,
wechselnd ist für dich
- der Glanz, die Herrlichkeit, die
Kraft und Stärke.
- Ich frage dich danach, du
Naga-Mädchen:
- Wie bist gekommen du zu dem Palaste?
-
- §272. Erhieltst du dies grundlos
oder als Lohn,
- als selbsterworben oder Göttergabe?
- Erkläre dieses mir, du Naga-Mädchen,
- wie du zu diesem Schlosse hier
gelangtest.“
-
- §273. „Nicht ohne Grund erhielt ich
's noch als Lohn,
- nicht selbstverdient oder als
Göttergabe;
- durch meine eignen Taten frei von
Sünde,
- durch meine guten Werke ward mir
dies.“
-
- §274. „Was war dein Vorsatz, was
dein heil'ger Wandel,
- von welchem guten Werk ist dies die
Frucht,
- der Glanz, die Herrlichkeit, die
Kraft, die Macht
- und dieses große Schloss, du
Naga-Fürstin?“
-
- §275. „Ich und mein Gatte waren in
der Welt
- der Menschen beide gläubig, reiche
Spender.
- Dem offnen Laden glich damals mein
Haus,
- befriedigt waren Asketen und
Brahmanen.
-
- §276. Kränze, Girlanden sowie feine
Salben,
- Lampen und Betten, schöne
Wohnungen,
- Kleider und Lagerstätten, Trank und
Speise
- wir spendeten da eifrig als
Almosen.
-
- §277. Dies war mein Vorsatz, dies
mein heil'ger Wandel,
- von diesem guten Werk ist dies die
Frucht,
- der Glanz, die Herrlichkeit, die
Kraft, die Macht,
- und dieses große Schloss, du weiser
Mann.“
-
- §278. „Wenn du zu diesem Schlosse
so gelangtest,
- so kennst du wohl die Frucht der
guten Werke;
- drum wandle unablässig in der
Tugend,
- damit du wieder wohnst in dem
Palast.“
-
- §279. „Es gibt hier nicht Asketen
und Brahmanen,
- denen wir Trank und Speise geben
könnten.
- Sag mir, o Helfer, dies auf meine
Frage,
- damit wir wieder im Palaste
wohnen.“
-
- §280. „Schlangen sind dir doch hier
zuteil geworden,
- Kinder und Weiber und die von dir
leben;
- und gegen sie in Taten und in
Worten
- betätige dich immer ohne Falsch.
-
- §281. Wenn so, o Naga-Fürstin, du
die Reinheit
- beobachtest in Worten und in Taten,
- wirst du zeitlebens hier im
Schlosse bleiben
- und dann hinaufgehn in die
Götterwelt.“
-
- §282. „Gewisslich ist der beste
König traurig
- deiner beraubt, er, dessen Freund
du bist.
- Auch ein Unglücklicher wohl fände
Glück,
- wenn er mit dir vereinigt, auch ein
Kranker.“
-
- §283. „Gewiss der Weisen Wahrheit
sagst du, Fürstin,
- den Spruch unübertrefflich,
wohlgetan;
- bei derartigen Unglücksfällen
nämlich
- merkt man den Unterschied von
meinesgleichen.“
-
- §284. „Sag mir, hat dieser dich
umsonst erhalten,
- sag mir, hat dieser dich im Spiel
gewonnen?
- Rechtlich seist du erlangt, hat er
gesagt;
- wie bist du in die Hand von ihm
gekommen?“
-
- §285. „Den König, der dort mein
Gebieter war,
- besiegte dieser in dem Würfelspiel.
- Besiegt hat mich der König ihm
gegeben,
- rechtlich erlangt bin ich ohne
Gewalt.“
-
- §286. All das, was Varuna der Naga
- als Fragen vorlegte dem Weisen,
- dasselbe auch die Naga-Fürstin
- als Fragen vorlegte dem Weisen.
-
- §287. Und wie auch Varuna, den Naga,
- befriedigte gefragt der Weise,
- gerade so die Naga-Fürstin
- befriedigte gefragt der Weise.
- So wurden beide sie befriedigt.
-
- §288. Doch als der Weise sah die
beiden fröhlich,
- die große Schlange und die
Naga-Fürstin,
- sprach er furchtlos und ohne
Haarsträuben,
- nicht zitternd zu dem Naga Varuna:
-
- §289. „Sei ohne Sorge, Naga, ich
bin hier.
- Wozu du diesen meinen Körper
brauchst,
- mit Herz und Fleisch er deinen
Wunsch erfüllt:
- ich werde selbst tun, wie es dir
gefällt.“
Der Naga-König erwiderte:
- §290. „Weisheit ist ja das Herz der
reinen Männer,
- durch deine Weisheit sind wir
hochbefriedigt.
- Anunanama nehme heut sein Mädchen,
- heut soll er dich geleiten zu den
Kurus.“
Nach diesen Worten gab Varuna
Irandati an Punnaka; dieser nahm sie in Empfang und unterredete sich
hocherfreut mit dem großen Wesen.
Um dies zu verkündigen, sprach der Meister:
- §291. Drauf Punnaka entzückt und
hocherfreut
- empfing Irandati, das Naga-Mädchen;
- und voller Jubel und vor Freude
strahlend
- sprach er jetzt zu der Kurus bestem
Helfer:
-
- §292. „Mit meiner Gattin hast du
mich vereint,
- auch ich, Vidhura, tu nach deinem
Nutzen.
- Dies Edelsteinkleinod schenke ich
dir;
- noch heut geleit ich dich ins
Kuru-Land!“
Darauf sprach das große Wesen, um
ihn zu preisen, folgende weitere Strophe:
- §293. „Unüberwindlich sei dir diese
Liebe
- zu deiner lieben Gattin, o Kaccana!
- Mit freud'gem Herzen, heiter und
erfreut
- den Stein gib und bring mich nach Indapatta.“
-
- §294. Drauf Punnaka der Kurus
besten Helfer
- ließ vorne sich auf seinen Sattel
setzen;
- den unvergleichlich weisen Helfer
nahm er
- mit sich und brachte ihn nach
Indapatta.
-
- §295. Wie etwa eilt der menschliche
Gedanke,
- noch viel geschwinder war diese
Bewegung;
- so brachte Punnaka den besten
Helfer
- der Kurus nach der Stadt Indapatta.
Darauf sprach er zu ihm:
- §296. „Hier sieht man schon die
Stadt Indapatta,
- die schönen Mangowälder abgeteilt.
- Ich bin mit meiner Gattin nun
vereint
- und du bist in dein eignes Haus
gekommen.“ —
An diesem Tage aber zur Zeit der
Morgendämmerung hatte der König einen Traum; dieser Traum war folgendermaßen:
Am Tore des königlichen Palastes stand ein großer Baum; sein Stamm war die
Weisheit, die Tugenden bildeten seine Äste und Zweige, seine Früchte waren die
fünf Kuh-Erzeugnisse [61], er war bedeckt mit reichgeschmückten Elefanten und
Pferden. Eine große Volksmenge erwies diesem Baum große Ehrung und verehrte ihn,
indem sie die Hände nach ihm faltete. Da kam ein schwarzer Mann, mit einem roten
Gewande bekleidet und mit roten Blumen am Ohr, mit Waffen in der Hand herbei,
riss trotz des Jammerns der Menge den Baum mit der Wurzel heraus und ging mit
ihm fort, indem er ihn hinter sich her zog. Dann brachte er ihn wieder, setzte
ihn an seine gewohnte Stelle und entfernte sich.
Als der König den Traum überdachte,
merkte er: „Dem großen Baum vergleichbar ist kein anderer als der weise Vidhura;
auch der Mann, der trotz der Klagen der Menge ihn bei der Wurzel herausriss
und mit ihm fortging, ist kein anderer als der Brahmanenjüngling, der den Weisen
mitnahm. Wie jener aber den Baum wiederbrachte, ihn wieder an seinen gewohnten
Platz setzte und dann fortging, so wird auch dieser Brahmanenjüngling den Weisen
wiederbringen, ihn an das Tor der Lehrhalle stellen und dann fortgehen.
Sicherlich werden wir heute den Weisen sehen!“ Nachdem er diesen Schluss
gezogen, ließ er voll Freude die ganze Stadt schmücken, die Lehrhalle herrichten
und unter einem reichgezierten Edelsteinpavillon den Lehrsitz aufschlagen. Dann
sagte er umgeben von den hunderteins Königen, von der Schar seiner Minister, den
Städtern und den Landbewohnern: „Noch heute werdet ihr den Weisen sehen; seid
ohne Furcht!“ Und indem er die Volksmenge tröstete, setzte er sich in der
Lehrhalle nieder und wartete auf die Ankunft des Weisen. Punnaka aber ließ den
Weisen herabsteigen, stellte ihn ans Tor der Lehrhalle in die Mitte der
Versammlung und kehrte dann mit Irandati in seine eigene Götterstadt zurück.
Um dies zu verkünden, sprach der Meister:
- §297. Drauf Punnaka der Kurus
besten Helfer
- absteigen ließ in der Lehrhalle
Mitte;
- dann stieg aufs Ross der
unvergleichlich Schöne
- und nach dem Himmel ritt er durch
die Luft.
-
- §298. Als jenes sah der König, voll
Entzücken
- erhob er sich, umfasst' ihn mit den
Armen
- und ohne Zittern mitten in dem
Lehrsaal
- setzt' er ihn auf den Sitz sich
gegenüber.
Darauf bezeigte er ihm seine
Freundschaft und sprach, um eine liebenswürdige Unterhaltung mit ihm anzufangen,
folgende Strophe:
- §299. „Du leitest uns wie den
bespannten Wagen;
- es freuen sich die Kurus dich zu
sehen.
- Erkläre dieses mir auf meine Frage:
- Wie wurdest du vom Jüngling wieder
frei?“
Das große Wesen antwortete:
- §300. „Welchen du Jüngling
nanntest, Völkerfürst,
- dies ist kein Mensch, du stärkster
aller Männer;
- wenn du gehört von Punnaka dem
Dämon,
- verwandt ist er dem Könige Kuvera.
-
- §301. Der Erdbeherrscher Naga
Varuna
- ist mächtig und mit Glanz und Kraft
erfüllt;
- von ihm die jüngre Tochter liebte
jener,
- Irandati, so hieß das Naga-Mädchen.
-
- §302. Um dieses schlanken, lieben
Mädchens willen
- ließ er sich überreden, mich zu
töten;
- doch jetzt ist er vereint mit
seiner Gattin,
- mich gab er frei und schenkte mir
das Kleinod.“
Es fuhr fort: „O Großkönig, nachdem
nämlich jener Naga-König, erfreut durch meine Lösung der Frage nach den vier
Uposatha-Gelübden, mich mit einem Kleinod geehrt hatte und in das Naga-Reich
zurückgekehrt war, wurde er von seiner Gattin, Vimala mit Namen, gefragt, wo
sein Kleinod sei. Darauf pries er vor ihr meine Art, die Wahrheit zu verkünden.
Da sie nun Lust bekam, meine Wahrheitsverkündigung zu hören, befiel sie ein
Gelüste nach meinem Herzen. Infolge dieses Missverständnisses sagte der Naga-König zu seiner Tochter Irandati: ‘Deine Mutter hat ein Gelüste nach dem
Herzfleisch des Vidhura; suche dir einen Gatten, der im Stande ist, dessen
Herzfleisch herbeizubringen.’ Als diese nun herumsuchte, sah sie den Neffen
des Vessavana, den Dämon Punnaka. Da sie merkte, dass er sein Herz an sie
gefesselt habe, führte sie ihn zu ihrem Vater hin. Darauf sagte ihm dieser:
‘Wenn du das Herzfleisch des weisen Vidhura herbeischaffen kannst, wirst du
Irandati erhalten.’ Jener holte nun vom Berge Vepulla ein Kleinod, das einem
Weltbeherrscher zukommt, spielte mit Euch Würfel und erhielt mich so. Nachdem
er drei Tage lang in meinem Hause geweilt, ließ er mich den Schweif seines
Rosses packen, stieß mich an die Bäume und Berge im Himalaya, konnte mich aber
nicht töten. Darauf sprang er in die siebente Abteilung der Winde hinauf,
stellte mich auf den Gipfel des sechzig Meilen hohen Kala-Berges, nahm das
Aussehen eines Löwen usw. an und tat dies und jenes. Als er mich aber nicht
töten konnte, fragte ich ihn nach dem Grunde, warum er mich töten wolle, und er
erzählte mir die ganze Begebenheit. Darauf verkündete ich ihm die Tugenden eines
guten Mannes. Als er dies hörte, war er davon befriedigt und wollte mich
hierher zurückbringen. Ich aber ging mit ihm in das Naga-Reich und verkündete
dem Naga-König wie auch Vimala die Wahrheit. Die ganze Versammlung der Nagas war
erfreut; nachdem ich aber dort sechs Tage verweilt hatte, gab der Naga-König
Irandati an Punnaka. Dieser nahm sie hocherfreut in Besitz und ehrte mich mit
einem Edelsteinkleinod; dann ließ er auf Befehl des Naga-Königs mich sein
Zauberross besteigen, setzte sich selbst auf den mittleren Sitz und ließ
Irandati auf dem Hintersitz Platz nehmen. So brachte er mich hierher, ließ mich
inmitten der Versammlung herabsteigen und kehrte dann mit Irandati in seine
eigene Stadt zurück. So, o Großkönig, vermaß sich Punnaka um dieser schlanken
Lieben willen, mich zu töten; jetzt aber ist er durch mich seiner Gattin
teilhaftig geworden und von dem Naga-König, der vom Anhören meiner
Wahrheitsverkündigung hochbefriedigt war, wurde mir die Erlaubnis erteilt,
zurückzukehren. Von diesem Punnaka erhielt ich auch dies Kleinod, das alle
Wünsche erfüllt und das einem weltbeherrschenden Könige zukommt; nehmt dies
Kleinod an!“ Mit diesen Worten gab er das Kleinod dem Könige.
Weil nun der König den Traum, den
er zur Zeit der Morgendämmerung gehabt hatte, den Stadtbewohnern erzählen
wollte, sagte er: „Holla, ihr Stadtbewohner, höret den Traum, den ich heute
sah!“ Und er sprach:
- §303. „Ein Baum erwuchs mir an des
Hauses Toren,
- die Weisheit war sein Stamm, die
Tugenden die Zweige;
- in Recht und Wahrheit stand er fest
und reif,
- mit Kuh-Ertrag, bedeckt von
Elefanten, Pferden, Rindern.
-
- §304. Ihn, der von Tanz, Gesang,
Musik umtönt,
- riss aus ein Mann und nahm ihn mit
sich fort.
- Doch er kam wieder her zu seinem
Platze;
- bezeiget diesem Baume eure Ehrung!
-
- §305. Sie alle, die durch mich je
fröhlich wurden,
- sie sollen alle heut es offenbaren;
- bringet Geschenke her über die
Maßen
- und diesem Baum bezeiget eure
Ehrung!
-
- §306. Wer nur in Banden liegt in
meinem Reiche,
- die alle soll man von den Banden
lösen;
- wie dieser auch befreit ward von
der Fessel,
- so seien sie gelöst von ihren
Banden.
-
- §307. Man fei're diesen Monat ohne
Pflug,
- Brahmanen sollen essen Fleisch und
Brei;
- die Nichttrinker, sie sollen
heimlich trinken
- Branntwein aus Bechern voll und
überlaufend.“
-
- §308. ...
- ...
- ...
- ... [61a]
Nach diesen Strophen fügte er
hinzu:
- §309. „Die Haremsleute und die
Knaben,
- die Vessas und auch die Brahmanen
- sollen jetzt Speis und Trank in
Menge
- herbeibringen für unsern Weisen.
-
- §310. Die Reiter und die
Leibgardisten,
- die Wagenkämpfer, Fußsoldaten
- sollen jetzt Speis und Trank in
Menge
- herbeibringen für unsern Weisen.
-
- §311. Vom Land die Leute, die
versammelt,
- die Städter, die zusammenkamen,
- sollen jetzt Speis und Trank in
Menge
- herbeibringen für unsern Weisen!“
-
- §312. Die Volksmenge war hoch
erfreut,
- da sie den Weisen sah gekommen;
- nachdem zurückgekehrt der Weise,
- die Kleider warfen sie empor.
Nach einem Monat ging das Fest zu
Ende. Das große Wesen lehrte, wie wenn es die Buddhapflicht erfüllen wollte,
der Volksmenge die Wahrheit und ermahnte den König. Nachdem es zeitlebens dabei
geblieben war, gelangte es in den Himmel. Auch alle Bewohner des Reiches Kuru,
vom Könige angefangen, beharrten bei seiner Ermahnung, taten gute Werke wie
Almosen Geben u. dgl. und erfüllten auch am Ende ihres Lebens den Pfad zum
Himmel.
(Ende des letzten Kapitels)
§A2. Nachdem der Meister diese Lehrunterweisung beschlossen
hatte, fügte er hinzu: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon
war der Vollendete mit Weisheit ausgerüstet und der richtigen Mittel kundig.“
§C. Hierauf verband er das Jataka mit folgenden Worten:
„Damals waren die Eltern des Weisen Angehörige der Großkönigsfamilie, seine
erste Gemahlin war die Mutter Rahulas, der älteste Sohn war Rahula, der
Naga-König Varuna war Sāriputta, der Supanna-König war Mogallāna, Gott Sakka war
Anuruddha, der König Dhananjaya war Ananda, der weise Vidhura aber war ich.“
Ende der Erzählung von dem weisen
Vidhura
[1] Dies ist der Anfang der 9.
Strophe [1a]; es scheint also, dass die zum 1. Kapitel gehörenden acht [1a]
ersten Strophen nicht zur eigentlichen Erzählung gerechnet werden.
[1a] Ein Zählfehler: Im ersten
Kapitel sind elf, nicht acht Strophen enthalten.
[1b] Das erste Kapitel bildete
ursprünglich das Jataka 441.
[2] „Korabba“ heißt wie die
Nebenform „Koravya“ nur „zu den Kurus gehörig“.
[3] D. h. Angehörige der dritten
Kaste, der „vessa“, skr. „vaisya“.
[4] Jataka 441. Doch ist hier das
Jataka nicht ausgeführt, sondern es ist nur der erste Vers der folgenden Strophe
zitiert, und dann auf das Punnaka (= Vidhura)-Jataka verwiesen, dessen erster
Teil ja „Catuposatha-Khandam“ = „das Kapitel von den vier Uposatha-Gelübden“
heißt.
[5] Es kann auch heißen: „ein Mann
von unvergleichlicher Arbeit“.
[6] Ein anderer Name für die
Supannas.
[7] Sakka ist auch der König der
Gandharvas, der himmlischen Musikanten.
[8] Wegen des nur einmal gesetzten
„ca“ kann „Naga“ hier nicht einen Elefanten bedeuten, sondern es muss die
allgemeine Bedeutung „der beste“ haben.
[9] Vgl. die Anmerkung 1 zum Anfang
dieses Jataka.
[9a] traun = veraltet für „in der
Tat“.
[10] Auch im Text hat hier
„Vidhura“ ein langes u.
[11] Ein Beiname des Gottes Kuvera,
der zugleich der Dämonenkönig ist.
[12] Drei englische Meilen!
[13] „valabhi“, skr. „vadabhi“,
eigentlich „Dach, Zinne“.
[14] Statt „mandalass'“ ist wohl zu
lesen „mangalass'“.
[15] Es sind wohl Türme gedacht,
die die menschliche Gestalt nachahmen.
[16] Diese Bäume kommen fast alle
öfters in den Jatakas vor, weshalb sie hier nicht näher bestimmt sind.
[17] Einer, der übernatürlichem
Entstehen seinen Ursprung verdankt.
[18] Nämlich die hunderteins Könige
von Indien, die sich von Vidhura nicht trennen konnten.
[19] Wörtlich: „nicht namenlos“.
Der Kommentator nimmt dies als Umschreibung für Punnaka, das „der Gefüllte“
bedeutet.
[20] Nämlich alle die Könige.
[21] Die nächsten vier Zeilen
finden sich auch im Jataka 535 Strophe 74 Zeilen 3-6.
[22] „ganthika“, skr. „granthika“, kann auch bedeuten
„Astrolog“.
[23] Diese Strophe fehlt bei
Cowell.
[24] Gemeint sind Sänger, deren Amt
es ist, den König am Morgen mit ihrem Gesang zu erwecken.
[24a] Eine der Strophen 62-65 hat
Dutoit ausgelassen.
[25] Die folgenden acht Zeilen
stehen [fast wörtlich] auch im Jataka 535 in den Strophen 75 und 76.
[26] Nach der Lesart „palasata“ an
dieser Stelle. In der zitierten Stelle Jataka 535 Strophe 76 Zeile 1 steht
„palasada“.
[27] Ein mythischer Fisch von
ungeheurer Größe
[28] Dies sind öfters vorkommende
Namen von Fischen; der erste ist Silurus boalis.
[29] Die Großkönige („Maharaja“) oder Weltwächter
(„lokapala“) haben ihren Platz auf den Yugandhara-Bergen rings um den
Sineru-(Meru-)Berg.
[30] Alles Namen von Gärten in
Indras Himmel.
[31] Der Himmel der dreiunddreißig
Götter, wo sich die Halle Sudhamma, der himmlische Paricchattaka-Baum und Indras
Leibelefant Eravana befinden.
[32] Der Tāvatimsa-Himmel, der
Yama-Himmel, der Tusita-Himmel und der Paranimmita-Himmel sind die vier
wichtigsten der sechs Götterwelten.