Khuddaka-Nikāya XII

Paṭisambhidāmagga - Der analytische Weg

Erste vollständige deutsche Übersetzung aus dem Pāli von Santuṭṭho Bhikkhu

Buch XII aus dem Khuddaka-Nikāya des Sutta-Piṭaka
Deutsche vollständige Erstübersetzung, deutsche Erstveröffentlichung
1. Auflage 2018; Umschlagbild: "Aufstieg", Santuṭṭho, Dambulla, 2012
Gesamtgestaltung: Santuṭṭho Bhikkhu
© 2018 für die deutsche Übersetzung: Santuṭṭho Bhikkhu
Eigenverlag, Berlin ISBN: 978-3-00-060099-9

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Die hier gezeigten Texte sind vom Übersetzer und Autor Santuttho Bhikkhu ausschließlich der Webseite palikanon.com kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Alle Leser verpflichten sich das Urheberrecht zu achten. Dieses Buch ist auf der Webseite: Satinanda erhältlich.

All jenen gewidmet,
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sind und noch sein werden.

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Inhaltsverzeichnis

Abkürzungen

Vorwort

I. Der große Abschnitt

Das Grundschema

1. Thema: Erkenntnis

1. Beschreibung der Erkenntnis durch überliefertes Wissen

2. Erkenntnis durch Sittlichkeit

3. Erkenntnis durch Entfaltung von Konzentration

4. Erkenntnis der konstanten Eigenschaft der Phänomene

5. Erkenntnis durch Begreifen

6. Erkenntnis vom Entstehen und Vergehen

7. Erkenntnis aus dem Betrachten der Auflösung

8. Erkenntnis von der Gefährdung

9. Erkenntnis vom Gleichmut gegenüber den Gestaltungen

10. Erkenntnis vom Paradigmenwechsel

11. Erkenntnis vom Pfad

12. Erkenntnis von der Erreichung

13. Erkenntnis von der Befreiung

14. Erkenntnis von der Rückschau

15. Erkenntnis von den Unterschieden der Grundlagen

16. Erkenntnis der Vielfalt im Bereich der Sinneswahrnehmung

17. Erkenntnis von der Verschiedenartigkeit des Verhaltens

18. Erkenntnis von der Verschiedenartigkeit der Daseinsebenen

19. Erkenntnis von der Verschiedenartigkeit der Phänomene

20.-24. Fünferlei Erkenntnisse

25.-28. [Vier] Analytische Erkenntnisse

29.-31. Erkenntnisse von Bedeutung(-en)

32. Erkenntnis von Geistesruhe mit unmittelbarem Ergebnis

33. Erkenntnis vom friedvollen Verweilen

34. Erkenntnis vom Erreichen des Verlöschens

35. Erkenntnis vom vollständigen Erlöschen

36. Erkenntnis von Gleichheit des Obersten

37. Erkenntnis im Sinne von Zurückhalten

38. Erkenntnis vom Inangriffnehmen der Tatkraft

39. Erkenntnis von der Erklärung der Bedeutung(-en)

40. Erkenntnis von Reinheit der Ansicht

41. Erkenntnis von der Duldung

42. Erkenntnis vom Sondieren

43. Erkenntnis vom Verweilen in Begrenzung

44.-49. Sechs Erkenntnisse vom Abwenden

50. Erkenntnis magischer Kräfte

51. Erkenntnis von der Reinheit des Hörelementes

52. Erkenntnis von Gedankengängen anderer

53. Erkenntnis von der Betrachtung früherer Existenzen

54. Erkenntnis vom überweltlichen Auge

55. Erkenntnis von der Vernichtung der Einflüsse

56.-63. Erkenntnis von den Vier Edlen Wahrheiten

64.-67. Erkenntnis von Klarheit durch Analyse

68. Erkenntnis von der Fähigkeit des geistigen Durchdringens

69. Erkenntnis in die Gesinnung und Neigung der Wesen

70. Erkenntnis vom Doppelwunder

71. Erkenntnis vom großen Mitgefühl

72.-73. Erkenntnis von Allwissenheit

2. Thema: Ansicht

1. Hedonistische Ansichten

2. Ansicht von einer Seele

3. Üble Ansichten

4. Persönlichkeits-Ansicht

5. Ewigkeits-Ansicht

6. Vernichtungs-Ansicht

7. Extreme Ansichten

8. Ewigkeitsansicht hinsichtlich der Vergangenheit

9. Ewigkeitsansicht hinsichtlich der Zukunft

10.-12. Fesselnde Ansichten

13. Zur Seelenlehre gehörende Ansicht

14. Zur Weltenlehre gehörende Ansicht

15.-16. Ansichten von Sein und Nichtsein

3. Thema: Achtsamkeit auf den Atem.

1. Aufzählung

2. Sechzehn Erkenntnisse

3. Verunreinigungen der Einsicht

Erster Durchlauf

Zweiter Durchlauf

Dritter Durchlauf

4. Reinigung der Einsicht

5. Einsichten von denen, die Achtsamkeit entwickeln

Beschreibung im ersten Durchlauf

Beschreibung im zweiten Durchlauf

Beschreibung im dritten Durchlauf

Beschreibung im vierten Durchlauf

6. Einsichtskategorien in Durchläufen

4. Thema: Fähigkeiten

1. Erste Beschreibung einer Lehrrede

2. Zweite Beschreibung einer Lehrrede

[Ursprung]

[Nutzen]

I. Beschreibung: Gefallen

II. Beschreibung: Gefahr

III. Beschreibung: Entkommen

3. Dritte Beschreibung einer Lehrrede

I. Beschreibung: Zerlegung in Gruppen

II. Aufreihung von Verhalten

III. Beschreibung: Verhalten und Verweilen

4. Vierte Beschreibung einer Lehrrede

I. Beschreibung: Vorherrschaft

II. Beschreibung: anfängliche Läuterung

III. Beschreibung: Außergewöhnlichkeit

IV. Beschreibung: Standhaftigkeit

V. Beschreibung: Überwältigung

VI. Beschreibung: darauf Gründen

5. Fähigkeiten im Zusammenhang

5. Thema: Befreiung

1. Erklärung

2. Beschreibung einer Lehrrede

6. Thema: Werdegang

7. Thema: Tat[absicht]en

8. Thema: Verdrehtheiten

9. Thema: Der Pfad

10. Thema: Erstklassiges

Zusammenfassung

II. In Verbindung

1. Kapitel: Zusammenhänge

1. Beschreibung einer Lehrrede

2. Beschreibung von Aufregung aufgrund der Phänomene

2. Kapitel: Wahrheit

1. Erste Beschreibung einer Lehrrede

2. Zweite Beschreibung einer Pāli-Lehrrede

3. Dritte Beschreibung einer Lehrrede

3. Kapitel: Faktoren des Erwachens

Zehnerlei Grundursachen

Beschreibung der Lehrrede

4. Kapitel: Freundlichkeit

1. Reihe mit Fähigkeiten

2. Reihe mit Kräften

3. Reihe mit Erwachensfaktoren

4. Reihe mit Pfadfaktoren

[5. Kombinationen]

5. Kapitel: Leidenschaftslosigkeit

6. Kapitel: Analyse

1. Von der Ingangsetzung des Rades der Lehre

2. Von der Vergegenwärtigung der Achtsamkeit

3. Vom Weg zu magischer Kraft

4. Von den sieben Erleuchtungswesen

5. Von den höheren Erkenntnissen

6. Von den Daseinsaggregaten

7. Von den Wahrheiten

8. Von den analytischen Erkenntnissen

9. Von den Dingen der sechs [früheren] Buddhas

7. Kapitel: Das Rad der Lehre

1. Von der Wahrheit

2. Von der Vergegenwärtigung der Achtsamkeit

3. Vom Weg zu magischer Kraft

8. Kapitel: Überweltliches

9. Kapitel: Kräfte

10. Kapitel: leer

1. Grundschema

2. Beschreibung

Zusammenfassung

III. Weisheit

1. Kapitel: Große Weisheit

1. Sechzehnfaches Wissen

2. Verschiedene Personen

2. Kapitel: Magische Kraft

Zehn [übernatürliche] Kräfte

3. Kapitel: vollkommenes Verstehen

4. Kapitel: Zurückgezogenheit

1. Pfadfaktoren

2. Fähigkeiten

5. Kapitel: Verhalten

6. Kapitel: Wunder

7. Kapitel: Gleichzeitigkeit

8. Kapitel: Vergegenwärtigung der Achtsamkeit

9. Kapitel: Einsicht

10. Kapitel: Grundschema

Zusammenfassung

Bibliografie

Anhang

Aus der Einleitung zur englischen Übersetzung des Pm

Die "Unterscheidungen" und der Pm

Die Natur des Pm

Die Philosophie

Geschichte des Abhidhamma und die Datierung des Pm

Der Pm und die spätere Geschichte des Theravāda

Der Kommentar von Mahānāma

Daseinsebenen

Daseinsformen der Wesen

Ein paar erläuternde und hoffentlich hilfreiche Worte vorweg

Die Darstellung der buddhistischen Kosmologie


Abkürzungen

AN Aṅguttara Nikāya
BhuV Bhikkhu Vibhaṅga
BWtb Buddhistisches Wörterbuch
CSTP Chaṭṭha Saṅgāyana Tipiṭaka Pāli
DN Dīgha Nikāya
IB Indian Buddhism (A.K. Warder)
IBH I.B. Horner
KEN Karl Eugen Neumann
Mil Milindapañhā
MN Majjhima Nikāya
M/T Maitrimurti/Trätow
Mvg Mahāvagga (Vinaya)
Nig Nighaṇḍu (Pāli-Deutsch-Wörterbuch)
Nym Nyanamoli (Ñāṇamoli)
Nyr Ñāṇārāma
Pm Paṭisambhidāmagga
PmA Paṭisambhidāmagga Aṭṭhakathā
Pp Puggalapaññatti
PTS Pāli Text Society
SN Saṃyutta Nikāya
Vin Vinaya
Vism Visuddhimagga
... (kleinere) Textauslassung im Sinne von "zu wiederholen"
... – ... (größere) Textauslassung im Sinne von "zu wiederholen"

Vorwort

Dieses Buch ist zweifellos jüngeren Datums als das, was uns sonst im sogenannten "Korb der Lehrreden" überliefert wurde. Wer sich bereits ein wenig in den Schriften auskennt, wird unschwer feststellen, dass "Der analytische Weg" sehr stark an Bücher aus dem Abhidhamma-Piṭaka erinnert. Dieser Hinweis ist auch insofern von Wichtigkeit, da bekannt sein dürfte, dass jüngere Texte viele schwer zu entschlüsselnde Komposita enthalten und etliche Begriffe mehrere Bedeutungen haben, die sich außerdem nicht unbedingt widersprechen und dennoch so weit verschieden sind, dass ganze Passagen der genaueren Deutung bedürfen. Als prominentes Beispiel kann man gleich §1 zitieren: Sotāvadhāne paññā sutamaye ñāṇaṃ. Vier von vier Worten, davon zwei als Synonyme, lassen mehrere Übersetzungsmöglichkeiten zu, die allesamt Sinn ergeben:

sotāvadhāna  "Zuhören, Hinhören, Gehör schenken/leihen",
paññā  "Wissen, Weisheit, Erkenntnis(-se), Einsicht(-en), Verstand, Intelligenz, Verstehen, Verständnis",
sutamaya  "auf Gehörtem/Überliefertem/Erlerntem beruhend",
ñāṇa  "Einsicht, Erkenntnis(-se), Kenntnis(-se), Wissen, Überzeugung, Weisheit".

Der ehrwürdige Bhikkhu Ñāṇamoli übersetzte: "Understanding of applying the ear is knowledge of what consists in the heard (learnt)." (PTS 1982). Keinesfalls soll das Verdienst, einen solchen schwierigen Text übersetzt zu haben, geschmälert, oder er bzw. sein Werk herabgewürdigt werden, nur ist anzumerken, dass man zwar wörtlich übersetzen mag, aber den Sinn verfehlt. Streitpunkt ist in diesem Fall hauptsächlich das Hilfszeitwort "sein". Es ist ein Wagnis, "Verstehen (Verständnis) ist Erkenntnis" zu übersetzen. Der Text erlaubt das, aber die Praxis zeigt, dass dem nicht so ist. Ñāṇamolis "Verstehen vom Hinhören ist die Kenntnis davon, was im Gelernten enthalten ist" kann sinngemäß übertragen werden mit: "Das Verstehen dessen, worauf man hörte, führt zur Kenntnis dessen [oder Wissen von dem], was man gelernt hat." Aber es ergibt sich das nächste Problem: der Kontext. Und der lautet "Erkenntnis- bzw. Einsichtsstufen (ñāṇa)". Dem zur Folge sollte man übertragen: "Verstehen des Erlernten führt zur Erkenntnis aus Überliefertem." In anderen Worten: "Sobald man [in der Praxis] versteht, was man [theoretisch] gelernt hat, wird Theorie zur Praxis."

Um diese deutsche Übersetzung nicht allzu sehr aufzublähen, wurde darauf verzichtet, jeden Fall von Mehrdeutigkeit bzw. Unstimmigkeit von Theorie und Praxis aufzuzeigen oder gar zu erläutern. Dennoch kommt eine erkleckliche Anzahl Fußnoten zustande. Viele beziehen sich auf Unterschiede zur Übersetzung des Ehrw. Ñāṇamoli, die zu Vergleichszwecken zur Klärung so mancher Schachtelsätze gern verwendet wurde. Allerdings wurde die Zählweise der Paragrafen entsprechend CSTP beibehalten, auch wenn die willkürliche des Ehrw. Ñāṇamoli gelegentlich deutlich übersichtlicher ist.

Zum Pm selber kann man ansonsten nur sagen, dass es nichts enthält, was anderenorts, d.h. in älteren Texten bereits enthalten ist. Es stellt sich erneut die Frage, wie es solche Kompilationen und schematische Auflistungen geschafft haben, Eingang in den buddhistischen Kanon zu finden.

Die gründliche Beschäftigung mit dieser Art Lehrtext führt allerdings sehr wohl dazu, dass gewisse Begriffe als auch deren Zusammenhang deutlich klarer gesehen werden können. Aber das kann nur gelingen, wenn bereits die Grundlagen für das Wissen eben jener Begriffe durch das Studium der Lehrreden (sutta) geschaffen wurden. Demnach ist es durchaus richtig, wenn man darauf hinweist, dass zuerst die Lehre (dhamma) verstanden werden sollte, und erst dann – falls überhaupt noch erforderlich – mag man sich mit der Scholastik (abhi-dhamma) befassen.

Hinsichtlich des "Verstehens" ist deutlichst darauf hinzuweisen, dass der Pm nicht authentisches "Buddhawort" (Buddhavacana) ist, sondern dass es sich hier um eine Art kommentarielle Zusammenstellung handelt, also um eine Textkompilation, deren für Abhidhamma-Texte markanten, stereotypen Auflistungen oftmals Wort-für-Wort-Erklärungen folgen. Somit ist der Pm keineswegs ein Buch, das man wie ein solches zu lesen hat, sondern man sollte sich nur die Kapitel durcharbeiten, die zum aktuellen Interessenfeld gehören.

Das Buch enthält drei Abschnitte in denen die jeweiligen Begriffe bzw. ganze Textabschnitte analysiert, das heißt Wort für Wort erklärt werden – um dann dieselben Begriffe in verschiedenen Auflistungen wieder in Zusammenhang zu bringen. Das ist eigentlich eine für den Abhidhamma ganz typische Vorgehensweise. Wer sehr aufmerksam die Nuancen in den unzähligen Wiederholungen der Begriffsreihen studiert, wird erstaunt sein, wieviele Unterschiede beim (korrekten) Analysieren in der (Meditations-)Praxis zutage treten können.

Obwohl ein Grundschema (mātika) am Anfang des Buches erscheint, bezieht sich dieses nur auf das erste Thema, und zwar der Beschreibung von Erkenntnis. Dennoch erscheinen hier die meisten Begriffsreihen erstmalig, die dann teilweise auch in den folgenden Themen mehr oder minder ausführlich dargestellt werden. Im Folgenden dazu der betreffende Abschnitt als Großzitat aus der Einleitung A.K. Warder's zum Pm, die a.a.O. in sehr guter deutscher Übersetzung erschien:

Die dreißig Abhandlungen des Paṭisambhidāmagga

Von den dreißig "Abhandlungen" dieses Buchs ist die erste die bei weitem längste und nimmt beinahe ein Drittel des Texts ein. Es ist in 73 "Kapitel" eingeteilt, von denen das erste wiederum bei weitem das längste ist. Dieses ist wiederum in "Abschnitte" eingeteilt, von denen der erste der längste ist. Auf diese Art gibt es eine Art Beschleunigung im Laufe des Buches, eine nicht ungewöhnliche Struktur in Theravāda-Werken, in der der Schüler auf seinem Weg zuerst langsam vorankommt und danach immer schneller wird.

Da die erste Abhandlung so kompliziert ist, lassen Sie uns, bevor wir deren viele Kapitel untersuchen, die anderen 29 kurz ansehen. Die zentrale Abhandlung ist in der Tat die 16. über die Unterscheidungen, die dem ganzen Buch seinen Namen gibt. Da die Unterscheidungen als "Wissen" beschrieben werden und sich diese Abhandlung damit beschäftigt, wie die "Wirklichkeiten" von jemandem verstanden wurden, als der Buddha sie zum ersten Mal lehrte, einschließlich als vierter Unterscheidung dem Wissen, dass man Wissen besitzt, muss sich die Idee, als erste Abhandlung eine Sammlung von relevanten Arten von Wissen voranzustellen, wie natürlich von selbst ergeben haben. Die folgende Abhandlung 17 über das "Ingangsetzen des Rades der wahren Lehre" ist dann ein Anhang zu Abhandlung 16 über das selbe Dhammacakkappavattana-Sutta dieser ersten Unterweisung. Diese zweite "Abteilung" des Buches (Abhandlungen 11 bis 20) schließt mit der sehr bedeutsamen und anscheinend größtenteils neuen Abhandlung 20 über die Leerheit oder Leere aller dhammas von jeder Seele oder jedem Selbst. Diese zweite Abteilung beginnt mit Abhandlung 11 genauso bedeutsam mit dem "Paar" "Geistige Ruhe" und "Besondere Einsicht", dem zweifachen Weg von Meditation und Wissen oder Konzentration und Verständnis, die aber eine "Funktionseinheit" (rasa in seinem gerade erörterten technischen Sinn) bilden, zusammen vereinigt sind und zusammen als Weg zum Nirvāṇa wirken, wie der ganze Paṭisambhidāmagga erklärt. Diese 11. wird gefolgt von einer 12. Abhandlung über die "Wirklichkeiten", die in Harmonie mit dem Hauptgedanken des Buches von einer einzelnen Durchdringung "durchdrungen" sind. Die dritte "Abteilung" (Abhandlungen 21 bis 30) beginnt mit dem "großen Verständnis" (Abh. 21), wobei das oberste "lachende Verständnis" einmal mehr die vierte Unterscheidung ist. Ihre Abhandlungen enthalten die "Konvergenz" (Abh. 23), die eng mit der Frage verwandt ist, wie man eine Wirklichkeit "weiß", und wieder die "Einsicht" (Abh. 29), die die Unbeständigkeit, Leid und Nicht-Selbst unmittelbar wahrnimmt, ganz in "Übereinstimmung" zum Nirvāṇa.

Die anderen Abhandlungen der Abteilungen zwei und drei beziehen sich mehr auf die praktische Seite des Wegs, auf das "Paar", obwohl sie nie die Theorie aus den Augen verlieren. Abhandlung 13 ist über die Erleuchtungsfaktoren, Abhandlung 14 über die Liebevolle Güte (Befreiung des Geistes durch Wohlwollen) und Abhandlung 15 über das "Verschwinden" (Leidenschaftslosigkeit), was wieder zur Befreiung oder "Erlösung" führt. Abhandlung 18 über das "Überweltliche" handelt von den 37 dhammas auf der Seite der Erleuchtung, den vier Stufen auf dem Pfad und ihren Ergebnissen und dem Nirvāṇa. Abhandlung 19 ist über die "Kräfte" oder Stärken (balas) vielerlei Art, die jeden Gedanken, der entwickelt wird, unerschütterlich machen. Abhandlung 22 ist über den "Erfolg" oder die Fähigkeit (iddhi) und enthält die Grundlagen der Fähigkeit für die Konzentration des Willens, nämlich den Gedanken, die Energie und die Untersuchung der frühesten Lehre, aber noch viele "Kräfte" mehr. Abhandlung 24 ist über die "Abgeschiedenheit" (Trennung) und 25 über das "Verhalten" oder der wirksamen Handhabung von vielen der dhammas, die auf dem Pfad genutzt werden, einschließlich des Benehmens sowie der Fähigkeiten, der Pfadfaktoren usw. (meistens sind sie dieselben wie die atthas, die Objekte oder "Bedeutungen" dieser dhammas). Abhandlung 26 ist über die "Wunder" übersinnlicher Kräfte und von Anweisungen. "Gleichgerichtetheit" (Abh. 27) ist eine Metapher für den Höhepunkt des Weges zum Nirvāṇa, wenn jede Tat mit Bezug auf irgendeinen und jeden dhamma dasselbe Ergebnis produziert, nämlich das Abschneiden von allen "Befleckungen". Abhandlung 28 ist über die "Grundlagen der Achtsamkeit" (Grundlagen oder Begleiter des "Selbstgewahrseins", das die Basis des ganzen "Pfads" oder Wegs ist). Abhandlung 30 enthält nur einige erläuternde Notizen. Die späteren Abhandlungen sind meist kurz und wiederholen oft einfach vorhandenes Material aus den Abhandlungen 1, 3 und 4.

In der ersten Abteilung wird die 1. Abhandlung über das Wissen passenderweise gefolgt von einer 2. über Meinungen oder (falsche) "Ansichten", d.h., was nicht Wissen ist, die zusammenträgt, was man in den Lehrreden zu diesem Thema findet (in erster Linie das Brahmajāla-Sutta (D 1) im Dīgha-Nikāya). Danach kommt die praktischste und elementarste Übung der "Atmung", die den Ausgangspunkt von "Achtsamkeit" bildet (Abh. 3). Es folgen die (fünf) Fähigkeiten, die die Übung zur Eliminierung der Befleckungen dominieren (Abh. 4). Sie müssen deshalb gründlich verstanden werden, ebenso wie sie funktionieren, insbesondere in Bezug auf den Pfad, und sie müssen "gereinigt" und entwickelt werden, sodass sie gut funktionieren. Die "Befreiungen" bilden eine weitere Stufe jenseits der Grundübungen zur Achtsamkeit und bringen offensichtlich Leerheit (Leere), Nicht-Seele und andere Aspekte des Verständnisses oder Wissens ins Spiel (Abh. 5). Dieser theoretische Aspekt wird noch einmal in der Abhandlung 8 über die "Verdrehungen" oder Irrtümer behandelt. Dazwischen haben wir die "Zielorte", mit anderen Worten Wiedergeburt (Abh. 6), und eine kurze Abhandlung über Taten, die nach dem Zeitpunkt des Ergebniseintritts klassifiziert werden (Abh. 7). Abhandlung 9 ist über die (vier) Pfade (Stromeintritt usw.) und ihre Beziehung zu den acht Faktoren des Pfads, den Erleuchtungsfaktoren, den Fähigkeiten und anderen Themen. Die "gute Essenz, die man trinken sollte" ist ein Lobpreis auf das "beste Leben" oder gute Leben eines Mönchs (Abh. 10). Er führt in das Paar Geistige Ruhe und Besondere Einsicht ein, wie um die folgende zweite Abteilung vorzubereiten, obwohl diese wesentlichen Aspekte des Weges schon am Anfang der ersten Abhandlung kurz definiert worden sind. Die "Essenzen" sind die "Bedeutungen".

Die erste Abhandlung (die als einzige ein einleitendes Inhaltsverzeichnis oder "Grundschema" besitzt) beginnt mit dem Wissen, das [aus dem Mund des Buddha] gehört und durch die Tradition überliefert wurde, in Umrissen präsentiert aus den mātikās ("Schemata", aber auch wie Bewässerungskanäle, die auch mātikā genannt werden, die die Bedeutung leiten, wie das Gaṇṭhipada, S. 160, erklärt) des Dasuttara-Sutta (D 34) im Dīgha-Nikāya (Kapitel 1). Das Wissen, das diesem folgt, ist teils praktisch: Tugend (Kap. 2) und Entwicklung der Konzentration (Kap. 3) und teils theoretisch: kausale Beziehungen (Kap. 4).

Dann haben wir eine sehr wichtige Serie, die unübersehbar in der späteren Geschichte der Theravāda-Übung des Wegs zum Nirvāṇa und als "Einsichtswissen" bekannt ist. Die alte Aṭṭhakathā-Tradition entwickelte sie anscheinend aus dem Kontext des Paṭisambhidāmagga (Atthasālinī S. 351-352), der Visuddhimagga führt sie weiter aus (Kapitel XX, siehe §§ 2 usw. und 93 und Kap. XXI, siehe auch Kap. XXII §§ 107 und 112) und sie erscheinen am systematischsten als die zehn Einsichtswissen oder die zehn Stufen der Entwicklung der Einsicht in einigen der späten Handbücher des Abhidhamma (Paramatthaviniccaya 983-1020, Abhidhammatthasaṅgaha S. 44, wo in Zeile 1 bhaṃga gelesen werden sollte und am ausführlichsten im Nāmarūpapariccheda 1641-1643 und das folgende sowie das vorhergehende Kapitel). Das früher entstandene Handbuch von Buddhadatta stimmt ziemlich gut mit dem Visuddhimagga überein und speist sich vermutlich aus denselben Aṭṭhakathā-Quellen (Kapitel XX und XXI des Abhidhammāvatāra). Dhammapala fasst sie in seinem Kapitel V des Saccasaṅkhepa über das Nirvāṇa als den Weg dorthin zusammen. Dieses Wissen beginnt in Kapitel 5 der ersten Abhandlung des Paṭisambhidāmagga mit dem Kapitel vom "Verständnis" (der drei Allgemeinen Merkmale aller "Gruppen" oder "Aggregate" der dhammas, siehe auch das Sammasa-Sutta, S ii 107ff.). Auf der Grundlage davon haben wir "Nachdenken über Entstehen und Vergehen" (Kap. 6), "Einsicht, die Verständnis ist aufgrund des Nachdenkens über die Auflösung" (Kap. 7), "Gefahr" (Kap. 8) und "Gleichmut über Kräfte" (Kap. 9).

Anschließend an diese fünf (später als die zehn Einsichtswissen ausgeführten) Wissen oder vielmehr als ihren Höhepunkt finden wir das sonderbarerweise "Änderung der Abstammung" benannte Wissen (Kap. 10, gotrabhū). Der Text erklärt das mit dem "Besiegen" (Überwinden) alles Gestalteten und dem Eingehen in das Nirvāṇa, was metaphorisch das Besiegen der "Familie" (gotra) der Wiedergeburt ist. In den oben (Asl. 352 usw.) skizzierten späteren Tradition folgt das unmittelbar auf die Einsichtswissen und in der Atthasālinī ist es in der Tat eins davon. Die Metapher wurde allerdings später zu der Idee weiterentwickelt, dass es eine entgegengesetzte "Familie" des Nirvāṇa gäbe, in die man dadurch aufgenommen wird, dass man auf dem Pfad Erfolg hat, daher Ñāṇamolis mehrdeutige Übersetzung "Änderung der Abstammung" (womit er dem Visuddhimagga, Anfang des Kapitels XXII, folgt). Buddhadatta (AbhA Vers 1321) erklärt, dass gotra in gotrabhū das Nirvāṇa bedeutet, obwohl er damit das "Besiegen" der Familie der "gewöhnlichen Leute" verbindet. Unser Text gibt keinen Hinweis auf eine Nirvāṇa-"Familie". Mahānāma zitiert in seinem Kommentar (S. 275) ein unbekanntes pakaraṇa (wirklich nicht den Prakaraṇapāda?), das genauso wie Buddhadatta aussagt, dass gotta (sic) Nirvāṇa bedeutet, aber als Grund dafür hinzufügt, dass es vor all den Hinterhalten (der Wiedergeburten) "schützt" (gutta). Mahānāma scheint dieser Argumentation gegenüber skeptisch, und obwohl er eine Phrase des Visuddhimagga zitiert, sagt er dort nichts über die dort erwähnte Familie der Heiligen (die Idee wurde im Mahāyāna stark weiterentwickelt, siehe IB S. 363-364 usw.).

Danach haben wir eine Notiz zu den vier Pfaden (Kap. 11) und ihren Früchten (Kap. 12), zur Erlösung (Kap. 13), zum Überprüfen (Kap. 14) und zu einer Reihe von "Unterschieden" (Kap. 15-19). Im letzten von diesen verschiedenen Kapiteln gibt es eine Notiz zur "Leidenschaftslosigkeit" (§§ 407-408), die die spätere Tradition unter das "Einsichtswissen" fasst (das Gaṇṭhipada merkt das durch Zitieren eines Verses an, der sie unter diesen auflistet, S. 149). Dann werden "Was bekannt ist" (Kap. 20), das Urteil (Kap. 21), das Aufgeben (Kap. 22), die wesentliche "Funktionseinheit" (Kap. 23) und die "Sondierung" (Untersuchung, Kap. 24) gefolgt von den vier Unterscheidungen (Kap. 25-28), dem praktischen Paar "Aufrecht erhalten" und "Erlangen" (Kap. 29-31) und ein bunter Strauß von Beschreibungen, die zum Nirvāṇa hinführen (Kap. 32-37). Die nächsten Wissen sind noch verschiedenartiger oder betreffen Aspekte von Themen, die schon gestreift wurden (Kap. 38-43). Dann haben wir eine Reihe von "Abwendungen" weg von Befleckungen (Kap. 44-49). Hier folgen die Grundlagen für "Erfolg" bei der Konzentration (Kap. 50), das "Ohrreinigungsprinzip" (Kap. 51), die "Durchdringung der Willen" (Kap. 52), die Erinnerung an das letzte Leben (Kap. 53), das "göttliche Auge" (Kap. 54) und die "Entleerung von Eiterbeulen" (Kap. 55), welches die sechs "unmittelbaren Wahrnehmungen" sind. Danach kommen die vier Wirklichkeiten (Kap. 56-63) und die vier Unterscheidungen (Kap. 64-67). Die Wirklichkeiten sind, wie wir gesehen haben, eng mit den Unterscheidungen verbunden, weil sie der Inhalt des Dhammacakkappavattana-Sutta waren. Mahānāma (S. 390) erklärt, dass diese zusätzliche Diskussion der Unterscheidungen hier dazu dienen soll, sie zu den Wirklichkeiten in Beziehung zu setzen, was das Gaṇṭhipada dann mit Details erklärt (S. 177), die dem Vibhaṅga folgen. Es kann auch angemessen sein, sie als Höhepunkt des ganzen Wissens anzusehen, gefolgt von nur jenen sechs, die für den Buddha eigentümlich sind, einschließlich seines großen Mitgefühls (Kap. 71) und seiner Allwissenheit (Kap. 72).

Das erste Kapitel der ersten Abhandlung beginnt mit seiner eigenen mātikā vom "Lernen". Sie besteht aus den dhammas, die "unmittelbar wahrgenommen", "vollständig verstanden", aufgegeben werden müssen usw., abgeleitet aus dem Dasuttara-Sutta, aber neu angeordnet. Sein Abschnitt 1 zählt den ersten Satz von denjenigen dhammas, die unmittelbar wahrgenommen werden müssen, auf und führt ihn mit verschiedenen anderen mātikās oder "Reihen" (Ñāṇamoli) von dhammas aus, einschließlich Geistige Ruhe und Besondere Einsicht und ihrer Verbindung (§§ 24, 42). Abschnitt 2 zählt in ähnlicher Weise diejenigen dhammas auf, die vollständig verstanden werden müssen, Abschnitt 3 die aufzugebenden, Abschnitt 4 die zu entwickelnden (wobei die Schlüsselvorstellung einer "Funktionseinheit" eingebracht wird) und Abschnitt 5 die zu "realisierenden". Die Abschnitte 6-9 weichen vom bis dahin übernommenen Dasuttara-System ab, um in Verbindung mit der Meditation "Verringerung", "Stagnation", "Kennzeichnung" und "Durchdringung" einzubringen, die in der Quelle (D iii 277) nur als vier Konzentrationen genannt, aber nicht erklärt werden. Die Abschnitte 10-12 bringen die drei (Universalmerkmale) Unbeständigkeit, Unzulänglichkeit, und Nicht-Seele (Nicht-Selbst) ein. Die Abschnitte 13-16 beenden das Kapitel mit den vier Wirklichkeiten, welches hier im Detail erklärt wird. Man könnte das erste Kapitel so kommentieren, dass dieser ganze "Lernstoff" oder diese Schulweisheit bereits dadurch "gewusst" wird, dass man es "hört" (suta). Aber das ist noch nicht der Weg oder Pfad. Was auf diese Art "gewusst" wird, muss nun noch "wirklich" gewusst werden durch Erfahrung und "unmittelbare Erkenntnis" (paṭibhāna, "Klarheit" in Ñāṇamolis Übersetzung), das (wirkliche) Wissen vom Wissen.

[Ende des Großzitates]

Die enorme Menge an größeren als auch kleineren Textwiederholungen (...pe...), welche durch ... – ... , resp. ... gekennzeichnet sind, zeigt recht anschaulich, dass der/die Autor/en bzw. Editor/en des Pm kommentarielle Arbeit geleistet hat, statt Aussagen des (historischen) Buddha themenbezogen zusammenzustellen. Aufgrund der jeweils neu beginnenden Paragrafierung sind vermutlich die Abschnitte II und III noch spätere Hinzufügung zum Abschnitt I. Nur Abschnitt III trägt nicht extra noch den wahrscheinlich nachträglich an I. und II. angefügten Zusatz: "Das ist aus dem (Hauptbestandteil der) Lehrredensammlung als Erstes im Gedächtnis zu Behaltendes festgelegt, ist felsenfest, ist Erstes [resp. Zweites], ist Bestes. --- [Man sagt:] 'Bester Abschnitt'."

Grundsätzlich wurde dhamma mit "Phänomen" übersetzt – außer wenn aus dem Kontext ersichtlich wurde, dass die (buddhistische) Lehre oder ein ganz allgemeines "Ding" gemeint ist. Nym verwendete das Wort "Idee" (idea).

Āsava wurde wahlweise wörtlich mit "Einfluss" aber auch mit "(zugrundeliegende) Tendenz" übersetzt.

Es wird im Text klar unterschieden zwischen "Geistesruhe" (samatha) und Konzentration (samādhi). Daher erscheinen manche Definitionen ungewöhnlich.

Der Übersetzer nahm sich die Freiheit, etliche Personalpronomen zu verallgemeinern, d.h. aus dem "er" wurde ein "man". Das macht den ohnehin mitunter komplizierten Text ein wenig verständlicher.

Des Weiteren ist er (der Übersetzer) sich sehr wohl bewusst, nicht perfekt zu sein, auch wenn er es sich wünscht. Daher erhebt die vorliegende Arbeit nicht den Anspruch einer "endgültigen Wahrheit". Für jegliche konstruktive Kritik wird der Übersetzer stets ein offenes als auch dankbares Ohr haben.

Santuṭṭho Bhikkhu
Kathina 2018

Ehre dem Erhabenen, Heiligen, vollkommen Erwachten!

Der analytische Weg

I. Der große Abschnitt

Das Grundschema

1. Wissen[1] vom Erlernten[2] führt zu[3] Erkenntnis[4] aus Überliefertem. §1
2. Wissen aus erlernter Selbstbeherrschung, nachdem man davon gehört hat, führt zur Erkenntnis, was Tugend ist. §37
3. Wissen von Geistesruhe, nachdem man sich gezügelt hat, führt zur Erkenntnis, durch Entfaltung von Konzentration. §43
4. Wissen vom Begreifen der Ursächlichkeit führt zur Erkenntnis konstanter Eigenschaften der Phänomene. §45
5. Wissen vom Definieren[5] von vergangenen, kommenden und entstandenen Phänomenen[6], nachdem man sie verallgemeinert hat[7], führt zur Erkenntnis durch Begreifen. §48
6. Wissen aus der Betrachtung des Veränderns gegenwärtig existierender Phänomene ist Erkenntnis der Einsicht von Entstehen und Vergehen. §49
7. Wissen vom Betrachten der Auflösung beim Erwägen von Objekten führt zu Einsichtserkenntnis. §51
8. Wissen vom Aufkommen des Schreckens führt zur Erkenntnis der Gefährdung. §53
9. Wissen vom Wunsch nach Befreien, Rückschau und [dabei] Verweilen führt zur Erkenntnis vom Gleichmut gegenüber den Gestaltungen. §54
10. Wissen über das Erheben und Entfernen von Äußerlichkeiten führt zur Erkenntnis des Paradigmenwechsels[8]. §59
11. Wissen über Erheben und Abwenden von beidem[9] führt zur Erkenntnis vom Pfad. §61
12. Wissen von (richtiger) Anwendung der Gestilltheit führt zur Erkenntnis der (Pfad-)Erreichung. §63
13. Wissen aus der Betrachtung davon, was abgeschnitten wurde, führt zur Erkenntnis der Befreiung. §64
14. Wissen vom Sehen dann entstandener Phänomene führt zur Erkenntnis der Rückschau. §65
15. Wissen aus Definieren von Innerlichem führt zur Erkenntnis der Unterschiede der Grundlagen[10]. §66
16. Wissen aus Definieren von Äußerlichem führt zur Erkenntnis der Unterschiede im Bereich der Sinneswahrnehmung[11]. §67
17. Wissen vom Definieren des Verhaltens führt zu Erkenntnis der Verschiedenartigkeit des Verhaltens. §68
18. Wissen vom Unterscheiden der vier Sphären[12] führt zur Erkenntnis der verschiedenen Daseinsebenen. §72
19. Wissen vom Definieren von neun Phänomenen[13] führt zur Erkenntnis der Verschiedenheit von Phänomenen. §73
20. Wissen von höherer Erkenntnis[14] führt zu Erkenntnis im Sinne von zur Kenntnis gebracht. §75
21. Wissen von (vollem) Verständnis führt zu Erkenntnis im Sinne von Beurteilen[15]. §75
22. Wissen von Erkenntnis des Aufgebens führt zur Erkenntnis im Sinne von Loslassen[16]. §75
23. Wissen von Erkenntnis des Entfaltens führt zur Erkenntnis im Sinne von einen Geschmack habend[17]. §75
24. Wissen von Erkenntnis des selber Verwirklichens führt zur Erkenntnis im Sinne von Kontakt[18]. §75
25. Wissen von den Unterschieden der Bedeutungen führt zur analytischen Erkenntnis von den Bedeutungen. §76
26. Wissen von den Unterschieden der Phänomene führt zur analytischen Erkenntnis von den Phänomenen. §76
27. Wissen von den Unterschieden in der Wortbedeutung[19] führt zur analytischen Erkenntnis von Wortbedeutung(-en). §76
28. Wissen von den Unterschieden der Ausdrucksweise[20] führt zur analytischen Erkenntnis der Ausdrucksweise. §76
29. Wissen von Unterschieden beim Verweilen[21] führt zur Erkenntnis vom Sinn des Verweilens. §78
30. Wissen von den Unterschieden des Erreichens[22] führt zur Erkenntnis vom Sinn des Erreichens. §78
31. Wissen von den Unterschieden der Erreichung der Verweilstätten führt zur Erkenntnis vom Sinn des Erreichens der Verweilstätten. §78
32. Wissen vom Vernichten der Tendenzen bezüglich Reinheit der Unzerstreutheit führt zur Erkenntnis von Geistesruhe mit unmittelbarem Ergebnis. §80
33. Wissen von Frieden, vorherrschend beim Sehen, und vorzügliche Entschlossenheit zum Erlangen und Verweilen führt zur Erkenntnis vom friedvollen Verweilen[23]. §82
34. Wissen der Meisterung von Ausgestattetsein mit zwei Kräften, von Beruhigung dreier Gestaltungen, von sechzehn [Arten des] Verhaltens von Erkenntnis, von neun [Arten des] Verhaltens von Konzentration führt zur Erkenntnis der Erreichung des Erlöschens. §83
35. Wissen vom Aufmerksamsein auf das Aufhören des Ingangsetzens führt zur Erkenntnis des vollständigen Erlöschens. §86
36. Wissen von völligem Vernichten, Aufhören und Nichtmehrentstehen aller Phänomene führt zur Erkenntnis von der Gleichheit des Obersten. §87
37. Wissen vom Einzelnen, von Unterschied, Einssein, Auslöschen des Feuers führt zur Erkenntnis im Sinne von Zurückhalten. §88
38. Wissen vom Bemühen im Sinne von aktiv und entschlossen sein führt zur Erkenntnis vom Inangriffnehmen der Tatkraft. §89
39. Wissen vom Erklären der verschiedenen Phänomene führt zur Erkenntnis der Sinndeutung. §90
40. Wissen vom Durchdringen aller Phänomene als Eingeschlossen in Einem seiend, [sowie] Verschiedenheit und Einheit habend, führt zur Erkenntnis von Reinheit der Ansicht. §91
41. Wissen, was in Erfahrung gebracht wurde, führt zur Erkenntnis von der Duldung. §92
42. Wissen vom Berührten führt zur Erkenntnis vom Sondieren[24]. §93
43. Wissen vom Verbinden führt zur Erkenntnis vom Verweilen in Begrenzung. §94
44. Wissen von Vorherrschaft führt zur Erkenntnis vom Abwenden durch Wahrnehmung. §95
45. Wissen von Verschiedenheit führt zur Erkenntnis vom Abwenden durch Willen. §96
46. Wissen vom Entschließen führt zur Erkenntnis vom Abwenden durch Geist. §97
47. Wissen von Leerheit führt zur Erkenntnis vom Abwenden durch Erkennen. §98
48. Wissen von Meisterung führt zur Erkenntnis vom Abwenden durch Befreiung. §99
49. Wissen von Soheit führt zur Erkenntnis vom Abwenden durch Wahrheit. §100
50. Wissen vom Sinn des Gelingens durch Definieren von Körper und Geist als Eins und von zur Standhaftigkeit führender guter Wahrnehmung als auch schneller Wahrnehmung führt zur Erkenntnis der Arten magischer Kräfte. §101
51. Wissen vom Durchdringen von Verschiedenheit und Einssein durch angemessenes (Objekt-)Auffassen bei Geräuschzeichen führt zur Erkenntnis der Reinheit des Hörelementes. §103
52. Wissen vom Durchdringen des Verhaltens von Bewusstsein in dessen Verschiedenheit und Einssein durch angemessenen [Einsatz] der Fähigkeit des Vertrauens hinsichtlich dreierlei Geist(-zustand) führt zur Erkenntnis von Gedankengängen [anderer]. §104
53. Wissen vom Durchdringen bedingt inganggesetzter Phänomene, deren Verschiedenheit und Einssein hinsichtlich der Auswirkung von Tat[absicht]en, führt zur Erkenntnis der Betrachtung früherer Existenzen. §105
54. Wissen vom Sehen körperlicher Zeichen in Verschiedenheit und Einssein kraft des Lichts führt zur Erkenntnis vom überweltlichen Auge. §106
55. Wissen von der Meisterung von dreierlei Fähigkeiten auf vierundsechzig Arten führt zur Erkenntnis von der Vernichtung der Einflüsse. §107
56. Wissen von (vollem) Verständnis führt zur Erkenntnis der Unzulänglichkeit. §108
57. Wissen vom Aufgeben führt zur Erkenntnis des Entstehens [von Unzulänglichkeit]. §108
58. Wissen vom Selberverwirklichen führt zur Erkenntnis des Aufhörens [von Unzulänglichkeit]. §108
59. Wissen vom Entfalten führt zur Erkenntnis vom Weg [der zum Aufhören von Unzulänglichkeit führt]. §108
60. Erkenntnis von der Unzulänglichkeit. §109
61. Erkenntnis vom Entstehen der Unzulänglichkeit. §109
62. Erkenntnis vom Aufhören der Unzulänglichkeit. §109
63. Erkenntnis vom Weg, der zum Aufhören von Unzulänglichkeit führt. §109
64. Erkenntnis von der Analyse der Bedeutung. §110
65. Erkenntnis von der Analyse der Phänomene[25]. §110
66. Erkenntnis von der Analyse der Wortbedeutung[26]. §110
67. Erkenntnis von der Analyse der Ausdrucksweise[27]. §110
68. Erkenntnis von der Durchschauung der Fähigkeit(-en) [anderer]. §111
69. Erkenntnis in die Gesinnung und Neigung[28] der Wesen. §113
70. Erkenntnis vom Doppelwunder[29]. §116
71. Erkenntnis von der Erreichung des großen Mitgefühls. §117
72. Erkenntnis der Allwissenheit. §119
73. Ungehinderte Erkenntnis. §119
Das sind die dreiundsiebzig Arten der Erkenntnis. Von diesen dreiundsiebzig Erkenntnissen haben die Nachfolger siebenundsechzig Erkenntnisse gemeinsam und sechs Erkenntnisse haben Nachfolger nicht gemeinsam.

Das Grundschema ist beendet.


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[1] paññā  bedeutet nicht nur "Wissen", sondern steht auch für "Erkenntnis(-se), Weisheit, Einsicht, Verstand, Intelligenz, Verstehen, Verständnis".
[2] sotāvadhāna  ist ebenfalls mehrdeutig: "Zuhören, Hinhören, Gehör schenken/leihen".
[3] Nym übersetzt wörtlich durchgehend mit "ist" (is). Aber Wissen ist nicht gleich Erkenntnis, daher erscheint in dieser Übersetzung statt "ist" dem Sinn gemäß meistens ein "führt zu".
[4] ñāṇa  bedeutet nicht nur "Einsicht", sondern steht ebenfalls für "Er-/Kenntnis(-se), Wissen, Überzeugung, Weisheit". Wichtig: "Erkenntnis" und "Einsicht" sind Synonyme!
[5] vavatthāna  "Festsetzung, Bestimmung, Definition".
[6] atītānāgatapaccuppannānaṃ  d.h. Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart.
[7] saṅkhipitvā  von saṅkhipati  "zusammendrängen, abkürzen".
[8] gotrabhū  Meist mit "Abstammungswechsel" (Nym: change of lineage) bzw. "Angleichung" übersetzt, weil man sich der Familie (gotta) der "Edlen" angleicht. Das ist aber eine recht freie literarische Übertragung. Tatsache ist, dass sich auf dieser Stufe der Erkenntnis eben jener Paradigmenwechsel unumkehrbar durchsetzt.
[9] dubhato  also eigenen/innerlichen (ajjhatta) und fremden/äußerlichen (bahiddha) Dingen.
[10] vatthu  "Gegenstand, Ding" aber auch "Sache, Sachverhalt". Nym: "physische Grundlage".
[11] gocara  auch "Objekte der Außenwelt". Nyt/Nyp: "Vielheitswelt".
[12] Gemeint sind hier die Vier Versenkungsstufen (rūpa-jhāna).
[13] Gemeint sind hier alle acht Stufen der Versenkung und der Zustand des "Erlöschens" (nirodhasamāpatti).
[14] abiññā  "höhere/wahre/überweltliche Einsicht", auch "Idee, Neigung, Name, Kennzeichen".
[15] tīraṇaṭṭhe. tīraṇa  bedeutet "Bewertung, Beurteilung, Einschätzung". -ṭṭhe  als Endung bezeichnet einen Standpunkt bzw. Bedeutung, Sinn, Art und Weise.
[16] pariccāga bedeutet auch "Aufgeben, Verlassen, Verzicht(-en), Freigebigkeit".
[17] ekarasaṭṭhe  auch "einzelne Funktion". Nym: "im Sinne einzelner Funktion (Geschmack)".
[18] phassanaṭṭhe  "Berührung", "Sinneskontakt", d.h. in das, was "Kontakt" als Teil des Wahrnehmungsprozesses bedeutet. Nym: "sounding".
[19] nirutti "Etymologie, Aussprache, Dialekt".
[20] paṭibhāna  "Gewitztheit, Schlagfertigkeit"; Nym: "perspicuity" (Klarheit, Verständlichkeit).
[21] vihāra  damit dürfte das meditative Verweilen gemeint sein.
[22] samāpatti  hier dürfte primär ausnahmsweise nicht der (temporäre) Erlöschungszustand gemeint sein.
[23] a-raṇa  1. kampflos, d.h. friedlich; 2. ohne (blinde) Leidenschaft bzw. (begehrliches) Wünschen.
[24] pariogāhaṇa  im Sinne von "Begreifen, Durchdringen, Verstehen".
[25] dhamma  Dieses Wort hat sehr viele Bedeutungen. Oft auch "(buddhistische) Lehre", "Gesetz(-mäßigkeit)", "Ding".
[26] nirutti  Nym: "Sprache" ist nicht exakt genug, auch müsste dann bhāsā  im Text stehen.
[27] paṭibhāna  "Redegewandtheit, Gewitztheit, Intelligenz, Schlagfertigkeit".
[28] āsayānusaye  "Absicht(-en) und (verschlechternde) Neigung(-en)" bzw. "zugrundeliegende Tendenzen".
[29] yamaka-pāṭihīre  bezieht sich auf die Betätigung übernatürlicher Kräfte.