Mahâvamsa: die große Chronik Sri Lankas


verfasst von Mahânama

übersetzt und erläutert von Alois Payer

mailto: payer@hdm-stuttgart.de


Zitierweise / cite as:

Mahânama <6. Jhdt. n. Chr.>: Mahâvamsa: die große Chronik Sri Lankas / übersetzt und erläutert von Alois Payer. -- 0. Einleitung -- Fassung vom 2001-07-17. -- URL: http://www.payer.de/mahavamsa/chronik00.htm. -- [Stichwort].

Erstmals publiziert: 2001-07-17

Überarbeitungen:

Anlass: Lehrveranstaltung, Universität Tübingen, Sommersemester 2001

Unterrichtsmaterialien (gemäß § 46 (1) UrhG)

©opyright: Dieser Text steht der Allgemeinheit zur Verfügung. Eine Verwertung in Publikationen, die über übliche Zitate hinausgeht, bedarf der ausdrücklichen Genehmigung der Herausgeberin.

Dieser Text ist Teil der Abteilung Buddhismus von Tüpfli's Global Village Library

[Die hier vorliegende gekürzte Textfassung enthält aus Platzgründen nur die Übersetzung des Mahâvamsa. Weggelassen wurden die Einleitung und etliche englische Kommentare sowie die im Original zahlreich enthaltenen Abbildungen. Die Zweitveröffentlichung auf dieser Webseite erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.]


0. Einleitung

"The Sinhala oppressors have recourse to the myths propagated by the Mahâvamsa in order to justify their oppression and killing of the Tamils. This chauvinistic mindset induced by the Mahâvamsa has nothing to do with a genuinely Buddhist culture.

This is why a respected Pali Scholar like the late. Dr. E.W. Adikaram [gest. 1986] remarked after the tragic events of Black July 1983, that the only way of ensuring that there was no repetition of such a tragedy was to burn all the copies of the Mahavamsa."

[M. Thirunavukkarasu: Broken promises. -- http://www.tamilcanadian.com/books/Broken_promises/broken1.htm. -- Zugriff am 2001-07-04]


In

Kindlers neues Literatur-Lexikon [Elektronische Ressource]. -- München: Systhema, 1999. - 1 CD-ROM. -- ISBN 3-634-23231-5

stellt Helmut Hoffmann den Mahâvamsa so vor:

"Mahânâma: DIE GROßE CHRONIK -- MAHÂVAMSA

(pâli.; Die große Chronik). Historisches Epos von Mahânâma, Anfang des 6. Jh.s, verfasst.

Der Mahâvamsa ist neben dem Dîpavamsa (Chronik der Insel) das bedeutendste in Pâli abgefasste historische Epos der Singhalesen. Es zeigt deutlich den Einfluss der literarischen Tätigkeit des großen Kommentators Buddhaghosa: Der trockene und ungeschickte Bericht des Dîpavamsa wird durch eine wohlausgewogene epische Kunstdichtung (kâvya) ersetzt. In den einleitenden Versen bemerkt der Dichter, die »alte Chronik« (unter der wir mit H. Oldenberg wohl den Dîpavamsa verstehen dürfen) sei an manchen Stellen zu breit, an anderen zu kurz gefasst und weise zahlreiche Wiederholungen auf. Neben dem Dîpavamsa hat Mahânâma in seiner Darstellung vermutlich auch die historischen Partien des großen, singhalesisch geschriebenen Kommentarwerks Atthakathâ (Die Sinnerklärung) benutzt.

Ursprünglich endete der Mahâvamsa bei Kapitel 37, Vers 50; wie der Dîpavamsa schloss er mit den Ereignissen der Zeit des Königs Mahâsena (274–301). Die als Geschichtsquelle nicht weniger bedeutsame erste Fortsetzung des Mahâvamsa wurde von einem Dichter namens Dhammakitti verfasst, der zur Zeit des Königs Parakrâmabâhu I (1153–1186) lebte. Eine zweite Fortsetzung reicht bis in die Zeit des Parakrâmabâhu IV (1302–1326) und der abschließende Teil behandelt die Geschichte der Insel bis zur Zeit des Königs Kirtisrirâjasimha (1747–1781).

Der alte von Mahânâma verfasste Mahâvamsa behandelt annähernd die gleiche Epoche wie der Dîpavamsa, doch sind in ihm die religionsgeschichtlichen Berichte durch zahlreiche Anleihen bei der volkstümlichen epischen Literatur ergänzt. So handelt der Mahâvamsa nicht ausschließlich von den religiösen Verdiensten der ceylonesischen Könige, sondern nimmt auch ihre weltlichen Taten, ja sogar alte volkstümliche Sagen und Märchen auf. Ein Beispiel für diese Märchen ist etwa die in Kapitel 6 und 7 berichtete Geschichte des Vijaya, der vom festländischen Indien aus nach zahlreichen Irrfahrten und Abenteuern zur See in Ceylon landet, wo er zum Stammvater der Königsdynastie wird. Seine Erlebnisse mit der Halbgöttin (yakkhinî) Kuvenî hat schon G. Turnour (1837) mit der Geschichte von Odysseus und Kirke verglichen: Hier wie dort werden zuerst die Gefährten des Helden angelockt und verzaubert, und beide Male werden sie am Ende wieder von ihrem Gebieter befreit, der mit der Halbgöttin einen Liebesbund schließt.

Die historische Schilderung im Mahâvamsa ist deutlich um zwei Könige gruppiert: um Devânampiya Tissa (247–207 v. Chr.), unter dessen Regierung Mahinda, der Sohn des Kaisers Asoka, als Missionar nach Ceylon kam, und um Dutthagâmani (161 –137 v. Chr.), der, wie sein Name (der »böse Gâmani«) zeigt, kaum tugendhaft gewesen sein kann, hier aber als Verbreiter der buddhistischen Religion gefeiert wird. Während dem letztgenannten König im Dîpavamsa nur dreizehn Verse gewidmet sind, nimmt das »Dutthagâmani-Epos«, wie es W. Geiger nennt, im Mahâvamsa die Kapitel 22–33 mit insgesamt 861 Versen in Anspruch. Gerade der Stoff dieser Teile der Chronik dürfte aus der alten, volkstümlichen Epik stammen. Dutthagâmani wird nicht nur als Errichter der bedeutendsten buddhistischen Monumente der Hauptstadt Anurâdhapura gefeiert, sondern auch als Befreier der singhalesischen Bevölkerung von der Herrschaft der Damila (Draviden).

Prof. Dr. Helmut Hoffmann"


Ein Werk wie den Mahâvamsa kann man unter vielerlei Aspekten lesen, zum Beispiel:

  • als literarisches Werk, ohne Bezug auf vergangene oder gegenwärtige Zustände,
  • als historische Quelle über rein Vergangenes,
  • als wichtige Grundlage für heutige Traditionen/Ideologien, vor allem
    • die Tradition des ârya-singhala-bauddha [edel/arisch-singhalesisch-buddhistisch], des singhalesisch-buddhistischen Lankâ-Nationalismus, oft mit arisch-rassistischen Untertönen,
    • die Tradition des politischen Mönchtums,
    • Traditionen heiliger Stätten, Reliquien und Feste.

In unserer Lehrveranstaltung (im Sommersemester 2001 an der Universität Tübingen) liegt der Schwerpunkt auf der Behandlung des Mahâvamsa als traditionsbegründend. Es geht uns also nicht um den historischen Wahrheitsgehalt, sondern darum, was als Geschichte geglaubt und zur Begründung gegenwärtiger Ansprüche, Traditionen, Ideologien usw. verwendet wird. Es geht uns auch nicht um eine historische Dekonstruktion als Ideologiekritik, da ich der Überzeugung bin, dass man sich gar nicht auf Begründungen von Ansprüchen mit über 2000 Jahre zurückliegenden Ereignissen einlassen darf. Man stelle sich unsere Welt vor, wenn alle Gruppierungen mit "Ereignissen" vor 1000 oder 200 Jahren gegenwärtige Herrschafts- oder Gebietsansprüche begründen würden!

Trotz unseres Schwerpunktes auf Tradition, gehe ich in dieser Einleitung auch auf den Mahâvamsa als Literatur und den Mahâvamsa als historische Quelle ein:

  • Einleitung, Teil 1: Der Mahâvamsa als Literatur. -- URL: http://www.payer.de/mahavamsa/chronik001.htm
    • 1. Der Text
    • 2. Übersetzungen
    • 3. Literary questions concerning Dîpavamsa and Mahâvamsa / by Wilhelm Geiger
    • 4. The Pali chronicles / by G. P. Malalasekera
      • 4.1. Dîpavamsa
      • 4.2. Mahâvamsa
      • 4.3. Mahâvamsatîkâ
  • Einleitung, Teil 2: Mahâvamsa und Tradition/Ideologie. -- URL: http://www.payer.de/mahavamsa/chronik002.htm
    • 1. Einleitung
    • 2. History of an Ancient Civilization / by Anagarika Dharmapala, 1902
    • 3. Weitere Zitate von Anagarika Dharmapala, 1908 - 1922
    • 4. Bhiksuvagê urumaya / by Walpola Rahula, 1946
    • 5. Kelaniya Declaration of Independence, 1947
    • 6. The revolt in the temple / by D. C. Vijayavardhana, 1953
      • 6.1. Foreword / by Pahamune Sri Sumangala, Maha Nayaka Thero of Malwatta Vihara, Kandy
    • 7. Declaration and Resolutions of the Mahâ Sangha Conference, 1996-03-05
    • 8. Obstacle to peace : political Buddhism / by Ana Parajasingham, 1996
    • 9. Some reflections on tolerance / by Sugeeswara Senadhira ("Sathya"), 1997
    • 10. 50 Years of State Terror / by Valli, tamils.com, 1998
    • 11. Monks cling to a whole Sri Lanka, 2000
    • 12. The History Of Sri Lanka In the Early Period, 2001
  • Einleitung, Teil 3: Mahâvamsa und Historie. -- URL: http://www.payer.de/mahavamsa/chronik002.htm
    • 1. Einleitung
    • 2. The Trustworthiness of the Ceylon chronicles / by Wilhelm Geiger, 1912
    • 3. The Trustworthiness of the Mahâvamsa / by Wilhelm Geiger, 1930
    • 4. Archäologische Forschung in Sri Lanka / von Jean Boisselier

Sekundärliteratur (Auswahl)

Anordnung in chronologischer Folge.

Der alte Kommentar (Tîkâ) zum Mahâvamsa, die Vamsatthapakâsinî liegt in mehreren Ausgaben vor:

Vamsatthappakâsinî: commentary on the Mahavamsa / edited for the government of Ceylon by G.P. Malalasekera. -- London: The Pali Text Society; distributed by Routledge and Kegan Paul, 1977. -- 2 Bde. (711 S.). -- (Pali Text Society. Text series: 58-59). -- In Pali (romanisiert). -- "First published 1935. Reprinted 1977."

Vamsatthappakâsinî; nama, mahâvamsatîkâ / padhanasamsodhako bhikhhu Jagadiskassapo; samsodhako Sridhar Vasudev Sohoni. -- Patana: Nava Nalanda Mahavihara, 1971. -- 646 S. -- (Nava-Nalanda-Mahavihara-granthamala). -- In Pali; introduction in English and Hindi.

Vamsatthappakâsinî, Mahâvamsa tîkava: Simhala anuvadaya / Akuratiye Amaravamsa Nahimi, Hemacandra Disanayaka. -- Kolamba: Pali ha Bauddha Adhyayana Pascatupadhi Ayatanaya, Kalaniya Visvavidyalaya, 2537 [1994]. -- 589 S. -- Sinhalese and Pali (Pali in Sinhalese script).

Snyder, Edmund Nathaniel <1863 - >: Der Commentar und die Textüberlieferung des Mahavamsa. -- Berlin, Mayer & Müller, 1891. -- 51 S. -- Zugleich: Leipzig, Universität, Diss.

Geiger, Wilhelm <1856 - 1943>: Dipavamsa und Mahavamsa, die beiden Chroniken der Insel Ceylon. -- Erlangen, Leipzig, 1901. -- 24 S. -- "Sonderabdruck aus der Festschrift der Universität Erlangen zur Feier des achtzigsten Geburtstages Sr. Königlichen Hoheit des Prinzregenten Luitpold von Bayern."

Geiger, Wilhelm <1856-1943>: Dîpavamsa und Mahâvamsa und die geschichtliche Überlieferung in Ceylon. -- Hildesheim: Gerstenberg, 1973. -- 146 S. -- "Reprographischer Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1905."

Geiger, Wilhelm <1856 - 1943>: The Dîpavamsa and Mahâvamsa and their historical development in Ceylon. / translated into English by Ethel M. Coomaraswamy ... -- Colombo: Cottle, 1908. -- 129 S.

Geiger, Wilhelm <1856 - 1943>: Kleine Schriften zur Indologie und Buddhismuskunde. / hrsg. von Heinz Bechert. -- Wiesbaden: Steiner, 1973. -- 707 S. -- (Glasenapp-Stiftung, Veröffentlichungen ; Bd. 6)

Mendis, G. C.: The Pali Chronicles of Ceylon. -- In: University of Ceylon Review, 4(1946). -- Nr. 2, S. 1–24

Law, Bimala Churn <1892 - >: On the chronicles of Ceylon. -- Calcutta: Royal Asiatic Society of Bengal, 1947. -- 76 S. -- (Royal Asiatic Society of Bengal monograph series; v. 3)

Buddhadatta, Ambalangoda Povatte <1887 - >: Corrections of Geiger's Mahavamsa, etc.: a collection of monographs. -- Ambalangoda: Ananda, 1957. -- 268 S.

Perera, L. S.: The Pali Chronicles of Ceylon. -- (S. 29–43). -- In: Historians of India, Pakistan and Ceylon / edited by C.H. Philips. -- London [u.a.]: Oxford University Press, 1961. -- (University of London. School of Oriental and African Studies Historical writing on the peoples of Asia; v. [1]). -- S. 29 - 43

Paranavitana, S.: Mahanama, the Author of Mahavamsa. -- In: University of Ceylon Review. -- 20 (1962) -- S. 269–286

Bechert, Heinz <1932 - >: Zum Ursprung der Geschichtsschreibung im indischen Kulturbereich. -- Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, [1969]. -- 26 S. -- (Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. I. Philologisch-Historische Klasse; Jahrg. 1969, Nr. 2; S. 36-58) Religion and the legitimation of power in South Asia / edited by Bardwell L. Smith. Leiden: Brill, 1978. -- 186 S.; 25 cm. ISBN 9004056742

Religion and the legitimation of power in South Asia / edited by Bardwell L. Smith. -- Leiden: Brill, 1978. -- 186 S. -- ISBN 9004056742

Perera, Frank: The early Buddhist historiography of Ceylon. -- 1979. -- 214 S. -- Göttingen, Univ., Philos. Fak., Diss., 1979.

Seneviratne, Maureen <1933 - >: Some Mahavamsa places: or, History happened here. -- Colombo: Lake House, 1979. -- 152 S.; Ill.

Frauwallner, Erich: Über den geschichtlichen Wert der alten ceylonesischen Chroniken. -- In: Nachgelassene Werke / hrsg. von Gerhard Oberhammer und Chlodwig H. Werba. - Wien: Verl. der Österr. Akad. der Wiss. -- Bd. 1 hrsg. von Ernst Steinkellner, 1984. -- S. 7 - 33

Kodikara, Sirilal: Mahavamsa vimamsana. -- Kolamba: Pipals Pablisim Havus, [1987]. -- 66 S. -- In Sinhalese. -- Brief discussion of the Mahavamsa

Sarachchandra, Ediriweera R.: [Saraccandrage Simhabahu]. -- [Colombo]: Singlanka, [198-]. -- 2 sound cassettes (ca. 120 min.): analog, stereo, Dolby processed. -- Singlanka: S8303 C--S8304 C. -- Based on the style of the folk opera known as Nadagama, this work dramatizes the legend of the Mahavamsa, which attributes the origin of the Sinhala race to a lion who consorted with a princess of Vanga (modern Bengal). -- Singhalese

Weitere Literatur wird am gegebenen Ort genannt.


Zeitliche Entstehung der beiden Chroniken nach Wilhelm Geiger 1930:

I. Mahâvamsa

Kap. 1--37, 50

544 v.Chr.--362 n.Chr.

Autor: Mahânâma

II. Cûlavamsa

1. Teil

Kap. 37, 51-- 79, 84;

362--1186

Autor: Dhammakitti

 

2. Teil

Kap. 79, 85-- 90,102

1186--1333

Autor: ??

 

3. Teil

Kap. 90, 105--100,292

1333--1781

Autor: Sumangala


1. Kapitel 1: Buddhas Besuche in Sri Lanka

1.1. Vorwort

1. Ich bringe dem vollkommen Erwachten meine Verehrung dar, dem vollkommen Reinen, der aus einem reinen Stammbaum (vamsa) [nämlich dem Buddhavamsa, der Linie der 24 früheren Buddhas, s. unten] stammt. Nun verkünde ich die große Chronik (Mahâvamsa), die vielerlei und ausreichenden Inhalt enthält.

2. Die große Chronik, die von den Alten verfasst worden war, ist an manchen Stellen zu ausführlich, an anderen zu knapp, und enthält vielerlei Wiederholungen.

3./4. Hört diese große Chronik:

  • sie ist frei von den genannten Mängeln,
  • sie ist leicht zu begreifen und zu behalten,
  • sie bewirkt Abgeklärtheit und Erschütterung,
  • sie ist auf uns gekommen durch mündliche Überlieferung.

Hört sie und lasst dabei in euch Abgeklärtheit bzw. Erschütterung erstehen je nach dem, wie es der betreffenden Stelle entspricht.

1.2. Der Bodhisatta

5. In der Vorzeit traf unser Eroberer [als Asket Sumedha] den Sambuddha Dîpankara, da fasste er den Entschluss, ein Buddha zu werden, um die Welt vom Leid zu befreien.

Buddha Dîpankara lebte vor seinem Gang in die Heimlosigkeit 10000 Jahre als Laie, als Buddha wurde er immer von 84000 Arahants begleitet, er war 80 Hand groß, wurde 100000 Jahre alt und sein Reliquienstûpa war 36 Yojana hoch (ca. 400 km). Nach seinem Dahinscheiden hatte seine Lehre noch 100000 Jahre Bestand.

6.-10. Dann gewann der große Held die Zuneigung von 24 Sambuddhas und wurde von ihnen als zukünftiger Buddha erklärt. Diese 24 Buddhas waren:

  1. dieser Sambuddha Dîpankara,
  2. Kodañña,
  3. der Weise Mangala,
  4. Sumana,
  5. der Buddha Revata,
  6. Sobhita, der große Weise,
  7. der Sambuddha Anomadassi,
  8. Paduma,
  9. der Eroberer Nârada,
  10. der Sambuddha Padumuttara,
  11. der zur Wahrheit Gelangte Sumedha,
  12. Sujâta,
  13. Piyadassî,
  14. der Führer Atthadassî,
  15. Dhammadassî,
  16. Siddhattha,
  17. Tissa,
  18. der Eroberer Phussa,
  19. Vipassî [91. Weltzeitalter vor unserem Weltzeitalter],
  20. der Sambuddha Sikhî [31. Weltzeitalter vor unserem Weltzeitalter],
  21. der mächtige Sambuddha Vessabhû [31. Weltzeitalter vor unserem Weltzeitalter],
  22. der Sambuddha Kakusandha [jetziges Weltzeitalter],
  23. Konâgamana [jetziges Weltzeitalter],
  24. der Sugata Kassapa [jetziges Weltzeitalter].

In den älteren kanonischen Schriften werden nur die letzten sechs früheren Buddhas (ab Vipassî) erwähnt (s. Mahâpadânasutta: Dîghanikâya II ,2 ff.). Die 24 Buddhas werden ausführlich behandelt im Buddhavamsa, einer kanonischen Schrift des Khuddakanikâya.

In der Shwe Dagon Pagode in Rangoon (Burma) werden als Reliquien verehrt:

·        Stock des Kakusandha,

·        Wasserschöpfer des Ko.nâgama,

·        Badekleid des Kassapa,

·        8 Haare des Gotama.

11. Er erfüllte vollkommen alle Vollkommenheiten, erreichte dann das höchste vollkommene Erwachen und erlöste als unübertrefflicher Buddha Gotama die Wesen.

Die 10 Vollkommenheiten (pâramitâ):

1.     dâna (n.) – Freigebigkeit,

2.     sîla (n.) – Sittlichkeit,

3.     nekkhamma (n.) – Entsagung,

4.     paññâ (f.) – Weisheit,

5.     viriya (n.) – Willenskraft, Energie,

6.     khanti (f.) – Nachsicht,

7.     sacca (n.) – Wahrhaftigkeit,

8.     adi.t.thâna (n.) – Standfestigkeit (Entschlossenheit),

9.     mettâ (f.) – Güte,

10. upekkhâ (f.) – Gelassenheit / Gleichmut.

1.3. Vom Erwachen bis zum ersten Besuch in Lankâ

12. In Uruvelâ in Magadha, am Fuße des Bodhibaums [im Falle von Gotama ein assattha = Ficus religiosa] erreichte dieser große Weise am Vollmondtag des Monats Vesâkha [dem 2. Monat des Jahres] das höchste vollkommene Erwachen. [Nach der Theravâdachronologie im Jahre 589 v. Chr.]

Die Jahresdaten im Folgenden werden nach der offiziellen Theravâdachronologie gegeben, die das Mahâparinibbâna -- das Hinscheiden -- Buddhas ins Jahr 543 v. Chr. setzt und damit die Buddhistische Ära (B.E. -- Buddhist Era) beginnen lässt: B.E. ≈ C.E. (Christian Era) + 543.

Die wichtigsten Ereignisse im Leben Buddhas sowie die ersten drei Konzilien haben nach dieser Theravâdachronologie folgende Jahresdaten C.E.:

  • 624 v. Chr.: Geburt
  • 589 v. Chr.: Mahâbodhi -- Erwachen zur Buddhaschaft
  • 589 v. Chr.: Dhammacakkhapavattana -- Inbewegungsetzen des Rades der Lehre (erste Lehrrede)
  • 543 v. Chr.: Mahâparinibbâna -- endgültiges Erlöschen
  • 543 v. Chr.: Erstes Konzil in Râjagaha
  • 443 v. Chr. = 100 B.E.: Zweites Konzil in Vesâli
  • 308 v. Chr. = 235 B.E.: Drittes Konzil in Pataliputta

Die Monate nach dem indischen Mondkalender sind:

 

Monatsname

fällt in Monate

bzw.

1

Citta

Februar/März

März/April

2.

Vesâkha

März/April

April/Mai

3

Jettha

April/Mai

Mai/Juni

4

Âsâlha

Mai/Juni

Juni/Juli

5

Sâvana

Juni/Juli

Juli/August

6.

Potthapâda

Juli/August

August/September

7.

Assayuja

August/September

September/Oktober

8.

Kattika

September/Oktober

Oktober/November

9.

Maggasira

Oktober/November

November/Dezember

10.

Phussa

November/Dezember

Dezember/Januar

11.

Mâgha

Dezember/Januar

Januar/Februar

12.

Phagguna

Januar/Februar

Februar/März

13. Sieben Wochen lang weilte er dort, über sich selbst mächtig, das höchste Glück der Erlösung findend und diese Süße zeigend.

14. Dann ging er nach Benares und setzte das Rad der Lehre in Bewegung. Während der Regenzeit, die er dort verbrachte, brachte er sechzig Menschen zur Arahantschaft [vollständigen Erlösung].

15. Er entsandte diese sechzig Arahants, auf das sie die Lehre verkündeten. Er führte die dreißig Gefährten der Gruppe Bhadda's auf den richtigen Weg.

16. Dann weilte der Herr im Winter in Uruvelâ und machte die 1000 Haarflechtenträger, Kassapa und die anderen, reif, um sie auf den richtigen Weg zu führen.

1.4. Buddhas Besuch in Mahiyangana

17./18./19. Als sich das große Opfer des Uruvelakassapa näherte und er erkannte, dass dieser nicht wollte, dass Buddha Gotama zu diesem Opfer käme, sammelte der Feindezerschmetterer bei den Uttarakuru Almosenspeise, aß sie am Abend beim Anotatta-See [ein mythischer See im Himâlâya], und dann ging der Eroberer am Vollmondtag des Monats Phussa [dem 10. Monat des Jahres], im neunten Monat seit seinem Erwachen, zur Insel Lankâ, um die Insel Lankâ zu reinigen. [d.h. nach der Theravâdachronologie im Jahre 588 v. Chr.]

20. Der Eroberer hatte nämlich erkannt, dass Lankâ ein Ort ist, an dem die Lehre leuchten würde. Er erkannte, dass aus Lanka, das voll von Yakkha war, die Yakkha vertrieben werden mussten.

Yakkha ist eine Gattung von nichtmenschlichen Wesen. Ihre Einordnung in der Hierarchie der Lebewesen schwankt in den verschiedenen kanonischen Schriften. Yakkha sind teilweise hilfreiche Wesen, teilweise schädlich.

21./22. Es war ihm auch bekannt, dass in der Mitte von Lankâ, am lieblichen Ufer der Gangâ [d.h. Mahâvâlukagangâ = Mahaveliganga], im schönen Mahânâga-Waldpark, dem Versammlungsort der Yakkha, der drei Yojana [1 Yojana = Weg, den man mit einem Ochsenjoch pro Tag zurücklegen kann, ca. 11 km] lang und ein Yojana breit war [d.h. ca. 33 x 11 km], eine große Versammlung der auf der Insel Lankâ wohnenden Yakkha stattfand.

23./24. Der Vollendete ging zu dieser großen Yakkhaversammlung und blieb mitten in dieser Versammlung in der Luft über den Köpfen der Yakkha stehen an der Stelle des heutigen Mahiyangana-Stûpa, und versetzte die Yakkhas in Aufruhr durch Regen, Wind, Finsternis und ähnliches.

Stûpa (Pali: Thûpa) = Reliquienhügel = Cetiya = Dagoba (Sri Lanka) = Pagoda (Birma) = Cedi (Thailand, Laos, Kambodscha)

"Mahiyangana (Alutnuvara); Provinz: Uva; Höhe: ca. 223 m ü.d.M.

Auto: Von Kandy über Landstraßen (74 km), von Badulla über die A5 bis Waywatta, von dort über die A26 bis Mahiyangana.

Eisenbahn: Von Colombo bis Kandy (täglich mehrere Verbindungen), von dort weiter mit Omnibus oder Mietfahrzeug.

Omnibus: Täglich Busverbindungen von Kandy, Batticaloa und Badulla.

Die heute kleine Stadt, deren Dagoba alljährlich am Tage des Vollmonds im September das Ziel zahlreicher buddhistischer Wallfahrten ist, liegt in einer großartigen Landschaft am Fuße des zentralen Bergmassivs und am Mahaweli Ganga. Die Besiedelung des Ortes reicht bis in die Zeit vor Christus zurück, und noch im 17. Jh. war Mahiyangana eine blühende Stadt, was nicht zuletzt daran lag, dass einige europäische Gesandtschaften von Batticaloa aus über den bis Mahiyangana schiffbaren Mahaweli Ganga bis nach Kandy gelangten. In der Umgebung von Mahiyangana gibt es noch einige Ansiedlungen der Wedda [s. unten], der Ureinwohner Sri Lankas. Sie werden durch die Regierung besonders geschützt."

[Sri Lanka. -- Ostfildern: Baedeker, ©1999. -- (Baedeker Allianz Reiseführer). -- ISBN 3895254371. -- S. 191. --]

Die meisten Wedda leben in der Gegend von Dambana, 19 km östlich von Mahiyangana.

Mahiyangana wurde 1817/18 von den Briten bei der Niederschlagung der Uva-Revolution zerstört: alle Siedlungen, die nicht eine Loyalitätserklärung für die britische Kolonialmacht abgaben wurden zerstört. Eine dieser Siedlungen war Mahiyangana.

25. Voll Furcht baten die Yakkha den Eroberer um Furchtlosigkeit. Der Eroberer, der Geber von Furchtlosigkeit sprach zu den überaus verängstigten Yakkha:

26. "Yakkha, ich werde diese eure Furcht und euer Leid von euch nehmen. Gebt mir nun einmütig einen Platz zum Sitzen."

27. Die Yakkha sprachen zum Vollendeten: "Herr, wir alle geben dir sogar die ganze Insel, gib du uns Furchtlosigkeit!"

Mit dieser erfundenen Tradition ist der Anspruch der Buddhisten auf Lankâ sanktioniert: die ursprünglichen Besitzer der Insel (die Ureinwohner) haben die Insel dem Buddha geschenkt!

28. Der Eroberer nahm von ihnen Furcht, Kälte und Dunkelheit, breitete ein Stück Fell aus und setzte sich darauf.

29. Er ließ sich das Fellstück weit ausbreiten, rundum flammend. Von der Hitze überwältigt standen die Yakkha erschreckt rundum am Rand.

30. Dann brachte der Herr die schöne Giri-Insel (Berg-Insel) zu ihnen und stellte diese Insel, nachdem die Yakkha sie betreten hatten, an ihren Ort zurück.

Ob die Giri-Insel eine Insel im Ozean ist (so die singhalesische Auslegung) oder ein isoliertes Berggebiet (so der deutsche Indologe Wilhelm Geiger), ist von geringer Bedeutung. Die Ureinwohner wurden nach dieser erfundenen auf alle Fälle in ein neues Wohngebiet deportiert.

Wenn jemand Anspruch erheben kann, Ureinwohner in Sri Lanka zu sein, dann sind es die Vedda (Wedda). Ein Schwerpunkt des Lebensraums der wenigen übrig gelassenen Vedda ist das Gebiet um Mahiyangana.

Die Vedda sind am Verschwinden:

·         1921 gab es noch 4500 Vedda,

·         1953 noch 800,

·         1963 noch 400,

·         heute ????

"Die Wedda, die die Wälder des Hochlands von Zentral-Ceylon bewohnen, sind die altertümlichste Menschengruppe Asiens. Sie sind eines der Überbleibsel einer archaischen Rassengruppe, die in vorgeschichtlicher Zeit über große Gebiete in Süd- und Südostasien verbreitet war. Die Wedda sind von kleiner Gestalt, haben eine dunkelbraune Hautfarbe und krauses oder gewelltes Haar. Sie haben ein breites Gesicht mit flacher Nase, tiefliegenden Augen, sehr vollen Lippen und ein schwaches, oft fliehendes Kinn. Da die Wedda auf Ceylon die ersten Menschen dieses Typs waren, die die Anthropologen wissenschaftlich untersuchten, wurde nach ihnen die gesamte Rassengruppe Weddide genannt. Viele der primitiven Dschungelstämme Südindiens gehören dieser Gruppe an und gleichen den Wedda auf Ceylon, und zwar nicht nur in ihrer äußeren Erscheinung, sondern auch in Lebensweise und allgemeinem Kulturniveau. Unter dem Druck höher entwickelter Völker zogen sich diese Stämme, wie die Wedda Ceylons, allmählich in ungastliche Gebirge und dichte Wälder zurück, und nur in solchen Zufluchtsgebieten leben sie noch in geschlossenen Gruppen.

Diese umherschweifenden Sammler und Jäger Südasiens haben eine Lebensweise fortgesetzt, die für die Altsteinzeit typisch war; auf Ceylon ist die Verbindung zwischen ferner Vergangenheit und der Gegenwart noch immer deutlich sichtbar. In Höhlen, die bis vor kurzem noch von Wedda bewohnt waren, fand man Steinwerkzeuge steinzeitlicher Art. Es besteht wenig Zweifel daran, dass diese Pfeilspitzen, Kratzer und Schaber Erzeugnisse der Ahnen, wenn nicht sogar der direkten Vorfahren der heutigen Wedda sind. Heute verlieren die Wedda rasch ihre kulturelle Eigenständigkeit. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie in der singhalesischen Bauernschicht vollkommen aufgegangen sind. Sie führen nicht mehr das Leben umherschweifender Jäger und Sammler, sondern treiben primitiven Brandrodungsfeldbau oder arbeiten als Landarbeiter.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts war bei einigen Teilen des Stammes der Übergang zu sesshafter Lebensweise vollzogen. Zu jener Zeit gab es jedoch noch Wedda-Horden, die bei ihrer alten Lebensweise blieben. Sie ernährten sich ausschließlich von wilden Knollen, Früchten des Dschungels, Honig und dem Fleisch von Wild, das sie mit Pfeil und Bogen erlegten. Mit hölzernen Grabstöcken gruben Männer und Frauen gemeinsam essbare Wurzeln aus. Sie rösteten ihre Nahrung an einem Spieß oder in der Asche eines Feuers, kochten sie jedoch nie in Wasser, weil sie keine Tongefäße hatten. Den Honig der Felsenbienen, einen sehr wichtigen Bestandteil ihrer Nahrung, sammelten sie mit Hilfe schwankender Strickleitern, die von Bäumen über die Klippen gehängt wurden; die Honigwaben wurden mit einer Art Holzschwert abgeschnitten. Die Wedda hatten jedoch keine Methoden entwickelt, um Wild oder Vögel in Fallen zu fangen. Diese Unkenntnis von Fallen und Schlingen haben sie mit den primitiveren Waldstämmen Südindiens gemeinsam. Sie fingen Fische, indem sie das Wasser vergifteten, wodurch die Fische betäubt an die Oberfläche trieben, oder sie sie mit Pfeilen erlegten.

Die Wedda verlegten ihre Lager, wie die Jahreszeiten und die Nahrungsversorgung es erforderten. Sie benutzten dabei entweder die vielen Höhlen oder Felsüberhänge, die es in ihrer Heimat gibt, errichteten zeitweilige Windschirme aus einem Schrägdach von belaubten Ästen, oder sie ließen sich im Schatten der Bäume nieder. Eine durchschnittliche Wedda-Gemeinschaft umfasste drei bis fünf Familien, die sich in die Jagd- und Besitzrechte eines Landstrichs teilten. Es wird berichtet, dass in früheren Zeiten Außenstehende, die in das Gebiet einer anderen Gruppe eindrangen, von den rechtmäßigen Besitzern getötet werden konnten. Ein verheirateter Mann hatte jedoch freien Zugang zu den Jagdgründen der Angehörigen seiner Frau.

Alle Wedda sind in Sippen zusammengeschlossen, in denen die Abstammung nach der weiblichen Linie gerechnet wird. Heiraten zwischen den Kindern eines Bruders und einer Schwester werden am meisten bevorzugt.

Die Wedda haben zwar jahrhundertelang in nächster Nähe der Buddhisten gelebt, haben jedoch ihre eigene Stammesreligion bewahrt. Die meisten ihrer rituellen Bräuche beziehen sich auf den Kult einer Vielzahl von Göttern und Geistern, von denen man glaubt, dass sie dem Menschen behilflich oder schädlich sein können. Dem Menschen am nächsten stehen die »neuen Geister«, d.h. die Geister der Verstorbenen. Männern, die Trance-Zustände herbeiführen können, wird die Macht zugeschrieben, Kontakt zu denjenigen Geistern herzustellen, die empfänglich für Gebete und Opfer sind und die, falls sie ausreichend versöhnt sind, für ihre Anbeter eintreten. Die Wedda haben früher ihre Geister angerufen, um Hilfe bei der Jagd und beim Honigsammeln zu erhalten. Als Feldbauern opfern sie Honig und Reis, um den Schutz der Geister für die Ernte zu erlangen. Wedda-Schamanen handeln manchmal als Orakel und werden zu Sprechern der Geister.

Die Wedda glauben, dass die Geister der Toten über das moralische Verhalten der Lebenden wachen. Jeder Ausdruck von Ärger gegenüber einem Mitmenschen beleidigt die Geister genauso wie jede Gewalttat. Zwar erlegen die Geister Ehebrechern oder Dieben keine übernatürlichen Strafen auf, aber die Geschädigten können sich an die Geister wenden und sie um ihr Eingreifen bitten.

Die Beziehungen zwischen den Wedda, den Herren des Walds, und den singhalesischen Dorfbewohnern können bis in die ferne Vergangenheit zurückverfolgt werden. Viele Mythen und Sagen berichten von buddhistischen Fürsten, die Wedda-Frauen hatten. Und sogar einige göttliche Gestalten der Volksreligion sollen, zusätzlich zu ihren offiziellen Gemahlinnen, Wedda-Geliebte gehabt haben. Es gab wahrscheinlich eine Zeit, in der die Wedda eine bedeutendere Rolle im Leben Ceylons spielten als zu der Zeit, als westliche Beobachter sie zum erstenmal antrafen."

[Fürer-Haimendorf, Christoph von <1909 - >: Die Wedda auf Ceylon (Sri Lanka). -- In: Bild der Völker: die Brockhaus Völkerkunde. -- Wiesbaden: Brockhaus. -- Bd. 7. -- 1974. -- ISBN 3-7653-0284-8. -- S. 128f. -- Originaltitel: Peoples of the world, vol. 12]

Zur Lage der Vedda heute siehe:

Living Heritage Trust. -- http://www.vedda.org/. -- Zugriff am 2001-05-09]

31. Der Herr faltete dann das Fell zusammen, die Götter versammelten sich und der Lehrer verkündete ihnen in dieser Versammlung die Lehre.

32. Viele hunderttausend Lebewesen begriffen die Lehre, unzählig viele wurden fest in den Zufluchten und den Übungspunkten der Sittlichkeit.

Die Zufluchten sind die dreifache Zuflucht zum Buddha, zur Buddhalehre (Dhamma) und zur Gemeinschaft der Erlösten (Sangha). Die Übungspunkte der Sittlichkeit sind:

1.     Enthaltung vom Töten von Lebewesen,

2.     Enthaltung von Stehlen,

3.     Enthaltung von sexuell-erotischem Fehlverhalten,

4.     Enthaltung von Lügen,

5.     Enthaltung von berauschenden Mitteln, die Anlass zu Nachlässigkeit sind.

33. Der Götterherr Mahâsumana auf dem Sumanakûtakaberg [Adam`s Peak, s. unten], der die Frucht des Stromeingetretenen erreicht hatte, bat den Verehrenswürdigen um etwas Verehrenswürdiges.

Stromeingetretener (sotâpanna m.): erste Stufe der Erlösten (d.h. derer, die zu Recht Heilsgewissheit haben), hat die ersten drei Fesseln überwunden, nämlich:

·        1. Falscher Glaube an ein Ich,

·        2. Zweifel,

·        3.Hängen an Sittlichkeit und religiösen Gelübden.

34. Aufs Heil der Lebewesen bedacht strich sich der Eroberer, der makellose schwarze Locken besaß, über seinen Kopf, nahm eine Handvoll Haare und gab sie jenem.

35./36. Mahâsumana nahm diese in einem vorzüglichen goldenen Korb, stellte diesen auf einen Haufen verschiedener Edelsteine mit einem Durchmesser von 7 Ratana [1 Ratana = 12 Fingerbreiten (angula)] an den Platz, an dem der Lehrer gesessen hatte. Das ganze bedeckte er mit einem Stûpa aus blauen Saphiren. Dann verehrte er sie.

37./38./39. Nach dem endgültigen Erlöschen des Sambuddha nahm der Thera Sarabhu, ein Schüler des Thera Sâriputta, mit magischer Kraft den Nackenknochen des Eroberers vom Scheiterhaufen und brachte ihn dorthin. Er stellte diesen Knochen im Beisein von Mönchen in diesen Stûpa. Dann bedeckte der Wundermächtige die Reliquie mit Specksteinen, erhöhte den Stûpa auf 12 Hattha [1 Hattha = Hand] und ging weg.

Sâriputta (m.): Spitze an Einsicht / Weisheit unter den Mönchen. Er und Mahâ-Moggallâna sind die beiden am meisten herausragenden Jünger Buddhas. Sie werden zu beiden Seiten Buddhas dargestellt: Sâriputta zur Rechten Buddhas, Moggallâna zur Linken. Sâriputta ist das Vorbild für die Mönche, deren vorwiegende Beschäftigung Gelehrsamkeit, Studium der Lehre ist.

40./41. Uddhacûlabhaya, der Sohn des Bruders von König Devânampiyatissa [König von Sri Lanka 247 bis 207 v. Chr.], sah diesen wunderbaren Cetiya, bedeckte ihn und machte so daraus einen 30 Hattha hohen Cetiya.

41./42. Während der König Dutthagâmanî [König von Sri Lanka 101 bis 77 v. Chr.] die Tamilen (Damila) bekriegte, weilte er hier und baute einen 80 Hattha hohen Mantelcetiya darum. So wurde der Mahiyangana-Stûpa vollendet.

Der Mahiyangana-Dagoba ist heute ca. 30 m hoch und hat einen Sockelumfang von 120 m. Zu ihm führen heute etwa 2000 Stufen eines Pilgerpfades sowie eine schmale Straße. Am Septembervollmond ist der Mahiyangana-Dagoba Ziel vieler Wallfahrer.

"Bei Restaurationsarbeiten wurde zu Beginn der fünfziger Jahre eine Reliquienkammer mit einem quadratischen Grundriss freigelegt, die vermutlich erst bei der Restaurierung im 11. Jh. eingebaut wurde. Die Nischen an den Kardinalpunkten der vier Seitenwände beherbergten ein oder mehrere Buddhabildnisse im indischen Amaravati- oder Pala-Stil. Der steinerne, kastenförmige Behälter in der Mitte des Raumes mit einer Kantenlänge von 1,22 m und einer Höhe von nur 1,10 m enthielt zwei Reliquien, kleine Dagobas aus Kupfer mit goldener Spitze, außerdem Münzen und aus Goldfolie gefertigte Blumen. Vier bronzene Reiterfiguren, bewaffnet mit Schwert und Schild und begleitet von einer Frauengestalt, standen -- gleichsam als Wache -- an den vier Seiten des steinernen Behälters. Auch die übrigen Gegenstände in der Kammer (u. a. eiserne Dreizacke als Symbol Shivas, goldene Banner, Kupfergefäße und -lampen, Schalen mit Gold- und Silbermünzen sowie Halbedel- und Edelsteine) waren symmetrisch um den Steinbehälter herum angeordnet. Die Wände waren einst mit Malereien bedeckt, von denen allerdings nur Fragmente erhalten waren. Diese wurden sorgsam abgelöst und -- wie auch die übrigen Gegenstände -- in das Museum von Anuradhapura gebracht."

[Sri Lanka. -- Ostfildern: Baedeker, ©1999. -- (Baedeker Allianz Reiseführer). -- ISBN 3895254371. -- S. 192. --]

43. Nachdem der weise Herr so diese Insel menschenwürdig gemacht hatte ging er nach Uruvelâ mit dem weiten Schritt eines Helden.

1.5. Buddhas Besuch in Nâgadîpa

44. Der barmherzigste Lehrer, dem am Heil der ganzen Welt lag, der Eroberer, weilte im fünften Jahr nach seinem Erwachen [d.h. nach der Theravâdachronologie im Jahre 584 v. Chr.] in Jetavana [Hain in Sâvatthi, heute Maheth, ein Lieblingsort des Buddha].

45./46. Er sah, dass ein Krieg bevorstand wegen eines Edelsteinthrones zwischen den Nâga Mahodara und Cûlodara, Mutterbruder und Neffe, samt Gefolge.

Nâga sind kobraförmige Wesen.

46./47. Da nahm der Sambuddha am frühen Morgen des Uposathatags des dunklen Teils des Monats Citta [1. Monat des Jahres] Almosentopf und Mönchsgewand und ging aus Barmherzigkeit für die Nâgas nach Nâgadîpa [Jaffnahalbinsel und Nordwestceylon (~ Northern Province), besonders die Insel Nayinativu. Dieses Gebiet ist heute vorwiegend von hinduistischen Tamilen besiedelt].

"Jaffna; Provinz: Northern; Höhe: 2 - 7 m ü.d.M.

Die Anreise nach Jaffna ist zur Zeit nur unter sehr erschwerten Umständen möglich, da dieses fast ausschließlich von Tamilen bewohnte Gebiet an der nordwestlichen Inselspitze das Zentrum der militärischen Auseinandersetzungen des Bürgerkrieges ist. Der Luftverkehr ist ebenso eingestellt wie die Bahnverbindung von Colombo, die Straßen sind gesperrt und für Ausländer nicht passierbar. Bis zu einer Lösung des Konflikts wird von Reisen nach Jaffna grundsätzlich abzuraten sein.

Schon in der Vergangenheit wurde die Halbinsel Jaffna von Touristen nur selten besucht, seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges im Jahre 1983 ist der Fremdenverkehr nahezu völlig zum Erliegen gekommen. Fast alle der ursprünglich hier lebenden Singhalesen wurden vertrieben, ihre Häuser niedergebrannt. Das Stadtbild von Jaffna wird geprägt von den Zerstörungen, die der ethnische Konflikt hervorgerufen hat. Die Kontinuität der hier existenten, aus dem Süden Indiens stammenden drawidischen Kultur wurde jedoch schon früher unterbrochen, als die Kolonialherren die alten Tempel- und Palastbauten zerstörten.

Dabei bietet die Landschaft der Halbinsel einen erstaunlich scharfen Kontrast zu den übrigen Landesteilen. Sie ist karg und wird von einer genügsamen Vegetation dominiert. Die Bewässerung der landwirtschaftlich genutzten Felder erfolgt nicht -- wie ein paar Dutzend Kilometer weiter südlich -- durch Stauseen und Kanäle, sondern durch Brunnen. Trotzdem zeugen zahlreiche kleine Felder vom Fleiß der Bevölkerung, der es allen naturgegebenen Widrigkeiten zum Trotz gelang, dem Boden einige Erträge abzuringen.

Die Menschen, kleine, sehr dunkelhäutige Tamilen, seit altersher hier ansässig, sind liebenswürdig und gastfreundlich. Der größte Teil (nach der Vertreibung der singhalesischen Bevölkerung nur noch ca. 60000 Einwohner) lebt dichtgedrängt in der Stadt Jaffna und hängt dem hinduistischen Glauben an."

[Sri Lanka. -- Ostfildern: Baedeker, ©1999. -- (Baedeker Allianz Reiseführer). -- ISBN 3895254371. -- S. 166. --]

48. Der genannte Nâga Mahodara war damals wunderkräftiger König im Ozean, in einem Nâgareich, das sich über 500 Yojanas [ca. 5500 km] erstreckte.

49. Seine jüngere Schwester Kannâ war mit dem Nâgakönig auf dem Vaddhamânaberg verheiratet. Ihr Sohn war Cûlodara.

50./51. Dessen Großvater mütterlicherseits gab seiner Mutter einen herausragenden Edelsteinthron, dann ist dieser Nâga gestorben. Deswegen drohte dieser Krieg des Neffen mit seinem Onkel mütterlicherseits. Diese Bergnâga waren sehr wundermächtig.

52./53. Ein Gott namens Samiddhisumano nahm einen in Jetavana stehenden Königreichbaum (Buchanania latifolia), seine eigene schöne Wohnstatt, und hielt ihn mit der Erlaubnis Buddhas wie einen Schirm über den Eroberer und folgte ihm zum Ort, wo der Gott früher gewohnt hatte [d.h. Nâgadîpa].

54./55. Dieser Gott war nämlich in seiner letzten vorhergehenden Geburt ein Mensch in Nâgadîpa gewesen. Damals sah er an der Stelle, wo der Königreichbaum (Buchanania latifolia) stand, Paccekabuddhas beim Essen. Als er sie sah, wurde er abgeklärt heiter und gab ihnen Blätter zum Reinigen der Almosentöpfe.

"Welche Person ist ein Paccekasambuddha (Einzelbuddha)? Da erwacht eine Person vollkommen zu den Wahrheiten ohne diese Gesetzmäßigkeiten zuvor (von jemand anderem) gehört zu haben; aber er erlangt nicht (virtuelle) Allwissenheit und er erlangt nicht Macht über die (zehn) Kräfte. Eine solche Person nennt man Einzelbuddha." (Puggalapaññatti I, 29)

56. Wegen dieser Tat wurde er im lieblichen Jetavana-Garten wiedergeboren, auf ebendiesem Baum, welcher später außerhalb an einer Seite des Tores stand.

57. Weil der Gott aller Götter darin einen Vorteil für diesen Gott sah, brachte er diesen Gott samt Baum hierher zum Heil dieses Landes [Lankâ].

58. Der Führer saß in der Luft inmitten des Schlachtfelds und der Vertreiber der Dunkelheit schuf über diesen Nâga fürchterliche Dunkelheit.

59. Dann befreite er die furchtbar Erschreckten von ihrer Beklemmung und ließ wieder Licht werden. Als die Nâga den Vollendeten sahen, verehrten sie zufrieden die Füße des Lehrers.

60. Der Eroberer verkündete ihnen die Eintracht schaffende Lehre. Die beiden [verfeindeten Nâga] gaben den Thron freudig dem Weisen [Buddha].

61. Der Lehrer begab sich hinab auf die Erde, setzte sich auf einen Sitz und wurde von den Nâgakönigen mit himmlischer Speise und Trank verwöhnt.

62. Dann festigte der Führer 80 Koti [1 Koti = 100000, d.h. insgesamt 8 Millionen] Seeschlangen und Landschlangen [d.h. Nâga] in den Zufluchten und Übungspunkten der Sittlichkeit.

63. Maniakkhika, der Nâgakönig in Kalyânî [Kelaniya, s. unten], der Mutterbruder des Nâga Mahodara, war nach Nâgadîpa gekommen, um am Kampf teilzunehmen.

64. Er hatte bei Buddhas erstem Besuch in Lankâ die Verkündigung der guten Lehre gehört und war seither gefestigt in den Zufluchten und Übungspunkten der Sittlichkeit. Nun bat er den zur Wahrheit Gelangten:

65. "Herr, groß ist die Barmherzigkeit, die du uns erwiesen hast. Wärest du nicht gekommen, wären wir alle zu Asche geworden.

66. Barmherziger, zeige deine Barmherzigkeit speziell mir gegenüber, indem du wieder hierher kommst in meine Heimat, der du kein mein kennst".

67. Der Ehrwürdige sagte durch Schweigen zu, hierher zu kommen. Er ließ an jenem Ort den Königreichbaum Cetiya errichten.

68. Der Herr der Welten übergab den Nâgakönigen den Königreichbaum und den wertvollen Thron zur Verehrung.

69. "Nâgakönige, verehrt diesen Cetiya mit von mir benutzten Reliquien und es wird euch zu Glück und Heil gereichen."

70. Nachdem der Vollendete so und anders die Nâga belehrt hatte, ging der mit allen Welten Barmherzige nach Jetavana.

1.6. Buddhas Besuch in Kalyânî

1.6.1. In Kalyânî (Kelaniya)

71. Im dritten Jahr nach diesen Ereignissen [d.h. nach der Theravâdachronologie im Jahre 581 v. Chr.] ging der Nâgafürst Maniakkhiko zum Sambuddha und lud ihn samt den Mönchen ein.

72./73./74. Am nächsten Tag, dem Vollmondtag des lieblichen Monats Vesâkha [2. Monat des Jahres, Monat des großen Erwachens Buddhas], im achten Jahr seit dem Erwachen, als die Essenszeit angekündigt wurde, hat der Eroberer, der damals in Jetavana weilte, sich mit der Samghâti [das oberste Tuch des Dreigewandes, als Mantel gebraucht] gekleidet und ist mit dem Almosentopf, umgeben von 500 Mönchen, ins Kalyânîland gegangen, den Wohnort von Manakkhika.

"Kelaniya; Provinz: Western; Höhe: 5 m ü.d.M.

Auto: Von Colombo in Richtung Kandy (12 km).

Omnibus: Gute und regelmäßige Verbindungen von Colombo.

Kelaniya, in einer Schleife des Kelani Ganga und nur wenige Kilometer von der westlichen Stadtgrenze Colombos entfernt, wirkt wie eine stille Gartenstadt. Das ändert sich zumindest einmal im Jahr, wenn Ende Januar/ Anfang Februar der erste Vollmond des neuen Jahres gefeiert wird und Tausende von Pilgern in die Stadt strömen. Der Tempel gilt als eine der heiligsten Stätten des Buddhismus auf Sri Lanka und ist außerdem Sitz einer bedeutenden buddhistischen Universität." [Vidyalankara University, gegründet 1958]

[Sri Lanka. -- Ostfildern: Baedeker, ©1999. -- (Baedeker Allianz Reiseführer). -- ISBN 3895254371. -- S. 185. --]

75. Zusammen mit den Mönchen betrat er einen Pavillon aus Edelsteinen, der dort errichtet worden war, wo heute der Kalyânîcetiya steht, und nahm Platz auf einem wertvollen Thron.

76. Heiter verwöhnte der Nâgakönig zusammen mit seinem Gefolge den König der Lehre, den Eroberer, und sein Gefolge mit himmlischen harten und weichen Speisen.

77. Der Lehrer, der gegenüber den Welten Barmherzige, verkündete bei dieser Gelegenheit die Lehre.

1.6.2. Auf dem Sumanakûta (Adam's Peak)

77. Dann ging der Führer auf den Sumanakûta (Adams Peak) und machte dort seinen Fußabdruck sichtbar.

"Adam's Peak (Sri Pada): Für die frühen arabischen Seefahrer war er der «höchste der Berge der Welt», der Franzose Sonnerat beschrieb ihn 1782 als den «höchsten Berg Asiens», und 1807 noch hielt der Brite Cordiner ihn für den «höchsten Berg der Insel». Gemeint war jeweils der Adam's Peak, von dem man heute weiß, dass er mit 2.243 m lediglich der vierthöchste Berg Sri Lankas ist. Im Laufe der Zeit ist er -- mit zunehmender geographischer Kenntnis -- erheblich geschrumpft.

Nicht abgenommen hat jedoch seine spirituelle Größe.

Wegen eines überdimensionalen Fußabdruckes, den Buddha bei seinem letzten Besuch auf Sri Lanka auf dem Gipfel hinterlassen haben soll, wird er von den Buddhisten verehrt. ...

Aber auch die anderen Religionsgemeinschaften vereinnahmen den Fußabdruck für sich:

Für die Shiva-Anhänger unter den Hindus stammt er von Shiva, für die anderen Hindus vom Gott Saman, dem Schutzpatron des Berges.

Die Christen wiederum sehen darin abwechselnd den Fußabdruck des Heiligen Thomas oder den von Adam, an den auch die Moslems glauben. Nach einer moslemischen Überlieferung ließ Gott Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies aus Mitleid auf dem Adams Peak leben, da Sri Lanka der Platz auf Erden war, der dem Paradies am nächsten kam! Der Fußabdruck entstand demnach dadurch, dass Adam zur Strafe auf einem einzigen Bein stehen musste, was einen tiefen Abdruck hinterließ.

Der besagte Fußabdruck ist gigantisch groß, ca. 160 x 75 cm. Einer volkstümlichen Überlieferung nach ist dieser jedoch nur eine vergrößerte Kopie über dem eigentlichen, echten Fußabdruck; dieser soll sich darunter befinden, eingeprägt in einem überdimensionalen Saphir.

Der Abdruck -- Sri Pada genannt, «Der edle Fuß» -- soll im 1. Jh.v.Chr. von König Valagama Bahu entdeckt worden sein, der von einem Hirsch dorthin geführt worden war. Wahrscheinlich fanden sich bald darauf die ersten Pilger dort ein, nach gesicherter Erkenntnis jedoch mindestens seit dem Ende des 10. Jh. König Vijaya Bahu I. (reg. 1071-1126) ließ an der Strecke Pilgerunterstände bauen, und Marco Polo berichtete im 13. Jh. von Eisenketten, die an der Strecke angebracht waren, um den Pilgern den Weg zu erleichtern. Im Jahre 1950 wurde der Weg elektrisch beleuchtet -- nachdem ein Minister den Gott Saman um Unterstützung in einem staatlichen Projekt gebeten hatte, mit dem Versprechen, bei dessen Gelingen sich durch die Beleuchtung der Pilger-Route zu revanchieren! Und so zieht der Berg bis heute jährlich Abertausende von Pilgern in seinen Bann, die nun wohlbeleuchtet zum Fußabdruck gelangen. ...

Es gibt zwei Wege mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad zum Gipfel. Die meist begangene Anmarsch-Route ist heute die von Norden aus Richtung Hatton, die auch die leichtere ist. In früheren Jahrhunderten zählte nur der schwierige Weg von Süden her als «richtige» Pilgerreise, die leichte galt als spirituell weniger verdienstvoll. ...

Südroute: Die zweite, etwas in Vergessenheit geratene Route geht mehr an die Kondition, sie bringt dafür aber ungeahnten «Gewinn»: Nach Überzeugung der Bewohner der Gegend werden Frauen, die diese Strecke absolvieren, zur «Belohnung im nächsten Leben als Mann geboren!"

[Krack, Rainer: Sri Lanka. -- 6., komplett aktualisierte Aufl. -- Bielefeld: Reise Know-how, 2000. -- (Reise Know-how). -- ISBN 3894168404. -- S. 340f. --]

"Die Pilgersaison beginnt im Dezember und dauert bis zum Wesak Fest im Mai. Der Höhepunkt liegt im März. In der übrigen Jahreszeit liegt der Berg kahl da, der Regen macht den Aufstieg gefährlich. Jahr für Jahr gehen Zehntausende auf die Pilgerreise. Die meisten kommen des Nachts über eine von Lampen erleuchtete Treppe. Zahlreich sind die ambalanas (Pilgerrastplätze) und Erfrischungsstände, die den Aufstieg erleichtern. Wer bei Tagesanbruch oben ankommt, wird Zeuge eines fast übernatürlichen Schauspiels: der vergrößerte, dreieckige Schatten des Berges legt sich über das erwachende Land. Nur sehr selten kann man das »Schauspiel des Brockens« sehen -- den eigenen, immens vergrößerten Schatten, wie er fern, von Nebelschwaden umkränzt vor einem Regenbogen-Heiligenschein schwebt.

Die Pilger zum Adam's Peak befolgen während des Aufstiegs eine Reihe sehr eigenartiger traditioneller Regeln. Wer zum erstenmal auf den Berg geht, trägt große Turbane aus weißen Tüchern auf dem Kopf. An den beiden Hauptwegen muss man an der Indikatupana (»Platz der Nadel«) haltmachen und eine Nadel mit Faden in einen Strauch werfen; an dieser Stelle soll nämlich der Buddha innegehalten und ein Loch in seinem Umhang geflickt haben. Auf dem Gipfel läutet ununterbrochen eine Glocke, die als Zeichen der Beendigung einer Pilgerreise von einem alten Mann geschwungen wird. (Die aktuelle Reise kann nicht gemeint sein, denn die ist erst beendet, wenn man wieder zu Hause ist.) Es gilt als ausgesprochen unfein, unterwegs zu fragen, wie weit es noch ist; stattdessen sollte man die Pilger mit karunavai »Frieden« grüßen."

[Sri Lanka / hrsg. von Hans Höfer ... -- München: Nelles, 1983. -- (Apa Guides). -- ISBN 3-88618-986-4. -- S. 176]

"Sakrale Gebäude auf dem Gipfel: Der dicht bebaute Gipfel bildet eine etwa 300 Quadratmeter große Plattform, auf der sich in einem kleinen überdachten Tempel die ummauerte Fußspur -- offenbar die eines linken Fußes -- befindet. Im 12. Jh. ließ König Parakrama Bahu I. auf dem Gipfel des Adam's Peak einen ersten, dem Hindugott Saman geweihten Tempel errichten. Später zogen buddhistische Mönche in den Tempel ein, bis der zum Brahmanismus übergetretene König Raja Sinha I. ihn im 16. Jh. wieder den Brahmanen übergab. Erst unter König Kirti Sri, der den Buddhismus auf Sri Lanka wieder in Erinnerung brachte, wurde er zwei Jahrhunderte später wieder von buddhistischen Mönchen bewohnt. Die brahmanischen Priester wurden jedoch nicht vertrieben; sie bauten einen kleineren Tempel, der heute noch erhalten ist. Die weiteren Gebäude sind nicht besonders bemerkenswert, sie stammen alle aus neuerer Zeit."

[Sri Lanka. -- Ostfildern: Baedeker, ©1999. -- (Baedeker Allianz Reiseführer). -- ISBN 3895254371. -- S. 110. --]

1.6.3. In Dîghavâpi

78. Am Fuße dieses Berges verbrachte er mit den Mönchen bequem den Tag und ging dann nach Dîghavâpi [im heutigen Bezirk Ampara, ca. 10 km östlich der Stadt Ampara, Provinz Uva].

79. Dort setzte sich der Herr mit den Mönchen an der Stelle des heutigen Cetiya nieder und versetzte sich in Versenkung, um dem Platz Würde zu geben.

In den 1980er Jahren wurden bei Dîghavâpi die Ruinen eines alten buddhistischen Tempels freigelegt, der mit dem Dîghavâpi-Cetiya identifiziert wird.

1.6.4. In Anurâdhapura

80. Von jenem Platz ging der große Weise, kundig welche Plätze geeignet und welche ungeeignet sind, zum Ort des jetzigen Mahâmeghavanârama [in Anurâdhapura, an der Stelle des späteren Mahâvihâra. Heute sind vom Mahâvihâra vor allem noch 1600 Pfeiler des Lohaprasâda erhalten].

Anurâdhapura wurde um 380 v. Chr. von Pandukabhaya () gegründet und war dann bis 1070 Hauptstadt Sri Lankas, dann wurde die Hauptstadt wegen der anhaltenden Überfälle durch Tamilen nach Polonnaruwa verlegt.

"Anuradhapura; Provinz: Northern Central; Höhe: ca. 90 m ü.d.M.

Auto: Von Kandy auf der A 9 (138 km); von Puttalam auf der A 12 (ca. 70 km); von Polonnaruwa auf der A 11 (ca. 97 km).

Eisenbahn: Station an der Strecke von Colombo nach Jaffna.

Omnibus: Regelmäßige Verbindungen von den zuvor genannten Städten.

Anuradhapura, eine der ältesten und sehenswertesten Städte auf Sri Lanka, liegt nordöstlich von Colombo in der sog. dry zone, dem trockensten Gebiet der Insel. Die heutige Stadt Anuradhapura gliedert sich in den Ruinenteil und ein neues Zentrum, das erst in diesem Jahrhundert entstand. Hier leben heute ca. 50000 Einwohner. Beide Teile sind jedoch nur wenige Kilometer voneinander getrennt. ...

Anuradhapura, heute eine eindrucksvolle Ruinenstadt, war nicht weniger als 119 Königen in 13 Jahrhunderten -- wenn auch nicht immer ungestört -- Residenzstadt und eine der bedeutendsten Hauptstädte des singhalesischen Reiches. Hier entstanden die ersten Heiligtümer des Buddhismus, hier entwickelte sich ein Kunststil, der zu den klassischen Stilen zählt. Durchdrungen von der Idee des Buddhismus zeugen die Bauten vom hohen Selbstbewusstsein des jungen Reiches. Klöster und Königspalast waren Mittelpunkte der literarischen und religiösen Kultur.

Die Stadtplanung mutet nicht nur auf den ersten Blick modern an, allerdings entstand sie bereits ca. 500 Jahre vor Christus. Drei im 1. Jh. v. Chr. angelegte Wasserreservoirs (singhalesisch: wewa) und ein ausgeklügeltes Kanalsystem sorgten für die Bewässerung des sehr trockenen Landes und für Trinkwasser in der Stadt, die zum Zeitpunkt ihrer größten Blüte mehrere Hunderttausend Einwohner gehabt haben muss.

Um das Jahr 380 v. Chr. wurde die Siedlung Anuradhagama (gama = Siedlung) von König Pandukabhaya [394 - 307 v. Chr.] zur Hauptstadt des singhalesischen Reiches erhoben. Er nannte sie Anuradhapura (pura = Stadt). Die eigentliche Geschichte der Stadt begann jedoch erst mit der Regierung von König Devânampiya Tissa (250-210 v. Chr.), der die von dem Mönch Mahinda verkündete Lehre des Buddhismus aufnahm und unterstützte. In diese Zeit fiel auch die erste rege Bautätigkeit; es entstanden jedoch vorzugsweise einfache Bauten für die Bevölkerung und den Regenten, während die Bauwerke zu Ehren Buddhas weitaus repräsentativer angelegt wurden.

Im Jahre 993 gab es den ersten Bruch in der Entwicklung der Stadt, als sie durch die aus Südindien einfallenden Chola-Herrscher erobert wurde. Sie überfielen aber auch die nur knapp 100 km entfernte Stadt Polonnaruwa, die sie zu ihrer Residenz machten. Anuradhapura wurde in den folgenden Jahren von dort mitverwaltet. 1070 gelang es König Vijaya Bahu I. (dem früheren Fürsten von Ruhuna), von Polonnaruwa, das er bereits 15 Jahre zuvor zurückerobert hatte, auch Anuradhapura den Cholas zu entreißen. Da jedoch Polonnaruwa strategisch günstiger lag, beließ er es bei der Wiederinstandsetzung des größtenteils zerstörten Bewässerungssystems sowie einiger buddhistischer Heiligtümer, machte aber Polonnaruwa zu seiner neuen Hauptstadt.

Von Anuradhapura, das ab diesem Zeitpunkt in einen Dämmerschlaf versank und im Laufe der Jahrhunderte vom Dschungel überwachsen wurde, war bis zum Beginn des 19. Jh.s nur soviel bekannt, dass der britische Beamte Ralph Backhaus, der per Zufall hierher kam, von einer großartigen Ruinenstadt im Norden der Insel schwärmte. Der britische Archäologe H. C. P Bell fand um 1820 diese Berichte der Überprüfung wert und entdeckte die Stadt. Bis die ersten Ausgrabungsarbeiten begannen, dauerte es jedoch noch bis 1890. Im Jahre 1980 stellte die UNESCO das Ruinenfeld von Anuradhapura unter ihren Schutz, seither werden die (längst noch nicht beendeten) Ausgrabungsarbeiten mit Finanzmitteln dieser UNO-Unterorganisation unterstützt.

Das Gelände der Ruinenstadt von Anuradhapura ist mit einer Fläche von etwa 50 km² nicht nur sehr weitläufig, sondern auch recht unübersichtlich, da an vielen Stellen noch Ausgrabungen stattfinden."

[Sri Lanka. -- Ostfildern: Baedeker, ©1999. -- (Baedeker Allianz Reiseführer). -- ISBN 3895254371. -- S. 113 - 115. --]

81. Der Herr setzte sich mit den Jüngern an die Stelle, wo heute der Mahâbodhi-Baum [in Anurâdhapura] steht, und versetzte sich dort ebenfalls in Versenkung, ebenso an der Stelle, wo heute der Große Stûpa [Ruvanaveli-Dagoba in Anurâdhapura] steht.

Der Mahâbodhi-Baum in Anuradhapura stammt der Überlieferung nach von einem Zweig des Baumes in Bodh Gaya, unter dem Buddha die erlösende Einsicht gewonnen hatte. Sanghamittâ, die Schwester des Missionars von Lankâ, Mahinda, soll diesen Zweig um 230 v. Chr. nach Lankâ gebracht haben. 1939 wurde der Baum von einem Christen -- wohl in Anlehnung an die Tat des Hl. Bonifatius -- mit einer Axt attackiert. Der Mutterbaum wurde in Indien um 600 n. Chr. von einem "toleranten" Hindu-König abgeholzt.

Der Ruvanavelisaya Dagoba, der Große Stûpa, wurde von König Dutthagamani (reg. 161 - 137 v. Chr.) zum Dank für den Sieg über den Tamilenkönig Elara errichtet.

"Im Jahre 1987 brauten sich schicksalschwangere Wolken über der Dagoba zusammen. Sie war teilweise eingestürzt und drohte, völlig zu zerfallen - in den Augen vieler Buddhisten ein schreckliches Omen für das Land. Zu jenem Zeitpunkt kriselte es in Sri Lanka an allen Fronten: Einerseits war eine groß angelegte militärische Aktion gegen die Tamil Tigers im Gange, die aber in erster Linie zahllosen tamilischen Zivilisten das Leben kostete; vor diesem Hintergrund drohte eine Invasion Indiens, dem aus Rücksicht auf seine eigene, 55 Mio. starke tamilische Bevölkerung das Schicksal der srilankischen Tamilen nicht gleichgültig sein konnte. Auf der anderen Seite wiederum machte sich ein singhalesischer Chauvinismus stark, angeführt von der faschistischen JVP [Janata Vimukti Peramuna], der auf der Ausmerzung von allem beharrte, das antisinghalesisch erschien. Unter diesen Umständen schien der Verfall der Dagoba den Zerfall Sri Lankas zu symbolisieren. Präsident Jayawardhene [geb. 1906, Staatspräsident 1978 - 1988], der sich gerade zufällig in Anuradhapura aufhielt, wurde beim Anblick der Dagoba kreidebleich und untersagte der Presse, über ihren Zustand zu berichten."

[Krack, Rainer: Sri Lanka. -- 6., komplett aktualisierte Aufl. -- Bielefeld: Reise Know-how, 2000. -- (Reise Know-how). -- ISBN 3894168404. -- S. 422f. --]

82. Ebenso tat er an der Stelle, wo heute der Stûpa im Thûpârâma [in Anurâdhapura] steht. Dann erhob er sich aus der Versenkung und ging zum Platz des heutigen Sîlacetiya [in Anurâdhapura].

Der Thûpârâma-Dagoba ist vermutlich der älteste erhaltene Dagoba Sri Lankas. Er wurde von König Devânampiya Tissa (reg. 247 - 207 v. Chr.) im 3. Jhdt. v. Chr. erbaut. Heute ist er 19 m hoch

83. Der Führer der Gruppe (des Ordens) belehrte die versammelten Göttergruppen, dann ging der Buddha, der den ganzen Weg der Einsicht gegangen ist, nach Jetavana.

Die Besuche Buddhas in Sri Lankâ werden heute noch von vielen Buddhisten als historische Tatsache betrachtet. Heinz Bechert berichtet folgenden Vorfall:

"Zu den aus den Chroniken entnommenen Thesen des singhalesisch-buddhistischen Nationalismus gehört bekanntlich die Tradition, dass der Buddha selbst Ceylon besucht haben und dem singhalesischen Volk einen besonderen Auftrag für die Erhaltung seiner Religion erteilt haben soll.

Als Professor Senerat Paranavitana [geb. 1896], der zweifellos bedeutendste singhalesische Archäologe und Epigraphiker der Gegenwart, 1961 in einem Vortrag darlegte, die Berichte von den Besuchen des Buddha in Ceylon seien Legenden und keine historischen Zeugnisse, wurde er heftig angegriffen.

...

Es gibt wohl kaum ein treffenderes Beispiel für die merkwürdige Doppelgesichtigkeit des modernen ceylonesischen Buddhismus. Einerseits wird die Lehre des Buddha als Religion der Vernunft bezeichnet und der Gegensatz gegen die dogmatischen Religionen hervorgehoben, und andererseits wird ein Gelehrter mit solcher Heftigkeit angegriffen, der eine Überlieferung bezweifelt, die gar nicht in den kanonischen Schriften des Buddhismus enthalten ist und mit der Lehre des Buddha gar nichts zu tun hat, eine Überlieferung, die moderne nichtceylonesische Buddhisten niemals als Bestandteil ihrer religiösen Überzeugung betrachten würden. Auf der anderen Seite erregt es aber kaum Aufsehen in Ceylon, wenn angesehene buddhistische Schriftsteller und Mönche die kanonische buddhistische Überlieferung in nicht unwesentlichen Punkten umdeuten. Es ist ganz klar, dass man in diesem Fall Paranavitana nicht aus Gründen religiöser Überzeugung, sondern aufgrund seines Angriffes gegen Grundlagen des singhalesisch-buddhistischen Nationalismus entgegengetreten ist." [Bechert, Heinz <1932 - >: Buddhismus, Staat und Gesellschaft in den Ländern des Theravâda-Buddhismus. -- Bd. 1: Grundlagen. Ceylon. -- Frankfurt a. M. [u.a.]: Metzner, ©1966. -- (Schriften des Instituts für Asienkunde in Hamburg ; XVII/1). -- S. 363f.]

Eine "liberale" Haltung zur Historizität der Besuche Buddhas in Lankâ nahm schon 1946 E. W. Adikaram in seiner vorzüglichen Dissertation ein. Adikaram wurde später einer der führenden Kritiker des Mahâvamsa-Nationalismus und -Chauvinismus:

...

[Adikaram, E. W. < - 1986>: Early history of Buddhism in Ceylon or State of Buddhism in Ceylon as revealed by the Pâli commentaries of the 5th century A.D. -- Colombo: Gunasena, 1946. -- Zugleich: London, Univ., Dissertation. -- S. 46 - 48]


1.7. Schluss

84. So ist der Herr Lankâs, von unbegrenztem Verstand, auf das zukünftige Heil Lankâs blickend, sehend, was zu jenem Zeitpunkt gut war für die Gruppen von Asura[Dämonen], Nâga [Schlangen] usf., dreimal zu dieser schönen Insel gekommen, er, die überbarmherzige Insel (Leuchte) der Welten. Deswegen wurde diese Insel, von den guten Menschen hochgeschätzt, als Insel des Dhamma [Insel der Lehre und gerechte Insel] berühmt.

Die drei Besuche des Buddha:

1.     Besuch: Uttarakuru -- (riesige Luftlinie) -- Mahiyangana -- (ca. 2000 km Luftlinie) -- Uruvelâ.

2.     Besuch: Jetavana (Sâvatthi) -- (ca. 2000 km Luftlinie) -- Nâgadîpa -- (ca. 2000 km Luftlinie) -- Jetavana.

3.     Besuch: Jetavana (Sâvatthi) -- (ca. 2300 km Luftlinie) -- Kalyânî -- (ca. 65 km Luftlinie) -- Sumanakûta -- (ca. 155 km Luftlinie) -- Dîghavâpi -- (ca. 160 km Luftlinie) -- Anurâdhapura -- (ca. 2100 km Luftlinie) -- Jetavana.

1.7.1. Kolophon

Dies ist das erste Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Besuche des Vollendeten (in Lankâ)".

6. Kapitel 6: Vijaya's Ankunft

1. Einstmals lebte im Vangaland [Bengalen], in der Vangahauptstadt ein Vangakönig. Die Königin dieses Königs war die Tochter des Kalingakönigs [d.h. aus Orissa].

2. Von dieser Königin bekam dieser König eine Tochter. Die Zeichendeuter sagten voraus, dass sie mit dem König der Tiere [d.h. dem Löwen] Geschlechtsverkehr haben werde.

3. Sie war überaus schön und überaus liebestoll. König und Königin verachteten sie aus Scham.

4. Allein ging sie fort von zuhause und suchte das Glück des freien Lebens. Unerkannt ging sie mit einer Karawane, die nach Mâgadha zog.

5. In einem Wald im Lâlareich [wird in das heutige Gujarat verlegt, da Ptolemäus dort ein Larika nennt; allerdings verträgt sich das kaum mit der Tatsache, dass die Karawane nach Mâgadha zog, andrerseits ist weitläufige Topographie sehr schwer zu durchschauen, wie sich auf europäischen Karten bis ins 19. Jhdt. zeigt] überfiel ein Löwe die Karawane. Alle übrigen liefen wo anders hin, sie aber lief in die Richtung, aus der der Löwe gekommen war.

6. Der Löwe fing eine Beute, lief weg und sah sie von ferne. Er verliebte sich und lief zu ihr mit dem Schwanz wedelnd und die Ohren legend.

7. Als sie den Löwen sah, erinnerte sie sich an die Aussage der Zeichendeuter, über die sie gehört hatte, und sie berührte ihn ohne Furcht indem sie seine Glieder streichelte.

8. Durch ihre Berührung geriet der Löwe in höchste Leidenschaft und er nahm sie auf seinen Rücken, brachte sie in seine Höhle und hatte dort mit ihr Sex.

9. Infolge dieses Geschlechtsverkehrs gebar die Königstochter zur rechten Zeit Zwillinge, einen Sohn und eine Tochter.

10. Hände und Füße des Sohnes waren Löwentatzen, deshalb nannte sie ihn Sîhabâhu [Löwenarm], die Tochter aber nannte sie Sîhasîvalî.

11. Als der Sohn sechzehn Jahre alt war, bekam er Zweifel und fragte seine Mutter: "Warum, Mutter, sind du und unser Vater einander nicht ähnlich?"

12. Die Mutter erzählte ihm alles. Dann fragte er sie: "Warum gehen wir nicht weg?" Sie antwortete, dass der Vater die Höhle mit einem Felsen zugeschlossen hat.

13. Da nahm er den Felsen vor der großen Höhle auf seine Schultern und ging damit an einem einzigen Tag 50 Yojana [1 Yojana = Weg, den man mit einem Ochsenjoch pro Tag zurücklegen kann, ca. 11 km; 50 Yojana = ca. 550 km] hin und zurück.

14. Als der Löwe einmal auf Beute gegangen war, nahm Sîhabâhu seine Mutter auf die rechte Schulter, seine jüngere Schwester auf die linke Schulter und lief schnell davon.

15. Sie bekleideten sich mit Zweigen und gingen zu einem Grenzdorf. Damals wohnte dort ein Sohn des Onkels mütterlicherseits der Königstochter [d.h. ein Cousin].

16. Er war General des Vangakönigs und er war für das Grenzland zuständig. Er saß gerade am Fuß eines Banyanbaumes [Ficus benghalensis] und beaufsichtigte die Arbeit.

17. Als er die drei sah, fragte er sie aus. Sie antworteten, dass sie Waldbewohner seien. Der General ließ ihnen nun Kleidung geben.

18. Diese Kleidung wurde prunkvoll. Er ließ ihnen auf Blättern Speise geben. Durch ihren Verdienst wurden die Blätter zu goldenen Speisegefäßen.

19. Wegen dieser wunderbaren Ereignisse fragte der General sie verwundert, wer sie sind. Da nannte ihm die Königstochter ihre Kaste und ihren Clan.

20. Der General nahm die Tochter seines Onkels mit sich in die Vangahauptstadt und hatte dort mit ihr Sex.

21. Der Löwe kehrte bald in seine Höhle zurück, fand die drei Leute nicht vor und aß und trank deshalb aus Kummer über seinen Sohn nichts.

22. Auf der Suche nach seinen Kindern ging er zu einem Grenzdorf. Jedes Dorf, zu dem er kam, wurde von den Bewohnern verlassen.

23. Die Grenzbewohner gingen zum König und berichteten ihm, dass ein Löwe sein Reich terrorisiere und er dem Einhalt gebieten solle.

24. Da der König niemand fand, der dem Löwen Einhalt gebieten konnte, packte er tausend Goldmünzen auf den Rücken eines Elefanten und ließ diesen in der Stadt herumlaufen mit der Botschaft: "Wer den Löwen bringt, der soll das bekommen!"

25. Ebenso bot der König zweitausend Goldmünzen an, dann dreitausend. Zweimal hielt Sîhabâhu's Mutter ihren Sohn ab.

26. Ohne seine Mutter gefragt zu haben nahm Sîhabâhu beim dritten Mal die dreitausend Goldstücke, um seinen eigenen Vater zu töten.

27. Man brachte den Jungen zum König. Der König sprach zu ihm: "Wenn du den Löwen ergreifst, schenke ich dir sofort mein Königreich."

28. Sîhabâhu ging zum Eingang der Höhle. Als er den Löwen von Ferne sah, der aus Liebe zu seinem Sohn kam, schoss er einen Pfeil, um den Löwen erschießen.

29. Der Pfeil schlug auf die Stirn des Löwen kehrte aber wegen der gütigen Stimmung des Löwen zurück und fiel zu Füßen des Jungen auf den Boden.

30. So geschah es dreimal. Dann ergrimmte der Herr der Tiere. Deshalb drang der diesmal abgeschossene Pfeil in seinen Körper ein.

31. Sîhabâhu nahm den Kopf des Löwen mit der Mähne und ging in seine Stadt. Damals war es gerade eine Woche her, dass der Vangakönig gestorben war.

32./33. Da der König keinen Sohn hatte, und die Minister froh waren über Sîhabâhu's Tat, gehört hatten, dass er der Enkel des Königs war und auch seine Mutter kannten, versammelten sich die Minister und sprachen alle zusammen einmütig zu Prinz Sîhabâhu: "Sei unser König!".

34. Er nahm das Königtum an, gab es dann aber dem Gatten seiner Mutter und ging mit seiner Schwester Sîhasîvalî in das Land, wo er geboren worden war [d.h. Lâla].

35. Dort erbaute er eine Hauptstadt, die man Sîhapura [Löwenstadt] nannte. Im Umkreis von 100 Yojana [ca. 1100 km] gründete er Dörfer.

36. König Sîhabâhu machte [seine Schwester] Sîhasîvalî zu seiner Hauptfrau und herrschte in dieser Stadt im Lâlareich [vermutlich das heutige Gujarat, s. aber oben zu Vers 5].

37./38. Die Hauptfrau [Sîhasîvali] gebar sechzehnmal Zwillingssöhne, immer zur rechten Zeit. Der älteste Sohn hieß Vijaya, der zweite Sumitta. Insgesamt waren es 32 Söhne. Als es Zeit dazu war, weihte der König Vijaya zum Vizekönig.

39. Vijaya und seine Umgebung hatten schlechtes Verhalten, sie begingen viele unerträgliche Gewalttaten.

40. Empört berichtete die Bevölkerung dies dem König. Der König beschwichtigte sie und ermahnte seinen Sohn sehr.

41. All dies wiederholte sich ein zweites Mal. Beim dritten Mal aber sprach die aufgebrachte Bevölkerung: "Töte deinen Sohn!"

42./43. Da ließ der König den Vijaya und sein Gefolge -- insgesamt 700 Mann -- am halben Kopf kahl scheren [kahl scheren bedeutet, dass man jemanden zum Unfreien/Sklaven macht], ließ sie in ein Schiff werfen und ließ sie aufs Meer treiben. Desgleichen tat er mit ihren Gattinnen und Kindern.

44. Da sie getrennt treiben gelassen worden waren, landeten Männer, Frauen und Kinder getrennt auf [drei verschiedenen] Inseln und wohnten dort.

45. Das Inselchen, auf dem die Kinder landeten, wurde Naggadîpa [Insel der Nackten = Kinder] genannt, die Insel, auf der die Frauen landeten, Mahîlâdîpaka [Fraueninselchen].

46. Vijaya aber landete im Hafen Suppâraka [heute Sopâra, nördlich von Bombay], er geriet aber dort in Gefahr wegen der Gewalttaten seines Gefolges und schiffte wieder ein.

47. In Lankâ landete der Prinz Vijaya, der Entschlossene, im Tambapannigebiet am Tag, da der zur Wahrheit Gelangte [Buddha Gotama] zwischen den Zwillings-Salbäumen [Shorea robusta] lag, um zu erlöschen. [d.h. nach der Theravâdachronologie 543 v. Chr.]

Damit ist die menschliche Landnahme Lankâ's auf einen für Buddhisten im Höchstmaße glücksverheißenden Tag gelegt und -- sozusagen im letzten Augenblick -- mit dem Leben Buddha Gotama's verknüpft.

6.1. Kolophon

Dies ist das sechste Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Ankunft des Vijaya (in Lankâ)".

7. Kapitel 7: Die Weihe Vijaya's zum König

1./2. Als der Führer der Welten [Buddha Gotama], nachdem er das Heil aller Welten bewirkt hatte, den Augenblick des höchsten Friedens erreicht hatte und auf dem Lager des Eingehens in das vollkommene Erlöschen (parinibbâna) lag [nach Theravâdachronologie 543 v. Chr.] , da sprach er, der große Weise, der beste aller Sprechenden, inmitten der großen Götterversammlung, zu Sakka [= Indra, der Götterkönig], der nahe bei ihm stand:

3."Vijaya, der Sohn des Königs Sîhabâhu ist mit siebenhundert Gefolgsleuten vom Lâlaland nach Lankâ gekommen. [Siehe Kapitel 6]

4. Götterkönig, in Lankâ wird meine Lehre fest gegründet werden. Behüte deswegen ihn, sein Gefolge und Lankhâ gut!"

5. Kaum hatte der Götterkönig die Worte des zur Wahrheit Gelangten gehört, übergab er voll Respekt die Hut Lankas dem Gott Uppalavanna [dem Gott mit der Farbe eines blauen Lotus = Vishnu].

6. Sofort nachdem Sakka [Indra] ihn beauftragt hatte ging er [Vishnu] schnellstens nach Lankâ und setzte sich in der Gestalt eines Wanderasketen an den Fuß eines Baumes.

7. Von Vijaya angeführt kamen alle zu ihm [Vishnu] und fragten ihn, welche Insel das sei. Er antwortete ihnen, dass es die Insel Lankâ sei.

8./9. "Hier gibt es keine Menschen und es wird euch keine Gefahr drohen." Nach diesen Worten besprengte er sie mit Wasser aus einem Topf, band eine Schnur um ihre Hände [als Amulett; eine bis heute in ganz Süd- und Südostasien verbreitete Form des magischen Schutzes] und verschwand in der Luft. Eine Yakkhinî-Dienerin erschien in Gestalt einer Hündin.

Yakkhinî = weiblicher Yakkha. Zu den Yakkha siehe Kapitel 1

10. Obwohl es ihm der Prinz verboten hatte, ging einer aus Vijayas Gefolge hinter ihr her, da er dachte, dass es Hunde nur gibt, wo es ein Dorf gibt.

11. Die Herrin dieser [Hündin] -- eine Yakkhinî namens Kuvannâ -- saß dort [wo der Mann der Hündin folgte] am Fuße eines Baumes und spann wie eine Asketin.

12./13. Als der Mann einen Lotusteich sah und die dort sitzende Asketin, badete er dort, trank und kam mit Lotusstengeln und Wasser in Lotusblättern heraus. Sie sprach zu ihm: "Du bist meine Beute, bleib stehen!" Der Mann blieb wie gebannt stehen.

14. Wegen der Macht des Schutzamuletts [der um die Hand gebundenen Schnur] konnte sie ihn nicht verzehren. Obwohl die Yakkhinî die Schnur forderte, gab der Mann ihr diese nicht.

15. Die Yakkhinî ergriff den Mann, der schrie, und warf ihn in ein Loch. Auf die gleiche Weise warf sie alle Siebenhundert einzeln dort hinein.

16./17. Als alle nicht zurückkehrten bekam Vijaya Angst. Er band sich die fünf Waffen [Schwert, Bogen, Axt, Speer, Schild] um, ging und sah den schönen Lotusteich. Da er keine Spur von jemandem sah, der aus dem Teich herausgestiegen war und gleichzeitig diese Asketin sah, dachte er, dass diese seine Mannen sich gegriffen hatte.

18. Er fragte sie, ob sie nicht seine Mannen gesehen habe. Sie sprach: "Prinz, was hast du von deinen Mannen? Bade und trinke!"

19. Er war sich sicher, dass sie eine Yakkhinî war, da sie seinen Stand [mit der Anrede "Prinz"] erkannt hatte. Schnell nannte er seinen Namen, spannte seinen Bogen und griff sie an.

20./21. Er fasste die Yakkhinî im Nacken mit einem Fanghaken, mit der Linken nahm er sie am Haar, mit der Rechten zog er sein Schwert und forderte, dass sie ihm seine Mannen gebe, andernfalls er sie töten würde. Voll Todesfurcht bat die Yakkhinî um ihr Leben:

22. "Herr, schenke mir mein Leben, ich werde dir dafür ein Königreich geben. Ich werde für dich die Pflichten einer Gattin erfüllen und alle anderen Pflichten, die Du wünschst."

23. Um nicht überlistet zu werden, ließ er die Yakkhinî einen Eid leisten. Kaum hatte er ihr befohlen, seine Mannen schnell herbeizubringen, brachte sie diese auch schon.

24. Er sagte ihr, dass seine Mannen hungrig sind. Sie zeigte ihnen Reis und andere Speisen und vielerlei Gut aus den Schiffen der Kaufleute, die sie verzehrt hatte.

Sri Lanka ist heute noch unter Tauchern berühmt wegen der vielen Schiffswracks vor seinen Küsten.

25. Vijaya's Mannen bereiteten Speisen und Würzen. Dann gaben sie dem Prinzen zu essen und aßen dann selbst.

26./27./28./29. Nachdem die Yakkhinî den ersten Biss der Speisen, die ihr Vijaya hatte geben lassen, gegessen hatte, war sie zufrieden, nahm die bezaubernde Gestalt einer Sechzehnjährigen an und ging mit allem Schmuck geschmückt zum Prinzen. Am Fuße eines Baumes bereitete sie ein äußerst würdiges Lager, gut umgeben von Planen und mit einem Baldachin schön geschmückt. Als der Prinz das sah, sah er künftigen Vorteil und hatte mit ihr Geschlechtsverkehr. Dann fiel er glücklich auf sein Lager. All seine Mannen ließen sich rund um das Zelt nieder.

30. Als er nachts Musik hörte und hervorragenden Gesang fragte er die Yakkhinî, die bei ihm lag, was dies bedeute.

31./32. Die Yakkhinî dachte daran, dass sie ihrem Herrn das Königtum übergeben musste und sie deshalb alle Yakkha töten musste, da diese sonst sie töten würden, da sie Menschen ermöglicht, [in Lankâ] zu siedeln. Deshalb sagte sie zum Prinzen: "Herr, hier ist eine Yakkhastadt namens Sirîsavatthi.

33. Die Tochter des ältesten Yakkha, die in der Hauptstadt Lankâ's wohnt, wurde dort hin gebracht und auch ihre Mutter ist gekommen.

34. Anlässlich ihrer Hochzeit findet dort eine Woche lang ein großes Fest statt. Deshalb dieser Lärm, denn es sind viele zusammengekommen.

35. Töte noch heute die Yakkha, später ist es nicht mehr möglich!" Er fragte sie, wie er die Yakkhas töten solle, die unsichtbar sind.

36. Sie antwortete: "Ich werde dort schreien, auf diesen Schrei hin schlag zu, durch meine Macht wird die Waffe ihre Körper treffen."

37./38. Er tat, wie sie gesagt hatte, und tötete alle Yakkha. Als er gesiegt hatte, legte er selbst den Ornat des Yakkhakönigs an, die übrigen Ornate legte er seinen Mannen einzeln an.

Nachdem er an diesem Ort einige Tage geweilt hatte, ging er nach Tambapanni.

39. Vijaya erbaute die Hauptstadt Tambapanni und wohnte dort mit der Yakkhinî und seinen Beratern / Ministern.

40. Als die Gruppe Vijaya's vom Schiff an Land gegangen waren, haben sie sich müde auf der Erde niedergelassen, wobei sie sich mit ihren Händen am Boden abstützten.

41. Weil sie von der Berührung mit dem Staub des roten Bodens [Lateritboden] rote Hände bekamen (tambapâni), wurde diese Gegend und die ganze Insel zu Tambapanni [eine Volksetymologie des Namens Tambapanni, in Europa: Taprobane].

42. Weil König Sîhabâhu den Löwen [sîha] ergriffen hatte, hieß er Sîhala. Wegen der Verbindung zu ihm hießen auch alle [seine Leute] Sîhala.

43. Seine Berater / Minister gründeten hier und dort Dörfer. Anurâdhagâma [Anurâdhadorf, später Anurâdhapura -- Anurâdha-Stadt] gründete ein Minister mit diesem [Anurâdha] Namen in der Nähe des Kadamba-Flusses [heute: Malwatu-Oya].

44. Am Ufer des Gambhîra-Flusses, im Norden von Anurâdha [ca. 10 km nördlich], gründete der Hofkaplan Upatissa Upatissagâma [Upatissadorf].

45. Drei andere Berater / Minister gründeten Ujjenî, Uruvelâ [eine Hafenstadt] bzw. die Stadt Vijita [etwa 7 km südlich von Aukana].

46. Nachdem sie das Land besiedelt hatten kamen alle Berater / Minister zusammen und sprachen zum Prinzen: "Herr, lass dich zum König weihen!"

47. Der Prinz aber wollte nicht zum König geweiht werden, wenn nicht ein Fürstenmädchen (Khattiyamädchen) zur Königin geweiht würde.

48. Da die Berater / Minister großen Wert auf die Weihe ihres Herrn legten, überwanden sie ihre Befürchtungen bezüglich dieser Angelegenheit, obwohl die Mittel dazu sehr schwierig waren.

49./50. Sie sandten nach der südlichen Hauptstadt Madhurâ [heute: Madurai] Botschafter, denen sie viele wertvolle Geschenke wie Edelsteine, Perlen und ähnliches mitgaben. Diese sollten, ihrem Herrn ergeben, für ihren Herrn um die Tochter des Pandukönigs bitten sowie für die Berater / Minister und das Volk um die Töchter von anderen.

51. Schnell kamen die Botschafter mit einem Schiff zur Stadt Madhurâ und sie zeigten dem König die Geschenke und das Schreiben.

52./53./54. Der König beriet sich mit seinen Ratgebern / Ministern. Er war willens, seine Tochter nach Lankâ zu senden, und er hatte auch von andern Beratern / Ministern Töchter zur Verfügung gestellt bekommen, beinahe 100 Mädchen. Dann ließ er eine Trommel schlagen und verkündete: "Männer, die wünschen, dass ihre Tochter nach Lankâ geht, sollen ihre Töchter doppelt einkleiden und an die Türen ihrer Häuser stellen. Dies ist für uns das Zeichen, dass wir sie mitnehmen."

55./56.57. So bekam er viele Mädchen. Er entschädigte ihre Familien. Dann sandte er zusammen mit einem Schreiben an den Feindebezwinger Vijaya:

  • seine Tochter, ausgestattet mit allem Schmuck,
  • ihr Gesinde,
  • all diese Mädchen, für die würdig gesorgt wurde,
  • Elefanten, Pferde, Wagen wie es eines Königs würdig war,
  • Handwerker,
  • Tausend Familien aus den 18 Zünften.

58. All diese Leute landeten mit Schiffen an einer großen Furt (mahâtitthe). Deswegen heißt dieser Hafen Mahâtittha [heute Mantota].

59. Vijaya hatte einen Sohn und eine Tochter von der Yakkhinî. Als er von der Ankunft der Prinzessin hörte, sprach er zur Yakkhinî:

60. "Geh nun du, meine Liebe, lass deine beiden Kinder zurück. Menschen fürchten sich nämlich immer vor nichtmenschlichen Wesen."

61. Als sie diese Worte hörte geriet sie in Furcht vor den Yakkha. Da sprach er zur Yakkhinî: "Mach dir keine Sorgen, ich werde dir als Opfer tausend Goldstücke darbringen."

62. Sie flehte ihn immer wieder vergeblich an. Da nahm sie beide Kinder und ging nach Lankâpura, obwohl sie Unheil befürchtete.

63./64. Sie ließ die Kinder außerhalb der Stadt warten und ging selbst in die Stadt. Die Yakkha in der Stadt erkannten die Yakkhinî, gerieten in Furcht, da sie in ihr eine Diebin sahen, und wurden erregt. Ein Gewalttäter tötete die Yakkhinî mit einem einzigen Schlag seiner Hand.

65. Ein Yakkha aber, ihr Onkel mütterlicherseits, ging aus der Stadt und traf die Kinder. Er fragte sie, wessen Kinder sie seien.

66. Sie antworteten, dass sie Kuvannâ's Kinder seien. Da erzählte er ihnen, dass ihre Mutter hier ermordet wurde. Auch die Kinder würde man umbringen, wenn man sie sähe. Sie sollten deshalb schnell fliehen.

67. Die Kinder flohen schnell zum Sumanakûta [Adam's Peak]. Der ältere Bruder verkehrte, nachdem er herangewachsen war, mit seiner jüngeren Schwester sexuell.

68. Sie vermehrten sich durch Söhne und Töchter und wohnten mit königlicher Erlaubnis dort in Malaya [Bergland Sri Lankas]. So entstanden die Pulinda [die Wedda oder eine Untergruppe der Wedda, s. Kapitel 1].

69. Die Botschafter des Pandukönigs übergaben dem Prinzen Vijaya die Geschenke sowie die Mädchen, allen voran die Tochter des Königs.

70. Vijaya erwies den Botschaftern jegliche Ehre und gab den Beratern / Ministern und dem Volk die Mädchen ihrem jeweiligen Stand entsprechend.

71. Alle Berater / Minister versammelten sich und weihten Vijaya ordnungsgemäß und veranstalteten ein großes Fest.

72. Dann weihte König Vijaya mit großer Sorgfalt die Tochter des Pandukönigs zur Königsgemahlin.

73. Die Berater / Minister beschenkte er. Jährlich schenkte er seinem Schwiegervater Schnecken und Perlen im Wert von 200.000 [Goldmünzen].

74. Vijaya, der Menschenkönig, gab sein früheres böses Verhalten auf und regierte in der Hauptstadt Tambapanni ganz Lankâ in Frieden und Gerechtigkeit 38 Jahre lang.

7.1. Kolophon

Dies ist das siebte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Die Weihe Vijaya's zum König".

11. Kapitel 11: Die Weihe Devânampiyatissa's zum König

11.1. König Mutasiva (regierte 307 bis 247 v. Chr.)

1. Nach dem Tod Pandukâbhaya's [regierte von 377 bis 307] erhielt sein Sohn, der als Mutasiva [regierte von 307 bis 247] bekannt war, der Sohn der Suvannapâli [der Tochter von Pandukâbhaya's Onkel], das friedliche Königreich.

2. Dieser König ließ [in Anurâdhapura] den schönen Mahâmeghavana-Park anlegen, der reich war an allen Vorzügen, die aus seinem Namen folgen [Mahâmeghavana = Wald der großen Wolke, d.h. es folgen daraus alle Vorteile, die eine gut beregnete Gegend hat]. In diesem Park gab es Blüten- und Fruchtbäume.

3. Als der Platz für diesen Park ausgewählt wurde, regnete eine große Wolke zur Unzeit los, deswegen nannte man den Park Mahâmeghavana [Wald der großen Wolke].

4. Mutasiva regierte 60 Jahre lang [von 307 bis 247] im prächtigen Anurâdhapura, dem schönen Antlitz des Lankâlandes.

Anurâdhapura ist seit Pandukâbhya [regierte von 377 bis 307] Hauptstadt des Landes

5. Er hatte zehn Söhne, gegenseitig bedacht auf ihr Heil, sowie zwei angenehme Töchter, würdig ihrer Familie.

6. Sein zweiter Sohn, als Devânampiyatissa bekannt, war unter all seinen Brüdern der tugendhafteste und weiseste.

11.2. Erste Weihe Devânampiyatissa's zum König (247 v. Chr.)

7. Dieser Devânampiyatissa wurde nach dem Tod seines Vaters König [er regierte von 247 bis 207 v. Chr.]. Bei seiner Königsweihe geschahen viele Wunder:

8. Überall auf der Lankâ-Insel kamen Schätze und Edelsteine, die im Erdinnern waren, auf die Erdoberfläche heraus.

9. Edelsteine, die im Meer lagen, weil sie von gesunkenen Schiffen stammten oder weil sie im Meer gewachsen waren, kamen an die Strände.

Sri Lanka ist heute noch unter Tauchern berühmt wegen der vielen Schiffswracks vor seinen Küsten.

10. Am Fuß des Châta-Berges wuchsen drei Bambusstämme, die den Umfang einer Wagenpeitsche hatten.

Der Châtaberg ("Hungerberg") liegt südöstlich von Anurâdhapura, er wird mit dem Hügel bei Galkulama identifiziert, auf dem heute der Talaguru Vihâra steht.

  • 11. Einer dieser Bambusstämme, der "Lianenstamm", glänzte wie Silber, auf ihm [d.h. in seiner Rinde] konnte man bezaubernde goldfarben glänzende Lianen sehen.
  • 12. Ein anderer dieser Bambusstämme war der "Blütenstamm". Auf ihm [d.h. in seiner Rinde] konnte man üppig blühend verschiedenste verschiedenfarbige Blüten sehen.
  • 13. Der dritte dieser Bambusstämme war der "Vogelstamm". Auf ihm [d.h. in seiner Rinde] konnte man verschiedenste Vögel und Tiere in verschiedensten Farben sehen, als ob sie lebendig wären.

14./15. Perlen der acht Gattungen, nämlich

  1. Pferdeperlen,
  2. Elefantenperlen,
  3. Wagenperlen,
  4. Myrobalanenperlen [Myrobalane = Phyllanthus emblica],
  5. Armbandperlen,
  6. Fingerringperlen,
  7. Kakudhafruchtperlen [Kakudha = Terminalia arjuna] und
  8. gewöhnliche Perlen

kamen aus dem Meer heraus und lagen auf dem Strand wie ein Wall.

Die Perlengattungen sind vermutlich vor allem nach Größe und Form gebildet, eine Zuordnung kann ich allerdings nicht geben.

All dies wurde durch das Verdienst Devânampiyatissa's bewirkt.

16./17. Innerhalb einer Woche brachte man Saphir, Beryll [wahrscheinlich in der Aquamarin-Varietät], Rubin, diese Edelsteine und viele Juwelen und die genannten Perlen und diese drei Bambusstämme zum König.

Sri Lanka ist bekannt für seine Edelsteine aus der Korundfamile (Al2O3), d.h. Rubine und Saphire. Aus der Beryllfamilie (Be3Al2Si6018) kommt in Sri Lanka vor allem Aquamarin vor.

Als er diese sah, war der König froh und überlegte:

18. "Mein Freund Dhammâsoka und kein anderer ist dieser meiner unschätzbaren Juwelen würdig. Ich will sie also ihm schenken."

Asoka Moriya, 3. König der Maurya-Dynastie, der etwa 268-232 v. Chr. über das Großreich Mâgadha herrschte. Nach dem blutigen Feldzug um 261 gegen Kalinga (heute Orissa) verzichtete er auf weitere kriegerische Eroberungen und bemühte sich, Tugend und Recht (dhamma) zum Sieg zu verhelfen. Deswegen wurde er nach seiner Bekehrung Dhammâsoka genannt.

19. Die Könige Devânampiyatissa und Dhammâsoka waren nämlich seit langem Freunde, die sich noch nie gesehen hatten [d.h. sozusagen Brieffreunde].

11.3. Devânampiyatissa's Gesandtschaft zu König Asoka

20./21./22. Der König ernannte vier Personen zu Gesandten:

  1. seinen Schwestersohn Mahârittha, seinen Chefberater,
  2. seinen Hofbrahmanen,
  3. einen Berater,
  4. seinen Schatzmeister

und entsandte sie. Mit ihnen sandte er eine Heerschar zum Schutz und er gab ihnen diese unschätzbaren Juwelen mit, die drei Arten von Edelstein [nämlich Saphir, Beryll, Rubin], die drei Bambusstämme, eine rechtsdrehende Schnecke [ist ein Glücksbringer], und die acht Arten von Perlen.

23./24. Diese Gesandtschaft ging in Jambukola [Hafen für Anurâdhapura heutiges Kankesanturai auf Nâgadîpa, der Jaffna-Halbinsel] an Bord eines Schiffes, erreichte nach sieben Tagen heil den Hafen [Tâmalittî, heute Tamluk in West Bengal] und kam nach weiteren sieben Tagen nach Pâtaliputta [heute: Patna]. Dort übergaben sie dem König Dhammâsoka diese Geschenke. Als dieser sie sah, freute er sich.

25./26. Da ihm bewusst war, dass er solcherlei Wertgegenstände nicht hatte, ernannte der erfreute König den Arittha zum General, den Brahmanen zum Hofkaplan, den Berater ernannte er zum Obersten der Exekutive, den Schatzmeister zum Oberzunftmeister.

Das bis heute übliche diplomatische Zeremoniell der Titelverleihung und Ordensübergabe.

27. Er verpflegte und unterhielt reichlich und gab ihnen Wohnhäuser. Dann beriet er mit seinen Beratern über das Gegengeschenk an Devânampiyatissa.

28.-33. Er gab, was für eine Königsweihe nötig war, auserlesene Requisiten, nämlich:

  • einen Fliegenwedel aus Yakhaar,
  • ein Diadem,
  • ein Schwert,
  • einen Schirm,
  • Sandalen,
  • einen Turban [Binde für Nackendutt],
  • Ohrschmuck,
  • einen Gürtel,
  • einen Weihwassertopf,
  • gelben Sandel,
  • ein vollständiges Set von Gewand, das nicht gewaschen werden musste,
  • ein wertvolles Handtuch,
  • von den Nâgas herbeigeschaffte Schminke,
  • rote Erde,
  • Wasser vom Anotatta-See,
  • Wasser aus dem Ganges,
  • eine Schecke mit glücksbringender Windung [d.h. rechtsdrehend],
  • ein heranwachsendes Mädchen,
  • goldenes Geschirr,
  • eine sehr wertvolle Sänfte,
  • gelben Myrobalan [Terminalia citrina bzw. chebula, die Früchte werden medizinisch verwendet bei verschiedensten Verdauungsbeschwerden],
  • Myrobalan [Phyllanthus emblica, wird u.a. medizinisch verwendet],
  • wertvolle Unsterblichkeitskräuter,
  • sechshundert Wagenladungen Reis, der von Papageien gebracht worden war.

All dies sandte der König Dhammâsoka seinem Freund Devânampiyatissa zur rechten Zeit als Geschenk mit Gesandten.

Er sandte ihm auch dieses Geschenk der Wahren Lehre:

34. "Ich habe Zuflucht genommen zu Buddha, seiner Lehre und der Gemeinschaft der Erlösten. Ich habe mich zum Laienanhänger in der Religion des Sohnes aus dem Sâkiyastamme erklärt.

35. Bester Mann, nimm auch du gläubig Zuflucht bei diesen höchsten Juwelen indem du in ihnen zur heiteren Ruhe kommst [d.h. dich bekehrst und ihnen vertraust]."

36. Er sprach zu den Beratern seines Freunds: "Wiederholt die Königsweihe meines Freundes". Dann erwies er ihnen alle Ehre und entließ sie.

37. Die Berater Devânampiyatissa's hatten fünf Monate bei Dhammâsoka geweilt und wurden über alle Maßen geehrt. Dann sind sie am ersten Tage der hellen Hälfte des Monats Vesâkha [d.h. am Neumondtag des 2. Monats (März/April bzw. April/Mai)] aufgebrochen.

38. In Tâmalitti gingen sie an Bord des Schiffes und verließen es in Jambukola [heutiges Kankesanturai auf der Jaffna-Halbinsel]. Am zwölften Tag trafen sie beim König ein.

39. Die Botschafter übergaben dem Herrscher Lankâ's die Geschenke, der Herr Lankâ's erwies ihnen große Ehre.

11.4. Zweite Weihe Devânampiyatissa's zum König

40./41. Die ihrem Herrn ergebenen Berater waren auf das Heil ihres Herrn bedacht und erzählten vom Ratschlag Dhammâsokas. Devânampiyatissa lag am Glück und Heil Lankâ's. Deshalb weihten sie den König Lankâ's, der schon einmal am ersten Tag des zunehmenden Mondes des Monats Maggasira [d.h. am Neumondtag des 9. Monats (Oktober/November bzw. November/Dezember)] zum König geweiht worden war, ein zweites Mal zum König.

42. So wurde am Vollmondtag des Monats Vesâkha [am Tag der Geburt, der erlösenden Einsicht und des vollkommenen Dahinscheidens des Buddha, d.h. am glückverheißendsten Tag des Jahres] der König, in dessen Namen "Götterliebling" [Devânampiya] enthalten ist, der seinem Volk Glück schenkt, zum König geweiht in Lankâ, wo überall ein freudiges Fest gefeiert wurde.

Devânampiya = Götterliebling ist ein Beiwort, das sich auch Asoka in seinen Inschriften gibt. Viele spätere Könige Lankâs haben dieses Beiwort.

11.5. Kolophon

Dies ist das elfte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Weihe Devânampiyatissa's zum König".

12. Kapitel 12: Die Bekehrung verschiedener Länder

12.1. Moggaliputta's Aussendung der Missionare

1./2. Als der Thera Moggaliputta [Moggaliputta-Tissa, Vorsitzender des 3. Konzils], die Leuchte in der Lehre des Eroberers, das dritte Konzil [in Pâtaliputta] beendet hatte [nach Theravâdachronologie 308 v. Chr.], blickte er auf die Zukunft und sandte im Monat Kattika [8. Monat (September/Oktober bzw. Oktober/November), d.h. nach Ende der Regenzeit] verschiedene Thera's an verschiedene Orte, um in Nachbarländern die buddhistische Religion zu gründen.

3.-8.

  • Den Thera Majjhantika sandte er nach Kasmîra und Gandhâra,
  • den Thera Mahâdeva sandte er nach Mahisamandala,
  • den Thera Rakkhita sandte er nach Vanavâsa,
  • einen Yona [Grieche] namens Dhammarakkhita sandte er nach Aparantaka,
  • nach Mahârattha einen Thera namens Mahâdhammarakkhita,
  • ins Yona-Land sandte er den Thera Mahârakkhita,
  • in den Himâlaya sandte er den Thera Majjhima,
  • nach Suvannabhûmi sandte er zwei Theras, Sona und Uttara,
  • den großen Thera Mahinda und seine Schüler, die Theras Itthiya, Uttiya, Sambala und Bhaddasâla, sandte er mit dem Auftrag: "Gründet auf der entzückenden Lankâ-Insel die entzückende Religion des Eroberers!" [Dass nach Lankâ fünf Mönche gesandt werden, ist sehr wichtig, da dies die Mindestanzahl ist, um Mönchsweihen (upasampadâ) durchzuführen.]

12.2. Majjhantika's Mission in Kasmîra und Gandhâra

9./10./11. Damals ließ in Kasmîra und Gandhâra der wundermächtige Nâgakönig Aravâla Hagelregen auf das reife Getreide fallen und er spülte alles erbarmungslos ins Meer.

Nâga sind mythische Kobras, die auch andere Gestalten annehmen können.

Der Thera Majjhantika ging schnell durch die Luft dorthin und vollbrachte solche Taten, wie auf der Wasseroberfläche des Aravâlasees [See, in dem Aravâla haust, nicht identifiziert] herumwandeln. Die Nâgas sahen das und meldeten es erregt ihrem König.

12./13./14. Erregt veranlasste der Nâgakönig verschiedenerlei Schreckliches:

  • starke Stürme wehten,
  • eine Wolke donnerte und regnete,
  • Donnerblitze zuckten,
  • Blitze gingen hier und dort nieder,
  • Bäume und Berggipfel fielen,
  • grausige Nâga verbreiteten überall Schrecken,
  • der Nâgakönig selbst spuckte Rauch und Feuer, vielfältig drohend.

15. Der Thera wehrte all diese Schrecken mit seiner Macht ab und sprach zum Nâgakönig und verwies auf seine unübertreffliche Macht:

16. "Selbst wenn die Welt samt ihren Göttern käme und mich erschrecken wollte, dann gäbe es keine mir gleichwertige Macht, die mich erschrecken und ängstigen könnte.

17./18. Selbst wenn du, großer Nâga, die ganze Erde samt den Ozeanen und Gebirgen hochheben und auf mich werfen würdest, könntest du auf keinen Fall in mir Angst und Furcht erwecken. Im Gegenteil: es wäre nur deine eigene Vernichtung, König der Schlangen."

19. Als der Nâgakönig das hörte, wurde er demütig. Da predigte ihm der Thera die Lehre. Daraufhin gründete sich der Nâgakönig auf die Zufluchten und die Übungspunkte der Sittlichkeit.

20. Ebenso taten 84000 Schlangen [Nâga], und viele Gandhabba [himmlische Musikanten], Yakkha [nichtmenschliche Wesen, teilweise hilfreich, teilweise schädlich; siehe Kapitel 1] und Kumbandhaka im Himâlaya.

Der Herr der Gandhabba ist Dhattarattha, der Herr über den Osten, der Herr der Kumbandhaka ist Virûlhaka, der Herr über den Süden.

21. Ein Yakkha namens Pandaka erreichte zusammen mit seiner Yakkhinî Hâritâ und seinen fünfhundert Söhnen die erste Frucht [der Erlösung, d.h. die des Stromeingetretenen].

Zu Weg und Frucht siehe: Payer, Alois <1944 - >: Dhammavibhânga -- Begriffsreihen der Buddhalehre. -- Teil II,2: Vierer-, Fünfer- und Sechsergruppen. -- (Materialien zu den Grundbegriffen des Buddhismus). -- URL: http://www.payer.de/buddhgrund/damma22.htm

22./23. Der Thera unterwies sie: "Lasst ab jetzt keinen Zorn mehr entstehen wie bisher, vernichtet nicht mehr das Getreide. Alle Lebewesen wünschen sich Wohlergehen, habt darum Güte zu allen Wesen. Die Menschen mögen hier glücklich wohnen." Die Zuhörer befolgten diese Worte.

24. Da ließ der Schlangenkönig den Thera sich auf einen Juwelenthron setzen und stand in seiner Nähe, ihm zufächelnd.

25./26. Da erkannten die Menschen, die in Kasmîra und Gandhârva wohnten und die gekommen waren, um den Nâgakönig zu verehren, dass der Thera der Wundermächtigere [von beiden] war. Sie begrüßten den Thera formgemäß und setzten sich seitlich hin. Der Thera belehrte sie mit dem Schlangengleichnis.

Schlangengleichnis [âsivisûpamâ]: Anguttaranikâya II, 110 - 111:

"110 Das Gleichnis von den Schlangen

Vier Arten von Schlangen gibt es, ihr Mönche. Welche vier? Die Schlange, die häufig Gift speit, deren Gift aber ungefährlich ist; die Schlange, deren Gift gefährlich ist, die aber nur selten Gift speit; die Schlange, die häufig Gift speit und deren Gift gefährlich ist; die Schlange, die selten Gift speit und deren Gift ungefährlich ist.

Ebenso auch, ihr Mönche, sind in der Welt vier den Schlangen ähnliche Menschen anzutreffen. Welche vier? Der Mensch, der häufig Gift speit, dessen Gift aber ungefährlich ist; der Mensch, dessen Gift gefährlich ist, der aber nur selten Gift speit; der Mensch, der häufig Gift speit und dessen Gift gefährlich ist; der Mensch, der selten Gift speit und dessen Gift ungefährlich ist.

Wie aber, ihr Mönche, speit ein Mensch häufig Gift, doch sein Gift ist ungefährlich? Da gerät einer häufig in Zorn, doch sein Zorn hält nicht lange an ....

Wie aber ist eines Menschen Gift gefährlich, doch er speit nur selten Gift? Da gerät einer nur selten in Zorn, doch sein Zorn hält lange an ....

Wie aber speit ein Mensch häufig Gift und sein Gift ist gefährlich? Da gerät einer häufig in Zorn und sein Zorn hält lange an ....

Wie aber speit ein Mensch selten Gift und sein Gift ist ungefährlich? Da gerät einer selten in Zorn und sein Zorn hält nicht lange an ....

Diese vier den Schlangen ähnlichen Menschen sind in der Welt anzutreffen."

[Übersetzt von Nyanatiloka: Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung = Anguttara-Nikâya / aus dem Pâli übersetzt von Nyanatiloka. -- 3., revidierte Neuauflage. -- Köln: DuMont Schauberg. -- Bd. 2. -- ©1969. -- S. 99]

Es könnte auch das Âsivisa-sutta, Samyuttanikâya IV, 172 - 175 gemeint sein.

27. Achtzigtausend erfassten die Lehre voll, hunderttausend Männer wurden beim Thera Novizen.

Da der Thera allein war, war nicht die nötige Anzahl von mindestens fünf Mönchen vorhanden für eine Mönchsweihe (upasampadâ), wohl aber war die Aufnahme als Novize (pabbajjâ) möglich, die jeder einzelne Thera vornehmen kann.

Ausführlich zu den ordensrechtlichen Fragen von Mönchsweihe und Novizenweihe siehe:

Payer, Alois <1944 - >: Vinayamukha: Grundbegriffe der Ordensregeln und des Ordensrechts des Theravâda. -- Teil I. -- (Materialien zu den Grundbegriffen des Buddhismus). -- URL: http://www.payer.de/buddhgrund/vinaya01.htm

28. Seit damals leuchtet Kasmîra und Gandhâra von fahlen Roben [d.h. Angehörigen des buddhistischen Ordens] und gründet im dreifachen Fundament [Buddha, Lehre, Gemeinschaft der Erlösten].

12.3. Mahâdeva's Mission in Mahisamandala

29. Als der Thera Mahâdeva ins Land Mahisamandala gekommen war, lehrte er dort inmitten des Volkes die Lehrrede von den Götterboten.

Lehrrede von den Götterboten (Devadûta-Sutta) = Anguttaranikâya I, 138f., ausführlicher Majjhimanikâya III, 178ff.

"36 Die drei Götterboten

Drei Götterboten gibt es, ihr Mönche. Welche drei?

Da führt einer einen schlechten Wandel in Werken, einen schlechten Wandel in Worten, einen schlechten Wandel in Gedanken. Solch schlechten Wandel führend, gerät er beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in Daseinsabgründe, in die Hölle. Und die Höllenwächter, ihr Mönche, packen ihn an beiden Armen und bringen ihn vor den König Yama mit den Worten: 'Dieser Mensch, o Herr, hatte keine Ehrfurcht vor seinen Eltern, keine Ehrfurcht vor Asketen und Brahmanen, achtete nicht die Ältesten in der Familie. Möge ihm der Herr Strafe auferlegen!'

(1.) Und der König Yama, ihr Mönche, fragte, forschte und hörte ihn über den ersten Götterboten aus: 'O Mensch, sahest du nicht unter den Menschen den ersten Götterboten erscheinen?'

Er aber sprach: 'Herr, ich sah ihn nicht.'

Und König Yama sprach zu ihm: 'O Mensch, sahest du nie unter den Menschen eine Frau oder einen Mann im Alter von achtzig, neunzig oder hundert Jahren, abgelebt, gekrümmt wie Dachsparren, gebückt, auf eine Krücke gestützt, schlotternden Ganges dahinschleichend, siech, mit verwelkter Jugend, mit abgebrochenen Zähnen und ergrautem Haar, oder kahl, mit wackelndem Kopfe, voller Runzeln, die Glieder mit Flecken bedeckt?'

'Ja, o Herr, solche habe ich gesehen.'

Und der König Yama sprach: 'Und dachtest du nicht daran, o Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: »Auch ich bin dem Alter unterworfen, kann dem Alter nicht entgehen. So lass mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken«?'

Jener aber sprach: 'O Herr, ich war außerstande! O Herr, ich war leichtsinnig!'

Und der König Yama sprach: 'O Mensch, aus Leichtsinn hast du weder in Werken, noch Worten, noch Gedanken Gutes getan. Wahrlich, gemäß deinem Leichtsinn wird man's dir vergelten. Denn jene schlechte Tat wurde weder von deiner Mutter begangen, noch deinem Vater, noch deinem Bruder, noch deiner Schwester, noch von deinen Freunden und Genossen, noch deinen Vettern und Blutsverwandten, noch von Götterwesen, Asketen oder Priestern. Du allein hast jene schlechte Tat begangen, du allein wirst deren Frucht erfahren.'

(2.) Als nun, ihr Mönche, der König Yama ihn über den ersten Götterboten ausgefragt, ausgeforscht und ausgehorcht hatte, fragte, forschte und horchte er ihn über den zweiten Götterboten aus: 'O Mensch, sahest du nicht unter den Menschen den zweiten Götterboten erscheinen?'

Er aber sprach: 'Herr, ich sah ihn nicht.'

Und der König Yama sprach zu ihm: 'O Mensch, sahest du nie unter den Menschen eine Frau oder einen Mann, krank, elend, schwer leidend, sich im eigenen Kot und Urin herumwälzend, die von dem einen aufgerichtet, von einem anderen wieder ins Bett gelegt wurden?'

'Ja, o Herr, ich habe solche gesehen.'

Und der König Yama sprach zu ihm: 'Und dachtest du nicht, o Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: »Auch ich bin der Krankheit unterworfen, kann der Krankheit nicht entgehen. So lass mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken«?'

Jener aber sprach: 'O Herr, ich war außerstande! O Herr, ich war leichtsinnig!'

'O Mensch, aus Leichtsinn hast du weder in Werken, noch Worten, noch Gedanken Gutes getan. Wahrlich, o Mensch, gemäß deinem Leichtsinn wird man's dir vergelten. Denn jene schlechte Tat wurde weder von deiner Mutter begangen, noch deinem Vater, noch deinem Bruder, noch deiner Schwester, noch von deinen Freunden und Genossen, noch deinen Vettern und Blutsverwandten, noch von Götterwesen, Asketen oder Priestern. Du allein hast jene schlechte Tat begangen, du allein wirst deren Frucht erfahren.'

(3.) Als nun, ihr Mönche, der König Yama ihn über den zweiten Götterboten ausgefragt, ausgeforscht und ausgehorcht hatte, fragte, forschte und horchte er ihn über den dritten Götterboten aus: 'O Mensch, sahest du nicht unter den Menschen eine Frau oder einen Mann einen oder zwei oder drei Tage nach dem Tode, aufgeschwollen, von blauschwarzer Farbe, mit Eiter bedeckt?'

'Ja, o Herr, ich habe solche gesehen.'

'Und dachtest du nicht, o Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: »Auch ich bin dem Tode unterworfen, kann dem Tode nicht entgehen. So lass mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken«?'

'O Herr, ich war außerstande! O Herr, ich war leichtsinnig!'

'O Mensch, aus Leichtsinn hast du weder in Werken, noch Worten, noch Gedanken Gutes getan. Wahrlich, o Mensch, gemäß deinem Leichtsinn wird man's dir vergelten. Denn jene schlechte Tat wurde weder von deiner Mutter begangen, noch von deinem Vater, noch von deinem Bruder, noch von deiner Schwester, noch von deinen Freunden und Genossen, noch deinen Vettern und Blutsverwandten, noch von Götterwesen, Asketen oder Priestern. Du allein hast jene schlechte Tat begangen, du allein wirst deren Frucht erfahren.' Als nun, ihr Mönche, der König Yama ihn über den dritten Götterboten ausgefragt, ausgeforscht und ausgehorcht hatte, schwieg er.

Und die Höllenwächter, ihr Mönche, foltern ihn dann mit der fünffachen Pfählung: sie treiben ihm eine glühende Eisenstange durch die eine Hand, treiben ihm eine glühende Eisenstange durch die andere Hand, treiben ihm eine glühende Eisenstange durch den einen Fuß, treiben ihm eine glühende Eisenstange durch den anderen Fuß, treiben ihm eine glühende Eisenstange durch die Brust. Dabei empfindet er schmerzhafte, stechende, peinigende Gefühle; doch nicht stirbt er, bevor nicht jene schlechte Tat erschöpft ist.

Darauf legen ihn die Höllenwächter zu Boden und zerhacken ihn mit Beilen. Dabei empfindet er schmerzhafte, stechende und peinigende Gefühle; doch nicht stirbt er, bevor nicht jene schlechte Tat erschöpft ist.

Sodann hängen ihn die Höllenwächter mit den Füßen nach oben und dem Kopf nach unten und zerhacken ihn mit Schwertern. Sie spannen ihn vor einen Wagen und lassen ihn über eine lodernde, flammende, glühende Fläche hin und her laufen. Sie lassen ihn einen großen lodernden, flammenden, glühenden Kohlenberg hinauf und hinab steigen. Sie packen ihn an den Füßen und werfen ihn kopfüber in einen lodernden, flammenden, glühenden Erzkessel. Dort kocht er im aufwallenden Schaume und während er so kocht, treibt er einmal nach oben, einmal nach unten, einmal nach der Seite. Dabei empfindet er schmerzhafte, stechende und peinigende Gefühle; doch er stirbt nicht, bevor nicht jene schlechte Tat erschöpft ist.

Darauf, ihr Mönche, werfen ihn die Höllenwächter in die Erzhölle. Von jener Erzhölle aber heißt es:

»Quadratisch ist sie, hat vier Tore; in Teile ist sie abgesteckt, von einem Eisenwall umgeben, mit einem Eisendach bedeckt.

Aus Eisen auch besteht ihr Boden; der glüht und leuchtet weit und breit, strahlt hundert Meilen rings umher und bleibt für alle Ewigkeit.«"

[Übersetzt von Nyanatiloka: Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung = Anguttara-Nikâya / aus dem Pâli übersetzt von Nyanatiloka. -- 3., revidierte Neuauflage. -- Köln: DuMont Schauberg. -- Bd. 1. -- ©1969. -- S. 127 - 130]

30. Vierzigtausend reinigten ihr Auge für die Lehre, vierzigtausend wurden bei diesem Thera Novizen.

12.4. Rakkhita's Mission in Vanavâsa

31. Als Rakkhita nach Vanavâsa gekommen war verkündete er inmitten der Leute, in der Luft stehend, den Anamataggasamyutta.

Anamataggasamyutta = der fünfzehnte Großabschnitt des Samyuttanikâya (II, 178 - 193): es ist eine Sammlung über den nicht berechenbaren Anfang des Samsâra.

...

32. Sechzigtausend Leute erfassten die Lehre voll, siebenunddreißigtausend wurden bei ihm Novizen.

33. Er gründete in diesem Land fünfhundert Klöster. So gründete der Thera dort die Religion des Eroberers.


12.5. Dhammarakkhita's Mission in Aparantaka

34. Als der Thera Dhammarakkhita, der Yona [Grieche], nach Aparantaka gekommen war, verkündete er inmitten der Leute die Lehrrede vom Feuerflammengleichnis.

Lehrrede Feuerflammengleichnis (Aggikhandopamâ-Sutta): Anguttaranikâya IV, 128f.

"68 Das Los des falschen Asketen

So habe ich gehört. Einst wanderte der Erhabene mit einer großen Schar von Mönchen durch das Land der Kosaler. Während aber der Erhabene auf der Straße einherzog, bemerkte er an einer gewissen Stelle ein großes flackerndes, loderndes, leuchtendes Feuer. Bei seinem Anblick bog er vom Wege ab und nahm am Fuß eines Baumes auf einem hergerichteten Sitze Platz. Darauf wandte er sich an die Mönche und sprach:

»Seht ihr wohl, ihr Mönche, jenes große flackernde, lodernde, leuchtende Feuer?«

»Gewiss, o Herr.«

»Was haltet ihr da wohl für besser, ihr Mönche: dass man jenes große flackernde, lodernde, leuchtende Feuer umarmt, sich daneben hinsetzt, sich daneben legt, oder aber dass man eine mit weichen, zarten Händen und Füßen begabte Jungfrau aus dem Adels-, Brahmanen- oder Bürgerstande umarmt und sich neben sie hinsetzt oder sich neben sie legt?«

»Besser ist es freilich, o Herr, dass man eine mit weichen, zarten Händen und Füßen begabte Jungfrau aus dem Adels-, Brahmanen- oder Bürgerstande umarmt und sich neben sie hinsetzt oder sich neben sie legt; denn Schmerzen bringt es, o Herr, wollte man jenes große flackernde, lodernde, leuchtende Feuer umarmen, sich daneben hinsetzen, sich daneben legen.«

»Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für den sittenlosen, dem Schlechten ergebenen Mönch von unlauterem und verdächtigem Benehmen, von versteckter Tat, für den Nichtasketen, der sich als Asketen ausgibt, für den Unkeuschen, der sich als keusch lebend ausgibt, der innerlich verdorben ist, befleckt, von schmutzigem Wesen, dass er jenes große flackernde, lodernde, leuchtende Feuer umarmt und sich daneben hinsetzt, daneben legt, als dass er eine mit weichen, zarten Händen und Füßen begabte Jungfrau aus dem Adels-, Brahmanen- oder Bürgerstande umarmt und sich neben sie hinsetzt oder neben sie legt.

Und warum? Dadurch mag er zwar dem Tode oder tödlichem Schmerz verfallen; nicht aber gerät er darum beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in die Daseinsabgründe, zur Hölle. Wenn aber ein solcher eine mit weichen, zarten Händen und Füßen begabte Jungfrau aus dem Adels-, Brahmanen- oder Bürgerstande umarmt und sich neben sie hinsetzt oder sich neben sie legt, so gereicht ihm das, ihr Mönche, lange Zeit zum Unheil und Leiden; und beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, gerät er in eine niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in die Daseinsabgründe, zur Hölle.

Was haltet ihr wohl für besser, ihr Mönche: dass ein kräftiger Mann einem einen festen, härenen Strick um beide Beine schlingt und hin und her reibt, so dass der Strick erst die Oberhaut durchschürft, dann die Unterhaut, dann das Fleisch, dann die Sehnen, dann die Knochen durchschneidet und schließlich am Knochenmark anlangt oder dass man von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern ehrfurchtsvolle Begrüßung entgegennimmt?«

»Besser ist es freilich, o Herr, dass man von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern ehrfurchtsvolle Begrüßung entgegennimmt; denn Schmerzen bringt es, o Herr, wenn ein kräftiger Mann einem einen festen, härenen Strick um beide Beine schlingt und hin und her reibt.«

»Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für den sittenlosen, dem Schlechten ergebenen Mönch von unlauterem und verdächtigem Benehmen, von versteckter Tat, für den Nichtasketen, der sich als Asketen ausgibt, den Unkeuschen, der sich als keusch lebend ausgibt, der innerlich verdorben ist, befleckt, von schmutzigem Wesen, dass ihm ein kräftiger Mann einen starken, härenen Strick um beide Beine schlingt und hin und her reibt

..., als dass er von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern ehrfurchtsvolle Begrüßung entgegennimmt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für einen solchen, dass ihm ein kräftiger Mann einen scharfen, mit Öl gereinigten Speer in die Brust stieße, als dass er von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern ehrerbietigen Handgruß entgegennimmt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für eine solchen, dass ihm ein kräftiger Mann einen glühenden, feurigen, flammenden, lodernden Eisenpanzer um den Leib legte, als dass er das von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendete Gewand anlegt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für einen solchen, dass ihm ein kräftiger Mann mit einer glühenden, feurigen, flammenden, lodernden Eisenstange den Mund aufrisse und eine glühende, feurige, flammende, lodernde Eisenkugel in seinen Mund fallen ließe, die ihm Lippen, Mund, Zunge, Kehle und Leib verbrennt und Eingeweide und Gekröse mit sich führend hinten wieder herauskommt, als dass er die von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendete Almosenspeise verzehrt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für einen solchen, dass ihn ein kräftiger Mann am Schopf oder an den Schultern packt, und ihn auf ein glühendes Eisenbett oder auf einen glühenden Eisenstuhl niederzwingt, als dass er ein von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendetes Bett oder einen Stuhl benutzt ....

»... Ich sage euch, ihr Mönche, ich künde euch, ihr Mönche: besser wäre es wahrlich für einen solchen, dass ihn ein starker Mann an den Füßen packt, und ihn kopfüber in einen glühenden, feurigen, flammenden, lodernden Erzkessel wirft, und er, während er dort kocht, mit dem aufsiedenden Schaum einmal nach oben, einmal nach unten und einmal quer hinüber getrieben wird, als dass er ein von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendetes Kloster bewohnt. Und warum? Dadurch mag er zwar dem Tode oder tödlichem Schmerz verfallen; nicht aber gerät er darum beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in die Daseinsabgründe, zur Hölle. Wenn aber ein solcher ein von mächtigen Adeligen, Brahmanen oder Bürgern aus Vertrauen gespendetes Kloster bewohnt, so gereicht ihm das, ihr Mönche, lange Zeit zum Unheil und Leiden; und beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, gerät er in niedere Welt, auf eine Leidensfährte, in die Daseinsabgründe, zur Hölle.

Darum, ihr Mönche, soll man in solcher Weise streben: 'Mögen denen, deren Gewänder, Almosenspeise, Lagerstatt und Arzneien wir benutzen, ihre Gabe hohen Lohn und Segen bringen! Und möge unsere Weltentsagung nicht fruchtlos sein, sondern Frucht und Ergebnis bringen!' Danach, ihr Mönche, sollt ihr streben! Angesichts des eigenen Heiles, ihr Mönche, ist es angebracht, unermüdlich nach dem Ziele zu streben. Angesichts des fremden Heiles, ihr Mönche, ist es angebracht, unermüdlich nach dem Ziele zu streben. Und angesichts des beiderseitigen Heiles, ihr Mönche, ist es angebracht, unermüdlich nach dem Ziele zu streben.«

Also sprach der Erhabene. Während aber der Erhabene diese Erklärung gab, quoll sechzig Mönchen das Blut aus dem Munde hervor; und weitere sechzig Mönche gaben die Askese auf und kehrten zum niederen Weltleben zurück, denkend: 'Gar schwer ist es, Erhabener! Gar schwer ist es, Erhabener!' Sechzig Mönchen aber wurde das Herz haftlos von den Trieben befreit."

[Übersetzt von Nyanatiloka: Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung = Anguttara-Nikâya / aus dem Pâli übersetzt von Nyanatiloka. -- 3., revidierte Neuauflage. -- Köln: DuMont Schauberg. -- Bd. 4. -- ©1969. -- S. 72 - 75]

35. Kundig, was richtig und was falsch ist, gab er siebenunddreißig Lebewesen, die sich dort versammelt hatten, das Unsterblichkeitsgetränk der Buddhalehre zu trinken.

36. Tausend Männer und noch mehr Frauen allein aus Fürstenfamilien verließen diese und wurden Novizen.

12.6. Mahâdhammarakkhita's Mission in Mahârattha

37. Als der Seher [Rshi] Mahâdhammarakkhita nach Mahârattha gekommen war, verkündete er dort das Mahânâradakassapa-Jâtaka.

Mahânâradakassapa Jâtaka = Jâtaka No. 544.

38. Achtundvierzigtausend erreichten Weg und Frucht [d.h. wurden zumindest Stromeingetretene]. Dreizehntausend wurden bei ihm Novizen.

12.7. Mahârakkhita's Mission im Yonareich

39. Als der Seher [Rshi] Mahârakkhita ins Yonareich gekommen war, verkündete er inmitten der Leute die Kâlakârâma-Lehrrede.

Kâlakârâma-Lehrrede: Anguttaranikâya II, 24ff.:

"24. Im Kloster des Kâlaka (Der Vollendete 11)

Einst weilte der Erhabene bei Sâketa, im Kloster des Kâlaka. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Mönche!« sprach er. »Herr!« erwiderten die Mönche dem Erhabenen. Und der Erhabene sprach:

»Was, ihr Mönche, in der Welt mit ihren guten und bösen Geistern, ihren Brahma-Göttern, den Scharen von Asketen und Priestern, Göttern und Menschen gesehen, gehört, empfunden, erkannt, erreicht, erstrebt, im Geiste erwogen wird, das kenne ich.

Was, ihr Mönche, in der Welt mit ihren guten und bösen Geistern, ihren Brahma-Göttern, den Scharen der Asketen und Priester, Götter und Menschen gesehen, gehört, empfunden, erkannt, erreicht, erstrebt, im Geiste erwogen wird, das habe ich völlig erkannt. All das hat der Vollendete verstanden, doch der Vollendete steht dem nicht mehr nahe.

Würde ich nun sagen: 'Was da in der Welt gesehen, gehört, empfunden, erkannt, erreicht, erstrebt, im Geiste erwogen wird, das kenne ich nicht', so spräche ich die Unwahrheit. Würde ich sagen: 'Das kenne ich und kenne es nicht', so täte ich desgleichen. Würde ich sagen: 'Weder kenne ich es, noch kenne ich es nicht', so wäre es schlecht von mir.

Sieht, ihr Mönche, der Vollendete etwas Sichtbares, so kommt ihn kein Wähnen an, weder mit Bezug auf das Gesehene, noch das Ungesehene, noch das Sichtbare, noch mit Bezug auf einen Seher. Hört er etwas Hörbares, so kommt ihn kein Wähnen an, weder mit Bezug auf das Gehörte, noch das nicht Gehörte, noch das Hörbare, noch mit Bezug auf einen Hörenden. Empfindet er etwas Empfindbares, so kommt ihn kein Wähnen an, weder mit Bezug auf das Empfundene, noch das nicht Empfundene, noch das Empfindbare, noch mit Bezug auf einen Empfindenden. Erkennt er etwas Erkennbares, so kommt ihn kein Wähnen an, weder mit Bezug auf das Erkannte, noch das Unerkannte, noch das Erkennbare, noch mit Bezug auf einen Erkennenden.

So ist also der Vollendete bei den gesehenen, gehörten, empfundenen und erkennbaren Dingen der sich immer gleich bleibende Heilige. Einen anderen sich derart gleich bleibenden Heiligen aber, der edler und erhabener wäre als dieser, den gibt es nicht: so sage ich.«

»Was auch gesehen, gehört wird und empfunden, an welche Meinung auch die Welt sich hängt; inmitten derer, die so selbstgewiss, bewahrt der Heilige sein Ebenmaß. Nicht kümmert er sich, was die Welt für Wahrheit oder Lüge hält.

Schon damals hab' den Stachel ich gesehen, woran die Menschheit hängen bleibt. Da sah ich's, dass sich's so verhält. Doch für Vollendete gibt's keinen Meinungshang.«"

[Übersetzt von Nyanatiloka: Die Lehrreden des Buddha aus der Angereihten Sammlung = Anguttara-Nikâya / aus dem Pâli übersetzt von Nyanatiloka. -- 3., revidierte Neuauflage. -- Köln: DuMont Schauberg. -- Bd. 2. -- ©1969. -- S. 30f.]

40. Hundertsiebzigtausend Lebewesen erreichten Weg und Frucht [d.h. wurden zumindest Stromeingetretene]. Zehntausend wurden Novizen.

12.9. Majjhima's Mission im Himâlaya

41. Als der Seher [Rshi] Majjhima mit vier Thera's ins Himâlayagebiet gekommen war, verkündete er die Lehrrede, die das Rad der Lehre in Bewegung gesetzt hat.

Lehrrede, die das Rad der Lehre in Bewegung gesetzt hat (Dhammacakkappavattanasutta): Vinaya I, 10ff.: Erste Lehrrede des Buddha, in der der mittlere Weg, die vier edlen Wahrheiten mit dem edlen achtfachen Weg dargelegt werden.

42. Acht Millionen Lebewesen erreichten Weg und Frucht [d.h. wurden zumindest Stromeingetretene]. Einzeln bekehrten die fünf Thera's fünf Königreiche.

43. Bei jedem der fünf wurden hunderttausend Männer zu Novizen aus Vertrauen zur Religion des Sammâsambuddha.

12.10. Sona's und Uttara's Mission in Suvannabhûmi

44./45. Der wundermächtige Thera Sona und der Thera Uttara kamen nach Suvannabhûmi. Zu jener Zeit aber kam jedesmal, wenn im Königspalast ein Knabe geboren wurde, eine furchtbare Rakkhasî [Dämonin] aus dem Meer, fraß das Kind und verschwand.

46./47. Gerade als die beiden Missionare kamen, wurde im Königspalast ein Prinz geboren. Als die Menschen die Thera's sahen, dachten sie, dass dies Gefährten der Rakkhasa [Dämonen] seien und liefen bewaffnet zusammen, um sie zu töten. Die Thera's fragten, was dies bedeute und sprachen dann zu ihnen:

48. "Wir sind tugendhafte Wanderasketen, keine Gefährten der Rakkhasa [Dämonen]." Die Rakkhasî entstieg mit ihrem Gefolge dem Meer.

49./50. Als sie sie erblickten, schrie die Menschenmenge laut auf. Der Thera schuf zweimal so viele furchteinflößende Rakkhasa [Dämonen] und umzingelte die Rakkhasî und ihr Gefolge. Sie dachte, dass diese Dämonen diesen Platz besetzt hatten und floh voll Furcht.

51. Der Thera umgab das Land mit einem Schutz, dann verkündete er in jener Versammlung die Lehrrede vom Netz Brahma's.

Lehrrede vom Netz Brahma's (Brahmajâlasutta): Dîghanikâya I, 46ff.: Enthält Ausführungen über die Sittlichkeit und besonders Auseinandersetzungen mit verschiedenen Lehren über die "Seele"

52. Viele Leute gründeten sich in den drei Zufluchten und den Übungspunkten der Sittlichkeit. Sechzigtausend erfassten die Lehre voll.

53. Dreitausendfünfhundert Söhne und tausendfünfhundert Töchter aus guter Familie wurden Novizen.

54. Wenn von da an ein Prinz im Palast geboren wurde, nannten die Könige ihn Sonuttara.

12.11. Moral von der Geschichte

55. Die genannten Thera's wirkten an verschiedenen Orten zum Heil der Welt, indem sie wie der überaus barmherzige Eroberer auf das unsterbliche Glück verzichteten, das sie schon erlangt hatten [d.h. sie waren schon Arahants, gingen aber noch nicht ins endgültige Erlöschen ein]. Wer könnte [bei diesem Vorbild] nachlässig sein gegenüber dem Heil der Welt.

12.12. Kolophon

Dies ist das zwölfte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Die Bekehrung verschiedener Länder".

13. Kapitel 13: Mahinda's Ankunft

1./2. Der weise große Thera Mahinda war damals schon zwölf Jahre lang Mönch. Sein Mentor im Ordensleben (upajjhâya) und die Mönchsgemeinde hatten ihn bevollmächtigt, die Insel Lankâ zu bekehren. Als er über den rechten Zeitpunkt für dieses Vorhaben nachdachte, überlegte er, dass König Mutasiva alt war und dessen Sohn nun König werden sollte.

3. Er beschloß, in der Zwischenzeit seine Verwandten zu besuchen. Dann verabschiedete er sich formell bei seinem Mentor und der Mönchsgemeinde und bat den König um Erlaubnis zur Abreise.

4. Er nahm mit sich:

·         die vier Thera, [Itthiya, Uttiya, Sambala und Bhaddasâla, so sind es insgesamt fünf Mönche, die Mindestanzahl, um Mönchsweihen (upasampadâ) durchzuführen.]

·         den Sohn Sanghamittâ's [Mahinda's Schwester], den Novizen Sumana, der die sechs höheren Geisteskräfte (abhiññâ) und große Wundermacht besaß.

Die sechs höheren Geisteskräfte sind:

    • lokiyâ abhiññâ f. -- weltliche höhere Geisteskräfte:

1. iddhi-vidhâ f. -- die verschiedenen Fähigkeiten außergewöhnlicher Macht (iddhi):

1.    einer seiend wird er vielfach und vielfach geworden, wird er wieder einer

2.    er macht sich sichtbar und unsichtbar

3.    ungehindert schwebt er durch Wände, Mauern und Berge hindurch

4.    auf dem Wasser schreitet er dahin ohne unterzusinken

5.    in der Erde taucht er auf und unter

6.    mit gekreuzten Beinen schwebt er durch die Luft

7.    Sonne und Mond berührt er mit seiner Hand

8.    bis hinauf zur Brahmawelt hat er über seinen Körper Gewalt

2. dibba-sota -- das himmlische Ohr: Fähigkeit himmlische und menschliche Töne zu hören, ferne und nahe

3. parassa ceto-pariyañâ.na n. -- das Durchschauen der Herzen anderer: Erkennen des Bewusstseins anderer, ob gierbehaftet usw.

4. pubbe-nivâsânussati f. -- Erinnerung an frühere eigene Daseinsformen

5. dibba-cakkhu n. -- das himmlische Auge: man sieht wie andere Wesen vergehen und wiederentstehen

    • lokuttarâ abhiññâ: überweltliche höhere Geisteskraft (durch Vipassanâ erreichbar):

6. âsava-kkhaya-ñâ.na n. -- Wissen um die eigene Triebversiegung

(Dutiya-âhuneyyasutta : Anguttaranikâya III, 280 - 281)

5. Mit diesen ging er nach Dakkhinâgiri [Distrikt mit der Hauptstadt Ujjenî, auch der Ort Vedisâ liegt darin], um seinen Verwandten die Gunst [seiner Unterweisung] zu erweisen. Während er damit beschäftigt war, vergingen sechs Monate.

6./7. Im Lauf seiner Besuche kam er nach Vedisâgiri [= Vedisâ], der Stadt seiner Mutter Devî, und traf seine Mutter. Seine Mutter speiste ihren lieben Sohn mit Gefolge mit selbst zubereiteten Speisen. Dann brachte sie den Thera ins schöne Kloster (vihâra) Vedisagiri.

8./9. Als der Prinz Asoka über das Avanti-Reich herrschte, das ihm sein Vater gegeben hatte, weilte er, bevor er nach Ujjenî ging in der Stadt Vedisâ. Dort erhielt er ein schönes Mädchen namens Devî, die Tochter eines Händlers.

Das Avanti-Reich ist eines der Großreiche des alten Indien. Seine Hauptstadt ist Ujjenî.

10. Mit ihr lebte er zusammen und sie empfing von ihm. In Ujjenî gebar die dann den schönen Prinzen Mahinda.

11. Zwei Jahre später gebar sie die Tochter Sanghamittâ. Zu jener Zeit [als Mahinda nach Vedisâ kam] lebte sie in der Stadt Vedisâ.

12./13. Als der Thera dort weilte, überlegte er, der des rechten Zeitpunkts Kundige: "Der große König Devânampiyatissa soll die große Feier der Königsweihe, die mein Vater angeordnet hat, feiern. Er soll auch den Vorzug der drei Grundlagen [Buddha, seine Lehre, die Gemeinschaft der Erlösten] von den Gesandten hören und erkennen.

14. Dann soll er den Missaka-Berg [heute: Mihintale] am Vollmondtag des Monats Jettha [der dritte Monat (April/Mai bzw. Mai/Juni), d.h. einen Monat nach der zweiten Königsweihe Devânampiyatissa's] besteigen. An diesem Tag werden wir zur besten Insel Lankâ gehen."

15./16a. Der große [Götterkönig] Indra [mahindo, Wortspiel] kam zum herausragenden Thera Mahinda und sprach: "Geh, um Lankâ zu bekehren. Der vollkommene Buddha hat dich vorausgesagt. Wir werden dich dort unterstützen."

16b./17. Ein Sohn einer Schwester Devî's [Mahinda's Mutter] namens Bhanduka hörte die Lehre, die der Thera [seiner Mutter] Devî verkündete und erreichte die Frucht des Nichtmehrwiederkehrers [anâgâmiphala, die dritte Stufe der Erlösten: ein anâgâmi wird vor seinem endgütigen Erlöschen nicht mehr als Mensch oder Gott wiedergeboren, sondern nur noch in einer höheren Welt, in der er die Erlösung erlangt]. Er blieb beim Thera.

18. Der wundermächtige Thera weilte dort [im Vedisagirikloster] einen Monat, dann stieg er, die vier Thera, [der Novize] Sumana und Bhanduka von jenem Kloster in die Luft auf. Bhanduka blieb Laie, damit er [in Lankâ] klar machen konnte, dass sie menschliche Wesen waren [siehe unten, Kapitel 14, Vers 31].

19. Mit seinem Gefolge kam er hierher [nach Lankâ] und landete auf dem schönen Missaka-Berg [Mihintale], auf dem Sîlagipfel, auf dem besten und wunderschönen Ambatthala [d.h. oberhalb der Fläche, auf der jetzt die Ambatthala-Dagoba steht].

21. Er, der vom Weisen [Buddha] an seinem Lebensende zum Heile Lankâ's wegen seiner Geeignetheit zur Bekehrung vorhergesagt wurde; er, der wegen des Heils für Lankâ wie ein Buddha war, landete dort, von den Göttern Lankâ's gepriesen.

13.1. Kolophon

Dies ist das dreizehnte Kapitel des Mahâvamsa, der zum Vertrauen und zur Erschütterung der guten Menschen verfasst wurde. Der Titel dieses Kapitels ist "Mahinda's Ankunft".

14. Kapitel 14: Mahinda's Ankunft in Anurâdhapura

14.1. Ein Gott in Hirschgestalt führt Devânampiyatissa zu Mahinda

1. König Devânampiyatissa gab den Stadtbewohnern ein Wasserfest und ging, um sich bei der Jagd zu vergnügen.

2. Mit 40.000 Mannen lief er zu Fuß zum Missaka-Berg [Mihintale].

3. Die Gottheit auf diesem Berg wollte ihm die Thera's zeigen und nahm die Gestalt eines großen Hirschs an, der im Dickicht weidete.

4. Als der König ihn erblickte, dachte er, dass es nicht recht sei, ein Wesen zu töten, das unaufmerksam ist. Deshalb erzeugte er mit der Sehne seines Bogens einen Laut. Der Hirsch floh zum Berg.

5. Der König lief hinterher. Der Hirsch lief in die Nähe der Thera's. Als der König die Thera's erblickte, verschwand der Hirsch.

14.2. Zusammentreffen mit Mahinda und seinem Gefolge

6./7. Da der Thera dachte, dass der König zu sehr erschrecken würde, wenn er viele sehen würde, zeigte er sich dem König allein. Bei seinem Anblick blieb der König verschreckt stehen. Der Thera sprach zu ihm: "Komm, Tissa!". Da der Thera seinen Namen, 'Tissa', genannt hatte, glaubte der König, es sei ein Yakkha.

8./9a. Der Thera sprach: "Großer König, wir sind Wanderasketen, Jünger des Königs des Dhamma [Lehre, Wahrheit, Gerechtigkeit]. Wir sind nur aus Mitleid mit dir von Jambudîpa [Indien] hierher gekommen."

9. Da verlor der König seine Furcht. Er erinnerte sich an die Nachricht seines Freundes [Asoka] und war sich sicher, dass es Wanderasketen waren.

10. Deshalb legte er Pfeil und Bogen weg und ging hin zum Weisen. Er wechselte mit dem Thera freundliche Worte und setzte sich in seine Nähe.

11. Da kamen seine Mannen und stellten sich um die beiden. Da ließ der große Thera seine Begleiter erscheinen.

12./13a. Als der König diese sah, fragte er, wann diese gekommen seien. Als der Thera antwortete, dass sie mit ihm gekommen seien, fragte der König weiter, ob es in Jambudîpa [Indien] noch mehr solche Asketen gäbe.

13b./14. Mahinda antwortete: "Jambudîpa leuchtet von gelben Gewändern. Dort gibt es viele Jünger Buddhas, die Arahants [vollkommen Erlöste] sind, die besitzen:

·         das dreifache Wissen

Te-vijjâ f. -- Das dreifache Wissen

1.     pubbe-nivâsânussati-ñâna n. -- Erinnerung an frühere Geburten

2.     cutûpapâta-ñâna n. -- Erkenntnis des Vergehens und Entstehens der Wesen im Samsâra

3.     âsava-kkhaya-ñâna n. -- Erkenntnis, dass die Triebe (âsava) verschwunden sind

(Erklärung: Verañjasutta : Anguttaranikâya IV, 177 - 179)

  • die übernatürlichen Fähigkeiten

iddhi-vidhâ f. -- die verschiedenen Fähigkeiten außergewöhnlicher Macht (iddhi):

1.     einer seiend wird er vielfach und vielfach geworden, wird er wieder einer

2.     er macht sich sichtbar und unsichtbar

3.     ungehindert schwebt er durch Wände, Mauern und Berge hindurch

4.     auf dem Wasser schreitet er dahin ohne unterzusinken

5.     in der Erde taucht er auf und unter

6.     mit gekreuzten Beinen schwebt er durch die Luft

7.     Sonne und Mond berührt er mit seiner Hand

8.     bis hinauf zur Brahmawelt hat er über seinen Körper Gewalt

(z.B. Sâmaññaphalasutta : Dîghanikâya I, 77)

  • die Fähigkeit, das Herz anderer zu durchschauen

parassa ceto-pariyañâ.na n. -- das Durchschauen der Herzen anderer: Erkennen des Bewusstseins anderer, ob gierbehaftet usw.

  • das himmlische Ohr

dibba-sota -- das himmlische Ohr: Fähigkeit himmlische und menschliche Töne zu hören, ferne und nahe

Die genannten vier Fähigkeiten gehören zu den sechs lokiyâ abhiññâ f., weltlichen höhere Geisteskräfte. Die beiden übrigen sind

·        pubbe-nivâsânussati f. -- Erinnerung an frühere eigene Daseinsformen

·        dibba-cakkhu n. -- das himmlische Auge: man sieht wie andere Wesen vergehen und wiederentstehen

(Dutiya-âhuneyyasutta : Anguttaranikâya III, 280 - 281)

Siehe: Payer, Alois <1944 - >: Dhammavibhânga -- Begriffsreihen der Buddhalehre. -- Teil II,2: Vierer-, Fünfer- und Sechsergruppen.. -- (Materialien zu den Grundbegriffen des Buddhismus). -- URL: http://www.payer.de/buddhgrund/damma22.htm

15. Der König fragte: "Auf welchem Weg seid ihr hergekommen?" "Weder zu Land noch zu Wasser sind wir gekommen." Da wusste der König, dass sie durch die Luft gekommen waren.

14.3. Mahinda prüft Devânampiyatissa's Verstand

16. Zur Prüfung fragte der äußerst weise Thera den König subtile Fragen. Der König beantwortete jede Frage.

17./18./19. "König, wie heißt dieser Baum?" "Mango [Mangifera indica] heißt dieser Baum." "Gibt es außer diesem noch einen weiteren Mango?" "Es gibt viele Mangobäume." "Gibt es noch andere Bäume außer diesem Mango und den anderen Mangos?" "Ehrwürden, es gibt viele Bäume, die sind aber keine Mangos." "Gibt es außer den anderen Mangos und den Nichtmangos noch Bäume?" "Ehrwürden, diesen Mangobaum." "Du bist klug, Herr der Menschen!"

20./21. "König, hast du Verwandte?" "Ja, viele, Ehrwürden." "Gibt es auch solche, die nicht mit dir verwandt sind?" "Mehr als Verwandte." "Gibt es auch jemanden anderen außer den Verwandten und den anderen?" "Ja, mich, Ehrwürden." "Gut! Du bist klug, Herr der Menschen."

14.4. Die Unterweisung Devânampiyatissa's und seines Gefolges

22. Als er so herausgefunden hatte, dass der König klug war, verkündete der weise Thera dem König das Cûlahattipadopama-Sutta [Die kürzere Lehrrede vom Gleichnis der Elefantenspur].

Cûlahattipadopama-Sutta, Majjhimanikâya I, 175 - 184. Ich gebe hier die Übersetzung von Karl Eugen Neumann (1865-1915) wieder, obwohl ich gegenüber einigen Punkten der Übersetzung Bedenken habe. Zu K. E. Neumann siehe:

Payer, Alois <1944 - >: Materialien zum Neobuddhismus. -- Kapitel 11: Karl Eugen Neumann (1865-1915). -- URL: http://www.payer.de/neobuddhismus/neobud11.htm

"DAS HAB' ICH GEHÖRT. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sâvatthî, im Siegerwalde, im Garten Anâthapindikos. Zu jener Zeit nun fuhr der Brâhmane Jânussoni eines Nachmittags in einem weißen Zeltwagen aus der Stadt hinaus. Da sah der Brâhmane Jânussoni den Pilger Pilotikâ von ferne herankommen, und nachdem er ihn gesehn, sprach er also zu ihm:

«Sieh' da, wo kommt denn der verehrte Vacchâyano her, mitten am Tage?»    «Von dort, Lieber, vom Asketen Gotamo komme ich.» «Was meint wohl, Herr Vacchâyano: hat der Asket Gotamo große Geisteskraft? Man hält ihn für weise.» «Wer bin ich, Lieber, dass ich über die große Geisteskraft des Asketen Gotamo urteilen sollte? Der müsste ihm wohl gleichen, der die große Geisteskraft des Asketen Gotamo kennte!» «Gewaltig, fürwahr, preist Herr Vacchâyano das Lob des Asketen Gotamo!» «Wer bin ich, Lieber, dass ich den Asketen Gotamo preisen sollte? Von Gepriesenen gepriesen wird Herr Gotamo, der Höchste der Götter und Menschen.» «Welche Eigenschaft hat doch Herr Vacchâyano wahrgenommen, um dem Asketen Gotamo so hingegeben zu sein?»

«Gleichwie etwa, Lieber, wenn ein kundiger Elefantensteller einen Elefantenwald aufsuchte; dort fände er die mächtige Fußspur eines Elefanten, groß in der Länge, breit in der Quere; da käme er zu dem Schlusse: 'Welch ein mächtiger Elefant muss das sein!' -: ebenso nun auch habe ich, Lieber, da ich des Asketen Gotamo vier Fußspuren gesehn, alsbald geschlossen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!' -- Welche vier?

(1) Da habe ich, Lieber, manche gelehrte Adelige gesehn, feine, erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten schienen, die mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten, so zu sagen, entzweischnitten. Denen war zu Ohren gekommen: 'Der Asket Gotamo selbst wird auf der Wanderung dieses Dorf oder jene Stadt besuchen!' Da stellten sie eine Frage zusammen: 'Diese Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; gibt er uns auf diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf diese Weise das Wort verdrehn; gibt er uns aber auf diese Frage jene Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort verdrehn.' Und sie hörten: 'Der Asket Gotamo selbst ist auf der Wanderung in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!' Und sie begaben sich hin. Und der Asket Gotamo ermunterte, ermutigte, erregte und erheiterte sie in lehrreichem Gespräche. Und vom Asketen Gotamo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermutigt, erregt und erheitert, stellten sie dem Asketen Gotamo weder eine Frage, geschweige dass sie ihm das Wort verdrehn wollten, wurden vielmehr Anhänger des Asketen Gotamo.

Als ich, Lieber, diese erste Fußspur des Asketen Gotamo gesehn hatte, da bin ich zu dem Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!'

(2) Weiter sodann, Lieber, habe ich da manche gelehrte Priester gesehn, feine, erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten schienen, die mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten, so zu sagen, entzweischnitten. Denen war zu Ohren gekommen: 'Der Asket Gotamo selbst wird auf der Wanderung dieses Dorf oder jene Stadt besuchen!' Da stellten sie eine Frage zusammen: 'Diese Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; gibt er uns auf diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf diese Weise das Wort verdrehn; gibt er uns aber auf diese Frage jene Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort verdrehn.' Und sie hörten: 'Der Asket Gotamo selbst ist auf der Wanderung in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!' Und sie begaben sich hin. Und der Asket Gotamo ermunterte, ermutigte, erregte und erheiterte sie in lehrreichem Gespräche. Und vom Asketen Gotamo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermutigt, erregt und erheitert stellten sie dem Asketen Gotamo weder eine Frage, geschweige dass sie ihm das Wort verdrehn wollten, wurden vielmehr Anhänger des Asketen Gotamo.

Als ich, Lieber, diese zweite Fußspur des Asketen Gotamo gesehn hatte, da bin ich zu dem Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!'

(3) Weiter sodann, Lieber, habe ich da manche gelehrte Bürger gesehn, feine, erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten schienen, die mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten, so zu sagen, entzweischnitten. Denen war zu Ohren gekommen: 'Der Asket Gotamo selbst wird auf der Wanderung dieses Dorf oder jene Stadt besuchen!' Da stellten sie eine Frage zusammen: 'Diese Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; gibt er uns auf diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf diese Weise das Wort verdrehn; gibt er uns aber auf diese Frage jene Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort verdrehn.' Und sie hörten: 'Der Asket Gotamo selbst ist auf der Wanderung in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!' Und sie begaben sich hin. Und der Asket Gotamo ermunterte, ermutigte, erregte und erheiterte sie in lehrreichem Gespräche. Und vom Asketen Gotamo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermutigt, erregt und erheitert stellten sie dem Asketen Gotamo weder eine Frage, geschweige dass sie ihm das Wort verdrehn wollten, wurden vielmehr Anhänger des Asketen Gotamo.

Als ich, Lieber, diese dritte Fußspur des Asketen Gotamo gesehn hatte, da bin ich zu dem Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!'

(4) Weiter sodann, Lieber, habe ich da manche gelehrte Asketen gesehn, feine, erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten schienen, die mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten, so zu sagen, entzweischnitten. Denen war zu Ohren gekommen: 'Der Asket Gotamo selbst wird auf der Wanderung dieses Dorf oder jene Stadt besuchen!' Da stellten sie eine Frage zusammen: 'Diese Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; gibt er uns auf diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf diese Weise das Wort verdrehn; gibt er uns aber auf diese Frage jene Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort verdrehn.' Und sie hörten: 'Der Asket Gotamo selbst ist auf der Wanderung in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!' Und sie begaben sich hin. Und der Asket Gotamo ermunterte, ermutigte, erregte und erheiterte sie in lehrreichem Gespräche. Und vom Asketen Gotamo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermutigt, erregt und erheitert stellten sie dem Asketen Gotamo weder eine Frage, geschweige dass sie ihm das Wort verdrehn wollten, flehten vielmehr den Asketen Gotamo an, sie in den Orden aufzunehmen. Und der Asket Gotamo nahm sie auf. Und in diesen Orden aufgenommen lebten sie einzeln, abgesondert, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich. Und in gar kurzer Zeit hatten sie jenes Ziel, um dessen willen edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen. Und sie sprachen: 'Den Verstand mussten wir verloren haben, den Verstand müssen wir wiedergefunden haben! Die wir früher nichts weniger als Asketen waren glaubten Wir sind Asketen, die wir nichts weniger als Heilige waren glaubten Wir sind Heilige, die wir nichts weniger als Sieger waren glaubten Wir sind Sieger: jetzt sind wir Asketen, jetzt sind wir Heilige, jetzt sind wir Sieger.'

Als ich, Lieber, diese vierte Fußspur des Asketen Gotamo gesehn hatte, da bin ich zu dem Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!'

Weil ich nun, Lieber, diese vier Fußspuren des Asketen Gotamo gesehn habe, darum bin ich zu dem Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft!'»

Auf diese Worte stieg der Brâhmane Jânussoni von seinem weißen Zeltwagen herab, entblößte eine Schulter, verneigte sich ehrerbietig nach der Richtung, wo der Erhabene weilte, und ließ dann dreimal den Gruß ertönen:

«Verehrung dem Erhabenen, Dem heilig auferwachten Herrn! Verehrung dem Erhabenen, Dem heilig auferwachten Herrn! Verehrung dem Erhabenen, Dem heilig auferwachten Herrn!

O dass wir doch einmal Gelegenheit hätten mit jenem Herrn Gotamo zusammenzutreffen, dass doch irgendeine Unterredung zwischen uns stattfände!»

Und der Brâhmane Jânussoni begab sich nun dorthin wo der Erhabene weilte, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, berichtete nun der Brâhmane Jânussoni dem Erhabenen von seiner Begegnung mit dem Pilger Pilotikâ und erzählte das ganze Gespräch.

Hierauf wandte sich der Erhabene an den Brâhmanen Jânussoni und sprach:

«Bis dahin, Brâhmane, ist der Vergleich mit der Elefantenspur nur unvollständig ausgeführt; wie aber, Brâhmane, dieser Vergleich vollständig wird, das höre und achte wohl auf meine Rede.»

« Ja, o Herr!» erwiderte aufmerksam der Brâhmane Jânussoni dem Erhabenen.

Der Erhabene sprach also:

«Wenn da, Brâhmane, ein Elefantensteller einen Elefantenwald aufsucht und dort die mächtige Fußspur eines Elefanten findet, groß in der Länge, breit in der Quere, und er ist ein kundiger Elefantensteller, so kommt er nicht alsogleich zu dem Schlusse: 'Welch ein mächtiger Elefant muss das sein!' Und warum nicht? Es gibt ja, Brâhmane, im Elefantenwalde Zwerginnen genannte Elefantenweibchen mit großen Füßen, und ihre Spur könnte es sein.

Er verfolgt diese Spur und indem er sie weiter verfolgt, findet er im Walde eine mächtige Elefantenspur, groß in der Länge, breit in der Quere, mit niedergetretenem Röhricht. Ist er ein kundiger Elefantensteller, so kommt er auch jetzt noch nicht zu dem Schlusse: 'Welch ein mächtiger Elefant muss das sein!' Und warum nicht? Es gibt ja, Brâhmane, im Elefantenwalde Röhrichtzertreter genannte Elefantenweibchen mit großen Füßen, und ihre Spur könnte es sein.

Er verfolgt diese Spur und indem er sie weiter verfolgt, findet er im Walde eine mächtige Elefantenspur, groß in der Länge, breit in der Quere, mit niedergetretenem Röhricht, mit darauf gefallenem, von den Hauern zerkerbtem Röhricht. Ist er ein kundiger Elefantensteller, so kommt er auch jetzt noch nicht zu dem Schlusse: 'Welch ein mächtiger Elefant muss das sein!' Und warum nicht? Es gibt ja, Brâhmane, im Elefantenwalde Röhrichtzerreiber genannte Elefantenweibchen mit großen Füßen, und ihre Spur könnte es sein.

Er verfolgt diese Spur und indem er sie weiter verfolgt, findet er im Walde eine mächtige Elefantenspur, groß in der Länge, breit in der Quere, mit niedergetretenem Röhricht, mit darauf gefallenem von den Hauern zerkerbten Röhricht, mit darauf gefallenem abgebrochenen Geäst. Und er erblickt den Elefanten am Fuß eines Baumes, oder in einer Lichtung, wie er eben geht oder steht, sitzt oder liegt. Da kommt er zu dem Schlusse: 'Das ist er, der mächtige Elefant!'.

Ebenso nun auch, Brâhmane, erscheint da der Vollendete in der Welt, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt-Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerherde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum dar.

Diese Lehre hört ein Hausvater, oder der Sohn eines Hausvaters, oder einer, der in anderem Stande neugeboren ward. Nachdem er diese Lehre gehört hat, fasst er Vertrauen zum Vollendeten. Von diesem Vertrauen erfüllt denkt und überlegt er also: 'Ein Gefängnis ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel; der freie Himmelsraum die Pilgerschaft. Nicht wohl geht es, wenn man im Hause bleibt, das völlig geläuterte, völlig geklärte Asketentum Punkt für Punkt zu erfüllen. Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinaus zöge?'

So gibt er denn später einen kleinen Besitz oder einen großen Besitz auf, hat einen kleinen Verwandtenkreis oder einen großen Verwandtenkreis verlassen und ist mit geschorenem Haar und Barte, im fahlen Gewande von Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen.

Er ist nun Pilger geworden und hat die Ordenspflichten der Mönche auf sich genommen.

·        Lebendiges umzubringen hat er verworfen, Lebendiges um zubringen liegt ihm fern: ohne Stock, ohne Schwert, fühlsam, voll Teilnahme, hegt er zu allen lebenden Wesen Liebe und Mitleid.

·        Nichtgegebenes zu nehmen hat er verworfen, vom Nehmen des Nichtgegebenen hält er sich fern: Gegebenes nimmt er, Gegebenes wartet er ab, nicht diebisch gesinnt, rein gewordenen Herzens.

·        Die Unkeuschheit hat er verworfen, keusch lebt er, fern zieht er hin, entraten der Paarung, dem gemeinen Gesetze.

·        Lüge hat er verworfen, von Lüge hält er sich fern: die Wahrheit spricht er, der Wahrheit ist er ergeben, standhaft, vertrauenswürdig, kein Heuchler und Schmeichler der Welt.

·        Das Ausrichten hat er verworfen, vom Ausrichten hält er sich fern: was er hier gehört hat, erzählt er dort nicht wieder, um jene zu entzweien, und was er dort gehört hat, erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien; so einigt er Entzweite, festigt Verbundene, Eintracht macht ihn froh, Eintracht freut ihn, Eintracht beglückt ihn, Eintracht fördernde Worte spricht er.

·        Barsche Worte hat er verworfen, von barschen Worten hält er sich fern: Worte, die frei von Schimpf sind, dem Ohre wohltuend, liebreich, zum Herzen dringend, höflich, viele erfreuend, viele erhebend, solche Worte spricht er.

·        Plappern und Plaudern hat er verworfen, von Plappern und Plaudern hält er sich fern: zur rechten Zeit spricht er, den Tatsachen gemäß, auf den Sinn bedacht, der Lehre und Ordnung getreu, seine Rede ist reich an Inhalt, gelegentlich mit Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, ihrem Gegenstande angemessen.

·        Sämereien und Pflanzungen anzulegen hat er verschmäht. Einmal des Tags nimmt er Nahrung zu sich, nachts ist er nüchtern, fern liegt es ihm zur Unzeit zu essen.

·        Von Tanz, Gesang, Spiel, Schaustellungen hält er sich fern.

·        Kränze, Wohlgerüche, Salben, Schmuck, Zierrat, Putz weist er ab.

·        Hohe, prächtige Lagerstätten verschmäht er.

·        Gold und Silber nimmt er nicht an.

·        Rohes Getreide nimmt er nicht an.

·        Rohes Fleisch nimmt er nicht an.

·        Frauen und Mädchen nimmt er nicht an.

·        Diener und Dienerinnen nimmt er nicht an.

·        Ziegen und Schafe nimmt er nicht an.

·        Hühner und Schweine nimmt er nicht an.

·        Elefanten, Rinder und Rosse nimmt er nicht an.

·        Haus und Feld nimmt er nicht an.

·        Botschaften, Sendungen, Aufträge übernimmt er nicht.

·        Von Kauf und Verkauf hält er sich fern.

·        Von falschem Maß und Gewicht hält er sich fern.

·        Von den schiefen Wegen der Bestechung, Täuschung, Niedertracht hält er sich fern.

·        Von Raufereien, Schlägereien, Händeln, vom Rauben, Plündern und Zwingen hält er sich fern.

Er ist zufrieden mit dem Gewande, das seinen Leib deckt, mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch pilgert, nur mit dem Gewande und der Almosenschale versehn, pilgert er. Gleichwie da etwa ein beschwingter Vogel, wohin er auch fliegt, nur mit der Last seiner Federn fliegt, ebenso auch ist ein Mönch zufrieden mit dem Gewande, das seinen Leib deckt, mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch wandert, nur damit versehn wandert er.

Durch die Erfüllung dieser heiligen Tugendsatzung empfindet er ein inneres fleckenloses Glück.

·        Erblickt er nun mit dem Gesichte eine Form, so fasst er keine Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmut, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigt er sich dieser Bewachung, er hütet das Gesicht, er wacht eifrig über das Gesicht.

·        Hört er nun mit dem Gehöre einen Ton, ...

·        Riecht er nun mit dem Geruche einen Duft, ...

·        Schmeckt er nun mit dem Geschmacke einen Saft, ...

·        Tastet er nun mit dem Getaste eine Tastung, ...

·        Erkennt er nun mit dem Gedenken ein Ding, so fasst er keine Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmut, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens verweilt, befleißigt er sich dieser Bewachung, er hütet das Gedenken, er wacht eifrig über das Gedenken.

Durch die Erfüllung dieser heiligen Sinnenzügelung empfindet er ein inneres ungetrübtes Glück.

Klar bewusst kommt er und geht er, klar bewusst blickt er hin, blickt er weg, klar bewusst regt und bewegt er sich, klar bewusst trägt er des Ordens Gewand und Almosenschale, klar bewusst isst und trinkt, kaut und schmeckt er, klar bewusst entleert er Kot und Harn, klar bewusst geht und steht und sitzt er, schläft er ein, wacht er auf, spricht er und schweigt er.

Treu dieser heiligen Tugendsatzung, treu dieser heiligen Sinnenzügelung, treu dieser heiligen klaren Einsicht sucht er einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene.

Nach dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, setzt er sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht.

1.     Er hat weltliche Begierde verworfen und verweilt begierdelosen Gemütes, von Begierde läutert er sein Herz.

2.     Gehässigkeit hat er verworfen, hasslosen Gemütes verweilt er, voll Liebe und Mitleid zu allen lebenden Wesen läutert er sein Herz von Gehässigkeit.

3.     Matte Müde hat er verworfen, von matter Müde ist er frei; das Licht liebend, einsichtig, klar bewusst, läutert er sein Herz von matter Müde.

4.     Stolzen Unmut hat er verworfen, er ist frei von Stolz; innig beruhigten Gemütes läutert er sein Herz von stolzem Unmut.

5.     Das Schwanken hat er verworfen, der Ungewissheit ist er entronnen; er zweifelt nicht am Guten, vom Schwanken läutert er sein Herz.

(1) Er hat nun diese fünf Hemmungen aufgehoben, hat die Schlacken des Gemütes kennengelernt, die lähmenden; gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen lebt er in sinnend gedenkender, ruhegeborener, seliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.'

(2) Denn ferner noch, Brâhmane: nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erwirkt der Mönch die innere Meeresstille, die Einheit des Gemütes, die von Sinnen, von Gedenken freie, in der Einigung geborene, selige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.'

(3) Denn ferner noch, Brâhmane: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch gleichmütig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: 'Der gleichmütig Einsichtige lebt beglückt'; so gewinnt er die Weihe der dritten Schauung.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.'

(4) Denn ferner noch, Brâhmane: nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erreicht der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmütig einsichtigen, vollkommenen Reine, die vierte Schauung.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft'.

(5) Solchen Gemütes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüt auf die erinnernde Erkenntnis früherer Daseinsformen. Er erinnert sich an manche verschiedene frühere Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. 'Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; da verschieden, trat ich hier wieder ins Dasein.' So erinnert er sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform, mit je den eigentümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.'

(6) Solchen Gemütes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüt auf die Erkenntnis des Verschwindens-Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, sieht er die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen je nach den Taten wiederkehren.'Diese lieben Wesen sind freilich in Taten dem Schlechten zugetan, in Worten dem Schlechten zugetan, in Gedanken dem Schlechten zugetan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, tun Verkehrtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Taten dem Guten zugetan, in Worten dem Guten zugetan, in Gedanken dem Guten zugetan, tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, tun Rechtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in selige Welt.' So sieht er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er kann erkennen, wie die Wesen je nach den Taten wiederkehren.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.'

(7) Solchen Gemütes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüt auf die Erkenntnis der Wahnversiegung.

1.     'Das ist das Leiden' erkennt er der Wahrheit gemäß.

2.     'Das ist die Leidensentwicklung' erkennt er der Wahrheit gemäß.

3.     'Das ist die Leidensauflösung' erkennt er der Wahrheit gemäß.

4.     'Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad' erkennt er der Wahrheit gemäß.

1.     'Das ist der Wahn' erkennt er der Wahrheit gemäß.

2.     'Das ist die Wahnentwicklung' erkennt er der Wahrheit gemäß.

3.     'Das ist die Wahnauflösung' erkennt er der Wahrheit gemäß.

4.     'Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad' erkennt er der Wahrheit gemäß.

Das aber wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Und auch hier ist der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft', aber er kommt nun zum Schlusse.

(8) Denn also erkennend, also sehend wird da sein Gemüt erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. 'Im Erlösten ist die Erlösung', diese Erkenntnis geht auf. 'Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketentum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt' versteht er da.

Das wird, Brâhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

Und hier ist nun, Brâhmane, der heilige Jünger zum Schlusse gekommen: 'Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgetan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.'

Und hier ist nun, Brâhmane, der Vergleich mit der Elefantenspur vollständig ausgeführt.»

Nach diesen Worten sprach der Brâhmane Jânussoni zum Erhabenen also:

«Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie etwa, o Gotamo, als ob einer Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsternis brächte: 'Wer Augen hat wird die Dinge sehn': ebenso auch hat Herr Gotamo die Lehre auf mannigfaltige Weise dargelegt. Und so nehm' ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft, als Anhänger möge mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.»"

[Die Reden Gotamo Buddhos aus der Mittleren Sammlung Majjhimanikâyo des Pâli-Kanons / zum erstenmal übersetzt von Karl Eugen Neumann. -- Zürich: Artemis,