Digha Nikaya

1. Der Teil über Moral

2. Der Große Teil

3. Der Teil des Patika

Vorwort

Digha Nikāya - Die Längere Sammlung  

16.3 Mahāparinibbāna Sutta


16.3.1 Maras letzte Heimsuchung (auch in A.viii.70)

 

Da hat denn der Erhabene eines Morgens sich gerüstet, Mantel und Schale genommen und den Weg nach Vesālī beschritten, um Almosenspeise. In der Stadt von Haus zu Haus tretend kehrte der Erhabene mit den erhaltenen Brocken zurück, nahm das Mahl ein, und wandte sich nun an den ehrwürdigen Ānando:

«Versieh dich, Ānando, mit der Sitzmatte: nach dem Pāvāler Baumfrieden, da wollen wir uns hinbegeben, bis gegen Abend dort verweilen[404].»

«Wohl, o Herr», sagte da gehorsam der ehrwürdige Ānando zum Erhabenen; und er versah sich mit der Sitzmatte und ging, dem Erhabenen rückwärts immer folgend, nach.

So begab sich denn der Erhabene nach dem Pāvāler Baumfrieden ihn und nahm, dort angelangt, auf dem vorbereiteten Sitze Platz. Der ehrwürdige Ānando aber verbeugte sich ehrerbietig vor dem Erhabenen und setzte sich beiseite nieder. An den ehrwürdigen Ānando, der da beiseite saß, wandte sich nun der Erhabene also:

Wer auch immer, Ānando, die vier Machtgebiete geübt, gepflegt, ausgeführt, ausgebildet, angewendet, durchgeprüft, durchaus entrichtet hat, der könnte, Ānando, wenn ihn danach verlangte, ein Weltalter (an anderer Stelle "volles Menschenalter", siehe A.VIII.70)  durch bestehen, oder bis zu Ende des Weltalters. Der Vollendete hat, Ānando, die vier Machtgebiete geübt, gepflegt, ausgeführt, ausgebildet, angewendet, durchgeprüft, durchaus entrichtet; bei Verlangen danach, Ānando, könnte der Vollendete ein Weltalter durch bestehen, oder bis zu Ende des Weltalters.»

Ob nun gleich also dem ehrwürdigen Ānando vom Erhabenen ein wichtiger Wink, ein wichtiger Hinweis gegeben war, hat er es nicht zu merken vermocht, hat nicht den Erhabenen gebeten: "Bestehen, o Herr, möge der Erhabene das Weltalter durch, bestehen möge der Willkommene das Weltalter durch, vielen zum Wohle, vielen zum Heile, aus Erbarmen zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen!", als wie da vom Bösen im Geiste umgarnt.

Ein zweites Mal aber, und ein drittes Mal hat der Erhabene sich also an den ehrwürdigen Ānando gewandt:

Wer auch immer, Ānando, die vier Machtgebiete geübt, gepflegt, ausgeführt, ausgebildet, angewendet, durchgeprüft, durchaus entrichtet hat, der könnte, Ānando, wenn ihn danach verlangte, ein Weltalter durch bestehen, oder bis zu Ende des Weltalters. Der Vollendete hat, Ānando, die vier Machtgebiete geübt, gepflegt, ausgeführt, ausgebildet, angewendet, durchgeprüft, durchaus entrichtet; bei Verlangen danach, Ānando, könnte der Vollendete ein Weltalter durch bestehen, oder bis zu Ende des Weltalters.»

Ob nun gleich also dem ehrwürdigen Ānando vom Erhabenen ein wichtiger Wink, ein wichtiger Hinweis gegeben war, hat er es nicht zu merken vermocht, hat nicht den Erhabenen gebeten: "Bestehen, o Herr, möge der Erhabene das Weltalter durch, bestehen möge der Willkommene das Weltalter durch, vielen zum Wohle, vielen zum Heile, aus Erbarmen zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen!", als wie da vom Bösen im Geiste umgarnt[406].

Da hat denn der Erhabene zum ehrwürdigen Ānando gesagt:

«Geh' hin, Ānando, wie es dir nun belieben mag.»

«Wohl, o Herr», sagte da gehorsam der ehrwürdige Ānando zum Erhabenen, stand vom Sitze auf, verbeugte sich ehrerbietig vor dem Erhabenen, ging rechts herum und setzte sich, nicht weit entfernt, an der Wurzel eines anderen Baumes nieder.

Da ist nun Māro der Böse, nicht lange nachdem der ehrwürdige Ānando gegangen war, zum Erhabenen herangekommen und beiseite gestanden. Beiseite stehend hat dann Māro der Böse zum Erhabenen also gesprochen:

«Erlöschen möge jetzt, o Herr, der Erhabene, erlöschen möge der Willkommene! Zur Erlöschung ist es jetzt Zeit, o Herr, für den Erhabenen. Verheißen hat ja einst, o Herr, der Erhabene die Worte: "Nicht eher werde ich, Böser, zur Erlöschung eingehen, solange Mönche bei mir nicht Jünger geworden sind, augenfällige, auserprobte, mit freiem Antlitz, in Sicherheit geborgen, vielerfahren, Hüter der Lehre, der Lehre lehrgemäß nachfolgend auf dem geraden Pfade vorschreiten werden und der Lehre gemäß wandelnd die eigene Meisterschaft erworben haben und anzuzeigen, aufzuweisen, darzulegen, darzustellen, zu enthüllen, zu entwickeln, offenbar zu machen vermögen, einen von anderen vorgebrachten Einwand mir Fug und Recht wohlabgewehrt abwehren können, gut erfaßbar die Lehre aufweisen werden[407]."

Heute nun aber sind, o Herr, Mönche des Erhabenen Jünger, augenfällige, auserprobte, mit freiem Antlitz, in Sicherheit geborgen, vielerfahren, Hüter der Lehre, der Lehre lehrgemäß nachfolgend schreiten sie auf dem geraden Pfade vor, haben der Lehre gemäß wandelnd die eigene Meisterschaft erworben und vermögen sie anzuzeigen, aufzuweisen, darzulegen, darzustellen, zu enthüllen, zu entwickeln, offenbar zu machen, können einen von anderen vorgebrachten Einwand mit Fug und Recht wohl abgewehrt abwehren, weisen gut erfaßbar die Lehre auf. Erlöschen möge jetzt, o Herr, der Erhabene, erlöschen möge der Willkommene!

Zur Erlöschung ist es jetzt Zeit, o Herr, für den Erhabenen. Verheißen hat ja einst, o Herr, der Erhabene die Worte: "Nicht eher werde ich, Böser, zur Erlöschung eingehn, solange Nonnen bei mir nicht Jüngerinnen geworden sind; solange Anhänger und Anhängerinnen bei mir keine Jünger geworden sind: augenfällige, auserprobte, mit freiem Antlitz, in Sicherheit geboren, viel erfahren, Hüter der Lehre, der Lehre lehrgemäß nachfolgend auf dem geraden Pfade vorschreiten werden und der Lehre gemäß wandelnd die eigene Meisterschaft erworben haben und anzuzeigen, aufzuweisen, darzulegen, darzustellen, zu enthüllen, zu entwickeln, offenbar zu machen vermögen, einen von anderen vorgebrachten Einwand mit Fug und Recht wohl abgewehrt abwehren können, gut erfaßbar die Lehre aufweisen werden." -

Heute nun aber sind, o Herr, Nonnen des Erhabenen Jüngerinnen; sind Anhänger und Anhängerinnen des Erhabenen Jünger: augenfällige, auserprobte, mit freiem Antlitz, in Sicherheit geborgen, viel erfahren, Hüter der Lehre, der Lehre lehrgemäß nachfolgend schreiten sie auf dem geraden Pfade vor, haben der Lehre gemäß wandelnd die eigene Meisterschaft erworben und vermögen sie anzuzeigen, aufzuweisen, darzulegen, darzustellen, zu enthüllen, zu entwickeln, offenbar zu machen, können einen von anderen vorgebrachten Einwand mit Fug und Recht wohl abgewehrt abwehren, weisen gut erfaßbar die Lehre auf. Erlöschen möge jetzt, o Herr, der Erhabene, erlöschen möge der Willkommene! Zur Erlöschung ist es jetzt Zeit, o Herr, für den Erhabenen.

«Verheißen hat ja einst, o Herr, der Erhabene die Worte: " Nicht eher werde ich, Böser, zur Erlöschung eingehn, solange da bei mir das Asketentum nicht mächtig wird aufgediehen sein, nach allen Seiten hin, unter vielem Volke verbreitet, jedem zugänglich, bis es eben den Menschen wohlbekannt geworden ist." Heute nun aber ist, o Herr, das Asketentum des Erhabenen mächtig aufgediehen, nach allen Seiten hin, unter vielem Volke verbreitet[408], jedem zugänglich, lange schon den Menschen wohlbekannt geworden. Erlöschen möge jetzt, o Herr, der Erhabene, erlöschen möge der Willkommene! Zur Erlöschung ist es jetzt Zeit, o Herr, für den Erhabenen.»

Also angegangen hat der Erhabene zu Māro dem Bösen da gesagt:

«Sei du unbesorgt. Böser, binnen kurzem wird es mit dem Vollendeten zur Erlöschung kommen heute über drei Monate wird der Vollendete zur Erlöschung eingehen.»


16.3.2 Buddha gibt das Lebensprinzip auf

Da hat denn der Erhabene am Pāvāler Baumfrieden klar und wohl bewußt den Dauergedanken entlassen.

Mit dem Entlassen des Dauergedankens durch den Erhabenen war aber ein gewaltiges Zittern über die Erde gegangen, ein Erschauern und ein Erschaudern, und der Wolken rollende Donner dröhnten dahin. Da ließ nun der Erhabene, bei solchem Anblick eben dazumal tief aufatmend, dies verlauten:  

 

«Gemein und ungemein, was geworden ist, 
Gedanken an Dasein entlassen hat der Mönch: 
In sich beseligt, innig geeint, 
Zerriß wie ein Panzerhemd er den Selbstbestand[409].» 

 


16.3.3 Die acht Ursachen eines Erdbebens

Alsbald aber sagte sich da der ehrwürdige Ānando: "Erstaunlich, fürwahr, außerordentlich, fürwahr! Ein gewaltiges Zittern war es über die Erde, ein ganz gewaltiges Zittern über die Erde war's, ein Erschauern und ein Erschaudern, und der Wolken rollende Donner dröhnten dahin. Was mag wohl der Anlaß, was der Umstand sein, daß ein gewaltiges Zittern über die Erde zur Erscheinung kam?" Da begab sich denn der ehrwürdige Ānando zum Erhabenen hin, verbeugte sich vor dem Erhabenen ehrerbietig und setzte sich beiseite nieder. Beiseite sitzend sprach nun der ehrwürdige Ānando zum Erhabenen also:

«Erstaunlich, o Herr, außerordentlich, o Herr: ein gewaltiges Zittern, o Herr, ist über die Erde gegangen, ein ganz gewaltiges Zittern, o Herr, über die Erde war's, ein Erschauern und ein Erschaudern, und der Wolken rollende Donner dröhnten dahin. Was mag wohl, o Herr, der Anlaß, was der Umstand sein, daß ein gewaltiges Zittern über die Erde zur Erscheinung kam?»

"Acht Anlässe gibt es, Ānando, acht Umstände, daß ein gewaltiges Zittern über die Erde zur Erscheinung kommt: und welche acht?

  1. Diese große Erde, Ānando, hat ihren Bestand im Wasser, das Wasser hat seinen Bestand im Winde, der Wind hat seinen Bestand im Raume. Zu einer Zeit nun, Ānando, wo gewaltige Winde wehen, lassen die gewaltigen Winde mit ihrem Wehen das Wasser erbeben: und erbebt das Wasser, erbebt die Erde. Das ist der erste Anlaß, der erste Umstand, daß ein gewaltiges Zittern über die Erde zur Erscheinung kommt.
  2. «Ferner aber, Ānando, ist da ein Asket oder ein Priester, der ist machtvoll, hat die Herrschaft über seinen Geist, oder ein Gott, hochmächtig, hochgewaltig; der hat die Vorstellung "Erde" mäßig entwickelt, unermeßlich die Vorstellung "Wasser": so macht er diese Erde beben und erbeben, wanken und schwanken. Das ist der zweite Anlaß, der zweite Umstand, daß ein gewaltiges zittern über die Erde zur Erscheinung kommt[410].
  3. «Ferner aber, Ānando: wann der Erwachsame aus Seliger Gestalt hinweggeschwunden klar bewußt in den Leib der Mutter herabkommt, dann gerät diese Erde in Beben und Erbeben, in Wanken und Schwanken. Das ist der dritte Anlaß, der dritte Umstand, daß ein gewaltiges Zittern über die Erde zur Erscheinung kommt.
  4. «Ferner aber, Ānando wann der Erwachsame klar bewußt aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, dann gerät diese Erde in Beben und Erbeben, in Wanken und Schwanken. Das ist der vierte Anlaß, der vierte Umstand, daß ein gewaltiges Zittern über die Erde zur Erscheinung kommt.
  5. «Ferner aber, Ānando: wann der Vollendete in der unvergleichlichen vollkommenen Erwachung auferwacht, dann gerät diese Erde in Beben und Erbeben, in Wanken und Schwanken. Das ist der fünfte Anlaß, der fünfte Umstand, daß ein gewaltiges Zittern über die Erde zur Erscheinung kommt.
  6. «Ferner aber, Ānando: wann der Vollendete das unvergleichliche Reich der Wahrheit darstellt, dann gerät diese Erde in Beben und Erbeben, in Wanken und Schwanken. Das ist der sechste Anlaß, der sechste Umstand, daß ein gewaltiges Zittern über die Erde zur Erscheinung kommt.
  7. «Ferner aber, Ānando: wann der Vollendete klar bewußt den Dauergedanken entläßt, dann gerät diese Erde in Beben und Erbeben, in Wanken und Schwanken. Das ist der siebente Anlaß, der siebente Umstand, daß ein gewaltiges Zittern über die Erde zur Erscheinung kommt.
  8. «Ferner aber, Ānando: wann der Vollendete in der ohne Hangen verbliebenen Art der Erlöschung zu erlöschen kommt, dann gerät diese Erde in Beben und Erbeben, in Wanken und Schwanken. Das ist der achte Anlaß, der achte Umstand, daß ein gewaltiges Zittern über die Erde zur Erscheinung kommt[411].

 

Das sind, Ānando, die acht Anlässe, acht Umstände, daß ein gewaltiges Zittern über die Erde zur Erscheinung kommt.


16.3.4 Die acht Versammlungen

«Acht gibt es, Ānando, der Versammlungen: und was für acht?

  1. Die Versammlung der Krieger,
  2. die Versammlung der Priester,
  3. die Versammlung der Bürger,
  4. die Versammlung der Asketen,
  5. die Versammlung der Götter der vier Gegenden,
  6. die Versammlung der Götter der Dreiunddreißig,
  7. die Versammlung der sinnlichen Götter und
  8. die Versammlung der heiligen Götter.

«Nun weiß ich wohl, Ānando, daß ich eine Versammlung von etlichen hundert Kriegern besucht habe. Da hab' ich denn zuerst eben Platz genommen, zuerst die Unterredung eröffnet und zuerst die Unterhaltung in Gang gebracht. Welche Miene dort nun jene zeigten, solche Miene zeigte ich; welchen Ton jene angaben, solchen Ton gab ich an, und in lehrreichem Gespräche ermunterte, ermutigte, erregte und erheiterte ich. Während ich aber sprach, kannte mich keiner. "Wer ist es nur, der da redet, ein Gott oder ein Mensch?", sagte man. Als ich aber in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermutigt, erregt und erheitert hatte, schwand ich von dannen; und auch mich Entschwundenen kannte keiner. "Wer war es nur, der da entschwunden ist, ein Gott oder ein Mensch?", sagte man. -

Auch weiß ich wohl, Ānando,

Da hab' ich denn zuerst eben Platz genommen, zuerst die Unterredung eröffnet und zuerst die Unterhaltung in Gang gebracht. Welche Miene dort nun jene zeigten, solche Miene zeigte ich; welchen Ton jene angaben, solchen Ton gab ich an, und in lehrreichem Gespräche ermunterte, ermutigte, erregte und erheiterte ich. Während ich aber sprach, kannte mich keiner. "Wer ist es nur, der da redet, ein Gott oder ein Mensch?", sagte man. Als ich aber in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermutigt, erregt und erheitert hatte, schwand ich von dannen; und auch mich Entschwundenen kannte keiner. "Wer war es nur, der da entschwunden ist, ein Gott oder ein Mensch?" sagte man. -

Das sind,