Anguttara Nikaya, 5. Buch

15. Kapitel: 5. Tikaṇḍakī Vagga - (Pali)

A.V.141 Fünferlei Menschen I - 1. Avajānāti Sutta

Fünf Menschen, ihr Mönche, sind in der Welt anzutreffen. Welche fünf?

  1. Der eine empfindet Verachtung, weil er der Geber ist;
  2. der eine empfindet Verachtung wegen des Zusammenlebens;
  3. der eine ist leichtgläubig,
  4. der eine wankelmütig,
  5. der eine dumm und töricht.

Inwiefern aber, ihr Mönche, empfindet einer Verachtung, weil er der Geber ist? Da gibt einer einem anderen Gewand, Almosenspeise, Lagerstatt und die nötigen Heilmittel und Arzneien. Und er denkt: 'Ich bin der Geber, jener der Empfänger.' Und infolge seines Gebens verachtet er jenen. So empfindet einer Verachtung, weil er der Geber ist.

Inwiefern aber empfindet einer Verachtung wegen des Zusammenlebens? Da lebt einer mit einem anderen zwei oder drei Jahre zusammen, und infolge des Zusammenlebens verachtet er jenen. (Vergl. Sn 335) So empfindet einer Verachtung wegen des Zusammenlebens.

Inwiefern aber ist einer leichtgläubig? Da ist einer gar schnell bereit, Glauben zu schenken, sobald man einen anderen lobt oder tadelt. Insofern ist einer leichtgläubig.

Inwiefern aber ist einer wankelmütig? Da besitzt einer wenig Vertrauen, wenig Hingabe, wenig Liebe, wenig Glauben. Insofern ist einer wankelmütig.

Inwiefern aber ist einer dumm und töricht? Da kennt einer weder die heilsamen Dinge noch die unheilsamen, weder die tadelnswerten Dinge noch die untadeligen, weder die gemeinen Dinge noch die edlen, noch die Dinge mit Licht- und Schattenseiten. Insofern ist einer dumm und töricht.

Diese fünf Menschen, ihr Mönche, sind in der Welt anzutreffen.


A.V.142 Fünferlei Menschen II - 2. Ārabhati Sutta

Fünf Menschen, ihr Mönche, sind in der Welt anzutreffen. Welche fünf?

Da, ihr Mönche, vergeht sich einer [gegen die Ordenssatzung] und macht sich Gewissensbisse (*1); und er kennt nicht der Wirklichkeit gemäß jene Gemütserlösung und Weisheitserlösung, wodurch ihm die aufgestiegenen üblen, unheilsamen Dinge restlos schwinden.

Da vergeht sich einer, aber macht sich [späterhin] keine Gewissensbisse (*2) mehr; doch er kennt nicht der Wirklichkeit gemäß jene Gemütserlösung und Weisheitserlösung, wodurch ihm die aufgestiegenen üblen, unheilsamen Dinge restlos schwinden.

Da vergeht sich einer nicht, doch er macht sich Gewissensbisse (*3); und er kennt nicht der Wirklichkeit gemäß jene Gemütserlösung und Weisheitserlösung, wodurch ihm die aufgestiegenen üblen, unheilsamen Dinge restlos schwinden.

Da vergeht sich einer nicht und macht sich auch keine Gewissensbisse; doch er kennt nicht der Wirklichkeit gemäß jene Gemütserlösung und Weisheitserlösung, wodurch ihm die aufgestiegenen üblen, unheilsamen Dinge restlos schwinden.

Da vergeht sich einer nicht und macht sich keine Gewissensbisse; und er erkennt der Wirklichkeit gemäß jene Gemütserlösung und Weisheitserlösung, wodurch ihm die aufgestiegenen üblen, unheilsamen Dinge restlos schwinden.

Hier nun ist der erste Mensch also zu belehren: 'Es bestehen da im Verehrten die durch sein Vergehen entstandenen Triebe (*4), und die durch Gewissensbisse entstandenen Triebe wachsen an. Gut wäre es, wollte der Verehrte die durch sein Vergehen entstandenen Triebe überwinden (*5), die durch Gewissensbisse entstandenen Triebe vertreiben und alsdann seinen Geist und seine Weisheit entfalten (*6). Dann würde der Verehrte jenem fünften Menschen ganz gleich werden.'

Der zweite Mensch, ihr Mönche, ist also zu belehren: 'Es bestehen da im Verehrten die durch sein Vergehen entstandenen Triebe, doch keine durch Gewissensbisse entstandene Triebe wachsen an. Gut wäre es, wollte der Verehrte die durch sein Vergehen entstandenen Triebe überwinden und dann seinen Geist und seine Weisheit entfalten. Dann würde der Verehrte jenem fünften Menschen ganz gleich werden.'

Der dritte Mensch, ihr Mönche, ist also zu belehren: 'Es bestehen da im Verehrten keine durch Vergehen entstandenen Triebe, doch die durch Gewissensbisse entstandenen Triebe wachsen an. Gut wäre es, wollte der Verehrte die durch Gewissensbisse entstandenen Triebe vertreiben (*7) und dann seinen Geist und seine Weisheit entfalten. Dann würde der Verehrte jenem fünften Menschen ganz gleich werden.'

Der vierte Mensch, ihr Mönche, ist also zu belehren: 'Es bestehen da im Verehrten weder durch Vergehen entstandene Triebe, noch durch Gewissensbisse entstandene Triebe. Gut wäre es, wollte der Verehrte seinen Geist und seine Weisheit entfalten. Dann würde der Verehrte jenem fünften Menschen ganz gleich werden.'

So, ihr Mönche, erreichen dann diese vier Menschen, durch jenen fünften Menschen also ermahnt, also belehrt, allmählich die Vesiegung der Triebe.


(*1) Weil er nicht pflichtgemäß seine Vergehen gegen die Ordensregeln bekannt und sich der entsprechenden Sühne unterzogen hat (s. pātimokkha).

(*2) Weil er es bekannt und Sühne getan hat.

(*3) K: Nachdem er ein Vergehen bekannt und Sühne dafür getan hat, begeht er wohl kein Vergehen mehr, doch vermag sich nicht seiner Gewissensbisse hinsichtlich des früheren Vergehens zu entledigen.

(*4) āsava; hier wohl allgemein als unheilsame Geisteszustände zu verstehen.

(*5) K: dadurch, daß er sein Vergehen bekennt und es sühnt (wtl: sich daraus erhebt).

(*6) Geistesruhe und Hellblick (samatha-vipassanā).

(*7) Dadurch, daß er seine Schuldlosigkeit erwägt.


A.V.143 Die fünf Ideale - 3. Sārandada Sutta

Einst weilte der Erhabene im Großen Walde bei Vesāli, in der Halle des Giebelhauses. Und der Erhabene kleidete sich in der Frühe an, und, mit Gewand und Schale versehen, begab er sich nach Vesāli um Almosenspeise. Zu jener Zeit nun saßen da gerade fünfhundert Licchavier beim Sārandada-Schreine beisammen, und folgendes Gespräch entspann sich da unter ihnen: »Selten finden sich in der Welt die fünf idealen Dinge (wtl: Juwelen, ratana). Welche fünf? Ein idealer Elefant, ein ideales Roß, ein idealer Edelstein, eine ideale Frau und ein idealer Bürger.«

Und jene Licchavier schickten einen Mann auf die Straße mit dem Auftrage: »Sobald du den Erhabenen herankommen siehst, sage es uns.« Als nun jener Mann den Erhabenen von fern herankommen sah, ging er zu den Liccaviern und sprach: »Dort, ihr Herren, kommt jener Erhabene, Heilige, vollkommen Erleuchtete. Wie es euch nun belieben mag.« Darauf gingen jene Licchavier dem Erhabenen entgegen, begrüßten ihn ehrerbietig, und, zu seiner Seite stehend, sprachen sie zu ihm: »Gut wäre es, o Herr, wollte der Erhabene sich zum Sārandada-Schrein begeben, von Mitleid bewogen!« Schweigend willigte der Erhabene ein und begab sich zum Sārandada-Schrein. Dort angelangt, setzte er sich auf dem angebotenen Sitze nieder und sprach zu den Licchaviern:

»Bei welchem Gespräch, Licchavier, saßet ihr beisammen? Was war das Gespräch, das ihr abgebrochen habt?« -

»Als wir da, o Herr, hier beim Sārandada-Schrein beisammen saßen, entspann sich unter uns folgendes Gespräch: 'Selten finden sich in der Welt die fünf idealen Dinge. Welche fünf? Ein idealer Elefant, ein ideales Roß, ein idealer Edelstein, eine ideale Frau und ein idealer Bürger.'« -

»Freilich, unter den den weltlichen Wünschen hingegebenen Licchaviern hat sich eben ein ihren weltlichen Wünschen entsprechendes Gespräch entsponnen.

Fünf Ideale, ihr Licchavier, finden sich selten in der Welt. Welche fünf?

  1. Selten zeigt sich in der Welt ein Vollendeter, ein Heiliger, vollkommen Erleuchteter.
  2. Selten zeigt sich in der Welt ein Verkünder der vom Vollendeten gewiesenen Lehre und Zucht.
  3. Selten zeigt sich einer in der Welt, der bei der Verkündigung der vom Vollendeten gewiesenen Lehre und Zucht Verständnis erlangt.
  4. Selten zeigt sich einer in der Welt, der, die Verkündung der vom Vollendeten gewiesenen Lehre und Zucht verstehend, im Sinne der Lehre lebt.
  5. Selten findet sich in der Welt ein dankbarer, erkenntlicher Mensch.

Diese fünf Ideale, ihr Liccavier, finden sich selten in der Welt.«


A.V.144 Die Betrachtung über Widerliches und Nichwiderliches - 4. Tikaṇḍakī Sutta

(Im Tikandaki-Walde bei Sāketa.)

Gut ist es, ihr Mönche, wenn der Mönch von Zeit zu Zeit Nichtwiderliches als widerlich betrachtet (*1); wenn er Widerliches als nicht widerlich betrachtet (*2); wenn er Nichtwiderliches und Widerliches als widerlich betrachtet; wenn er Widerliches und Nichtwiderliches als nicht widerlich betrachtet; wenn er beides, Widerliches und Nichtwiderliches (*3), verwerfend, gleichmütig verweilt, achtsam und wissensklar.

Aus welchem Beweggrund aber, ihr Mönche, mag der Mönch Nichtwiderliches als widerlich betrachten? Damit ihm bei den giererregenden Dingen keine Gier aufsteige. Aus welchem Beweggrund aber mag er Widerliches als nichtwiderlich betrachten? Damit ihm bei den haßerregenden Dingen kein Haß aufsteige.

Aus welchem Beweggrund aber mag er Nichtwiderliches und Widerliches als widerlich betrachten? Damit ihm bei den giererregenden Dingen keine Gier und bei den haßerregenden Dingen kein Haß aufsteige.

Aus welchem Beweggrund aber mag er Widerliches und Nichtwiderliches als nicht widerlich betrachten? Damit ihm bei den haßerregenden Dingen kein Haß und bei den giererregenden Dingen keine Gier aufsteige.

Aus welchem Beweggrund aber mag er beides, Widerliches und Nichtwiderliches, verwerfend, gleichmütig verweilen, achtsam und wissensklar? Damit ihm bei keiner Gelegenenheit, nirgends, irgendwie, bei den giererregenden Dingen Gier aufsteige, bei den haßerregenden Dingen Haß aufsteige und bei den verblendenden Dingen Verblendung aufsteige.


(*1) Den Gegenstand nämlich, der seine Begier reizen möchte - z.B. den weiblichen Körper, schmackhafte Speise usw. - betrachtet er als unrein, vergänglich und widerlich und er vergegenwärtig sich die einzelnen Teile, aus denen sich der Körper oder Gegenstand zusammensetzt; und so verhindert er das Aufsteigen der sinnlichen Begierde.

(*2) Den Gegenstand oder die Person, die Mißmut, Groll, Haß oder Rache in ihm erwecken könnte, durchstrahlt er mit Liebe, Mitleid und Wohlwollen und verhindert so das Aufsteigen einer Vorstellung des Widerlichen oder der Abneigung.

(*3) D.h. beide Betrachtungsweisen. - Diese fünf Betrachtungsweisen werden als ariya-iddhi, die 'heilige Magie' oder 'Macht der Heiligen', bezeichnet. Vgl. Nyanaponika, Der einzige Weg (Verlag Christiani, Konstanz), Anm. 38; VisM 437.


A.V.145 Die fünf Sittenregeln - 5. Niraya Sutta

Bei wem, ihr Mönche, fünf Dinge anzutreffen sind, der verfällt, wie er sich's erwirkt, der Hölle. Welches sind diese fünf Dinge?

  1. Er bringt Lebendiges um,
  2. er nimmt Nichtgegebenes,
  3. er vergeht sich geschlechtlich,
  4. er lügt und
  5. nimmt Rauschmittel zu sich.

Bei wem, ihr Mönche, fünf Dinge anzutreffen sind, der gelangt, wie er sich's erwirkt, in himmlisches Dasein. Welches sind diese fünf Dinge?

Er enthält sich der Lebensberaubung, enthält sich des Nehmens von Nichtgegebenem, enthält sich geschlechtlicher Vergehen, enthält sich des Lügens, enthält sich des Genusses von Rauschmitteln.


A.V.146 Würdige und unwürdige Freundschaft - 6. Mitta Sutta

Mit einem Mönche, bei dem fünf Dinge anzutreffen sind, ihr Mönche, mit dem sollte man keine Freundschaft pflegen? Welches sind diese fünf Dinge?

(Hier folgt die Umkehrung.)


A.V.147 Rechtes und verkehrtes Geben - 7. Asappurisadāna Sutta

Auf fünffache Weise, ihr Mönche, gibt der schlechte Mensch Gaben: 

Auf fünffache Weise, ihr Mönche, gibt der gute Mensch Gaben:


A.V.148 Rechtes Geben - 8. Sappurisadāna Sutta

Auf fünffache Weise, ihr Mönche, gibt der gute Mensch Gaben:

Wer, ihr Mönche, voll Vertrauen eine Gabe gibt, der ist, wo immer diese Gabe Früchte bringt (*1), reich, hochbegütert, hochvermögend und ist von schöner Gestalt, von gefälligem Äußeren, voll Anmut und edler Erscheinung.

Wer voll Eifer eine Gabe gibt, der ist, wo immer diese Gabe Früchte bringt, reich, hochbegütert, hochvermögend; unt seine Frauen und Kinder sowie seine Knechte, Diener und Arbeiter hören auf ihn, gehorchen ihm, leihen ihm Gehör und richten ihren Sinn darauf, ihm mit Verständnis [zu Diensten zu sein].

Wer zur rechten Zeit eine Gabe gibt, der ist, wo immer diese Gabe Früchte bringt, reich, hochbegütert, hochvermögend; und rechtzeitig (*2) gelangt er in den Besitz von reichlichen Gütern.

Wer freigebigen Herzens eine Gabe gibt, der ist, wo immer diese Gabe Früchte bringt, reich, hochbegütert, hochvermögend; und zum Genusse erlesener fünf Sinnenfreuden ist sein Herz geneigt.

Wer, ohne sich und anderen zu schaden, eine Gabe gibt, der ist, wo immer auch diese Gabe Früchte bringt, reich, hochbegütert, hochvermögend; und durch nichts kann sein Besitz zu Schaden kommen, weder durch Feuer, Wasser, Fürsten, Räuber noch durch lieblose Erben.

Auf diese fünffache Weise, ihr Mönche, gibt der gute Mensch Gaben.


(*1) D.h. in welcher Daseinsform auch immer er infolge seiner Gaben wiedergeboren wird.

(*2) K: d.h. nicht erst im Alter.


A.V.149-150 Nachteilig und förderlich I-II - 9-10. Paṭhama-, Dutiya-samayavimutta Sutta

Fünf Dinge, ihr Mönche, gereichen dem 'zeitweilig befreiten' (*1) Mönch zum Nachteil. Welche fünf?

(149a)

(150a)

Fünf Dinge, ihr Mönche, gereichen dem 'zeitweilig befreiten' Mönche zur Förderung. Welche fünf?

(149b)

(150b)


(*1) D.h. dem zeitweise die Vertiefungen Erreichenden; vgl. Pug. I; Snp. 54 u. Anm.


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